Makame.

[245] In einem Lande da war ein Sultan und reiche und arme Leute. Die Leute feierten das Fest der Beschneidung der Kinder, sowohl der reichen als der armen. Jeder, der einen Sohn hatte, liess ihn beschneiden. Als der Tag kam, an dem die Kinder die Folgen der Beschneidung überwunden hatten, da nähte jeder ein Gewand für seinen Sohn.

Ein Armer war da, der besass gar nichts; und er sprach zu seiner Frau: »Geh' in jedes Haus und bitte um Feuer, und wenn Du einen alten, verbrauchten[245] Lappen siehst, so nimm ihn mit, damit wir unserm Sohne mit unsern ärmlichen Mitteln ein Gewand nähen.« Demzufolge bettelte die Frau in jedem Hause um Feuer, und wenn sie einen Fetzen Zeug sah, so nahm sie ihn. Der Mann nähte, bis er das Gewand seines Sohnes fertig hatte. Der Name seines Sohnes war Makame.

Als die Kinder endlich aus ihrem Versteck1 hervorgeholt wurden, wurden sie entlassen, und als Makame herauskam mit seinem Gewand aus alten Lappen, da sprach er zu seinem Vater und seiner Mutter: »Ich möchte, dass Ihr mir, Eurem Sohne, Erlaubnis gebet, dass ich das Land durchstreife und weit fortgehe, um dann, wenn ich etwas erworben habe, wiederzukommen und Euch, Vater und Mutter, Nutzen zu bringen oder zu Grunde zu gehen und dort zu sterben, wohin ich komme.« Er bekam die Erlaubnis von seinem Vater und seiner Mutter und machte sich auf den Weg. Seine Nahrung unterwegs war Brei von Hirse und geröstete Maiskolben. Als er nun weiter kam auf seinem Wege, erblickte er einen Mann, so lang wie eine Kokospalme, dem folgte er. Und die beiden Leute näherten sich, und als sie einander trafen, waren sie beide gleich gross. Makame sprach: »Friede sei mit Dir«, und sein Gefährte antwortete: »Friede auch Dir.«

Makame fragte ihn: »Wie heisst Du?« und er antwortete: »Ich bin Mweza Nyayo pasi Yayo2 und wer bist Du?« Er antwortete: »Ich bin Makame.« Jener sprach nun zu Makame: »Soll ich Dir folgen,[246] wohin Du gehst?« Makame antwortete: »Wohlan, folge mir«; und sie gingen weiter. Als sie weiterkamen, erblickten sie einen andern, der so gross war wie eine Kokospalme; und als sie näher herankamen, waren sie ebenso gross. Makame rief ihm seinen Gruss zu und erhielt die Antwort: »Gruss auch Dir.« Er fragte ihn: »Wer bist Du?« Er antwortete: »Ich bin Mfufua Moto pasi Moto3; und wer bist Du?« Makame sprach: »Ich bin Makame.« Und jener Mfufua Moto pasi Moto sagte: »Soll ich Dir folgen, Makame?« Er erwiderte: »Folge mir«; und sie gingen miteinander.

Sie wanderten, bis sie auf ihrem Weitermarsche wieder einen baumlangen Mann vor sich sahen. Als sie näherkamen, waren sie wieder ebenso gross. Makame gab ihm seinen Gruss, den er erwiderte. Und Makame fragte ihn: »Wer bist Du?« Er antwortete: »Ich bin Munda Chombo pasi Mbao4 und wer bist Du?« Makame sagte es ihm und sprach: »Folge mir.« So waren sie vier Leute; und sie gingen weiter, und ihre Speise war gerösteter Mais. Makame gab jenen drei Leuten von Zeit zu Zeit einen Maiskolben, aber sie assen nicht, nur Makame allein ass.

Und sie gingen, bis sie auf ihrem Weitermarsche ein Haus trafen, worin eine sehr alte Frau, ein altes Mütterchen, wohnte. Diese sprach zu Makame: »Wohin gehst Du?« Makame antwortete ihr: »Ich irre in der Welt umher in Armut, um etwas zu erwerben und mich dann niederzulassen und meinen Vater und meine Mutter zu unterstützen, oder zu sterben.« Und jene Frau fragte Makame: »Sind das von Anfang an Deine Reisegefährten?«[247] Er erwiderte: »Alle diese habe ich unterwegs getroffen, ich bin allein von Hause fortgegangen; die da habe ich erst unterwegs getroffen.« Sie sagte zu ihm: »Lass sie hier bei mir, ich will für sie ein wohlriechendes Kraut pflanzen; wenn Du da, wo Du hingehst, gesund und am Leben bleibst, wird auch das Reis gesund sein, bleibt das Reis nicht gesund, sondern stirbt dahin, so wirst auch Du sterben; wenn Du gestorben bist, werde ich es Deinen Leuten sagen und sie werden Dir nachgehen dahin, wo Du gestorben bist.« Makame rief sie und sagte zu ihnen: »Erwartet mich hier«, und sie willigten ein.

Dann ging Makame fort. Als er ein bis zwei Monate gegangen war, kam er in ein Land, wo keine Menschen waren; ein steinernes Haus stand da mit sieben Thüren. Makame ging in die erste Thür; kein Mensch war zu sehen, aber sehr viele Schätze, alle Arten Silber, Gold und sehr viele Kleider. Er ging hinaus und kam in die zweite Thür; da waren grosse Schätze an Silber, Gold und sehr viele Kleider. Er ging fort und kam an die dritte Thür; da waren viele Schätze, Silber, Gold und viele Kleider. Er ging hinaus und kam an die vierte Thür; da waren grosse Schätze an Silber, Gold und Kleidern. Er ging fort und kam zu der fünften Thür, da waren grosse Schätze, viel Silber und Gold und viele Kleider. Er ging hinaus und kam an die sechste Thür; da waren grosse Schätze, Gold, viel Silber und viele Kleider. Er ging hinaus und kam zu der siebenten Thür; da war ein Mensch – eine Frau ganz allein.

Als die Frau den Mann erblickte, wollte es ihr das Herz zerreissen, und sie schlug sich an die Brust beim Anblick eines Mitmenschen. Makame fragte die Frau: »Wie kommt es, dass Du allein bist und kein Mensch[248] zu sehen ist ausser Dir?« Die Frau antwortete Makame: »Ich empfinde Mitleid um Dich.« Er fragte: »Weshalb denn?« Die Frau antwortete ihm: »Diese Stadt hatte viele Bewohner, Frauen und Männer mit ihren Kindern, sie sind alle von einer Schlange gefressen worden, nur mich hat sie verschont, weil ich für sie Essen bereiten muss; sie frisst für sich allein zwanzig Töpfe Fleisch. Du wirst sie heute Abend hier sehen, wenn sie kommt, um ihr Essen zu suchen.«

Als der Nachmittag kam, verwandelte sich Makame in eine Katze. Und es kam eine grosse Schlange um die neunte Stunde in's Haus und blieb bis sie um die zwölfte Stunde ihr Essen beendet hatte. Sie frass zwanzig Töpfe Reis und zwanzig Töpfe Sauce und trank Gefässe voll Wasser. Dann schlief sie bis elf Uhr nachts, verliess das Haus und ging für ihren weiteren Unterhalt zu sorgen.

Nun verwandelte sich Makame wieder in einen Menschen. Die Frau bereitete ihm Speise, holte Palmwein und Öl und stellte alles zurecht. Als Makame gegessen hatte, salbte ihn die Frau mit den Ölen ein, denn nur sie beide waren in der Stadt, niemand sonst, nur die beiden.

Um acht Uhr bereitete dann die Frau für die Schlange wieder zwanzig Töpfe Reis und Sauce, und um neun Uhr morgens kam die Schlange in's Haus. Als sie sich dem Hause näherte, sprach sie: »Ich rieche Menschenfleisch.« Die Frau antwortete der Schlange: »Das sind alle die Menschen, die Du gefressen hast; mich hast Du geschont, um für Dich zu kochen, und jetzt willst Du wohl auch mich fressen. Komm und friss mich und lass Dein Herz sich freuen.« Aber sie konnte sie nicht fressen. Und jener Makame war bewandert im[249] Koran; er wusste sich zu verstecken, und er versteckte sich. Schliesslich verliess die Schlange das Haus um elf Uhr nachts und ging aus zu rauben; und auf dem Wege, den sie nahm, knickte sie die Bäume infolge ihres Umfangs.

Um neun Uhr morgens kam die Schlange wieder. Als sie am Hause ankam, sprach sie: »Ich rieche Menschenfleisch.« Makame fragte die Frau: »Giebt es hier im Hause keine Waffen, die geeignet sind, diese Schlange zu töten?« Die Frau antwortete Makame: »Öffne die grosse Kiste, es sind Waffen darin; sieh' zu, ob sie Dir etwas nutzen.« Makame ging hin, öffnete die Kiste und erblickte viele Waffen. Er fand ein kleines Schwert, eine Elle lang und drei Frasila5 schwer. Dann sagte er zu der Frau: »Ein Schwert ist da, das wird die Schlange töten.« Die Frau erwiderte: »Gieb ihr nur einen Streich, nicht zwei; wenn Du zweimal schlägst, wird sie nicht sterben.«

Die Schlange kehrte zurück und frass zwanzig Töpfe und anderes dazu und schlief dann. Als sie in Schlaf gesunken war, folgte Makame ihr und versetzte ihr einen Streich. Und die Frau hielt Makame fest, um ihn zu hindern noch einmal zuschlagen. Die Schlange sprach: »Schlagt mich noch einmal;« aber die Frau sagte zu Makame: »Geh' nicht wieder hin, lass sie, dieser eine Schlag wird für sie genügen.« Die Schlange starb und sie verschlossen die Thür.

Sie blieben nun im Hause wohnen. Makame gedieh in der Müsse des Reichtums, und auch jenes Reis gedieh dort im Hause der alten Frau bei jenen drei Leuten Mweza Nyayo pasi Yayo, Mfufua Moto pasi[250] Moto und Munda Chombo pasi Mbao. Schliesslich sprach jene Frau, die bei Makame war, zu ihm: »Ich weiss, es wird eine Frau herkommen; wenn sie kommt, töte sie, sie meint es nicht gut mit Dir.« Dieselbe kam; jedoch tötete Makame sie nicht, sondern schickte sie weg. Sie zog ihres Weges und kehrte zurück in das Land ihres Sultans.

Als sie dort ankam, ging sie zum Sultan und sprach zu ihm: »Ich habe eine sehr schöne Frau gesehen, mit schönem Fuss und hübschem Gesicht.« Der Sultan glaubte es nicht und sprach zu seinen Soldaten: »Schlagt das Weib«; und die Frau wurde geschlagen. Darauf sprach sie zum Sultan: »Ich will wieder hingehen und ein Merkmal von ihr holen und es Dir bringen, damit Du es Dir ansiehst.«

Die Frau, die bei Makame war, sagte zu ihm: »Die Frau wird wieder dieses Weges kommen, wenn sie kommt, so töte sie.« Bald darauf kam die Frau zum zweitenmal. Als sie kam, liess sie Makame gehen, ohne sie zu töten. Und sie sprach zu jener Frau, des Makame Gefährtin: »Bringe Öl und Fett, dass ich Dich einsalbe.« Das Öl wurde gebracht und sie rieb sie ein. Die Überreste nahm sie als Merkmal zu sich und versteckte sie. Dann wurden ihr Sachen mitgegeben und sie ging fort. Makame entliess sie ohne sie zu töten.

Als sie zu Hause ankam, gab sie dem Sultan jenes Merkmal, und als er es sah, sprach er: »Wahrlich, die Frau ist wirklich schön.« Dann rüstete er sich zum Kriege, um die Frau zu bekommen, die bei Makame war. Diese sah den Krieg kommen und sprach zu Makame: »Habe ich Dir nicht gesagt, Du mögest jene Frau, die neulich kam, tötend Du hast sie gehen lassen, jetzt kommt sie mit Krieg.« Makame sprach: »Lass[251] den Krieg kommen.« Und er kam. Da schlug sich Makame mit ihnen, besiegte sie und liess nur einen übrig, dem er die Hand abschlug. Zu dem sprach er: »Sage dem Sultan, es sollen andere kommen.« Er lief zurück und der Sultan rüstete sich wieder. Sie kamen, Makame schlug sich mit ihnen, besiegte sie und liess einen übrig. Dem schnitt er ein Ohr ab und sprach: »Sage dem Sultan, er möge andere herschicken.« Dieser lief zurück, um es dem Sultan zu sagen.

Als dem Sultan das gemeldet wurde, rief er die Frau: »Wie kommt es, dass die Leute besiegt werden? Was ist nun Dein Rat?« Die Frau antwortete dem Sultan: »Mein Rat ist der – die Leute sollen hingehen und dort, wo sie kämpfen, grosse Löcher graben; wenn sie dann kämpfen, wird er hineinfallen.« Sie gingen bei Nacht hin und gruben dreissig Löcher.

Und die Frau sprach zu Makame: »Heute halte Dein Pferd locker und zieh ihm die Zügel nicht zu sehr an.« Aber Makame folgte den Worten der Frau nicht, sondern zog dem Pferde die Zügel noch mehr an. Während des Kampfes drängte er an eine Grube hinan. Das Pferd wollte hinüberspringen, konnte aber nicht, weil er die Zügel zu straff anzog. Es fiel in das Loch hinein, das gegraben war; er kam mit dem Pferde noch weiter hinein, fiel ganz in die Grube, und sie wurden beide begraben. Darauf drangen jene vor in's Haus, um die Frau mit den Schätzen zu erlangen. Sie ergriffen dieselbe und die Schätze, nahmen sie mit und brachten sie zum Sultan, der den Krieg veranlasst hatte.

Und die Frau wohnte daselbst, ohne mit dem Sultan zu reden. Schliesslich lernte sie lesen und sie las in einem Buche von jenem wohlriechenden Reis dort bei[252] der alten Frau. Diese rief die drei Leute herbei. Als sie kamen, sagte das alte Mütterchen zu ihnen: »Das Reis ist am Dorren, was nun?« Und jene drei Leute befragten einander. Dann sprach Mweza Nyayo pasi Yayo zu seinen Genossen: »Folget mir«; und sie folgten ihrem Gefährten. Und sie machten fünfzehn Tagereisen bis zum Grabe Makames. Mweza Nyayo pasi Yayo sprach zu seinen Gefährten: »Makame liegt hier begraben.« Es kam nun die Reihe an Mfufua Moto pasi Moto und Munda Chombo pasi Mbao. Mfufua Moto pasi Moto sprach zu seinen Gefährten: »Schlafet bis zum Morgen«; und sie schliefen bis zum Morgen – da waren Makame und sein Pferd wieder lebendig. Und Munda Chombo pasi Mbao kam zuletzt und sprach zu seinen Gefährten: »Schlafet bis zum Morgen.« Als sie dann erwachten, war ein Schiff fertig. Sie luden sehr viele Schätze ein, ohne damit zu Ende zu kommen, und beluden das Schiff damit. Dann fuhren sie dahin, wo die Frau des Makame war, um sie zu holen.

Dort bei dem Sultan, wo sie war, erblickte sie ein Buch, sah hinein und sah, dass Makame wieder auferstanden war und dass er komme. Sie liess den Sultan der in der Moschee war, holen, und sandte jemand hin, ihn zu rufen. Die Frau hatte nicht mit dem Sultan sprechen können seit dem Tage, an dem sie gekommen war. Als nun der Sultan kam, sprach sie zu ihm: »Sultan, der Grund, dass ich Dich rufe, ist, Dir zu sagen, dass heute mein Bruder kommt; und Du wisse dies, darum habe ich Dich gerufen.« Der Sultan erwiderte: »Gut.«

Um neun Uhr kam nun das Schiff an. Sobald es im Hafen Anker geworfen hatte, waren die Fremden Gäste des Sultans. Nur die Frau wusste, dass heute ihr[253] Mann kommen würde; der Sultan wusste nicht, dass es der war, mit dem er gekämpft hatte.

Am Morgen bat nun die Frau um die Erlaubnis, hingehen zu dürfen, um den Fremden, ihren Bruder, zu begrüssen, der in Wirklichkeit ihr Mann war. Sie erhielt die Erlaubnis, und als sie am Strande ankam, wurde sie mit vielen Sklavinnen in ein Boot gebracht. Sobald sie auf dem Schiffe waren, hob dies den Anker. Als der Sultan von der Stadt aus sah, dass das Schiff den Anker lichtete, sprach er zu seinen Leuten: »Wie kommt es, dass das Schiff den Anker lichtet? Verfolgt es! Jedes Schiff, das im Hafen liegt, soll ihm folgen.« Aber Makame fuhr sehr schnell mit seinem Schiffe davon.

Als sie zu Hause im Hafen ankamen, da verwandelten sich jene seine Gefährten in Engel. Sie gingen davon und liessen Makame mit seinem Weibe, seinen Schätzen und seinem Schiffe allein. In seine Vaterstadt zurückgekehrt, traf er seinen Vater und seine Mutter wohlbehalten an, unterstützte sie reichlich und war der reichste Mann im Lande.

Die Erzählung ist hier zu Ende, und die Veranlassung war die Armut des Sohnes.

1

Bei den Suaheli wird der Knabe nach der Beschneidung 60 Tage lang an einen entlegenen Ort gebracht, damit die Frauen ihn nicht sehen. Nach der Heilung wird ein grosses Fest gefeiert.

2

Der den Spuren folgen kann, wo keine sind.

3

Der zum Leben auferwecken kann, wo kein Leben mehr ist.

4

Der ein Schiff bauen kann ohne Bretter.

5

1 Frasila = 35 Pfund engl.

Quelle:
Velten, C[arl]: Märchen und Erzählungen der Suaheli. Stuttgart/Berlin: W. Spemann, 1898, S. 245-254.
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