Drei Diebe.

Es waren drei Individuen im Fasching und die drei waren ohne Geld. Sie reden mit einander, wie es zu machen: »Es ist Fasching, Geld haben wir nicht, essen muss man.« Der eine sagt: »Ich sorge für Wein.« Der andere sagt: »Ich aber sorge für Hühner.« Der andere sagt: »Und ich sorge für Brod.«

Dieser macht sich auf mit einem Sack in der Hand und geht geradeaus zum Bäcker, aber er hatte drei Pfennige im Sack, um den Bäcker zu[302] betrügen. Er sagt zum Bäcker: »Schau doch das Buch an, denn mein Vater ist dir einen Rest schuldig geblieben.« Der Bäcker sagt zu ihm: »Mir ist dein Vater kein einziges Carà schuldig.« Er sagt zu ihm: »Er ist dir diese drei Heller schuldig gewesen, da er es mir im Testament hinterlassen, hat, denn der Vater ist mir gestern abends gestorben.« Der Bäcker nimmt von ihm die drei Heller, der schickt sich an aufzustehen. Der Bäcker sagt zu ihm: »Beeile dich nicht mit dem Weggehen, sitze und trinke einen Kaffee.« Er sagt zu ihm: »Ich habe keine Zeit zu sitzen, denn ich muss gehen, um bei dem andern Bäcker Brod zu holen.« Er sagt zu ihm: »Warum nimmst du das Brod nicht hier?« Der sagt ihm: »Ich habe ihn als alte Kundschaft.« Der Bäcker sagt zu ihm: »Auch ich bin alte Kundschaft deines Vaters.« Der sagt ihm: »So ist es zwar, aber ich habe nicht leicht das Geld heute und nachdem ich den Vater begrabe, dann bringe ich dir das Geld.« Der Bäcker sagt: »Wegen des Geldes macht es nichts, nimm Brod, so viel du brauchst und das Geld bring mir, wann du es willst.« Und der füllte den Sack mit Brod und ging nach Hause.

Der andere nahm einen Schlauch, füllte ihn zur Hälfte mit Wasser. Er geht in ein Gasthaus, sagt zum Wirt: »Gieb mir zehn Oka Wein.« Der Wirt nimmt das Mass und goss ihm 10 Oka Wein in den Schlauch. Er sagt zum Wirt: »Das Geld bringe ich dir morgen«, und der Wirt sagt zu ihm: »Ohne Geld thut es nicht.« – »Und wenn es nicht ohne Geld thut, nimm deine Sache.« Der Wirt nimmt und misst ihm 10 Oka Wein, so viel als er ihm hinein in den Schlauch gegossen hatte, und so geht er zu einem andern Wirt, sagt zu ihm: »Miss mir zehn Oka Wein!« Der Wirt misst ihm sie schnell, der sagt zu ihm: »Das Geld bringe ich dir morgen.« – »Ohne Geld«, sagt ihm der Wirt, »thut es nicht.« Und der sagt zu ihm: »Da es nicht ohne Geld thut, nimm deine Sache.« Der Wirt trennte den Wein, den er hinein gegossen hatte und so wurde ihm Wasser zu Wein. Er geht nach Hause mit dem Weinschlauch und der dritte geht, um Hühner zu kaufen.

Er findet eine Bäuerin, welche einen Korb mit Hühnern hatte. Er machte mit der Bäuerin den Preis und sagt zu ihr: »Komm mit mir, denn ich bin der Diener des Priesters und so lasst uns zusammen zum Priester gehen und ich werde dem Priester sagen, dass du die Besitzerin der Hühner bist und er wird dir das Geld für die Hühner geben.« Die beiden gehen zum Priester und finden den Priester beichtend. Der Hühnerdieb geht, sagt dem Priester ins Ohr: »Jene Frau ist so viele Jahre ohne zu beichten und anderes hat sie nicht im Sinn, ausser sie verlangt Geld und wenn du vermagst, ihr den Fehler, den sie hat, zu vertreiben und du machst eine grosse Gnade, die Seele zu gewinnen.« Der Priester sagt: »Ja, ja, thut nichts, denn ich beichte sie sogleich.« Er sagt zum Priester: »Herr, winke ihr mit der Hand, dass sie da bleibe!« und der Priester erhebt die Hand und winkt mit der Hand der Bäuerin, zu warten. Und der Dieb der Hühner ging zur Bäuerin, um die Hühner zu nehmen und sagt zur Bäuerin: »Bleibe und warte hier, denn gleich ruft dich der Priester und giebt dir das Geld.« Die Besitzerin der Hühner sagt zu ihm: »Ja, ja, ich bleibe hier, denn ich sah, dass mir der Priester mit der[303] Hand zuwinkte.« Der ging mit den Hühnern nach Hause und war guter Dinge.

Der Priester ruft die Bäuerin, die Bäuerin geht zum Priester. Der Priester sagt zu ihr: »Knie nieder!« Sie kniet nieder. Der Priester sagt zu ihr: »Mache ein Kreuz!« sie machte auch ein Kreuz. Er fängt an, ihr zu sagen: »Seit wann hast du nicht gebeichtet?« Sie sagt zu ihm: »Herr, ich will das Geld, denn ich habe keine Zeit heute zu beichten.« Der Priester sagt zu ihr: »Tochter, schlage dir das Geld aus dem Sinne und setze dem Teufel den Fuss auf!« Sie sagt wieder zu ihm: »Ich will das Geld für die Hühner, denn ich habe keine Zeit zu schwätzen.« Der Priester besinnt sich keineswegs, sagt wieder zu ihr: »Mache ein Kreuz, denn der Teufel kommt, um dich in Versuchung zu bringen.« Sie packt den Priester: »Ich will das Geld für die Hühner, welche mir dein Diener abgenommen hat.« Der Priester erstaunte: »Was für Hühner?« sagt er zu ihr. Die Bäuerin sagt zu ihm: »Die Hühner, welche dein Diener gekauft hat, welcher kam und mit dir ins Ohr sprach und du winktest mir mit der Hand zu warten und das Geld zu nehmen.« Der Priester sagte zu ihr: »Der hat mir nicht von Hühnern gesagt, sondern hat mir gesagt, dich zu beichten.« Sie sagt zum Priester: »Ich habe keine Not zu beichten, denn ich bin nicht auf den Tod krank, aber ich will das Geld von dir.« Und so musste der Priester das Geld für die Hühner zahlen und so ging die Bäuerin ihrer Arbeit nach und der Priester blieb mit trockenen Händen.

Quelle:
Jarník, J. U.: Albanesische Märchen und Schwänke. In: Zeitschrift für Volkskunde in Sage und Mär [...] 2 (1890). Leipzig: Frankenstein und Wagner, S. 302-304.
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