CLVIII.
Zweytes Hauptstück. [289] Von den guten Eigenschaften der Weiber.

Jemand, der ein Weib nehmen wollte, beschloß, eher hundert Personen um Rath zu fragen. Schon hatte er sich mit neun und neunzig berathen, als er einen Narren antraf, der mit einer Schellenkappe auf einer Palme saß. Dieser Narr gab ihm eine vernünftigere Antwort, als die andern neun und neunzig gescheiten Leute. Die Weiber, sprach er, die Weiber gehören den Männern an, oder sie sehen auf dieselben herab, oder keines von beyden. Sie gehören uns an, wenn sie uns lieben, sie sind über uns, wenn sie uns hassen, und wenn sie weder lieben noch hassen, bekümmern sie sich gar nicht um uns. Nun wähle selbst. – Die Antwort war gut genug für einen Narren, taugte aber wenig als Rath.

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Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813, S. 289-290.
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