[12] Notiz der sieben orientalischen Werke, aus denen der Inhalt des zweyten Bandes gezogen worden.
I.

[12] Dschamiol Hakajat ve Lamiol-rivajat.

Der Geschichtensammler und Historienerzähler, ursprünglich persisch, von Dschemaleddin Mohammed Al-auni gesammelt für den Wesir Nisamol-mulk Schemsseddin.


Dreymal ins Türkische übersetzt, das erstemal auf Befehl Sultan Murad des Zweyten von Ahmed Ben Mohammed bekannt unter dem Namen Arabschah, der im Jahre der Hedschira achthundert und vier gestorben. Das zweytemal von dem bekannten türkischen Dichter Nedschati, der im Jahre der Hedschira neunhundert und vierzehn verschied, für den Prinzen Sultan Mohammeds. Das drittemal endlich von Saleh Ben Dschelal, der im Jahr der Hedschira neunhundert drey und achtzig verschied auf Sultan Bajaseds Befehl. Da sich in unserem türkischen Exemplar der Uebersetzer nicht nennt, so wissen wir nicht, welchem von den genannten dreyen das Werk angehört. Es ist groß Folio und enthält über vierzehnhundert Geschichtchen, deren Zahl am Rande der deutschen Uebersetzung angegeben wird.


II.

[13] Nozhatol-ebsar. Augenlust, arabisch, von Scheich Ebi Essai Ali aus Bagdad, gestorben im Jahr der Hedschira neunhundert vier und achtzig. In zehn Hauptstücke eingetheilt.


I. Von der Schönheit. II. Von den Weibern. III. Von der Ehe. IV. Vom Vergnügen überhaupt. V. Von den verschiedenen Arten desselben. VI. Von der Heftigkeit der Begierden. VII. Von Weiberlist. VIII. Anekdoten. IX. Von Jugend und Alter. X. Von verbotener Lust.


III.

Mehedschon-nufus. Seelengeist, arabisch; vom Scheich Ebu Mußa Dschaber Ben Hajan aus Tuß.


IV.

Semratol-evrak. Früchte der Blätter; vom Scheich Takieddin Ebibekr Ben Ali; berühmt unter dem Namen Ibn Hadschr aus Hama, gestorben im Jahr der Hedschira achthundert sieben und dreyßig.


Dieses Buch, sagt Hadschi Chalfa, enthält die Blüthe von sinnreichen Einfällen, und lustigen Geschichten zur Unterhaltung geistreicher Gesellschaften. Wir gestehen, daß uns dasselbe durch die Originalität seiner Laune und Einfälle lebhaftes Vergnügen machte, daß wir uns aber der damit vermischten Zoten wegen, nur das Unanstößige, das ist das Wenigste, zu übersetzen getrauten.

Dasselbe gilt auch vom folgenden:


V.

[14] Nozhetol-odeba ve selvet ol goreba.

Philologenlust und Fremdenschmaus, arabisch; von einem Gelehrten aus Halep zusammengetragen, dessen Hadschi Chalfa eben so wenig, als des Werkes selbst Erwähnung thut.


Es ist in zwanzig Hauptstücke eingetheilt; mehrere derselben find nicht nur dem Inhalte, sondern auch schon der Ueberschrift nach äußerst unanständig. So enthält eines einen Beytrag zur art de pêter, und ein anderes eine Instruction für B. – u.s.w. Uebrigens ist dieses Werk das witzigste dieser Art, das dem Uebersetzer in die Hände gekommen; und was allerdings als eine literarische Seltenheit bemerkt zu werden verdient, ist, daß sich darin der Stoff mehrerer, von Boccace und Lafontaine bearbeiteten Erzählungen findet, die also auch mit dem Stoff so mancher Rittergeschichten durch die Kreuzzüge oder durch die spanischen Araber aus dem Orient zu uns herübergekommen sind. Die wenigen in dieser Sammlung übersetzten Geschichtchen bewähren das oben ausgesprochene Urtheil. Dieselben sind zwar die geläutertsten, aber nichts weniger als die witzigsten und launigsten.


VI.

Lobbal-elbab. Das Fünftelmark. Arabisch.


Da auf dem Titel unseres sehr kurzen Manuscriptes kein Verfasser genannt ist, so vermuthen wir, es sey ein gedrängter Auszug eines der beyden von Hadschi Chalfa unter diesem Titel aufgeführten Werke, nämlich: Lobbal-elbab fi il milirab, das eine von Isferaini, und das andere von Beidhawi. Der Inhalt derselben sind grammatische Feinheiten und philologische Spitzfindigkeiten mit Geschichtchen und Anek doten belegt. Ein drittes von Hadschi Chalfa angeführtes Werk: [15] Lobbal-elbab fi il mil-hirab, scheint, da es von der Rechenkunst handelt, mit unserem Compendium nichts gemein zu haben.


VII.

Aalamon-nas, oder nach einem andern Exemplare: Alaimon-nas bi ma dschera lilberamek min beni Abbas. Die Zeichen der Menschen über das Verfahren der Familie Abbas gegen die Barmekiden, arabisch; vom Scheich Mohammed Diab aus Toledo; steht nicht in Hadschi Chalfa.


Die Geschichte der Barmekiden, deren der Titel erwähnt, macht nur einen Theil des Inhaltes. Der übrige besteht aus Anekdoten und Erzählungen aus den Zeiten aller Chalifen, von den unmittelbaren Nachfolgern des Propheten angefangen, bis hinunter zu den ägyptischen Sultanen aus der Familie Tulun.[16]

Quelle:
Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813.
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