9. Teufelsmale an Tieren und Pflanzen.

[200] Den Sagen von Teufelsschöpfungen reihen sich solche an, in denen der Teufel bereits vorhandene Geschöpfe durch ein Merkmal zeichnet.


1. Die Schweine.

a) Der Teufel betrog den armen Menschen auf alle Weise; der arme Mann jammerte. »Na, ich werde dir aus deiner Plage heraushelfen; jammere nicht, armer Mann, wir wollen zusammen stehlen gehen.« Sie gingen in den herrschaftlichen Stall. Der arme Mann traute sich nicht, etwas anzurühren; wenn nun die Schweine zu quieken anfingen? »Kümmere dich nicht darum, ich halte ihnen die Schnauze zu!« Und es quiekte auch nicht ein einziges. Sie trieben die Schweine aus dem Stall, und der Teufel drehte jedem einmal den Schwanz um, nach rechts drehte er ihn. Der arme Mann hatte kaum eins heraustreiben können, als der Teufel schon alle herausgetrieben hatte. Als sie nun alle draußen waren, fragte der Teufel: »Nun, armer Mann, hast du auch ein Zeichen drauf gemacht?« Sagte er: »Ja!« »Was für eins?« »Ich habe ihnen den Schwanz nach rechts gedreht.« – Aber er hatte sie nicht nach rechts gedreht, sondern der Teufel. – Da machten sie sich dran, sie auszumustern, und da war nur eins, das den Schwanz nicht nach rechts gedreht hatte. Der Teufel packte das und warf es in die Theiß, daß es umkam. Seitdem haben alle Schweine nach rechts gedrehte Schwänze.


  • Literatur: Ungarisch: Kálmány, Vil. al. ny., S. 17.

[200] b) Einmal kam der Teufel zu einem Bauern und sagte: »Bauer, ich bin imstande, alle deine Schweine über das Dach des Schweinestalles zu werfen.« – »Das ist keine so große Kunst,« erwiderte herzhaft der Bauer, »das kann ich auch.« – »Versuch's einmal,« entgegnete der Teufel. Der Bauer zögerte nicht lange, sondern machte sich gleich an die Arbeit. Aber nur bei einem einzigen Schwein gelang es ihm, es über das Stalldach zu werfen. »Siehst du, was du für ein Prahlhans bist!« sagte der Teufel. »Jetzt schau einmal her!« Da nimmt der Teufel ein Schwein nach dem andern, macht jedem am Schwanz eine Schlinge, um es bequemer halten und desto weiter und höher schleudern zu können, und wirft richtig eins ums andere über das Stalldach. Seither tragen die Schweine aufgedrehte Schwänze.


  • Literatur: Obersteirisch. Ztschr. f. deutsche Philol. 12 (1881), S. 348.

2. Fische.

a) An den Abhängen diesseits und jenseits des Kosellenberges (im westpreußischen Kreise Berent) liegen zwei kleine Seen, der Czerwonek- und der Kosellensee. Im Czerwonek kommen die Bressen (Abramis brama L.) sehr häufig vor. Davon erzählt die Sage:


Der Teufel ergrimmte einst über die Magerkeit und Kleinheit der Bressen im Kosellensee. Sie mochten ihm wohl zu viel Gräten gehabt haben. Er nahm also eine Drahtpeitsche und vertrieb sie in einer Nacht daraus. Dieselben flohen über den hohen Kosellenberg in den jenseits belegenen Czerwonek. Ein Bauer, welcher zufällig über die Straße ging, sah auf der Höhe des Berges plötzlich lauter kleine Tiere kriechen und wimmeln, die er anfänglich für kleine Ferkel hielt. Da sie aber auf ihrer beschwerlichen Wanderung stöhnten und ächzten, ergriff ihn Furcht und Schrecken, und weil er nirgends vor denselben zutreten konnte, hieb er mit seinem Stocke um sich, damit er sich Bahn bräche. Doch vergeblich: ohnmächtig sank er zu Boden! Als er am anderen Morgen erwachte, lag aber noch ein toter Bresse neben ihm.

Seit jener Zeit erst fanden sich Bressen im Czerwoneksee vor, und seit jener Zeit haben sie alle ein steifes Genick bekommen und behalten. Es rührt von den Schlägen des Teufels mit der Drahtpeitsche her.


  • Literatur: Aus A. Treichel, Zoologische Notizen III = Schriften d. naturf. Ges. in Danzig, N.F. VI, H. 1, S. 84 Vgl. den Peitschenschlag, den die Biene erhält, S. 129.

b) Einst wollte der Teufel Fische fangen, und er griff im Wasser umher, bis er einen Schellfisch fand. Er packte ihn bei der Brust, wo seitdem auf jeder Seite des Fisches ein dunkler Fleck zu sehen ist, dies ist des Bösen Kennzeichen. Der Schellfisch machte einen tüchtigen Satz und entwischte der Hand des Teufels, und die dunklen Strei fen auf beiden Seiten zeigen seine Klauen.


  • Literatur: Arnason, Icelandic legends, p. 12. 2. Ser., transl. by Powell and Magnussen. Gewöhnlich wird dies Zeichen Petrus zugeschrieben, vgl. Band II, Sagen vom Neuen Testament; dazu unten S. 205, Anmerkung.

c) Eines Tages forderte der heilige Guénolé den Teufel heraus, er möge einen Fisch schaffen. Der Teufel schwamm an einer Makrelenbank vorbei, und als er sie da so zahlreich sah, dachte er, daß sie nicht schwer zu machen sein könnten. Er geht ans Werk, macht rasch einen Fisch und will ihn grade loslassen, als das Tier, das das Wasser bemerkt, seine Flossen entfaltet, worauf der Teufel einen Schmerzensschrei ausstößt und seine Finger schüttelt: anstatt[201] einer Makrele hatte er nur einen Caranx trachurus mit Stacheln auf dem Rücken und mit dem Zeichen seiner Krallen an den Seiten geschaffen.


  • Literatur: Sébillot, Fl. de France III, 344 = Le Carguet, légendes de la Ville d'Is p. 17 f.

d) Als Loki sich der Rache der Asen entziehen wollte, verwandelte er sich in einen Lachs und entschlüpfte zweimal (beim Wasserfall von Franângur) dem Netz, mit dem die Götter ihn fangen wollten. Das dritte Mal aber stieg Thor in das Flußbett hinab und ergriff Loki in dem Augenblick, wo er dem Netz entsprang. Doch der Fisch machte sich ganz klein am Schwanz, wo ihn die Hand hielt; seitdem ist der Lachs so schmal am Schwanz.


  • Literatur: Snorra Edda. Vgl. Die Edda, übers. von H. Gering, S. 347, auch Revue des trad. pop. VIII, 557.

3. Pflanzen.

a) Die Klatschrose.

Die Klatschrose war zu stolz auf ihre Schönheit, so daß Gott dem Teufel erlaubte, sie zu berühren. Dadurch sind die schwarzen Flecken im Innern der Blumenkrone entstanden.


  • Literatur: Revue des trad. pop. XIX, p. 220; XX, p. 213 = Sébillot, Folklore de France III, 446.

b) Das Teufelskraut.

Dieses Kraut sprießt grün hervor, ohne den schwarzen Fleck, den man in der Mitte bemerkt. Der Fleck erscheint ziemlich selten vom Abend bis zum Morgen auf einigen Pflanzen. Woher kommt dieser Fleck? Unsere Bauern erzählen von verschiedenen Arten der Entstehung.

Wenn er auf einer Pflanze erscheint, die an einem einsamen Wege sprießt, weiß man, daß hier ein Liebespärchen vorbeigegangen ist und das Blatt von rückwärts gesehen hat.

Auch heißt es, daß der Teufel sich ärgerte, daß diese Pflanzen auf so unfruchtbarem Boden wachsen können – man findet sie niemals auf gutem Boden – und sie ausreißen wollte, aber daß der liebe Gott ihn daran hinderte. Der Daumeneindruck des Teufels ist noch auf ihr zu sehen, als Erinnerung an das Wunder, daß eine so schwache Pflanze dem Teufel widerstanden habe.

Es heißt aber auch, daß diese Pflanze bösartig sei, so daß die Hunde, die davon fressen, sterben. Saint Roch, heißt es, habe im Vorbeigehen die schwarzen Flecken eingedrückt, zum Zeichen, daß der Teufel die Pflanze dahin gesetzt habe und daß man sie nicht berühren dürfe.

Andere sagen wieder, daß der Teufel diese Pflanze sprießen läßt, daß der schwarze Fleck sein Zeichen ist, und daß der einen großen Schatz finden wird, der die Pflanze entwurzelt, sobald der Teufel sie gezeichnet hat. Es heißt, daß der schwarze Fleck, den der Teufel dahin gesetzt hat, verschwindet, sobald er von einem ehrlichen und frommen Menschen berührt wird.

In Sprimontz (Provinz Lure, Belgien) werden die schwarzen Flecken, die deutlich erscheinen, wenn man die Pflanze ans Licht hält, als Zeichen von Heiligen angesehen.


  • Literatur: Revue des trad. pop., XV, S. 458 (aus der Haute-Bretagne).

c) Das durchlöcherte Johanniskraut.

Die Blätter des Johanniskrautes haben eine auffallende Eigentümlichkeit. Hält man sie gegen das Licht, so scheinen viele Löcher darin zu sein, in Wirklichkeit sind es Öldrüsen, die das Licht durchlassen.

[202] Nun legte man früher dieser Pflanze Heilkraft und besondere Wunderwirkung bei, auch die Macht, die bösen Geister zu bannen. Darüber aber, so erzählt die Sage, er grimmte der Teufel so, daß er in dunkler Nacht zu dem heilsamen Gewächs eilte, um es zu vernichten. In furchtbarem Zorn nahm er viele tausend Nadeln und durchbohrte alle Blättlein. Doch die Wunderkraft der Pflanze half ihr über die Zerstörung hinweg. Sie blieb erhalten und zeigt noch jedem, der es sehen will, wie sehr der Teufel sie einst mißhandelt hat.


  • Literatur: Warnke, Die Pflanzen in Sitte, Sage und Geschichte (1878), S. 177. Vgl. Söhns, Unsere Pflanzen (1897), S. 76 = Bl. f. pomm. Volksk. VI, 38.
    Die Bezeichnung des hypericum perforatum (St. Johanniskraut) als fuga daemonum ist schon bei Bauhinus, De plantis, S. 35 u. 37, aus älteren Quellen angeführt.

d) Die Brombeere.

Michaelis setzt der Teufel seinen Fuß auf die Brombeeren (Süd-England). Er wirft seinen Mantel darüber (Schottland). Er tritt auf sie (Irland), und danach soll man sie nicht mehr essen.


  • Literatur: Folklore Record I, 155. IV, 128. Dyer, Folklore of Plants, p. 74. Notes und Queries, 4th Ser. vol. VII, 91. Threlkeld, Synopsis Stirpium Hibernicarum (1727).

e) Der Teufelsabbiß.

In Schönspergers Kräuterbuch, heißt es:


Oribasius, ein Meister, spricht, dass mit dieser Wurzel der Teufel als grossen Gewalte treib, dass die Mutter Gottes ein Erbärmde darin hett. Und nahm dem Teufel den Gewalt, dass er darnach nit mehr mit schaffen mocht. Und von grossem Grimmen, dass ihm der Gewalt entgangen was, do beiss er sie unten ab. Also wächst sie noch heut des Tagens.


  • Literatur: Angeführt von Höfer, Etymolog. Wörterbuch der in Oberdeutschland, vorzüglich aber in Österreich herrschenden Mundarten (Linz 1815), III, 227. Dasselbe, unter Berufung auf Oribasius, erwähnt: D. Jacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kr uter-Buch ... Erstliches durch Casparum Bauhinum... gebesseret ... Zum Andern durch Hieronymum Bauhinum... vermehrt. Vnd nun zum dritten mal aufs fleissigst übersehen ... Basel 1687, S. 452.

  • Literatur: Vgl. Grimm, Myth.4, 1014 f.; Panzer, S. 67; ebenso bei Waldau, Slavische Blätter I, 565, wo es dann weiter heißt: Der Teufel soll aber noch alljährlich am Johannistage diese Wurzel benagen, weil dadurch seine Kräfte, die er im Winter eingebüßt hat, wieder zunehmen. Nach Lecœur, esquisses du Bocage I, 288 erzählt man in der Basse-Normandie dasselbe von der Scabiose. Der gleiche Aberglaube ist vom Vogelkraut im 16. Jhdt. bezeugt: Gauchet, Le plaisir des champs éd. elz. 119; Olivier de Serres, Théâtre d'agriculture 1600, lieu VI, eh. 15 = Sébillot, Folklore de France III, 446.

Eine andere Version steht bei John Grerarde, The Herball Historie of Plantes 1597 (in der Ausgabe von 1633 auf S. 726):


It is commonly called Morsus diaboli or Diuels bit, of the root (as it seemeth) that is bitten off; for the superstitious people hold opinion that the diuell for enuie that he beareth to mankinde bit it off, because it would be otherwise good for many uses.


Vgl. Tabernaemontanus:


Es ist dieses Kraut Teufelsabbiß genant ... dann das abergläubisch Volck dafür haltet, daß diese Wurtzel von wegen seiner fürtrefflichen Kraft und Tugend, die sie hat, von dem Teufel also abgebissen werde, der dieses Kraut[203] als ein abgesagter Feind des menschlichen Geschlechts gern hätte wollen verderben und vertilgen.


Diese alten Zeugnisse werden durch die lebendige Volksüberlieferung bestätigt. Man erzählt:


Ein junger Mann hatte einen Bund mit dem Teufel gemacht. Er hatte ihm seine Seele verschrieben, wogegen ihn dieser die Heilkunde und die Kenntnis der Kräuter lehrte. Weil aber der Doktor zu geschickt wurde, fürchtete der Böse, er möchte der Hölle zu viel Abbruch tun, und machte ihn blind, obwohl die bedungene Zeit noch nicht abgelaufen war. Doch der junge Mann wußte tappend und tastend das Kraut zu finden, dessen Wurzel ihm heilsam war. Er band sieben Stück in einen Büschel, hing ihn auf den bloßen Rücken und erhielt das Licht der Augen wieder. Nun war aber der Vertrag vom Teufel selbst gebrochen, und der Doktor half noch vielen Menschen. Um dem Kraute die Heilkraft zu nehmen, biß der Teufel jedem die Wurzel ab. Und so wächst es seitdem.


  • Literatur: Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie II, 205 (aus Bayern) = J. Gebhart, Österreichisches Sagenbuch, S. 456.
    Im Vogtlande nennt man die Pflanze Gottvergessen. Man legt diesem Namen dieselbe Erzählung von dem gottvergessenen Jüngling zugrunde. Söhns, Unsere Pflanzen, S. 80.

Ganz anderer Art ist eine Sage, die C. Rußwurm, Sagen aus Hapsal, S. 191 (Nr. 200, Anm.), mitteilt:


Der Teufel trat einst zu Pitk Hans und sprach: »Komm, laß uns unsere Kraft probieren. Wer dem andern so die Hand drücken kann, daß er schreit, der soll gewonnen haben.« »Wohl,« sprach Hans, »mag's drum sein! Ich wollte aber nicht, daß es bei Tage geschehe; denn schrie ich und Leute gingen vorbei, so schämte ich mir die Augen aus dem Kopfe.« So verabredeten sie denn, in der Dämmerung im Walde zusammenzukommen, weit vom Dorfe, zum Wettkampf. Pitk Hans aber ließ sich einen Fausthandschuh aus Eisen machen und zog ihn an die rechte Hand, und als die Sonne hinter den Wipfeln des fernen Waldes hinabgegangen war zum Schöpfer, und Finsternis die Erde bedeckte, ging er unerschrockenen Mutes in den dunklen Wald und fand den Teufel beim Kreuzweg, auf ihn harrend. Da stellten sie sich einander gegenüber, Fuß an Fuß und Aug' in Auge; der Teufel streckte seine langfingrige Tatze aus, ergriff Hansens Rechte und drückte – wie der Teufel. Aber der Handschuh war aus schwedischem Eisen geschmiedet, und Hans lachte nur dazu, denn dieweil es dunkel war, so vermochte der Teufel nicht zu erkennen, daß Hans behandschuht war. »Teufel,« rief er aus, »wie ist deine Hand so hart!« – »Das kommt von harter Arbeit!« – »Und woher ist deine Hand so schwarz?« – »Das kommt \on Mistfuhren!« – Und als der Teufel müde geworden war, griff Hans zu und quetschte des Teufels Krallen zusammen, daß dieser anfing kläglich zu heulen wie eine Katze im Schraubstock. »Au, au, auweh, auweh!« schrie und heulte er fürchterlich und setzte sich in einen Graben und biß ins Gras, legte sich kühlende Kräuter auf die gequetschte Hand, die es nimmer mit Pitk Hans mehr aufzunehmen wagte. –

Der Wald aber, wo solches geschehen, hieß fortan Litsumets (Druckwald) und liegt einsam in Wagien zwischen Schloß Laius und dem Finnenschloß Somelin. Die Blümlein aber, die der Teufel abbiß und sich auf die[204] Pfote legte, heißen noch heutiges Tages Teufelsabbiß und Katzenpfötchen.


Man erinnert sich hier an die Kraftprobe zwischen Gott und dem Teufel, die im ersten Kapitel (S. 48, vgl. S. 30 Anm. 1) vorkam. Der Zusammenhang der von einzelnen Schöpfungen handelnden Sagen mit der Weltschöpfungssage geht also auch hier wieder klar hervor.

Eine Parallele zeigt uns, wie solche Sagen aussehen, wenn sie ins Christliche übersetzt sind. Sie lautet:


Der hl. Petrus ging einst mit seinem Herrn und Meister spazieren und wurde plötzlich von heftigen Leibschmerzen überfallen. Um sich zu helfen, riß er eine Pflanze aus der Erde, biß ein Ende von der Wurzel ab und fühlte sich auf der Stelle von den Schmerzen befreit.

Seit dieser Zeit hat diese Pflanze eine abgebissene Wurzel, ja man kann sogar noch die Stellen der Zähne daran unterscheiden. Auch behielt sie die Heilkraft, daher noch jetzt die Esten sich derselben gegen Leib- und Zahnschmerzen, sowie gegen verschiedene chronische Krankheiten bedienen und ihr den Namen Peetri pibe lehhed (Petri Pfeifenblätter, d.h. Tabak) beilegen.


  • Literatur: C. Rußwurm, Sagen aus Hapsal, S. 190, Nr. 200 = Luce, Heilmittel der Esthen (1829), S. 13.
    Zu dem Namen der Pflanze vgl. noch folgende Sage: Einst biß der Teufel ein Stück vom Untersberg ab und trug es in den Lüften fort, ließ aber, da der Hahn krähte und seine Zeit aus war, das Bergstück fallen. So ward der Schafberg, der eben darum auch Teufelsabbiß heißt. Baumgarten II, S. 33.

Anmerkung.

Über den Teufel als Schöpfer des Tabaks wird der vierte Band der »Natursagen« handeln; über den Wein und den Branntwein, soweit sie in Teufelssagen vorkommen, vgl. Kap. 15. Wenn in dem Vorhergehenden häufig Petrus statt des Teufels aufgetreten ist, so hat man diesen auffallenden Wechsel im letzten Grunde wohl darauf zurückzuführen, daß der Repräsentant der streng-judäischen Richtung – im Gegensatz zum Apostel Paulus – bei manchen Sekten verhaßt war. So lehnten die Paulicianer seine Schriften ab (Herzogs Real-Encycl. XV, S. 50). Er galt geradezu als falscher Apostel (ebda. XII, S. 271). Als Ausfluß dieser Unpopularität ist wohl jene unrühmliche Rolle anzusehen, die er in den Sagen spielt. Sie mag ihm zufolge der weitreichenden Einwirkung paulicianisch-bogomilischer und anderer neu-manichäischer Sekten zugefallen sein, in denen ja – wie oben gezeigt ist – gerade die Schöpfungssagen ein zähes Leben geführt haben.

Quelle:
Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 200-205.
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