Der Schmied mit zwei Knechten

[198] In Adrianopel lebte ein Grobschmied in gutem Leben mit seiner Frau, die jung, hübsch und wohlgebaut war und ehrbar dazu, denn sie wollte nie auf die Liebhaber hören, die ihre Schlingen nach ihr auslegten. Und das konnte nur in aller Heimlichkeit geschehen, denn der Schmied war stets zu Hause und stand vor seinem Ambos an der Türe, und das Getöse seines Hammers, den er mit starken rußgeschwärzten Fäusten niedersausen ließ auf glühendes Eisen und anderes, war weithin zu vernehmen. Auch fürchteten die Liebhaber sich ein weniges vor seinen derben Tatzen und seiner Kraft, die auch seinem Weibchen zugute kam, denn nie ließ er es zu, daß ihr Weinberg, den ihr der Herrgott gut versorgt hatte, brach liegen blieb. Und so lebten sie froh an dem Südtor der Stadt.

Als nun eines Tages der Schmied sah, daß seine Frau eines vertraulichen Umgangs mit der Nachbarin pflog, deren Treiben und Tun mit anderen Männern als ihrem eigenen er wohl beobachtet hatte, nahm er sein Weib beiseite und hub also zu ihr an:

»Frau, was hast du mit unserer Nachbarin zu schaffen? Zwar ist sie hübsch und auch gefällig, aber das mehr Männern gegenüber als Frauen. Und ihr[199] Eheherr trägt schon solche Hörner, daß seine rote Mütze nicht mehr auf seinen dicken Schädel passen will. Lasse sie in Ruhe, sie ist kein Umgang für dich!«

Sprach das Weib darwider: »Da sei Gott vor, daß ich von Cleopatra, unserer lieben Nachbarin, ein Schlechtes denke. O, ihr bösen Männer, immer habt ihr uns armen Frauen etwas anzuhängen!«

Sprachs und verschwand mit fliegenden Röcken in die Küche, aus der man hörte, wie sie voll des Zornes die Töpfe auf dem Herde aneinanderstieß.

Nach einer Weile aber trat der Mann vor sie hin.

»Frau,« sprach er, »das mit Cleopatra will ich dir beweisen, und wir wollen eine Wette schließen, daß der, welcher verliert, dem anderen von seinem Ersparten zehn Medjidieh geben soll. Rufe mich: ›o, du Mann mit den zwei Knechten, Gott strafe dich‹, wenn es die Nachbarin hört, und du sollst sehen, daß ich die Medjidieh einstreichen werde.«

»Gut,« antwortete die Ehrbare, »wir wollen wetten.«

Und als der Mann nach getaner Arbeit im Garten stand, den sie hinter ihrem Häuschen sehr schön hatten, und Unkraut jätete, trat die Frau, die gesehen hatte, daß die Nachbarin sich auch im Garten zu schaffen machte, in die Türe und rief:

»O, du Mann mit den zwei Knechten, Gott strafe dich!«

Und stand dann Spähe.[200]

Als die Nachbarin solches hörte, spitzte sie die beiden Ohren, trat sacht an den Zaun und winkte den Mann zu sich heran.

»O lieber Nachbar, sagt an, was will Euer Gattin Wort besagen?«

»Kann ich Euch nicht gestehen,« erwiderte der.

Sie aber drang wacker in ihn.

»Es würde Euch und mir Scham bereiten. Auch würdet Ihr wohl das Geheimnis nicht für Euch behalten, und dann würden mir alle Weiber der Stadt nach sein.«

»O Nachbar, redet doch,« entgegnete sie, »und ich will es Euch vergelten.«

Er aber sprach: »Nein, aber sehen sollt Ihr!«

Und er griff mit der Linken in seinen Hosenlatz und zog ein sehr stolzes Ackermännlein hervor, das aber war rosig und schön anzusehen und war eine Freude für die Nachbarin. Schob es zurück und faßte mit seiner rußgeschwärzten Rechten in die andere Seite des Latzes und holte dort das Ackermännlein heraus, nicht ohne es vorher ordentlich geschwärzt zu haben, so daß es rußig und schwarz in die Höhe stand.

Der Nachbarin Herz aber klopfte laut und sie schrie voll des Entzückens:

»Oh, Ihr seid wahrlich ein Mann mit zwei Knechten. Aber saget an, warum ist der eine schwarz und der andere weiß? Solch ein Wunder sah ich nimmer!«[201]

Antwortete der: »Darum, weil ich das eine stets bei meiner Frau gebrauche; so ist es schwarz vom Handwerk geworden, das andere aber steht nicht in Diensten, denn meine Lydia hat an dem einen genug, das treu und wacker arbeitet.«

»O, mein lieber Nachbar,« entgegnete das Weib, »lasset mich das weiße verkosten, und es soll Euer Schade nicht sein, denn ich will Euch zwanzig Goldstücke, die ich vor meinem Manne versteckt halte, schenken.«

»Nein, dreißig!«

Das Weib aber willigte darein, denn sie hatte einen heißen Hintern, sintemalen ihr Gatte fern und die Liebhaber ausblieben, weil sie ihnen die Fettfedern, will sagen viel Geld, auszog. Und sie kamen überein, daß sie abends am Teich, der still und ruhig hinter den Gärten sich langzog, sich treffen wollten.

»Weib,« sprach der Schmied zur Schmiedin, »komm an den Teich, und du sollst sehen, wie ich deine zehn Medjidieh gewinne und dreißig Goldstücke dazu. Von denen aber sollst du ein schönes rotes Kleid haben, das dir schon lange in die Augen sticht, und mit dem, was übrig bleibt, wollen wir Gutlebe halten.«

Sie aber entgegnete: »Ich schleiche euch nach.«

Am Teich aber stand die Nachbarin, und in ihren schwarzen Augen, in ihrem hübschen festen Gesichte funkelte die Vorfreude. Und sie streckte sich ins Gras[202] und machte sich kampfbereit. Im Dunkeln aber streute der Schmied Paprika auf sein Pflanzholz; und als er es dann eingepflanzt hatte und wacker arbeiten wollte, schrie das Weiblein auf, denn sie fühlte ein furchtbares Brennen, schrie laut und machte sich los und wollte fortlaufen. Als sie sich aber bewegte, brannte es noch heißer in ihrem Weinberg und sie lief zum Teich hinunter, nicht ohne dem Schmied die dreißig Goldstücke in den Rasen geworfen zu haben, und hob ihre Röcke und setzte sich ins Wasser, um zu kühlen.

»Ist Euer weißer Penitenzer immer so scharf?« fragte sie und krümmte sich.

»Ja,« erwiderte der Mann, »das wird wohl so sein, dieweil er so unbenutzt steht. Aber vielleicht wollen wir es zum zweitenmal versuchen?«

»Nein, nein,« rief die Nachbarin, »laßt mich Euren schwarzen fühlen!«

Und da der Schmid auch hitzig war, wollte er ihrer Bitte willfahren und suchte schon die Lanze.

Trat aber sein Weib aus dem Buschwerk, hinter dem sie lachend und prustend gestanden, und rief in gemachtem Zorn:

»O, du Mann mit den zwei Knechten, Gott strafe dich! Der Schwarze gehört mir zu eigen und den soll die Hure da nimmer verkosten. Schere dich ins Haus; da, nimm das Geld für den Weißen und ich will dich raufen und auszanken, du Verruchter du!«[203]

Voll Schrecken blieb die Nachbarin im Wasser sitzen, das Pärchen aber eilte heim und ackerte wacker ohne Schärfe zur Lust und Wonne und in gegenseitiger Zufriedenheit.

Quelle:
[Hansmann, Paul] (Hg.): Schwänke vom Bosporus. Berlin: Hyperionverlag, [1918], S. 198-204.
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