Sprichwörter.[84] 44

Den Schüler prüft der Lehrer mittels seiner Arbeit, Gott prüft durch Trübsal.

Dem blinden Vogel macht Gott das Nest.

Niemand tötet den, den Gott nicht tötet.

Das Glück erreicht dich von weitester Ferne, wenn das Geschick dir günstig ist, wenn nicht, entschlüpft es dir in nächster Nähe.

Das Glück ist ein Kristall, der im Augenblick des höchsten Glanzes zerbricht.

Der eine tötet die Bienen, der andre isst den Honig.

Der eine säet, der andre erntet.

Glücklicher als alle ist der, der in der Wiege stirbt.

Wer nach dem Frieden trachtet, muss taub, blind und stumm sein wollen.

Wenn die Zeit sich dir nicht anpasst, passe du dich der Zeit an.

Auf jede Thräne folgt ein Lächeln.

Keine Rose ohne Dornen, kein Vergnügen ohne Mühe.

Wer über alle Welt weint, verliert das Gesicht.

Gieb neun, um zehn zu retten.

Küsse die Hand, die du nicht abschlagen kannst.45

Der Baum fällt nicht vom ersten Streich.

Stufenweise steigt man die Treppe hinauf.

Wirf dich nicht ins Feuer, um dem Rauch zu entgehen.

Nach dem Winter kommt der Frühling.

Das Ei von heute gilt mehr, als die Henne von morgen.

Eine Krähe in der Hand gilt mehr, als der Adler in der Luft.

Der heutige Tag gilt mehr, als die zwei folgenden Tage.

Fisch verkauft sich nicht im Wasser.46

Stirb nicht, mein Esel, der Sommer kommt und der Klee mit ihm.[85]

Wer sich mit der Hoffnung begnügt, stirbt vor Hunger.

Der Wolf ändert das Fell, aber nicht die Natur.

Von schlechtem Eisen macht man kein gutes Schwert.

Der Neger wird nicht weiss vom Waschen.

Man giebt gute Ratschläge, aber nicht gute Beispiele.

Gieb dem Esel einen goldnen Sattel, er wird nicht aufhören, Esel zu sein.

Du bist wie ein abyssinischer Neger – das heisst: du bist immer derselbe.

Jedem Vogel erscheint sein Nest schön.

Das Horn drückt den Ochsen nicht, noch der Flügel den Vogel.

Das, was man in der Wiege lernt, vergisst man nicht bis ans Grab.

Das gute Pferd macht den guten Reiter.

Der Wagen kommt nicht vorwärts, wenn seine Räder nicht gefettet sind.

Das Geld zieht das Geld an.

Beachte nicht die Schwärze des Gesichts desjenigen, welcher weisses Geld hat.

Das Geld ist eine Zunge, welche spricht, eine Hand, welche tötet.

Ein leerer Sack steht nicht.

Jeder bleibe bei seines Gleichen. Die Taube bei der Taube, der Falke bei dem Falken.

Viele Ameisen töten einen Löwen.

Viele Schafe, viele Lämmer. – Grosse Familie, grosser Reichtum.

In der Ebene dünkt sich ein kleiner Hügel Berg. – Unter den Blinden sind die Einäugigen Könige.

Wer mehr kauft, als er kann, verkauft danach mehr, als er will.

Es ist niemand, der nicht seine eignen Fehler kennt.

Zu sehr gespannter Bogen bricht.

Das Auge der Grossen ist verdunkelt.

Wer viel unternimmt, vollendet wenig.[86]

Zwei Vögel trifft man nicht mit einem Pfeil.

Man giebt die Brust dem Säugling nicht, welcher nicht weint.

Die Entschuldigung ist oft schlimmer, als der Fehler.47

Wo die Katze fehlt, erheben die Ratten den Kopf.

Spiele nicht Baumeister, bevor du nicht Maurer zu sein gelernt hast.

Wer die Spatzen fürchtet, säet keinen Hirse.

Ein mageres Huhn giebt keine fette Suppe.

An den Geizigen eine Bitte richten, heisst, einen Brunnen ins Meer graben.

Als Geschenk erscheint Essig süsser denn Honig.

Das Herz ist ein Kind, es wünscht, was es sieht.

Wer sein Brot allein isst, trägt seine Last allein.

Man hat den Esel zur Hochzeit geladen; ohne Zweifel hat man Wasser oder Holz nötig.48

Das Hemd ist dem Körper näher als der Kaftan.

Das Almosen ist ein stilles Gebet.

Hat man das Mittagsmahl beendet, so beachtet man den Löffel nicht mehr.

Nur nach dem Fruchtbaum wirft man Steine.

Die Zunge hat keine Knochen, aber sie zerbricht die Knochen.49

Wer als erster die Hand an die Schüssel legt, legt sie als letzter an die Arbeit.

Wenn du eine Ameise zum Feinde hast, sieh in ihr einen Elefanten.

Tausende Freunde ist wenig, aber ein Feind ist viel.

Ein kluger Feind ist besser als ein dummer Freund.

Es giebt einen Weg vom Herzen zum Herzen.

Iss und trink mit deinem Freunde, aber verhandle nicht geschäftlich mit ihm.

Wer verliebt, ist blind.

Keine Rose ohne Dornen, keine Liebe ohne Eifersucht.

Wer die Perlen liebt, taucht ins Meer.[87]

Kein Hindernis, keine Entfernung hält den wirklich Liebenden zurück.

Baumwolle und Feuer spielen nicht miteinander.

Guter Wein und schöne Frauen sind zwei süsse Gifte.

Mit einem einzigen Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen, als mit einer Tonne Essig.

Niemand besitzt zwei Vollkommenheiten.

Wer das Wasser bringt, zerbricht auch den Krug.

Die Geduld ist der Schlüssel zur Freude.

Grabe einen Brunnen mit einer Nadel.

Lobe den Tag am Abend und den Menschen nach seinem Tode.

Wenn du die Blinden aufsuchst, schliesse selbst die Augen.

Der Adler jagt nicht nach Fliegen.50

Die Faulheit geht langsam und findet die Armut am Wege.

Besser vergeblich arbeiten, als nichts thun.51

Schmiede das Eisen, solange es warm ist.

Der Mensch ist Sclave der Zeit.

Der Hund, welcher beisst, zeigt nicht die Zähne.

Man muss Kameel oder Kameelreiter sein. – Amboss oder Hammer.

Wer zwischen zwei Moscheen stehen bleibt, kehrt ohne Gebet zurück.

An der Sprache erkennt man den Menschen.52

Nicht alles, was glänzt, ist Diamant.

Ein Narr, wer zweimal in dasselbe Loch fällt.

Ein alter Fuchs missachtet das Netz.

Einem jungen Prinzen dienen und ein wildes Pferd striegeln sind zwei nicht leichte Sachen.

Die Nacht ist der Tag der Bösen.

Wer das Feuer fürchtet, vermeidet den Rauch.

Der Vogel macht sein Nest, bevor er die Eier legt.

Binde deinen Esel erst an, bevor du ihn Gott befiehlst.[88]

Der Apfel fällt nicht weit vom Baume, der ihn erzeugt hat.

Wer ein Bad nimmt, schwitzt.

Wenn Reden Silber, ist Schweigen Gold.

Seine Weisheit vor den Unwissenden ausbreiten, ist eine Perle an das Ohr eines Esels hängen.

Obgleich der Esel nach Mekka geht, wird er kein Pilger. –

Die Wahrheit ist bitterer, als Gift.

Wer die Wahrheit sagt, muss einen Fuss im Bügel haben.

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Das Kleid macht nicht den Mönch.

Eine Blume macht keinen Sommer. – Eine Schwalbe macht nicht den Frühling.

Quelle:
Seidel, A. (Hg.): Anthologie aus der asiatischen Volkslitteratur. Weimar: Verlag von Emil Felber, 1898, S. 84-89.
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