9. Das waren wir, meine Herrn

[26] Drei junge Burschen gingen einst nach Paris, um die Sprache zu erlernen. Als sie in der Nähe der Stadt waren, sprach der Eine:

»Wartet hier auf mich! Ich gehe hinein, um zu horchen und werde euch dann alles Gehörte getreulich berichten.«

Er hörte Pariser sprechen, die gerade sagten:

»Das sind wir gewesen, meine Herren.«

Er kehrte zu seinen Gefährten zurück und sagte:

»Ich habe schon etwas sprechen gelernt: Das sind wir gewesen, meine Herren!«

Nun ging der Zweite nach Paris und hörte:

»Wir wollten es so.«

Der Dritte vernahm:

»Ach Gott, umso besser.«

Hierauf kehrten sie, da sie schon genug gelernt hatten, in ihre Heimat zurück. Am Wege fanden sie einen Ermordeten und sie begannen für ihn zu beten. Da kamen Landjäger und riefen:

»Wer hat diesen Mann getötet?«

»Das waren wir«, erwiderte der Erste.

»Und warum habt ihr es getan?«

[26] »Wir wollten es so«, sprach der Zweite.

»Ihr geht mit in's Gefängnis!« riefen die Landjäger.

»Ach Gott, umso besser!« schrie der Dritte.


(Haute-Bretagne).

Quelle:
Blümml, Emil Karl: Schnurren und Schwänke des französischen Bauernvolkes. Leipzig: Deutsche Verlagsaktiengesellschaft, 1906, S. 26-27.
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