Sa pó de Concas.

Das Gespenst von Concas.

(Puigpuñent.)

[193] Es ging das Gerücht, dass in Concas ein Gespenst umgehe und Niemand wollte dort übernachten.

Ein kühner Mann erklärte sich bereit, [193] wenn man ihm eine Wurst gebe, die er gedörrt essen könne, eine ganze Nacht dort zuzubringen, um zu sehen, was das Gespenst war.

Man gab ihm die Wurst, er ging weg, und wie er bei dem betreffenden Besitzhause war, betrat er das Innere und ging bis zum Feuerheerd, wo er ein starkes Feuer machte, um sich zu wärmen, da es Winter war. Als das Feuer schon Kohlen gemacht hatte, fing er an, Schnitten von der Wurst zu machen, und sie auf das Feuer zu legen. Während er die erste Schnitte ass, hörte er eine Stimme von oben aus dem Kamin, welche sagte:

– Ich falle, ich falle.

– Falle, antwortete er, sollst in Stücke fallen!

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, [194] tuptup fiel aus dem Kamin vor seinen Augen das Bein eines Mannes herab.

Er achtete nicht darauf und fuhr fort, Wurst zu essen.

Nach kurzer Zeit hörte er wieder:

– Ich falle, ich falle.

– Falle, antwortete er, sollst in Stücke fallen!

Und tuptup fiel ein anderes Bein eines Mannes herab.

Wie wenn nichts gewesen wäre, fuhr er fort, gedörrte Wurst zu essen.

Nach einer Weile hörte er dieselben Worte wieder:

– Ich falle, ich falle.

– Falle, sollst in Stücke fallen!

Und es fiel ein Arm und dann ein anderer, und in kurzer Zeit immer [195] dieselben Worte wiederholend, fiel ein Rumpf herab von einem menschlichen Leibe.

– Nun, was wird das sein, dachte der Mann und fuhr fort zu essen, als er von oben aus dem Kamin dasselbe, aber stärker und flehentlicher wie die früheren Male hörte:

– Ich falle, ich falle, ich falle.

– Falle, sollst in einem ganzen Stücke fallen, antwortete er.

Und sogleich fiel ein Kopf herab, und wie derselbe auf den Boden kam, fügte sich alles, was gefallen war, aneinander, und es bildete sich ein ganzer und lebendiger Mann.

Als er denselben sah, fragte er ihn:

– Was wünschet ihr in Gottes Namen?

[196] Aber jener Mensch, ohne ihm eine Antwort zu geben, setzte sich am Feuer, neben ihm, nieder.

– Wir werden schon sehen, dachte er und begann eine andere Schnitte Wurst zu dörren. Als er sie geröstet hatte und im Begriffe war zu essen, befeuchtete jener Mensch sich den Finger mit Speichel und Asche und beschmutzte ihm die Wurst.

Als er das sah, sagte er:

– Beschmutzet mir nicht mehr die Wurst, sonst gebe ich euch eine Ohrfeige.

Aber jener Mensch gab ihm wieder keine Antwort und wartete bis er ein anderes Stück Wurst dörrte.

Kaum er dieselbe wieder gedörrt hatte, befeuchtete er wieder den Finger [197] mit Speichel und Asche und beschmutzte sie ihm ganz.

Er wendet sich um und giebt ihm eine Ohrfeige, die ihn auf den Rücken fallen lässt. Nun stand der Mann auf und sagte zu ihm:

– Brüderchen danke. Es sind sieben Jahre, dass ich im Fegfeuer war, weil ich im Leben meinem Vater eine Ohrfeige gegeben hatte und ich konnte nicht in den Himmel kommen, bis man mir auch eine solche gegeben hatte. Jetzt dürft ihr sicher sein, dass hier kein Gespenst mehr erscheinen wird.

Und er verschwand durch das Kaminloch.

Dieser ass seine Wurst fertig, in der Früh kehrte er nach Hause zurück und sagte, dass er das Gespenst für [198] immer verschwinden gelassen habe, und also war es.

Quelle:
Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca. Würzburg, Leipzig: Verlag der Kaiserlichen und Königlichen Hofbuchhandlung von Leo Woerl, 1896, S. 193-199.
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