60. Richon.

[82] Ernst, Suppl. à l'histoire de Liège. p. 313.

Bovy S. 133.

Mss.


Im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt lebte ein König in Tongern, der Lotrangus hieß und einen Sohn hatte mit Namen Richar, und wohnte in Jupille.

Eines Tages war Richar auf die Jagd gegangen und verfolgte auf derselben einen großen Eber. Ermüdet[82] und ermattet legte er sich nach langem Jagen an einer Quelle nieder und setzte, nachdem er seinen brennenden Durst gelöscht, seinen Weg durch den Wald so lange fort, bis er an das Ende desselben kam. Zu seinem großen Erstaunen fand er daselbst eine Stadt und erkannte bald Tongern in ihr. Das wunderte ihn noch mehr, denn um von Jupille nach Tongern zu kommen, kannte man in der Zeit keinen andern Weg, als über Huy oder Trecht (Mastricht).

Erfreut über seine Entdeckung, ging er den Weg zurück, auf dem er gekommen, und machte, um ihn stets wieder zu erkennen, Zeichen in die Bäume. Als er wieder nach Jupille kam und seinem Vater das Abentheuer mittheilte, war dieser nicht weniger erstaunt, und in seiner Freude ließ er die Quelle, an der Richar ausgeruht, zum Andenken an den Vorfall schmücken mit vielen Bildern und nannte sie Richarquelle (Richer-fons, Richon).

Quelle:
Wolf, Johann Wilhelm: Niederländische Sagen. Leipzig: Brockhaus, 1843, S. 82-83.
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