1589. Ds Schopfämüetterli.

[328] Auf der Schopfen in Erstfeld hat früher ein Gespenst sein Wesen getrieben. Ganz äs chlys Müetterli. An bestimmten Tagen traf man jeweilen im Gaden zwei Kühe in eine Kette verwickelt an, und es fand sich in der ganzen Gegend nur einer, der imstande war, mid-ämä b'sägnätä Zwick die Kette zu lösen. Der Familienvater daselbst wollte es nie dulden, dass seine Söhne an einem Seelensamstag- oder Seelensonntagabend herumschwärmten oder z'Stubeten gingen. Nun geschah es einst, dass ein guter Freund an einem dieser Abende kam und den Sohn Vinzenz verzeekte. Die Mutter sprach letzterem noch zärtlich zu, er solle ja nicht ausgehen, und drohte endlich den beiden: »Susch bringt-ech de ds Schopfämüetterli!« Doch ihr Mahnen blieb ohne Erfolg. Die Burschen machten sich auf die Strasse. Nach einiger Zeit ging die Mutter ins Bett; um aber zu wissen, wann der Sohn zurückkomme, hängte sie eine Trinkel an die Innenseite der Haustüre. Aber wohl! nytt lang sygs gangä, syget die Purschtä wider chu, und wiä, mitsannt der Tirä syget-s'i ds Hüs innä! Dassälb Schopfämüetterli, das heig-s 'pracht! Später wurde es in eine Fluh hinauf verbannt.


Alois Furrer, 27 Jahre alt.

Quelle:
Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945, S. 328.
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