Gebläse

Gebläse.

Balggebläse: Hölzerne Blasebälge (Kastenbälge) sind längst veraltet, Blasebälge mit biegsamen Seitenwänden (Lederbälge) noch in kleinern Schmieden und Schlossereien zu finden.

1. Doppelt wirkender Lederbalg (Spitzbalg).
1. Doppelt wirkender Lederbalg (Spitzbalg).

Ein doppelt wirkender Lederbalg (Spitzbalg) mit Windsammler ist in Fig. 1 dargestellt. A ist der Sammler mit dem beweglichen, durch Gewichte G belasteten Deckel F. Aus diesem führt die Düse K in die Feuerung, bez. Windleitung. Unterhalb des Sammlers liegen die beiden Bälge B und C, die durch den Verdränger D voneinander getrennt sind. In dem Verdränger sind zwei seitlich nach außen führende Saugkanäle angebracht, die durch Klappen L geschlossen werden können. Beim Aufwärtsbewegen des Verdrängers wird durch die sich öffnende Klappe M im Boden E Luft in den untern Balg C eingesaugt, während die in dem obern Balg B befindliche Luft durch die Klappe H in den Sammler gedrückt wird. Beim Niedergang des Verdrängers D wird durch die Klappen L in den Balg B Luft eingesaugt und die vorher in C eingesaugte Luft durch die Klappe I nach A gedrückt.

2 u. 3. Stehende Hochofengebläsemaschine.
2 u. 3. Stehende Hochofengebläsemaschine.

Zylindergebläse: Die Mehrzahl der Hochofen- und Bessemereigebläse ist in mehr oder weniger engem Zusammenhang mit der Antriebskraftmaschine (meist Dampfmaschine oder Gasmotor, selten Turbine oder Wasserrad) gebaut. Neuere Gebläse mit Gasmotorenantrieb sind mitunter getrennt vom Motor durchgebildet. Die jetzt gebräuchliche Anordnung der Hochofen- und Bessemereigebläse ist entweder die stehende oder die liegende. Oszillierende Gebläse (Wackler) und Balanciergebläse werden gewisser Nachteile wegen nicht mehr ausgeführt. Die Saug- und Druckventile der Zylindergebläse sind entweder selbsttätige oder ungesteuerte Ventile (einfache, kleine Ventile, meist in großer Anzahl angeordnet, aus Leder, Segeltuch, Stahlblech etc.), Lenkerventile, System Láng-Hörbiger, sogen, rückläufige Ventile, Bauart Riedler-Stumpf etc., oder gesteuerte, meist größere Einzelventile nach Riedler, Gordon (Kolbenventile) und andern. Schieber und Hähne finden bei Gebläsen seltener Verwendung.

4 u. 5. Liegendes Hochofengebläse.
4 u. 5. Liegendes Hochofengebläse.

Eine stehende Hochofengebläsemaschine mit Dampfmaschinenantrieb ist in Fig. 2 u. 3 in Längsschnitt und Seitenansicht dargestellt. Über den Dampfzylindern a1, a2 einer stehenden Verbundmaschine (b Schwungradwelle, c Schwungrad) sind zwei Windzylinder d1, d2 von gleichem Durchmesser angeordnet.

6. Roots-Gebläse (Roots-Blower).
6. Roots-Gebläse (Roots-Blower).

In denselben bewegen sich die mit den Kolben der Dampfzylinder auf gemeinsamen Kolbenstangen e1, e2 sitzenden, luftdicht abschließenden Kolben f1, f2 auf und ab. In den ringförmig die Zylinderenden umgebenden, in zwei Abteilungen geteilten Kammern g1, g2 ist eine große Anzahl selbsttätiger, kleiner Ventile untergebracht, von denen sich die in der größern Abteilung nach dem Zylinderinnern, die der kleinern Abteilung nach der Windleitung zu öffnen. Durch die erstem, die Saugventile, wird die Luft unmittelbar aus der Umgebung der Zylinder in diese angesaugt, durch die letztern, die Druckventile, in die Windleitung (bei h anschließend) hinausgedrängt. Die ganze Maschine ist durch mehrere auf einer Treppe besteigbare Bühnen bequem zugänglich gemacht.

Die Fig. 4. u. 5 geben ein liegendes Hochofengebläse im Aufriß und Grundriß wieder. Dasselbe ist getrennt von der zum Antrieb dienenden Kraftmaschine (einem Gichtgasmotor) durchgebildet. In den beiden gegenüberliegenden Windzylindern a1, a2 (linker Zylinder a1 im Schnitt gezeichnet) werden die Kolben b (nur einer sichtbar) mittels der Kolbenstangen c und Schubstangen d von der doppelt gekröpften Welle e aus hin und her bewegt. Die Welle e ist mit der Welle der Antriebsmaschine gekuppelt. Aus einem im Fundament angeordneten, mit der äußern Atmosphäre in Verbindung stehenden Kanal tritt die Luft während des Saughubes der Kolben durch die Stutzen f1, f2 in die Zylinder. Der Lufteintritt wird nicht durch Ventile, sondern durch die Hähne g2, g2 geregelt, die durch Steuergestänge h und Exzenter i von e aus zwangläufig bewegt werden. Beim Druckhube wird die Luft zunächst auf die erforderliche Spannung komprimiert und dann durch die Ventile k in die gleichzeitig als Windregulator dienende weite Windleitung l hinausgedrängt.

Rotierende oder Kapselgebläse: Eine der verbreitetsten Konstruktionen ist das Roots-Gebläse (Roots-Blower), Fig. 6. In dem Gehäuse a mit der Säugöffnung b (durch eine Drahtgitterschutzhaube zur Abhaltung von Fremdkörpern überdeckt) und der Drucköffnung c drehen sich zwei Flügel d1, d2, deren Achsen außerhalb des Gehäuses durch gleich große Zahnräder (in der Abbildung durch punktierte Kreise e1, e2 angedeutet) in Verbindung stehen, in entgegengesetzter Richtung (s. die Pfeile). Sie sind so gestaltet, daß sie einerseits bei der Drehung immer an einer Stelle (bei f) unter sich Berührung haben, anderseits das Gehäuse a (bei g, h) berühren und so den Saugraum gegen den Druckraum abdichten. Die durch b eintretende Luft wird abwechselnd beiderseits zwischen den Flügeln und der Gehäusewand (in der Abbildung in dem schräg schraffierten Raum auf der linken Seite) eingeschlossen, von den Flügeln nach der Druckseite mitgenommen und durch c (wie durch Pfeile angedeutet) hinausgedrängt.

7. Kapselgebläse.
7. Kapselgebläse.

Kapselgebläse neuerer Konstruktion, die ebenfalls ausgedehnteste Verwendung finden, sind die von Enke, Jäger, Lehmann etc. Fig. 7 zeigt das Gebläse von Enke im Querschnitt. In dem Gehäuse a dreht sich um die obere Achse der ans vier an einer Scheibe befestigten Kolben d1-d4 bestehende Arbeitskörper und um die untere Achse der Steuerzylinder e mit den drei Kammern f1, f2, f3 in entgegengesetzter Richtung (s. die Pfeile).

8. Jäger-Gebläse durch Elektromotor angetrieben.
8. Jäger-Gebläse durch Elektromotor angetrieben.

Beide Achsen stehen durch Zahnräder mit dem Übersetzungsverhältnis 3:4 in Verbindung, damit immer ein Kolben mit einer Kammer zusammentrifft. Die Kolben d1-d4 saugen jeweils durch den Stutzen c in den ringförmigen Raum zwischen dem äußern Gehäuse a und dem innern, ebenfalls feststehenden Zylinder g so lange Luft ein, bis der folgende Kolben diesen Raum gegen b hin abschließt und nunmehr selbst zu saugen beginnt. Die sodann zwischen den Kolben eingeschlossene Luft wird von denselben nach der Druckseite mitgenommen und durch den Stutzen c hinausgedrängt. Bei der weitern Drehung treten die Kolben in die Kammern f1-f3 des Steuerzylinders, ohne deren Wände zu berühren, und aus diesen wieder auf die Saugseite über. Der Steuerzylinder schließt in jeder Stellung, selbst beim Durchgang der Kolben durch die Kammern (in der Figur z.B. bei m und n) den Druckraum gegen den Saugraum ab.

Fig. 8 zeigt ein durch einen Elektromotor angetriebenes Gebläse von Jäger in äußerer Ansicht (a Gebläse, b Elektromotor). Die innere Konstruktion ist dieselbe wie bei dem Gebläse von Enke.

10. Körtings Dampfstrahl Grubenventilator.
10. Körtings Dampfstrahl Grubenventilator.

Strahlgebläse: Fig. 9 zeigt ein Körtingsches Strahlgebläse im Schnitt.

9. Körtingsches Strahlgebläse.
9. Körtingsches Strahlgebläse.

An den Stutzen A wird die Dampf-, Wasser- oder Luftleitung angeschlossen. Der Strahl tritt aus der durch Ventilkegel C mit Handrad D verstellbaren Öffnung der Düse B aus und reißt die die Düse umgebende Luft mit sich fort. Die Wirkung der Gebläse wird dadurch verstärkt, daß das Strahl- und Luftgemisch noch mehrere Düsen E, F, G von zunehmender Weite durchströmt und jedesmal beim Übertritt in die nächste Düse erneut Luft mit fortreißt. Die letzte Düse (G) mündet in die Fangdüse oder Esse H, I, durch welche die Luft weiter geführt wird.

In Fig. 10 ist ein Körtingsches Dampfstrahlgebläse als Grubenventilator eingebaut dargestellt. A ist der zum Wetterschacht führende Luftkanal, B das Dampfzuführungsrohr, C die Regulierspindel, D die verschiedenen Düsen und E die Esse, durch welche die Luft ins Freie übergeführt wird. Wohl die häufigste Anwendung finden die Strahlgebläse als Blasrohr bei den Lokomotiven.

11. Wassertrommelgebläse.
11. Wassertrommelgebläse.

Wassertrommelgebläse, sogen, hydraulische Gebläse, wie Wassertonnen- und Glockengebläse, Harter Wettersätze, Cagniardellen (auch Schrauben-, Schnecken-, Spiral- oder Waldhorngebläse genannt), Ketten- oder Paternostergebläse, Zellenradgebläse etc., finden keinerlei praktische Verwendung mehr.

12. Schraubengebläse. (Cagniardelle).
12. Schraubengebläse. (Cagniardelle).

Sie haben nur noch geschichtlichen Wert. In Fig. 11 ist das zu den Strahlgebläsen zählende Wassertrommelgebläse dargestellt. Aus einem hochliegenden Behälter E, dem Gerinne, tritt durch eine verschließbare Düse Z ein Wasserstrahl in das senkrechte Bohr AB und reißt beim Niederfallen in demselben durch die am obern Ende (bei A) angebrachten seitlichen Öffnungen Luft mit sich fort. Am untern Ende des Rohres (bei B) prallt der nun ans Luft und Wasser gemischte Strahl gegen den Brechtisch K. Hierbei trennt sich die Luft von dem Wasser, wird in dem Kasten R über dem Wasser etwas komprimiert und tritt durch das Rohr C und die Düse D zur Verwendungsstelle (Feuerung). Das Wasser fließt am Boden des Kastens bei F ab.

Fig. 12 zeigt ein von Cagniard-Latour erfundenes Schraubengebläse (Cagniardelle). In dem mit Wasser gefüllten Behälter G dreht sich, angetrieben durch ie Zahnräder FF, die Trommel B, in die eine Spirale (Schnecke) C eingebaut ist, um eine schräg liegende Achse AA.

13. Wellners Zellenradgebläse.
13. Wellners Zellenradgebläse.

dBei jeder Umdrehung tritt durch eine Öffnung im rechten ebenen Boden der Trommel eine bestimmte Luftmenge in diese ein und wird bei der weitern Drehung von der Spirale nach dem linken Trommelende geschoben, von wo sie durch ein Rohr HH der Verwendungsstelle zuströmt. Das in der Trommel befindliche Wasser dient als Abschlußorgan und verhindert ein Zurücktreten der Luft. Der Nutzeffekt beträgt bis 80 Proz.

Die Wirkungsweise des Zellenradgebläses von Wellner ist aus Fig. 13 zu ersehen. Am Umfang eines um die horizontale Welle c in der Pfeilrichtung sich drehenden Rades b ist beiderseits eine größere Anzahl konischer Zellen a befestigt. Das Rad ist von einem mit Wasser gefüllten Kasten umgeben. In der höchsten Stellung entleeren sich die rechts aus dem Wasser aufsteigenden Zellen von demselben, füllen sich mit Luft und nehmen diese beim Niedergang (auf der linken Seite) bis unter die Glocke d mit. Hier entweicht die Luft aus den Zellen und wird durch die Leitung ee der Verwendungsstelle zugeführt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907.
Lizenz:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Nachtstücke

Nachtstücke

E.T.A. Hoffmanns zweiter Erzählzyklus versucht 1817 durch den Hinweis auf den »Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier« an den großen Erfolg des ersten anzuknüpfen. Die Nachtstücke thematisieren vor allem die dunkle Seite der Seele, das Unheimliche und das Grauenvolle. Diese acht Erzählungen sind enthalten: Der Sandmann, Ignaz Denner, Die Jesuiterkirche in G., Das Sanctus, Das öde Haus, Das Majorat, Das Gelübde, Das steinerne Herz

244 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon