Pflanzengeographie

Verbreitung der wichtigsten Pflanzengruppen der Erde.

Erläuterungen zur Karte.

Die beiliegende Karte gibt in vereinfachter Form und in reduziertem Maßstab ein von Engler (›Entwickelungsgeschichte der Pflanzenwelt‹) zur Erläuterung der Pflanzenverbreitung entworfenes Bild wieder. Auf der Karte wurden die Hauptflorenreiche durch verschiedenen Grundton kenntlich gemacht, und zwar bezeichnet hellgelber Grundton das nördliche außertropische Florenreich, hellblauer das Tropenreich der Alten und der Neuen Welt (paläotropisches und neotropisches Reich), endlich weißer Grundton das altozeanische Florenreich. Gleichzeitig bringt die Karte auch die Verteilung der wichtigsten biologischen Pflanzengruppen auf der Erde zur Anschauung. Nach dem verschiedenen Grade, in dem die Pflanzen Wärme und Feuchtigkeit, die beiden Hauptfaktoren vegetativen Lebens, beanspruchen, lassen sich folgende Gruppen unterscheiden:

1) Pflanzen, die hoher Wärme, d.h. einer jährlichen Mitteltemperatur über 20°, und großer Feuchtigkeit bedürfen, von De Candolle Hydromegathermen genannt;

2) Pflanzen mit hohem Wärmeanspruch, aber geringerm Feuchtigkeitsbedürfnis (Megathermen); beide Pflanzengruppen bilden den Hauptbestandteil der tropischen Urwälder und wurden auf der Karte durch einen übereinstimmenden Farbenton als tropische Urwaldpflanzen kenntlich gemacht;

3) Trockenheit und Wärme liebende Pflanzen (xerophile Megathermen), die aus laubabwerfenden Sträuchern, Gräsern etc. bestehen und unter anderm die Hauptvegetation in den Savannen bilden (die Savannenpflanzen der Karte);

4) Pflanzen von mittlerm Wärmebedürfnis (Mesothermen), die eine jährliche Mitteltemperatur von 15–20° beanspruchen und vorzugsweise als immer grüne Gewächse erscheinen (die immergrünen Buschpflanzen der Karte);

5) Pflanzen mit geringem Wärmebedürfnis (Mikrothermen), die sich mit einer Mitteltemperatur unter 14° begnügen und je nach dem Grad ihres Feuchtigkeitsbedürfnisses als laubabwerfende Bäume, als Nadelholzpflanzen, als Wiesen- und Heidepflanzen und endlich als Steppen- und Präriepflanzen auftreten;

6) Pflanzen mit minimalen Wärmeansprüchen (Hekistothermen), welche die Vegetation des Nordens (Tundrenpflanzen der Karte) sowie der alpinen Hochregion (Alpenpflanzen) bilden. Alle genannten Pflanzengruppen wurden auf der Karte durch eine besondere Farbennuance in ihrer wesentlichen Verbreitung dargestellt; vegetationsleere Strecken, wie Wüsten u. dgl., erscheinen in der Farbe des Grundtons.

Die einzelnen von Engler unterschiedenen und in der Karte durch rote Grenzlinien und Buchstaben kenntlich gemachten pflanzengeographischen Gebiete sind folgende:

I. Im nördlichen außertropischen Florenreich (auf der Karte mit gelbem Grundton):

Das arktische Gebiet (A) umfaßt die zirkumpolaren Länder und Inseln nördlich von der Baumgrenze und zerfällt in einen westlichen Abschnitt (a) und eine östlich-sibirische Provinz (b). Es wird fast ausschließlich durch das arktisch-nivale Florenelement mit Hekistothermen (Glazialpflanzen) und der Vegetationsformation der Tundren beherrscht.

Das subarktische oder Koniferengebiet (B) mit Island, den Färöerinseln, dem größten Teil von Skandinavien, dem nördlichen Rußland und Sibirien und in Nordamerika dem Seengebiet vom Yukonstrom im Westen bis zur Mündung des St. Lorenzflusses im Osten. Von Vegetationsformationen sind Nadelholzwälder und Wiesen am meisten charakteristisch, deren floristische Bestandteile vorwiegend arkto-tertiären und arkto-nivalen Ursprungs sind. Das Gebiet zerfällt in drei Provinzen: subarktisches Europa (a), subarktisches Asien oder Sibirien (b) und subarktisches Amerika (c).

Das mitteleuropäische Gebiet (C mit Ausschluß des asiatischen Teiles von C f). Vorherrschende Formationen sind Laubwälder nebst Nadelholzbeständen und Wiesen, weiter nach Osten auch Steppen. Die Gewächse sind größtenteils Mikrothermen und gehören dem borealen, auf den höhern Gebirgen dem arktisch-alpinen Florenelement an. Das Gebiet wird in eine atlantische (a), subatlantische (b), sarmatische (c) Provinz, Provinz der europäischen Mittelgebirge (d), pontische Provinz (e und der europäische Abschnitt von Cf), Provinz der Pyrenäen (g), der Alpenländer (h), der Apenninen (i), der Karpathen (k), der westpontischen Gebirgsländer (l), des Balkans (m), des Jaïla-Gebirges (auf der Krim) und des Kaukasus (n) nebst Elbrus geteilt, deren nähere Begrenzung auf der Karte nur teilweise angedeutet werden konnte.

Das zentralasiatische Gebiet (D nebst dem asiatischen Teil von C f) auf den Hochebenen Innerasiens bis zum Himalaja im Süden ist das Hauptzentrum einer aus Xerophyten bestehenden Steppenvegetation, die stellenweise in alpine Formen übergeht. Die borealen und arkto-tertiären Elemente treten nur an den Rändern des Gebietes reichlicher auf.

Das makaronesische Übergangsgebiet (E) auf den Azoren, Madeira, den Kanarischen und Kapverdischen Inseln steht mit dem Mittelmeergebiet in näherer floristischer Beziehung, unterscheidet sich aber durch auffällige paläotropische, afrikanische Formen. Das boreale und neotropische Element ist schwach vertreten. Den genannten Inselgruppen entsprechen ebenso viele Provinzen (a bis d).

Das Mittelmeergebiet (F) mit einer iberischen (a), ligurisch-tyrrhenischen (b), südwest-mediterranen (c) Provinz, einer mittlern und armenisch-iranischen (d) und einer südlichen (algerisch-ägyptischen) Mediterranprovinz. Im Hauptgebiete charakterisieren immergrüne Holzpflanzen die Mediterranflora; im Osten treten zahlreiche Steppenpflanzen hinzu, die in großen Gebietsteilen auch die Formation beherrschen.

Das temperierte Ostasien (G) umfaßt Ostchina und Japan (mit Ausnahme von Kiusiu). Auch hier herrschen mesothermische, immergrüne Gehölze vor, neben dem borealen, subarktischen und arktisch-nivalen Elemente treten auch subtropische Formen auf.

Das Gebiet des pazifischen Nordamerika (H) mit der Provinz der pazifischen Koniferen (a und b), der Provinz der Rocky Mountains (c) und der westamerikanischen Wüsten- und Steppenprovinz (d) erstreckt sich als nordwestlicher, von dem Felsengebirge nach Osten begrenzter Küstensaum bis zur Halbinsel Alaska. Wegen der bedeutenden Ausdehnung des Gebietes über viele Breitengrade sind außer den Mesothermen auch die Mikrothermen zahlreich vertreten; außerdem bedingt die meridionale Richtung der Felsengebirge ein weiter nach Süden vordringendes Eintreten von arktisch-alpinen Formen als in Europa. Auch das arktisch-tertiäre Florenelement ist reichlicher erhalten. Von Formationen finden sich alle Abstufungen zwischen immergrünen und sommergrünen Wäldern, Busch- und Graslandformationen bis zur vegetationsarmen Salz- oder Felswüste.

Das Gebiet des atlantischen Nordamerika (J) mit der Seenprovinz, der Provinz des sommergrünen Mississippi- und Alleghanywaldes, der immergrünen Provinz der südatlantischen Staaten und der Prärienprovinz (b) zwischen Mississippi und Missouri beherbergt im erstern Abschnitt vorwiegend sommergrüne Wälder mit reichlichen Anklängen an die Tertiärflora, in dem Präriengebiet dagegen Grasformationen, in Arizona, New Mexico und Texas ausgeprägte Steppen und Wüsten mit zahlreichen Xerophyten, die hier von Mexiko herübergreifen.

II. Im Tropengebiet der Alten Welt (›Paläotropisches Florenreich‹, auf der Karte mit blauem Grundton):

Das nordafrikanisch-indische Wüstengebiet (B a) mit vorherrschenden Xerophyten-Elementen mediterranen und paläotropischen Charakters.

Das afrikanische Wald- und Steppengebiet (A, B b und B c) mit der nordafrikanischen Steppenprovinz, umfassend Dar Für und Kordofan, das abessinische Hochland und Jemen, die Somalländer und Sokotra, der westafrikanischen Waldprovinz und der ostafrikanischen und südafrikanischen Steppenprovinz, weist reichlich paläotropische Hygrophyten und Xerophyten als charakteristische Elemente auf, denen einige neotropische Hygrophyten und in den Hochgebirgen Vertreter des australen und borealen Elements beigesellt sind.

Das malagassische Gebiet (G) besteht aus der Insel Madagaskar (a), den Maskarenen (b) und den Sechellen (c), nach denen zugleich die Provinzen bezeichnet werden. Außer zahlreichen Beziehungen zu Afrika und Ostindien sind in der Flora auch australe Elemente auffallend.

Das vorderindische Gebiet (D) umfaßt Vorderindien bis zu den Steppen am Indus und bis zum Himalaja und außerdem die Insel Ceylon. Tropische Urwälder treten vorzugsweise auf der Westküste, an den Abhängen der Ghats und im westlichen Ceylon auf, sonst dominieren auch hier Savannenformationen. Das Gebiet zerfällt in (a) die Provinz des westlichen Gebirgslandes der Malabarküste und Ceylon und (b) die Provinz der Gangesebene u. die hindostanische Provinz.

Das Monsungebiet (E, F, G, H, J) mit vorherrschenden paläotropischen Hygrophyten, an die sich in den Hochgebirgen boreale Elemente anschließen, während von Süden her altozeanische Formen eindringen. Das Gebiet setzt sich aus folgenden Provinzen zusammen: die Provinz des tropischen Himalaja (E), die nord-westmalaiische und südwestmalaiische Provinz (G a), die zentromalaiische, austromalaiische, peguanische und melanesische Provinz (G c), die Araukarienprovinz (H), die hinterindisch-ostasiatische Provinz (F), die Provinz der Philippinen (G b) mit Südformosa, die polynesische Provinz (J).

Das Gebiet der Sandwichinseln (K) zeichnet sich durch starken Endemismus mit ca. 75 Proz. dem Gebiet ausschließlich eigentümlichen Arten aus und besitzt neben paläotropischen, altozeanischen und borealen Elementen auch solche, die mit der Flora Südamerikas und merkwürdigerweise auch mit der der Maskarenen in Beziehung stehen.

III. Im Tropengebiet von Zentral- und Südamerika (›Neotropisches Florenreich‹, auf der Karte mit blauem Grundton):

Das mittelamerikanische Xerophytengebiet (A) mit den Chaparalprovinzen (Texas und New Mexico), der Sonoraprovinz (Sonora, Teil von New Mexico und der größte Teil der Halbinsel Kalifornien) und der Provinz des mexikanischen Hochlandes besitzt nur in den feuchten Küstenstrichen eine aus Hydromegathermen bestehende Vegetation, sonst überwiegen die Xerophyten, die besonders in den an das Präriengebiet anstoßenden, dürren Hochsteppen ein Maximum ihrer Entwickelung haben.

Das Gebiet des tropischen Amerika (B) mit Westindien (a), der Provinz des tropischen Zentralamerika und Südkalifornien, der subäquatorial-andinen Provinz und der zisäquatorialen Savannenprovinz (b), der Provinz des Amazonenstroms oder Hyläa (c) und der südbrasilischen (d) Provinz bildet das Hauptentwickelungszentrum der neotropischen Flora, die auf Westindien sowie längs der Flußläufe des Amazonenstromgebiets und an der Ostküste Brasiliens in Urwäldern mit zahlreichen Hydromegathermen sich am reichlichsten entfaltet, während im Norden und Süden der brasilischen Urwaldzone Savannen und Steppen mit Xerophyten vorherrschen.

Das andine Gebiet (C) umfaßt die argentinischen Staaten mit Ausnahme des südlichen Chile und zeigt eine subtropische Flora mit vorwiegend neotropischen Elementen, die aber durch Vermittelung des meridionalgerichteten Gebirgszuges der Anden auch mit borealen Elementen aus Nordamerika gemischt sind. Vorherrschend sind Graslandschaften oder eigentümliche Buschbestände, in den Hochregionen auch alpine Staudenformationen. Im Süden machen sich altozeanische Formen stärker bemerkbar. Unterschieden wird eine nördliche und mittlere hochandine Provinz (a), chilenische Übergangsprovinz (b), argentinische (der nördliche Teil von c und d) und andin-patagonische Provinz (der südliche Teil von c).

Das Gebiet der Galapagos-Inseln (D) mit zahlreichen endemischen Arten (174 unter 332 einheimischen).

Das Gebiet von Juan Fernandez und Masofuera (E) mit 70 endemischen Arten (unter 102 einheimischen).

IV. Im altozeanischen (australen) Florenreich (auf der Karte mit weißem Grundton):

Das austral-antarktische Gebiet Südamerikas (A und der südliche Teil von C c im neotropischen Florenreich der Karte) mit einer westlichen Waldprovinz und einer östlichen waldlosen Provinz enthält vorherrschend die südamerikanischen Formen des austral-antarktischen Florenelements neben allgemein antarktischen, andinen und borealen Formen. Viele Arten haben ihre analogen Verwandten in Australien und Neuseeland; die Zahl der Endemismen ist sehr groß (70 Proz.).

Das Gebiet der Kerguelen (auf der Karte nicht angegeben) mit 21 einheimischen Arten, unter ihnen der Kerguelenkohl (Pringlea antiscorbutica).

Das neuseeländische Gebiet (B) mit der mittlern und südlichen Insel von Neuseeland (a), den Auckland- und Campbell-Inseln (b) und den Macquarie-Inseln (c) beherbergt in den tiefern Lagen vorwiegend Mesothermen, in den höhern Mikrothermen. Auffallend erscheint die große Zahl der Farne sowie im Vergleich zu Australien das Zurücktreten gewisser altozeanischer Gruppen, wie Kasuarineen, Proteazeen u.a.

Das australische Gebiet (C) mit einer ostaustralischen Provinz (a), der Provinz Tasmania (b) und einer westaustralischen Provinz (c) zeichnet sich durch das Vorherrschen von Xerophyten und großen Reichtum endemischer Arten aus. Die altozeanische Flora mit Kasuarineen, Epakrideen, Proteazeen, Restiazeen, australen Koniferen u.a. hat hier ihr Haupterhaltungszentrum.

Das Gebiet von Tristan da Cunha St. Paul und Amsterdam-Inseln (auf der Karte nicht angegeben). Die verhältnismäßig arme Flora enthält einen hohen Prozentsatz von Endemismen neben verbreiteten austral-antarktischen Formen.

Das Gebiet des südwestlichen Kaplandes (F) zeigt einen großen Reichtum an immergrünen Holzpflanzen von größtenteils altozeanischer Verwandtschaft und starkem Endemismus.

Das Gebiet der südatlantischen Inseln (H) mit den Provinzen Ascension und St. Helena enthält afrikanische Xerophyten und vereinzelte boreale Elemente neben einer reich entwickelten australen Flora. Die beiden letztgenannten Gebiete werden wegen ihrer nahen Beziehungen in neuerer Zeit von Engler zu dem paläotropischen Florenreich gerechnet.

V. Im ozeanischen Florenreich, d.i. in dem vom Meerwasser bedeckten Teile der Erdoberfläche:

das boreale Gebiet,

das tropische Gebiet und

das australe Gebiet,

für die gemeinsam neben vereinzelten, als ›Seegräser‹ bezeichneten Blütenpflanzen die verschiedenen Gruppen der Algen die charakteristische Flora liefern.


Benutzung der Karte.


Die Karte ermöglicht mit einem Blick eine Übersicht über die Verteilung von Urwald, Savanne, Steppe, Tundra, Wiese, Heide, Nadelholzzone u. dgl. auf der gesamten Erde. Um die speziellere Zusammensetzung der Vegetation in einem bestimmten Lande, beispielsweise Vorderindien, auf der Karte zu erkennen, geht man von den roten Linien und Buchstaben, im genannten Fall also von Ba, D und E des durch den blauen Grundton gekennzeichneten paläotropischen Gebietes, aus. Nach den obigen Erläuterungen ist das Gebiet Ba östlich vom Indus pflanzengeographisch zunächst mit dem arabisch-afrikanischen Steppenland verwandt und enthält nach Ausweis der Karte teils sehr pflanzenarme Strecken, teils Savannen, während an der Indusmündung tropische Vegetation vorherrscht. Das übrige Vorderindien hat floristisch einen in Ceylon (a) und Hindostan (b) etwas verschiedenen Charakter. Die Karte gibt eine ungefähre Vorstellung über die Verteilung von Urwald und Savannen in dem genannten Gebiet und läßt auch erkennen, daß am Himalaja auf eine untere tropische Region E (blau) ein Gürtel vorwiegend immergrüner Gebüschpflanzen (grün) und darauf eine Zone von Alpenpflanzen (braun) folgt. In dieser Zone findet die Berührung der indischen Flora mit den Elementen der arktischen Tertiärflora statt, während im übrigen der Pflanzenbestand Vorderindiens durch den blauen Grundton seinen Zusammenhang mit der tropischen Tertiärflora erkennen läßt.


Vegetationszonen.

Unter ausschließlicher Berücksichtigung der Temperaturverhältnisse unterschied die ältere Pflanzengeographie folgende Zonen:

1) Die Äquatorialzone oder Zone der Palmen und Bananen, 15° beiderseits vom Äquator, zeichnet sich durch Lianen u. baumbewohnende Orchideen in üppig vegetierenden und farbenprächtigen Urwäldern aus.

2) Die tropische Zone oder Zone der Baumfarne, vom 15.–23.° nördl. und südl. Br., unterscheidet sich von der vorigen durch das Zurücktreten der Lianen und epiphytischen Orchideen.

3) Die subtropische Zone, vom 23.–34.° nördl. und südl. Br., wird durch Myrten- und Lorbeergewächse charakterisiert.

4) Die wärmere gemäßigte Zone oder Zone der immergrünen Laubhölzer, vom 34.–45.° nördl. und südl. Br., zeichnet sich durch die Menge der Holzgewächse mit nicht abfallenden Blättern aus.

5) Die kältere gemäßigte Zone oder Zone der blattwechselnden Laubhölzer, vom 45.–58.° nördl. und südl. Br., besitzt Waldungen von Laub- und Nadelholz, die von Wiesen, Prärien und Heiden unterbrochen sind.

6) Die subarktische Zone oder Zone der Nadelhölzer, vom 58.–66.° nördl. und südl. Br., hat vorherrschend Koniferenwälder, die nur von einigen Laubbäumen, besonders von Weiden und Birken, begleitet werden.

7) Die arktische Zone oder Zone der Alpensträucher, vom 66.–72.° nördl. und südl. Br., beherbergt eine Pflanzendecke, die vorwiegend aus niedern Sträuchern und Stauden nebst Moosen und Flechten besteht.

8) Die Polarzone oder Zone der Alpenkräuter, vom 72.° bis zu den Polen, ähnelt in ihrer Flora durch die geringe Anzahl von Blütenpflanzen am meisten den Alpenregionen in der Nähe der Schneegrenze.

Eine neuere Gliederung der Vegetationszonen, die außer der Wärme auch die maßgebenden pflanzengeographischen Faktoren, wie besonders die Dauer des vegetativen Wachstums (Vegetationszeit) berücksichtigt, ist folgende:

1) Die arktische Zone (Glazialzone), bis zur Baumgrenze ungefähr mit der nördlichen Polarzone zusammenfallend, wird durch eine Vegetationszeit bis zu drei Monaten gekennzeichnet und entbehrt daher die Wälder (s. Arktische Flora).

2) Die Zone der winterharten Nadelhölzer und sommergrüner Laubbäume, mit einer Vegetationszeit von 3–7 Monaten. Die kalte Jahreszeit ruft in der Vegetation eine Reihe auffallender Winterschutzmittel hervor. Die Zone umfaßt den nördlichen ›kalten‹ Gürtel (nach der Abgrenzung Köppens) mit 1–4 gemäßigten, im übrigen kalten Monaten und den ›gemäßigten‹ Gürtel mit gemäßigten Sommern und kalten Wintern. Dem erstern Abschnitt entspricht eine Zone der vorherrschenden, winterharten Nadelhölzer, letzterm eine Zone vorwiegender sommergrüner Laubhölzer. Nach der Reichlichkeit der Niederschläge läßt sich in dem gemäßigten Gürtel eine Abteilung mit stetigen Regenfällen (Waldzone) und eine zweite mit geringen Sommerregen (Graslandzone) unterscheiden.

3) Die nördliche Zone der Wärme liebenden, immergrünen Holzpflanzen und der sommerheißen Steppen und Wüsten: Die Zeit der meist auf den Januar fallenden Winterruhe ist nur kurz oder fehlt ganz, dagegen tritt eine mehr oder weniger andauernde Hochsommerdürre ein, gegen die eine Reihe von Trockenschutzmitteln entwickelt wird (bei den Trockenheit liebenden Pflanzen oder Xerophyten). Hohe, über 20° liegende, monatliche Temperaturmittel können bis zur Dauer eines Vierteljahrs herrschen. Tropische Sommerregen fehlen. Die Zone gliedert sich in einen relativ feuchtern Abschnitt mit vorwiegenden, immergrünen Buschpflanzen und eine Steppen- und Wüstenzone, zu der die dürrsten Landstriche der Erde, wie die Sahara, Arabien, die indische und Mohavewüste u.a., gehören.

4) Die Tropenzone mit immergrüner oder je nach der Regenzeit periodisch belaubter Vegetation. Charakteristisch sind die stetig oder periodisch eintretenden Niederschläge, während die Temperatur wenigstens an den Grenzen des Gebietes im Mittel niedriger liegt als in der Wüstenzone. Unterabschnitte bilden die trockne, von Graslandschaften gebildete Savannenzone mit etwa dreimonatiger Dürre und die feuchtheiße Urwaldzone mit vorwiegend Feuchtigkeit bedürftigen Gewächsen (den Hygrophyten).

Diesen vier Zonen der nördlichen Halbkugel schließt sich auf der südlichen noch an:

5) Die südliche Zone immergrüner Holzpflanzen und sommerdürrer Steppen, die ungefähr der Zone 3 auf der nördlichen Hemisphäre entspricht, aber eine größere geographische Breitenentwickelung aufweist. Die Vegetationstätigkeit wird durch eine um den Juli herumliegende Zeit der Winterruhe, in der Nähe der Tropen auch durch eine ungefähr auf den Januar fallende Sommerdürre unterbrochen. Die Unterabschnitte werden auch hier von einer Steppen- und Wüstenzone mit geringfügigen Niederschlägen, wie in der Kalahari und den australischen Wüstensteppen, sowie einer immergrünen Gehölzzone gebildet. Wälder entwickeln sich entweder bei stetig oder vorwiegend im Sommer fallenden Niederschlägen, Buschbestände dagegen bei vorherrschenden Winterregen.

6) Die antarktische Zone entspricht ungefähr den Zonen 2 und 1 auf der nördlichen Halbkugel und fällt mit dem südlichen ›kalten‹ Gürtel (nach Köppens Einteilung) zusammen. In der Vegetation herrschen immergrüne niedrige Sträucher und periodisch belaubte Gras- und Staudenbestände vor. Ein baumloser Abschnitt mit kalten Sommern liegt nur auf den Kerguelen und auf einigen andern Inseln der Südhemisphäre.


Vegetationsformationen.

1) Waldformationen, von denen die tropischen Regenwälder mit immergrüner Belaubung, die tropischen Küsten- oder Mangrovenwälder, die regengrünen Wälder der Tropen mit periodischer Belaubung, die subtropischen immergrünen Wälder ohne Lianen und Epiphyten, die sommergrünen Laubwälder und die borealen Wälder mit frostharten Nadelhölzern die wichtigsten sind.

2) Strauchformationen, die besonders das subtropische Klima charakterisieren und teils nach ihrer Belaubung, teils nach der systematischen Zugehörigkeit der sie zusammensetzenden Pflanzenarten näher bezeichnet werden. Beispiele solcher Formationen bilden die Krummholz- und Alpenrosenbestände der europäischen Hochgebirge, die Heidel- und Preißelbeerbüsche der borealen Zone, die aus geselligen Erikazeen gemischten Heiden der atlantisch-europäischen Küsten, die immergrünen Macchien der Mittelmeerländer (s. Mittelmeerflora), der ›scrub‹ Australiens (s.d.), die ›bosjes‹ des Kaplandes, die ›carrascos‹ Brasiliens, die ›chaparals‹ in Mexiko u.a.

3) Grasformationen mit gesellig wachsenden Gramineen, Zyperazeen, Junkazeen u.a., denen sich auch Sträucher und vereinzelte Bäume zugesellen können. Nach der Zeit ihrer hauptsächlichen Wachstumsperiode zerfallen sie in Wiesen, Steppen und Savannen. Bei den erstern, die außerdem durch eine dichtgeschlossene Rasendecke ausgezeichnet sind, fällt die Hauptvegetationsperiode auf die warme Jahreszeit; Nebenbestandteile sind Stauden, niedrige Sträucher und Moose; je nach dem Vorherrschen von süßen Gräsern oder Riedgräsern, lassen sich echte Wiesen und Grasmoore (Wiesenmoore) unterscheiden. Für die Steppen sind locker stehende Grasbüschel charakteristisch; außer der Winterruhe tritt während der heißesten Jahreszeit noch ein zweiter Stillstand der Vegetation ein. Nebenglieder werden von hochwüchsigen Stauden, Knollen- und Zwiebelgewächsen und verschiedenen Strauchformationen gebildet. Die Savannen entbehren als tropische Formation einer Winterruhe; die Vegetation steht in der trocknen Jahreszeit still und erwacht bei Beginn der Regenzeit. Neben den hochwüchsigen Grasformen der Savannen treten als untergeordnete Bestandteile auch Bäume mit Trockenschutzeinrichtungen auf.

4) Staudenformationen mit schnell wüchsigen, meist ansehnlichen, ausdauernden Krautpflanzen. Sie mischen sich in mannigfachster Weise den Grasformationen bei, so daß eine schärfere Abgrenzung einzelner Typen nur für kleinere Gebiete möglich ist. Im allgemeinen werden vorwiegend aus Stauden gebildete Bestände als Matten, dagegen aus Gräsern, Stauden, Sträuchern und andern gemischte Formationen als Triften bezeichnet. Für erstere geben die reichlich mit Stauden (wie Gentianeen, Saxifragazeen, Primulazeen, Valerianazeen und andre) durch setzten Grashalden der Hochgebirge (Alpenmatten) ein gutes Beispiel; Triften sind besonders in der trocknen Hügelregion des mitteleuropäischen Berglandes entwickelt.

5) Moos- und Flechtenformationen mit niedrigen, geselligen, sehr lebenszähen und widerstandsfähigen Zellkryptogamen, die vorzugsweise in den Hochgebirgen und im arktischen Gebiet tonangebend auftreten. Untergruppen bilden die fels-, erd- und sumpfbewohnenden Formationen, von denen die Flechten- und Moosbezüge der hochalpinen Gerölle, die Moos- und Flechtentundren der Polarzone (s. Arktische Flora), die aus Sphagnum-Arten bestehenden Moosmoore am bekanntesten sind; letztere kommen als ausgedehntere Flächen nur in borealen und arktischen Klimaten vor und gehen in Grönland bis zu einer Breite von 70–76°; in niedrigern Breiten zeichnen sie sich durch die Beimischung von Pflanzen nordischen Ursprungs aus.

6) Wassergewächsformationen, unter denen die der Binnengewässer und die ozeanischen, vorzugsweise aus Algen bestehenden Pflanzenbestände die Hauptgruppen darstellen.


Verbreitung der wichtichsten Pflanzengruppen der Erde.
Verbreitung der wichtichsten Pflanzengruppen der Erde.
Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908.
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