Mozart beklagt sich über Melchior Grimms Reserviertheit

[111] Aus Mozarts Brief an seinen Vater;

Paris, am 11. September 1778


... Wenn ich Ihnen alles schreiben wollte, so würden mir die Finger wehe tun; dies werde ich Ihnen alles mündlich sagen und klar vor die Augen stellen, daß der Mr. Grimm imstande ist, Kindern zu helfen, aber nicht erwachsenen Leuten – und – aber nein, ich will nichts schreiben – doch, ich muß; bilden Sie sich nur nicht ein, daß dieser – der nämliche ist, der er war; wenn nicht die Madme d'Epinay wäre, wäre ich nicht im Hause und auf diese Tat darf er nicht so stolz sein – denn ich hätte 4 Häuser, wo ich logieren könnte – und die Tafel hätte; der gute Mann hat halt nicht gewußt, daß, wenn ich hier geblieben wäre, ich auf das künftige Monat ausgezogen wäre; und in ein Haus gekommen wäre, wo es nicht so einfältig und dumm zugeht wie bey ihm – und wo man es nicht immer einem Menschen unter die Nase rupft, wenn man ihm eine Gefälligkeit erweist – auf diese Art könnte ich wirklich eine Gefälligkeit vergessen [111] – ich will aber generoser seyn als er – mir ist nur leid, daß ich nicht hier bleibe, um ihm zu zeigen, daß ich ihn nicht brauche – und daß ich so viel kann als sein Piccini – obwohl ich nur ein Teutscher bin ...

Meine Mutter seeliger hat oft zu mir gesagt, ich weiß nicht, der – kommt mir ganz anderst vor, ich habe aber allezeit seine Partei genommen, obwohl ich heimlich auch davon überzeugt war; er hat mit keinem Menschen von mir geredet – und hat er es getan, so war es allzeit dumm und ungeschickt; – niederträchtig; er hat wollen, ich soll immer zum Piccini laufen ...

Quelle:
Mozart. Zusammengestellt und erläutert von Dr. Roland Tenschert. Leipzig, Amsterdam [1931], S. 111-112.
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