Groppe (Cottus gobio)

[56] An dem niedergedrückten, breiten Kopfe, dem gedrungenen und beschuppten Leibe, den verbundenen Rückenflossen und den unter den Brustflossen stehenden Bauchflossen sowie endlich den Sammetzähnen im Kiefer und auf dem Pflugscharbeine erkennt man die Flußgroppen (Cottus). Sie werden in unseren Süßgewässern vertreten durch die Groppe, welche wohl auch Greppe, Kroppe, Koppe, Mühlkoppe, Kaulquappe, Kropf- und Grozfisch, Dick- und Kautzenkopf, Rotzkober, Rotzkolbe, Breitschädel, Tolbe und Dolm genannt wird (Cottus gobio), ein Fischchen von zwölf bis vierzehn Centimeter Länge. Dasselbe ist auf graulichem Grunde mit braunen Punktflecken und Wolken gezeichnet, welche sich nicht selten zu Querbinden vereinigen, zuweilen auch auf der weißlichen Bauchseite noch sich zeigen, mit längs der Strahlen braungestreiften Rücken-, Brust-und Schwanzflossen und gewöhnlich ungefleckter Bauchflosse. Die Färbung ändert übrigens nach der Gegend, dem Grunde des Gewässers, ja der Stimmung des Fisches entsprechend, vielfach ab. In der ersten Rückenflosse zählt man sechs bis neun, in der zweiten funfzehn bis achtzehn, in der Brustflosse dreizehn bis vierzehn, in der Bauchflosse einen und vier, in der Afterflosse zwölf bis dreizehn, in der Schwanzflosse dreizehn Strahlen.

Die Groppe bewohnt alle Süßgewässer Mittel- und Nordeuropas und tritt mit Ausnahme einzelner Bäche fast überall in Menge auf, steigt auch im Gebirge bis über eintausend Meter unbedingter Höhe auf, wird selbst noch in Seen, beispielsweise in dem einzig und allein von ihr bevölkerten Tiroler Lünersee, gefunden, welche in einer Höhe von fast zweitausend Meter über dem Meere liegen. In Irland soll sie so selten sein, daß Thomson niemals ein Stück von ihr erlangen konnte; doch kommt sie auch hier noch vor. Nach Süden und Südosten hin vertreten sie verwandte [56] Arten oder Abarten. Sie liebt klares Wasser, sandigen oder steinigen Grund, da sie sich gern unter Steinen aufhält, und besucht, der Steine halber, sogar die kleinsten, wasserärmsten Bächlein. Ihre Bewegungen sind außerordentlich schnell. »Sie schießt«, wie Geßner sagt, »von einem orth an das ander mit so starckem gewalt, daß hart ein anderer Fisch jnen in solcher bewegnuß zu vergleichen.«


Groppe (Cottus gobio). Natürliche Größe.
Groppe (Cottus gobio). Natürliche Größe.

An Gefräßigkeit steht sie keinem anderen Fische nach, und der alte Geßner hat wiederum Recht, zu sagen: »allerley Speiß fressen die Groppen, auch sie sich einer den andern, der grösser den kleinern«; denn obwohl sie sich vorzugsweise von Kerbthieren, insbesondere von Libellenlarven, nährt, verschont sie doch keinen Fisch, den sie bezwingen zu können vermeint, und in der That auch ihre eigene Brut nicht. Forellenzüchtern ist sie sehr verhaßt, weil sie als ein sehr schädlicher Feind des Laiches dieser Edelfische angesehen wird. Rücksichtlich des Fortpflanzungsgeschäftes unterscheidet sie sich von den meisten anderen Fischen dadurch, daß das Männchen der Brut sich annimmt. Schon Linné berichtet, daß die Groppe ein Nest baue und eher das Leben als die Eier in diesem Neste aufgebe; Marsigli und Fabricius vervollständigen die Linné'sche Angabe, indem sie das Männchen als den Wächter der Eier kennzeichnen. Die Laichzeit fällt in den März und April. Das Weibchen setzt den Roggen unter Steinen oder in ein eigens dazu erwähltes Loch ab, und das Männchen übernimmt nun die Brutsorge. Erfahrene Fischer an der Traun berichteten Heckel und Kner folgendes: »Zur Laichzeit begibt sich ein Männchen in ein Loch zwischen Steinen und vertheidigt dasselbe gegen jedes andere, welches davon Besitz nehmen will, mit lebhaftem Ingrimme, welcher unter Umständen in langwierige Kämpfe ausarten kann und einem der Streiter nicht selten das Leben raubt. Während der Kampfzeit soll man öfters Groppen fangen, welche den Kopf ihres Gegners im Maule halten, ohne ihn verschlingen zu können. Dem Weibchen [57] gegenüber benimmt sich das Groppenmännchen artig; es wird von ihm ohne Widerstreben aufgenommen, setzt an der betreffenden Brutstelle seinen Roggen ab und zieht hierauf ungefährdet seines Weges davon. Von nun an vertritt das Männchen Mutterstelle und beschützt vier bis fünf Wochen lang die Eier, ohne sich zu entfernen, es sei denn, daß es die nothwendige Nahrung suchen muß. Ebenso bewunderungswürdig wie seine Ausdauer ist sein Muth. Es beißt in die Stange oder Ruthe, mit welcher man es verjagen will, weicht nur im höchsten Nothfalle und läßt sich buchstäblich angesichts seiner Eier erschlagen«.

»Man pflegt die Groppe«, fährt Geßner fort, »auff mancherley art zu fahen, mit den Händen, mit Groppeneisen, mit den Garnen so man Rötelingarn nennet, auch zu zeiten mit den Stoßbären. Bey der Nacht fängt man sie ohne Arbeyt bey den Monscheine, zu welcher zeit sie jre schlüpfflin vnd Stein verlassen, herumb schweiffen also daß nit von nöthen ist die Stein vmbzukehren oder zu bewegen. Man pfleget sie auch zu fahen mit den Reussen, auch mit bürdlin kleiner Ruthen oder Holtzes zusammen gebunden auff den grund gesetzt, in welche sie sich verschleiffen vnd verstecken, welche man zu gewisser Zeit auffhebt, vnd die Groppen herauß schüttelt. Sie haben ein gesund gut fleisch, lieblich vnd lustig zu essen. Wiewol sie vnder die Steinfisch eigentlich zu reden nit gezehlt werden, von jrer schleimigkeit wegen. Doch so werden sie von manniglichen gepriesen, vorauß die so in rinnenden wassern gefangen.« Gegenwärtig betrachten wir die Groppe, hauptsächlich wohl ihrer geringen Größe halber, als werthlosen Fisch, bezahlen für das Kilogramm meist nicht über funfzig Pfennige und benutzen sie mehr zum Angelköder denn als Speise. Wie Pallas erwähnt, wendet sie das gemeine Volk in Rußland als wichtiges Heilmittel bei Viperbiß an und pflegt sie als Amulet am Halse zu tragen.


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Quelle:
Brehms Thierleben. Allgemeine Kunde des Thierreichs, Achter Band, Dritte Abtheilung: Kriechthiere, Lurche und Fische, Zweiter Band: Fische. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1884., S. 56-58.
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