Aubert, Hermann

[58] Aubert, Hermann, Physiolog, geb. zu Frankfurt a. O. im November 1826 und 12. Februar 1892 als ord. Professor der Physiologie in Rostock verstorben, studierte hauptsächlich in Berlin, wo er 1850 mit der Diss.: »Ducuntne salia alvum vi endosmotica?« Dr. med. wurde. Bevor er 1865 dem Rufe nach Rostock folgte, war er Prof. in Breslau. Seine ersten litterarischen Arbeiten bewegten sich auf dem Gebiet der Zoologie; sie betrafen Untersuchungen über die Struktur der Thoraxmuskeln der Insekten, über Aspidogaster Conchicola, über Gryporhynchus pusillus u.a.m. Später wandte er sich ausschliesslich der Physiologie zu, speziell Studien über physiologische Optik. Er veröffentlichte »Beiträge zur Kenntnis des indirekten Sehens« (v. Graefe's Archiv 1857), ferner eine Reihe von Aufsätzen über die durch den[58] elektrischen Funken erzeugten Nachbilder, über Physiologie der Netzhaut, über Accommodation, u.a.m., die er in seinen grösseren Werken »Physiologie der Netzhaut« (1865) und »Grundzüge der physiologischen Optik« zusammenfasste. Für das grosse »Handbuch der Physiologie« von Ludimar Hermann bearbeitete er den Abschnitt über die »Innervation der Kreislaufsorgane« (Bd. IV. 1), für welchen er die Resultate zahlreicher, vorher z.T. im Verein mit seinen Schülern und Assistenten angestellter Einzeluntersuchungen über die Wirkung des N. vagus, laryngeus und sympathicus auf die Kreislaufsorgane, über Kaffee, Kalisalze und Fleischextrakt in ihrer Wirkung auf die Herzthätigkeit, über die Irritabilität und Rythmizität des Froschherzens u.a. verwertete. Einzelne von A.'s Arbeiten aus den letzten Jahren seines Lebens beschäftigen sich mit Problemen aus der Psychophysik, so u.a. die Aufsätze über Bewegungsempfindung und Orientierung, ferner arbeitete A. über Kohlensäureausscheidung. In der Literaturgeschichte der Med. hat sich A. ein besonderes Andenken durch seine bekannte, mit Wimmer hergestellte deutsche Ausgabe der zoologischen Werke des Aristoteles gesichert, ferner durch seine Schrift über »Shakespeare als Mediziner« (1873) und einige historische Gelegenheitsabhandlungen »Die Cephalopoden des Aristoteles« – »Nachrichten zur Geschichte der Medizin in Rostock« u.s.w. Auch veranstaltete er einen Wiederabdruck der Schrift von Purkinje: »Über den Schwindel«.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 58-59.
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