Benedikt, Moritz

Benedikt, Moritz
Benedikt, Moritz

[130] Benedikt, Moritz, geb. 6. Juli 1835 zu Eisenstadt in Ungarn, ist seit 1844 in Wien ansässig, wo er das Gymnasium (1853) absolvierte, dann zuerst auf der philosophischen Fakultät mathematische und physikalische Studien machte, 1854 die medizinischen Studien begann und 1859 promoviert wurde. Als Student publizierte er zwei dramaturgische und zwei physikalische Abhandlungen. Er machte freiwillig den Feldzug 1859, sowie später jenen von 1866 als Arzt mit. 1861 habilitierte er sich als Dozent für Elektrotherapie und wurde 1868 zum Extraordinarius und 1899 zum Titular-Ordinarius ernannt, nachdem bald nach 1868 seine Professur[130] auf Nervenpathologie erweitert wurde. Von 1861 bis 1875 beschäftigten sich seine Publikationen fast ausschliesslich mit jenen beiden Disciplinen und es erschienen zwei grössere Werke: »Elektrotherapie« (1868) und »Nervenpathologie und Elektrotherapie« (1874–75.) Von 1873 bis 1899 erschienen eine grosse Reihe anatomischer Abhandlungen, die teilweise Fragen der normalen und pathologischen Anatomie, besonders des Nervensystems betrafen, während die späteren sich meist mit der vergleichenden Tier- und Rassen-Anatomie des Schädels und des Gehirnes beschäftigten und sich teilweise auf die anatomische Erforschung des Schädels und des Gehirnes der Verbrecher bezogen. In diesen Studien wurde einerseits der Nachweis geliefert, dass kein qualitativer Unterschied zwischen Menschen- und Tier-Gehirnen besteht und anderseits wurde die Messmethode des Schädels zu einer optisch-kathetometrischen ausgebildet und zuletzt (1899) auch auf andere Knochen ausgedehnt. Parallel mit diesen gingen psychologische Publikationen, welche 1874 mit der »Psychophysik der Moral« einsetzten, 1875 die »Anthropologie der Verbrechen« ins Leben riefen und im Vereine mit den anatomischen Studien zu zwei Werken führten, nämlich den »Anatomischen Studien an Verbrechergehirnen« (1878) und der »Kraniometrie und Kranioskopie« (1888). Einen Abschluss fanden diese Studien mit dem[131] Buche: »Seelenkunde des Menschen« (1895). Nebenbei gingen zahlreiche Publikationen über neurologische Themata, darunter das Buch: »Hypnotismus und Suggestion« (1894). Eine wichtige neurophysiologische Arbeit beschäftigt sich mit der doppelsinnigen Leitung in den Nerven (1897) und eine neuropathologische mit der Fortpflanzung der Leitung im Nervensysteme (1898, französisch). Eine andere Reihe von Publikationen betrifft die Biomechanik und die Physiologie und Pathologie der Cirkulation. Letztere wurden vorzugsweise noch in den Abhandlungen über das Röntgenen in der innern Medizin berücksichtigt. Eine andere Reihe von Veröffentlichungen betraf Fragen aus der Ophthalmologie (1864–1897), darunter jene über Daltonismus bei Sehnervenatrophie (1864), welche zuerst die pathologische Farbenblindheit beschrieb. Die Publikationen sind ausser in deutscher auch in französischer, italienischer und englischer Sprache geschrieben.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 130-132.
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