Koelliker, Rudolf Albert

Koelliker, Rudolf Albert
Koelliker, Rudolf Albert

[885] Koelliker, Rudolf Albert, in Würzburg, geb. zu Zürich 6. Juli 1817, studierte von 1836 an in Zürich, Bonn und Berlin, wurde 1841 Dr. phil. in Zürich, 1842 Dr. med. in Heidelberg, war 1842 Assistent bei Henle, damals in Zürich, habilitierte sich 1843 als Privatdozent daselbst, wurde 1845 Prof. der Physiologie und vergl. Anatomie und ging 1847 in gleicher Stellung nach Würzburg, wo er seit 1866 Anatomie, Mikroskopie und Entwicklungsgeschichte lehrte, 1892 sein 50jähr. Doktorjubiläum feierte und bald nach Zurücklegung des 80. Lebensjahres in den Ruhestand trat. 1896 wurde er zum Ritter des Ordens pour le mérite erwählt. K. gehört zu den hervorragendsten Biologen der Neuzeit und besitzt als solcher europ. Ruf. Seine Hauptbedeutung liegt auf dem Gebiete der normalen Gewebelehre. Diese Disziplin hat er nicht bloss[885] selbst mit zahllosen epochemachenden Einzelheiten bereichert, sondern auch in seinem weltberühmten bahnbrechenden »Handbuch der Gewebelehre für Ärzte und Studierende« (Leipzig 1852; 6. Aufl., ib. 1889 bis 96, 2 Bde.) in mustergültiger Weise dargestellt, sodass das Buch eine Zierde der deutschen med. Litteratur bildet. Es erschien auch in französ. (2 mal aufgelegt), engl., amerikan. u. ital. Ausgabe. Des weiteren hat K. nach seinen vor kurzem erschienenen »Erinnerungen aus meinem Leben« (Leipzig 1899) im ganzen nicht weniger als 245 Publikationen aufzuweisen, wozu noch 43 unter seiner Leitung verfasste Dissertationen kommen. Diese Schriften betreffen vornehmlich die mikroskop., z.T. auch die grobe Anatomie, dann die Physiologie, Embryologie, Darwinismus, vergl. Anatomie und Zoologie, einige wenige behandeln histor. Themata. Wir führen von den Titeln der selbständ. Schriften noch folgende an: »Über die Pacinischen Körperchen« (zus. mit Henle, Zürich 1843) – »Mikroskopische Anatomie und Gewebelehre des Menschen« (Leipzig 1850 bis 54, 2 Bde.) – »Entwickelungsgeschichte des Menschen und der höheren Thiere« (Ib. 1861; 2. Aufl. ib. 1876 bis 79) – »Icones histologicae« (Ib. 1863 bis 65, 2 Tle.) – »Entwickelungsgeschichte der Cephalopoden« (Zürich 1844) – »Die Schwimmpolypen von Messina« (Leipzig 1853) – »Die normale Resorption des Knochengewebes« (Ib. 1873) – »Grundriss der Entwickelungsgeschichte des Menschen[886] und der höheren Thiere« (Ib. 1880; 2. Aufl. 1884) – »Die Entwickelung des Auges und Geruchsorganes menschlicher Embryonen« (Ib. 1883). – K.'s histol. und embryol. Forschungen haben wesentlich zum Ausbau der cellularen Doktrin beigetragen. Man kann ihn als den Begründer der Cellularphysiologie ansehen. Auch auf die Lehre vom Zellkern haben K.'s Arbeiten neues Licht geworfen. – K. ist Mitglied und Ehrenmitglied zahlreicher gel. Gesellschaften, Mitbegründer und Ehrenpräsident der physikal.-med. Ges. in Würzburg, in deren Verhandlungen er einen Teil seiner Forschungsergebnisse bekannt machte. Doch sind K.'s Arbeiten in den verschied. Journalen zerstreut. In den oben erwähnten »Erinnerungen« etc., auf die hiermit verwiesen sei, giebt K. im ersten Teile die Autobiographie, im 2. Teil die Aufzählung und eingehende Analyse seiner Arbeiten.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 885-887.
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