Schuh, Franz

[1546] Schuh, Franz, zu Wien, berühmter Chir., geb. 17. Okt. 1804 zu Ybbs in Nieder-Oesterreich, studierte in Wien seit 1825 anfänglich die Rechte, dann Med., trieb nebenbei fleissig Musik (Geige), wozu er ebenso grosses Talent wie Neigung besass, wurde 1831 Dr. med., war Zögling des Operateur-Instituts, wurde 1832 Dr. chir. und Assistent in v. Wattmann's chir. Klinik, 1836 zum Prof. der Vorbereitungswissenschaften für Chir. am Lyceum zu Salzburg ernannt, 1837 nach Wien als Primarchir. am Allgem. Krankenhause zurückberufen, 1841 zum a. o., 1842 zum ord. Prof. der Chir. und Leiter der provisor. Klinik für Chir., 1843 zum Vorstande eines neu gegründeten Operateur-Instituts ernannt. Der wissenschaftl. Welt machte er sich durch die beiden Abhandlungen in den Österr. Med. Jahrbb. (1838, 41): »Ueber den Einfluss der Percussion und Auscultation auf die chir. Praxis; nebst Versuchen über das Eindringen der Luft in die Brusthöhle« – »Erfahrungen über die Paracentese der Brust und des Herzbeutels« (zusammen mit Skoda) bekannt, in welchen er die bei der Punctio thoracis zu befolgenden Prinzipien erörterte und den von ihm dazu erfundenen Ventiltroicart beschrieb und über die von ihm zum ersten Male (1840) ausgeführte Punktion des Herzbeutels berichtete. Bezüglich seiner weiteren Arbeiten verweisen wir auf das ältere Biogr. Lexikon und führen von selbständigen Schriften nur an die mehrere Jahre nach seinem 22. Dez. 1865 erfolgten Ableben erschienenen: »Abhandlungen aus dem Gebiete der Chir. und Operationslehre. Nach des Verf. Tode gesammelt« (1867). Als 1849 zwei gleich berechtigte chirurg. Kliniken festgesetzt wurden, erhielt S. die eine; 1860 bekam er den Titel eines Regierungs-Rates. – S., der noch bis kurz vor seinem Ende schriftstellerisch thätig war und unerwartet schnell an einer nicht aufgeklärten Blutvergiftung starb, gehört, neben Rokitansky und Skoda, zu den Reformatoren der Wiener Schule, indem er die Befunde des Seziertisches und Mikroskopes mit den krankhaften Erscheinungen im Leben in[1546] Einklang zu bringen und dadurch, eine exakte Methode der Forschung anzubahnen bemüht war. Wahrheit, Klarheit und Kürze waren die Kennzeichen seiner publizierten Schriften, nie aber that die energische Kürze der Eleganz des Stils Eintrag; Phrasen kannten weder seine Lippen noch seine Feder; gerade und bieder, häufig beissend und sarkastisch, oder treffend witzig, wie er war, so sind auch seine Schriften. Alle aber sind auf das Praktische gerichtet; Theorien, Abstraktionen waren ihm verhasst. Als Lehrer bildete er eine grosse Zahl von Schülern heran, namentlich in dem von ihm geleiteten Operateur-Institut; als Operateur erfreute er sich eines weitverbreiteten Rufes; sein Instrumentenapparat wie seine Therapie waren überaus einfach; als Arzt war er voll Teilnahme und Aufopferung; als Mensch einer der liebenswürdigsten Charaktere und, wie schon erwähnt, ein leidenschaftlicher Verehrer der Musik. – 1875 wurde auf einem der Höfe des Allgem. Krankenhauses seine Büste zum Andenken aufgerichtet.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 1546-1547.
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