v. Bardeleben

Bardeleben, Heinrich Adolf v.
Bardeleben, Heinrich Adolf v.

[86] v. Bardeleben, zwei deutsche Mediziner, Vater und Sohn. Heinrich Adolf v. B., der Vater, zu Frankfurt a. O. 1. März 1819 geb., studierte in Berlin, Heidelberg, nochmals Berlin und Paris und promovierte 15. Dezember 1841. Schon 1840 war B. als Assistent bei Naegele in[86] Heidelberg eingetreten und gedachte sich der geburtshilflichen Carrière ganz zu widmen, als das damals sich so rege in Giessen entwickelnde, echt naturwissenschaftliche Streben der dort vereinigten jüngeren Kräfte ihn anzog, und er sich speziell im Verkehr mit Th. Bischoff zu neuen, rein wissenschaftlichen Studien angeregt fühlte. Er wurde bei letzterem Prosektor und habilitierte sich in Giessen (1843/44). Nachdem er hier noch, vier Jahre später, zum Extraordinarius ernannt worden war, bewog ihn eine Berufung zu einer ordentlichen Greifswalder Professur, dorthin zu gehen. Jedoch auch hier lehrte B. anfangs die Chirurgie keineswegs ausschliesslich, sondern war schon durch die Universitätseinrichtungen vielfach zur Beschäftigung mit anderen Unterrichtsfächern genötigt. Erst im Laufe der Fünfziger-Jahre errang er jenen weit über die Mauern Greifswalds hinausreichenden Ruf als Operateur, der ihm in den Kriegen der Sechziger-Jahre die Stellung eines konsultierenden Generalarztes der Armee und in der Folge (1868) die Berufung nach Berlin (an Jüngken's Stelle) eintrug. Hier wirkte B. bis zu seinem 24. Sept. 1895 erfolgten Ableben in segensreichster Weise und erwarb sich namentlich durch Einführung und Modifikation resp. Vereinfachung der antisept. Wundbehandlung ein grosses Verdienst. 1888 wurde er aus Anlass der Behandlung des Kaisers Friedrich III. in den erblichen Adelstand erhoben. B. gehört zu den hervorragenden deutschen Wundärzten und klin. Lehrern der Chirurgie im 19. Jahrh. Er war Mitbegründer und zeitweilig Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chir., an deren Verhandlungen und Arbeiten er den regsten Anteil nahm. Auch um die Hebung des Militärmedizinalwesens hat er sich grosse Verdienste erworben. 1866 und 70/71 diente er als konsultierender Generalarzt, ausserdem leitete er ständig Operationskurse für Militärärzte. Eine ausführliche Darstellung von B.'s Leben und Arbeiten verdanken wir einem seiner Schüler und langjährigen Assistenten, dem Oberstabsarzt I. KI. Prof. Dr. Albert Köhler (Berlin) in v. Langenbeck's Arch. f. klin. Chir. B. hat nicht nur im persönlichen Unterricht in hohem Grade anregend gewirkt, sondern[87] ist als Lehrer noch besonders hervorragend durch sein grosses »Lehrbuch der Chirurgie und Operationslehre« (8. Aufl., Berlin 1879 flg.). – Eine grosse Reihe kleinerer, aber oft die massgebendsten Gesichtspunkte klarlegender Vorträge und Abhandlungen erschien im Archiv für physiol. Heilkunde, im Archiv für Anatomie und Physiologie, in den Compt. rend. de l'Acad. d. sc., der Deutschen Zeitschrift für Chirurgie und den Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Die Vorträge, welche B. als langjähriger (II.) Vorsitzender der Berliner med. Gesellschaft gehalten hat, sind fast ausnahmslos in die Berliner klin. Wochenschr. und die Deutsche med. Wochenschr. übergegangen.

Bardeleben, Karl Heinrich v.
Bardeleben, Karl Heinrich v.

Karl Heinrich, Sohn des Vorigen, 7. März 1849 in Giessen geb., studierte in Greifswald, Heidelberg, Berlin, Leipzig, promovierte 1871 zu Berlin, nachdem er 1870/71 als Feld-Assistenzarzt den Krieg gegen Frankreich mitgemacht hatte und Assistent bei Bardeleben sen. und Esmarch im Barackenlazarett Berlin gewesen war. Nach dem Staatsexamen 1872 wurde er Assistent bei W. His in Leipzig, ging 1873 als Prosektor mit Schwalbe nach Jena, 1878 a. o. Professor, 1888 Prof. ord. hon., 1898 Hofrat. Als Oberstabsarzt I. Kl. d. Res. 1898 à la suite des Kgl. Sachs. Sanitätskorps gestellt, 1899 Generaloberarzt à l. s. verfasste v. B. u.a. folgende Schriften:[88] »Beiträge zur Anat. der Wirbelsäule« (Jena 1874) – »Der Musc. sternalis« (1876) – »Über Venen-Elastizität« (1878) – »Bau der Arterienwand« (1878) – »Die Gesetzmässigkeit des Knochenbaus und ihre allgemeine Bedeutung« (1878) – »Entwickelung der Extremitäten-Venen« (1879) – »Episternum des Menschen« (1879) – »Das Klappen-Distanz-Gesetz« (1880) – »Die Hauptvene des Armes« (1880) – »Muskel und Fascie« (1881) – »Anleitung zum Präparieren« (1882. 4. Aufl. 1896) – »Das Os intermedium tarsi der Säugetiere und des Menschen« (1883) – »Aponeurose« (1885) – »Entwickelung der Fusswurzel« (1885) – »Bauchhöhle. Bindegewebe« (1885) – »Zur Morphologie des Hand- und Fussskelets« (1885) – »Brusthöhle« (1885) – »Anatomische Verhältnisse der vorderen Brustwand und die Lage des Herzens« (1885) – »Über neue Bestandteile der Hand- und Fusswurzel der Säugetiere, sowie die normale Anlage von Rudimenten überzähliger Finger und Zehen beim Menschen« (1885) – »Hand und Fuss« (1886) – »Allgem. Anatomie und Histologie des Knochens« (1887) – »Die morphologische Bedeutung des Musc. sternalis« (1888) – »Über die Lage der weiblichen Beckenorgane« (1888) – »Praepollex und Praehallux« (Deutsch und englisch. 1889) – »Über die Hand- und Fussmuskeln der Säugetiere, bes. die des Praepollex (Praehallux) und Postminimus« (1890) – »Karyokinese« (1891) – »Über bisher unbekannte anatomische Arbeiten Goethes« (1891) – »Über den feineren Bau der menschlichen Spermatozoën« (1891) – »Über Innervierung, Entstehung und Homologie der distalen Gliedmassenmuskeln bei den Säugetieren« (1891) – »Die Häufigkeit überzähliger Brustwarzen (Hyperthelie), bes. beim Mann« (1891) – »Drei weitere Beiträge zur ›Hyperthelie« (1892. 1893.) – »Goethe als Anatom« (1892) – »Über Spermatogenese beim Menschen und bei Säugetieren, bei Monotoemen, Marsupialiern« – »Beiträge zur Histologie des Hodens etc.« Im Ganzen 8 Arbeiten über Spermatologie (1891–1898) – »Goethes anatomische Schriften« (in der Weimarer Ausgabe: Abt. II, Bd. 8, Morphol. Bd. 3. 1893) – »Atlas der topographischen Anatomie des Menschen« (mit H. Haeckel 1894) – »Bones and Muscles of the mammalian Hand[89] and Foot« (1894) – »Hand und Fuss« (Zusammenfassendes Referat 1894) – »Praefrontale u. Postfrontale des Menschen« (1896) – »Innervierung der Muskeln, bes. an den menschlichen Extremitäten« (1897). B. ist Mitarbeiter von: Jahresber. d. Anat. etc. von Hofmann u. Schwalbe, jetzt nur Schwalbe, von 1876 an bis 99. Jahrb. d. pr. Med. Börner (1878–1893). Jenaer Litteraturzeitung (Jahrg. 1874–1878). D. m. W. (Jahrg. 1878–1899). Biol. Cbl. (1882. 1883). Biograph. Lexikon hervorrag. Ärzte (1884). Real-Encyklopaedie Eulenburg. 2. u. 3. Aufl. u. die topographisch-anat. und histol. Artikel. (Ausser den oben angeführten: Drüsen-Epithel, Fascie, Knorpel, Nerv, Sehne u.a.). A. Bardeleben, Lehrbuch der Chirurgie: topogr.-anat. Übersichten. Ergebnisse der Anatomie etc. von Merkel u. Bonnet, von 1892 an. Skelett, Gelenk, Muskel (Weimarer Goethe-Ausgabe (s. o.) 1893). Begründer und Herausgeber des »A. A.'s«. (1886 bis 99. Bd. 1–16. Jena) – der »Verh. der Anat. Ges.«. (1887 bis 99. Jg. 1–13. Jena) und von »Handbuch der Anatomie des Menschen« in 8 (9) Bänden. Erscheint von 1896 an. Jena.

Quelle:
Pagel: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin, Wien 1901, Sp. 86-90.
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