Kapitel LXXXIII.
De medecina operatrice
oder
Vom Gebrauch der Arznei

[72] So ist demnach die ganze praktische Arzneikunst auf kein ander Fundament, als auf etliche betrügerische Experimenta und Erfahrungen und auf die Leichtgläubigkeit der Patienten gegründet, welche ihnen aber mehr schädlich als nützlich ist, also dass man oftermals, ja fast immer mehr Gefahr von dem Medico und seiner Arznei, als von der Krankheit selbst zu befürchten hat. Und dieses haben die Vornehmsten dieser Kunst gar freiwillig bekennet; der Hippocrates saget, dass diese eine schwere und höchst betrügliche Kunst sei; Avicenna hält dafür, dass das Vertrauen und die Hoffnung des Kranken zu einem Medico und zur Arznei mehr ausrichte als der Medicus und die Arznei selbst. Ja Galenus spricht, dass es schwer sei eine Arznei zu finden, die, indem sie viel helfe, dabei in gewissen Dingen nicht auch schaden sollte; so saget auch ein anderer aus ihrer Zunft, dass zwar die Wissenschaft der Medizin an sich selbst lustig sei wie jede Kenntnis gewisser Reguln und Künste, der Gebrauch aber sei ungewiss und rührete nur vom blossen Zufalle her. Derowegen mögen die[72] unglückseligen Patienten hingehen und sich diesen gefährlichen Experimenten unterwerfen und ihr Vertrauen auf den Zufall stellen.

Es ist aber, wie Plinius saget, die Schmeichelei, gesund zu werden, bei einem jedweden so süsse, dass dem, welcher sich für einen Medicum ausgibet und was Sonderliches herauszuschwatzen weiss, gar leicht Glauben beigemessen wird, da doch durch der Medicorum Betrug und Lügen dem Menschen die grösste Gefahr des Lebens obhanden kommen kann; dahero geschieht es, dass wir von dem Orte, da wir die Gesundheit suchen, oftermals den Tod herholen, und wird der zuweilen für den besten Medicum gehalten, welchen der Apotheker um des geteilten Gewinstes willen rekommandieret und mit welchem er unter einer Decke lieget; man macht den Gehilfen des Apothekers ein Geschenk und dafür überreden sie wie Kuppler den armen Patienten, dass er diesen Arzt für andern brauchen soll. So wird auch der für den vornehmsten Medicum geachtet, der in sonderlicher prächtiger Kleidung hertritt und die Finger mit Hyazinthen- oder Türkisringen besteckt, der weite Reisen getan oder fremder Nation und anderer Religion, ein Jude oder Marane ist, oder der mit einer sonderlich unverschämten Stirne zu betrügen oder mit einem ungewöhnlichen Ruhm seine Medicamenta rauszustrei chen weiss, oder bei den Leuten, um sich ein Ansehen zu machen, sich ein Kredit zu erwecken, nur wacker disputieren kann, dem viel halbgriechische oder sonsten barbarische Wörter aus dem Maule gehen, fremde Autores zu zitieren, und endlich mit einer bleischweren[73] Gravität und fast soldatischen Kühnheit seine Kunst zu praktizieren und so seine Kur bei den Patienten anzutreten weiss. Erstlich sucht er den Kranken auf, betrachtet ihm das Wasser, betastet den Puls an, besichtiget die Zunge, greifet ihm die Seiten, forschet nach den Exkrementen, will wissen, was der Patient gegessen und was er sonst Verborgenes getrieben hat; darnach judizieret er die Elemente und die Humore des Kranken wie auf einer Wage und schwatzet so etwas in Tag hinein; sodann schreibet er mit einer sonderlichen Jaktanz und Grossprechen gewisse Arzneien; da heisst es, Rezipe oder nimm Pillen, lass zur Ader, brauche ein Klistier, stecke ein Zäpfchen, schmiere dich mit Salben, lege Pflaster auf, erweiche oder erwärme den Bauch, brauche was zur Verdauung der Speise, gurgele dich, brauche Riechkissen (?), räuchere dich, nimm eingemachte Sachen für den bösen Magen, brauche Syrupe, Wässer und Theriak. Wann nun die Krankheit nicht von grosser Wichtigkeit, der Patient aber weichlich und zärtlich ist, da erdenket der Medicus allerhand geschmierte Worte, verordnet weibische Delikatessen und gebeut mit einer grossen Autorität, er soll sich auf das weiche Faulbette hinstrecken und einen Springbrunn tröpfeln lassen, damit es ihn zum Schlafe anreizen möchte; bald soll er sich reiben, bald Schröpfköpfe setzen lassen, bald soll er Bäder gebrauchen, delikate Speisen essen, bald soll er die Luft verändern und eine kleine Reise für sich nehmen; damit er aber sich ein recht Ansehen machen und alle Leute über ihn und seine Kur sich verwundern möchten, so nimmt er die Stunden präzise in acht und gibet nach mathematischen Regeln Arzneien und Tränke nach dem Kalender, masset sich einer Herrschaft über den Apotheker an, lässt sich alle Droguen vorzeigen, verspricht die besten auszusuchen, da er doch nicht weiss, wie die Ingredientien aussehen oder heissen.

Ist aber der Patient reich oder von hohem und grossem Ansehen, so hält der Medicus die Krankheit, so[74] viel an ihm ist, seines Nutzens wegen auf und kurieret fein langsam, da doch oftermals die Krankheit so beschaffen, dass sie durch ein geringes Mittel hätte können weggetrieben werden. Bisweilen machet er die Krankheit schlimmer und bringet den Patienten mit seinen Arzneien in die äusserste Gefahr des Lebens; wann es nun besser wird, so glorieret er, als wann er ihm von der gefährlichsten Krankheit geholfen hätte.

Kommt aber ein Patient, mit dem es gefährlich stehet, in seine Hände und er merket, dass es einen übeln Ausgang mit ihm nehmen dürfte, so gebrauchet er sich gewisser Praktiken und Ränke: schreibet ihm mit einem ernsthaftigen Gesichte gewisse Leges der Lebensweise vor, verbeut die gewöhnlichen und verordnet hingegen ungewöhnliche Sachen; was man sonst dem Kranken zu gebrauchen geheissen, schaffet er ab, lehnt alle bisherigen Massnahmen ab, schwatzet von einem übeln Ausgange, verspricht aber doch Heilung gegen grossen Lohn. Wann der Ausgang ihm zweifelhaft ist, so gibet er den Rat, man solle ein Consilium Medicorum über den Kranken stellen lassen, will auch nicht alleine kurieren, sondern begehret einen Kollegen, damit er entweder besser kurieren oder den Patienten desto sicherer ums Leben bringen könne. Auch soll der andre Arzt nicht etwa allein Geld und Lob verdienen.

Geschichts nun, dass durch seine Unerfahrenheit dem Patienten ein unerhoffter Zufall begegnet, so saget er, es wäre ein Stickfluss oder sonsten ein unvermutetes Accidens darzu kommen, und könnte nunmehro der Patient nicht kurieret werden, oder gibet vor, der Kranke hätte sich nicht nach der Vorschrift gehalten oder keine gute Wartung gehabt, gibet wohl auch seinem Mitkollegen oder dem Apotheker die Schuld, und will dadurch die Leute überreden, dass kein Patiente anders als durch seine eigene Schuld sterben, keiner anders als durch des Medici Hilfe wie der gesund werden könne.

Dass aber die Medici meistenteils die ärgsten Schälke[75] sind, das wollen wir anjetzo durch ihr eigen Bekenntnis dartun; denn es saget ihr Beschützer Petrus Apponus selbst, dass die Medizin dem Mars müsste zugeschrieben werden, welcher unter den Planeten der verhasseteste und alles Undankes, Streites, Unbilligkeit und Kriegens Urheber ist; daher komme es, dass die Medici meistenteils böse Sitten an sich haben und gemeiniglich, wegen des Martis und Scorpionis Influenz, von geringem Herkommen sind, nachher aber, sobald sie im Fette sitzen, stolz und frech sind, nach dem Exempel des Äsculapii, von welchem die Antiquität diese Fabel erzählet, dass er der erste Erfinder der Arzneikunst und ein geistiger Sohn des Jupiters gewesen und durch den Lauf der Sonnen auf die Erde kommen sei. Celsus aber hält dafür, dass er zwar ein Mensch gewesen, aber unter die Zahl der Götter sei gerechnet worden; die meisten aber wollen behaupten, dass er von der Coronide wäre geboren worden, welche ein hübsches Weib gewesen, die die Priester in dem Tempel Apollinis mit Hurenliebe oftermals angereizet und bezwungen hatten und das Kind für einen Sohn des Gottes ausgegeben; jedoch kommen die meisten darinnen überein, dass dieser Gottessohn so frevelhaft gewesen, dass der Vater ihn mit seinem Blitz hat züchtigen müssen; davon hat Lactantius an den Kaiser Constantinum auf solche Art geschrieben: Der Äsculapius, welcher nicht ohne Schande des Apollinis Sohn hiess, was hat er anders getan, das göttlicher Ehre wert wäre, als dass er den Hippolytum wieder gesund gemachet? Er hat fürwahr einen über sein Verdienst berühmten Tod gehabt, indem er mit der Götter Blitz erschlagen zu werden ist gewürdiget worden.

Aber die rechte Wahrheit zu sagen, so sind die Medici unter allen Menschen die nichtswürdigsten, die zänkischsten, die missgünstigsten und die verlogensten; denn sie sind so untereinander uneins, dass auch nicht einer gefunden wird, der nicht des andern Arznei bekritelte, änderte oder tadelte und sich nicht[76] mit ihm rumbisse oder stritte, damit nicht ein anderer für einen bessern Arzt angesehen werden möchte; dahero ist ein Sprichwort entstanden: Medicorum invidia et discordia. Es ist eine medizinische Missgunst und Uneinigkeit. Denn was einer billiget, das verlachet der andere, da doch bei ihnen nichts Gewisses, sondern lauter Lügen und eitel Geschwätze zu befinden ist; und wann man einen, der wacker lügen können, hat beschreiben wollen, so hat man gesaget: Mentiris ut medicus. Du leugst wie ein Medicus.

Es beruhet auch das ganze Werk dieser Kunst darinnen, dass man Neues erfindet, das Alte, so doch viel besser ist, verachtet, sein bisschen Wissen geheim hält, und durch solche Missgunst und aus Geiz uns um unser Leben betrüge. Überdieses, so sind sie ja auch meistenteils abergläubisch, stolz, ruhmredig, ungewissenhaftig und geizig, die stets im Munde führen: Accipe, dum dolet; nimm's hin, weil's schmerzet, oder: dolet quod sanum est; es mag schmerzen, wann es nur gesund ist. Also lesen wir, dass Petrus Apponus, welchen die Medici ihren Tröster nennen, als er zu Bononia diese Kunst profitieret, wäre so geizig und ruhmredig gewesen, dass, wann er ausser der Stadt zu einem Patienten ist berufen worden, unter 50 Dukaten täglich sich nicht hat dingen lassen; und als er einstmals zu dem Papst Honorio ist gefordert worden, hat er mit ihm auf 400 Dukaten täglich ein Geding gemachet. Ja es schreibet Pindarus, dass Aesculapius, der Medicorum Grossvater, teils wegen seines grossen Geizes von dem Gott Jupiter wäre vom Blitze gerühret worden, teils, dass er mit seiner Arznei so grossen Schaden getan hätte.

Wann nun aber ein Patient so glückselig ist, dass es von ohngefähr mit ihm besser wird und er sich aus der Medicorum Klauen losreisset, hilf, lieber Gott! wie ist da unter den Medicis ein unerträglicher Applausus; da meinen sie, kein Mensch könnte diese Wundertat mit genugsamen Lobe nicht beschreiben und lassen verkünden, sie haben Lazarum vom Tode auferwecket,[77] des Patienten Leben wäre ihr Geschenke, ihnen wäre es beizumessen, sie hätten ihn wieder aus der Hölle gerufen und eignen sich also göttliche Sachen zu; sagen, ihre Wissenschaft wäre mit keinem Golde zu bezahlen. Ja es gibet ihrer unter ihnen, welchen der Dreck so hoch lieget, dass sie für Götter geehret und Jupiters Söhne wollen genennet werden, wie der Menecrates, welcher zu unterschiedenen Malen diese Worte an den Agesilaum, der Spartaner König, geschrieben: Menecrates Jupiter Agesilao Regi salutem. Der Menecrates, Jupiters Sohn, wünschet dem Könige Agesilao alles Heil. Agesilaus aber, der seine Torheit ausgelachet, hat ihm geantwortet: Agesilaus Menecrati sanitatem; der Agesilaus wünschet dem Menecrati gute Gesundheit.

Wann aber ein Kranker unglückselig ist (welches denn meistenteils geschieht) und er unter ihren Händen dahinstirbet, da klagen sie des Patienten böse Natur an, geben es der Malignität der Krankheit schuld, oder der Patient hätte ihnen nicht gehorchet, oder sagen, sie wären Medici, aber keine Götter, sie könnten Kranke gesund machen, aber keine Toten auferwecken. Auf solche Art stolzieren diese teure Mörderer doch noch, wann es gleich mit dem Patienten übel ablaufet und ein unglücklich Ende nimmet, schreiben alles der Unmässigkeit des Patienten bei und fordern doch einen grossen Lohn, wann sie ihn schon mit ihren Medikamenten ums Leben gebracht haben, und er wohl ohne Gebrauch derselben hätte länger leben können; also bringen sie ihn um seinen Ruf, um sein Geld, um seine Gesundheit und um sein Leben, und meinen doch wohl, sie haben alles wohl ausgerichtet und haben ein gut Gewissen darbei.

Aber (wie Socrates spricht) wann ihre Irrtümer nicht mit unter die Erde begraben würden, und diejenigen, welche sie so mutwillig mit leeren Reden und Arzneien vor der Zeit hinunter geschaffet haben, wieder aus dem Lande der Toten zu uns kommen könnten, so würden sie ihre Medicos ohne allen Zweifel[78] actione repetundarum belangen oder wegen beraubter Gesundheit auf Schadenersatz verklagen.

Überdieses so sind die Medici meistenteils ansteckend, und vom Harn und Kote der Patienten stinkend, ja unflätiger als die Hebammen selbsten, indem sie garstige und unflätige Sachen mit ihren Augen ansehen, und der Patienten Gerülpse und Farzen anhören und riechen müssen; dadurch ziehen sie allen giftigen Gestank und Atem an sich und kosten mit ihren Lippen und Zungen die scheusslichen tödlichen Tränke, und wühlen mit ihren Händen in der Purgation und Dreck herum. Da ist kein Wunder, wann sie nicht oftermals die abscheulichen Totengesichter der Sterbenden Tag und Nacht in ihrer Phantasie behalten und die vielfältigen Totschläge, die sie an ihren Patienten hin und wieder verübet, ihnen ihr Gewissen nicht per turbieren sollten. Ja ihr ganzes Studium, Denken, Reden, Forschen und Leben bestehet in nichts anders, als in traurigen und schmutzigen Fällen, hässlichen Sachen und allerhand Arten der Krankheiten, ihre Musterplätze sind garstige Örter und ihre Kunst unflätig, sie gehen um des Kranken Seichscherbel und Kackhäuser rum, nur wegen des schändlichen Gewinstes, und bauen wie ein Wiedehopf oder Dreckhahn sich aus dem Kot der Patienten und ihrem Gelde Nester und Häuser.

Aber sehen wir nicht, wie sie mit verschlungenen Händen, kotigten Kleidern und blassen und traurigen Gesichtern die ganze Stadt durchstreichen, und wegen eines so schnöden Gewinstes von einer Apotheke zu der andern fragen und betteln, ob nicht einer ein Uringlas oder einen Dreck zu beschauen gebracht hätte, und drehen sich, wie die Geier um ein Aas, um des Menschen Kot herum. Auch Hippocrates hat pflegen vom Urin zu kosten, damit er von der Eigenschaft der Krankheit besser hat judizieren können; und dieses wird auch von dem Aesculapio, welchen Aristophanes darum einen Dreckfresser genennet, gesaget. Und dieser Name ist hernach auf die Medicos[79] kommen, dass sie Dreck-Inspectores und Dreckfresser sind genennet worden; dahero wird auch die Scatomantia, die Oromantia Drimymantia eine Wahrsagung genennet, die aus dem Drecke und Urin ihren Ursprung hat.

So sind auch die Wund-Medici und diejenigen, welche dieser Kunst sich befleissigen, bei vielen Völkern schon vor alters her für unehrlich und infam gehalten worden, dergestalt, dass (wie Seneca Zeuge ist) für ein unehrlich Stück ist geachtet worden, wann man bei einem solchen Medico Hilfe gesuchet. Ja es sind noch heutiges Tages viel Völker, die sowohl die Medicos, als die Wehmütter und die Diebeshenker von ihrem Tische und Gemeinschaft ausschliessen, oder doch aufs wenigste ihnen ihre absonderliche Schüsseln und Trinkgeschirre reichen und aufsetzen lassen. Dahero müssen wir uns billig erzürnen über den bösen Gebrauch etlicher Fürsten und grosser Herren, welche diese garstige und schädliche Leute, die doch mit lauter pestilenzischem Gestank geradenwegs von den Kranken kommen, in ihre Schlafkammern und an ihre Tafeln lassen, da sie doch mitten unter dem Essen und Trinken von nichts anders als von Dreck, Urin, vom Schwitzen, Purgieren, Vomieren, garstigen Eitern, Weiber-Krankheiten und andern unflätigen Sachen zu reden wissen, ferner von Fallsucht, Aussatz, Geschwüren, Krätze und Pest, wodurch sie den umsitzenden Gästen nichts als einen Ekel beim Essen und Trinken verursachen.

Und mein, nehmet doch wenn ihr wollet, einen Medicum, dass er euch soll in einer bürgerlichen Sache einen Rat geben oder Trost zusprechen, da werdet ihr nichts Ungeschickteres und Ungereimteres sehen; und vielleicht darum, weil der Medicorum Disziplin (wie der Vornehmste unter ihnen saget) nicht von Tugenden oder guten Sitten handelt, sondern[80] (wie er weiter saget) wie ein von Natur guter Medicus böse Sitten an sich nehmen soll.

Wir wissen, dass in vielen Städten durch öffentliche Edicta und Plebiscita verboten ist, dass die Medici in keinen Ratstuhl oder den Magistrat sollen gezogen werden, nicht vielleicht so wohl darum, dass sie ganz und gar ungeschickt darzu wären oder von schlechten Sitten, sondern vielmehr, weil sie meistenteils unflätig sind, und durch stete Anrührung der Kranken sich so beflecken, dass sie nicht allein die nebenst ihnen stehende Leute anstecken, sondern auch die Stühle und Bänke, ja sogar die Steine damit besudeln und infizieren, wie Lucilius, ein griechischer Poet, von einem Medico dieses Epigramma, welches hernach Ausonius ins Lateinische bracht, gar schön geschrieben.


Alcon hesterno signum Jovis attigit, ille

Quamvis marmoreus vim patitur medici.

Ecce hodie jussus transferri ex aede vetusta,

Effertur, quamvis sit Deus atque lapis.


Das ist: Der Alcon hat gestern das Bild des Jovis angerühret, und ob es gleich steinern, so ist es doch durch die Gewalt des Arztes verderbet worden, und als man es heute befohlen herauszutragen, ist es auch geschehen, ob es gleich nur ein Stein, doch aber auch ein Gott war.

Wann sie nun aber bei ihrer medizinischen Beratschlagung zusammen kommen, zu untersuchen, was der Patiente dieselbe Nacht an Wasser gelassen oder offenes Leibes gemachet hat, da lassen diese unschätzbare Mörder als Oberzunftmeister der Schwitze-Bänke ihren Machtspruch über des armen Patienten Leben oder Tod ergehen; man muss sich verwundern, aber dabei auch sich beklagen, mit was für elenden und nichtswürdigen Streitigkeiten, und oftermals nicht einer mit dem andern einig, sie aufgezogen kommen; sie streiten bei dem Bette des Kranken,[81] nicht, als wann sie zu kurieren, sondern zu disputieren wären berufen worden, also dass nach des Menandri Meinung, ein solcher zänkischer und wäschhafter Medicus die andere Krankheit des Patienten ist, gleich als wann die Worte und nicht die Werke für die Krankheit nötig wären. Da müssen die Aphorismi, welche sie in Schulen gelernet, mit sonderlicher Ostentation herhalten, da muss der Hippocrates, Galenus, Avicenna, Rhazes, Averroes, der Conciliator und andere, die sie für Götter halten, zu Zeugen angeführet werden, damit ja der gemeine und ungelehrte Mann grosse Ästime von ihnen machen möchte; wann sie nun erstlich mit einem grossen Gepränge von Ursprung und Ursache der Krankheit, von Signis und Affekten, von Humoren, von kritischen Tagen oder andern Zufällen vergebens und lange genug gestritten haben, so schliessen sie endlich so kaltsinnig auf ein Mittel, welches doch das Hauptwerk sein müsste; und will keiner dem andern, wie ohnedas die Missgunst bei ihnen am grössten ist, seine Arcana, wie sie sie nennen, offenbaren, gleich als wann für den einen verloren wäre, was er dem andern sagete. Wann nun endlich die gemeine Art zu kurieren nicht helfen will, so suchen sie eine andere, welche sie die empirischen Mittel nennen, herfür und sagen, wann auf dem Notfall die Vernunft nicht helfen will, so muss die Verwegenheit das Beste tun; ja, sagen sie, es ist besser zweifelhaftige Hilfe als gar keine Hilfe zu versuchen, und man muss endlich abwarten, wie es mit der Krankheit will ablaufen, weil Hippocrates verbeut, desparaten Patienten Arznei zu geben.

Wann es nun gar mit ihm auf die Neige kommet, so fangen sie an religiosisch zu werden, überlassen die Heilung einem Heiligen oder verschreiben dem Patienten das letzte Rezept: Recipe tabellionem unum, testes numero septem, adde sacerdotem cum aqua et oleo benedictis quantum sufficit et dispone domui tuae, quia morieris. Das ist: Recipe einen Notarium, dazu sieben Zeugen, beschicke dein Haus; füge weiter[82] hinzu einen Priester mit Wasser und Öl quantum satis; denn du musst sterben.

Dahero hat ein berühmter Medicus, Rhazes genannt, welchem der Patienten leichtglaubige Torheit und der Medicorum streitsüchtiger Unverstand wohl bewusst gewesen, geraten, dass ein Patiente nur einen Medicum gebrauchen solle, weil der Irrtum eines einzigen weniger Schande bringet, der Nutzen eines einzigen aber diesem viel Lob eintraget. Sind aber viele Ärzte da, so gehet es schlecht. Das bezeuget eine alte Jnscription auf einem Grabmal: Turba hic medicorum periit. Dieser ist gestorben an der Menge der Ärzte. Und ist ein griechisch Sprichwort: Multorum medicorum introitus aegrum perdidit. Der Einzug vieler Medicorum hat den Patienten ums Leben gebracht. Dieses ist auch die Rede des sterbenden Adriani gewesen, wann er gesaget: Medicorum turba principem perdidit. Das ist: Der Haufe der Ärzte hat den Fürsten getötet.

Und es bleibet wohl dabei, dass kein besser und sicherer Mittel ist, sein Leben und seine Gesundheit zu erhalten, kann auch kein besseres gefunden werden, als wenn man sich von den Medicis enthalte. Die Gesundheit des Leibes muss Gott und nicht den Medicis zugeschrieben werden; daher wurde Asa, der König in Juda, von dem Propheten des Herrn gestrafet, dass er in seiner Krankheit nicht den Herrn gesuchet, sondern sich mehr auf die Ärzte verlassen hätte, weil durch ihr Raten niemand kann gesund werden, und ist ein armseliges Leben, wann man sich auf ihre Hilfe verlassen soll. Lass es wahr sein, die Medici wüssten (aber wollte Gott, dass sie es wüssten) alle Wirkungen, Mächte und Kräfte der Elementen, Wurzeln, Kräuter, Blumen, Früchte, Samen, nämlich Samen der Tiere, der Mineralien, auch alles dessen, was sonsten die Natur als Mutter aller Dinge uns herfür gegeben hat, so können sie doch mit allen diesen nicht einen einzigen Menschen unsterblich machen,[83] oder (welches noch viel weniger ist) von einer geringen Krankheit befreien.

Ach wie oft geschieht's, dass eine Arznei, welche hat nutzen sollen, nicht genutzet, und welche hat purgieren sollen, nicht purgieret hat! Wie oft ist die Krankheit wiederkommen, und endlich, nach langgehabter Arbeit und aufgewandten vielen Unkosten, in Gegenwart des Medici der Tod erfolget.

Mein, was sollen wir nun vor ein Vertrauen zu denen Medicis haben, wann, wie unter ihnen der Vornehmste, Hippocrates, saget, ihre Experienz betrüglich ist? Was haben wir von ihnen zu hoffen, wann's wahr ist, was Plinius schreibet: Nullam artem inconstantiorem medicina esse, etiamnum saepius immutari. Das ist: Es ist keine Kunst unbeständiger, auch keine der Veränderung mehr unterworfen, als die Medizin.

Vor Zeiten sind viel Menschen gewesen und sind ihrer auch noch, die ohne Medicos gelebet, stark und gesund geblieben und das höchste Alter erlanget, ja über 100 Jahr gelebet haben. Hingegen hat es zärtliche und delikate Nationes gegeben, welche sich des Rats und Hilfe der Medicorum gebrauchet, bei denen wir gesehen, dass sie bei jungen Jahren gealtert und zeitlich gestorben sind. Ja wir sehen auch bei denen Medicis selbsten, dass sie mehr als andere Leute kranken und in ihren besten Jahren dahinschleichen.

Dahero hat ein Spartaner den andern gefraget: Wie befindest du dich, fehlt dir auch was? Darauf er geantwortet: Nein, mir fehlt nichts, weil ich mich mit keinem Medico vermählet habe. Und als er ihn weiter fragete: Wie bist du denn so alt worden? hat er geantwortet: weil er niemals keinen Medicum gebrauchet hätte. Damit hat er gewiesen, dass kein besserer und sicherer Weg zum Alter und zur Gesundheit sei, als wann man des Medici müssig ginge.

Aber wollte einer sagen, es sind gleichwohl durch Hilfe der Medicorum viel Leute gesund worden, denen antworten wir: Es sind ihrer mehr durch ihre[84] Hilfe gestorben, und denen die Arznei nicht geholfen hat, und setzen ihnen entgegen das, was Ausonius saget: Evasere fati ope, non Medici. Das ist: Sie sind dasmal dem Tode entwischet durch Hilfe des Schicksals, nicht durch die Hilfe des Medici.

Die Arcades brauchten vorzeiten keine andere Arznei als die Frühlingsmilch, weil zu dieser Zeit die Kräuter am saftigsten und heilsamsten sind; sie erwählten die Kuhmilch, weil diese Tiere allerhand Kräuter fressen. Die Laconier, Babylonier, die Ägyptier und Lusitanier (wie Herodotus und Straho Zeuge sind), die verwarfen alle Medicos und brachten ihre Kranken auf die Gassen und Plätze, damit, wann sie etwan Leute anträfen, die an der gleichen Krankheit gelitten, dieselben um Rat fragen und dergleichen Mittel auch gebrauchen könnten, und meineten (wie Cornelius Celsus dafürhält), dass zu einer Kur nichts besser täte als die Erfahrenheit; denn man ist es gewahr worden, dass dadurch die allergelehrtesten Medici von einer alten Bauersfrau oftermals sind übertroffen worden, und dass dieselbe mit einem ihrer Kräuterchen mehr ausgerichtet habe als die berühmtesten Medici mit allen ihren kostbaren und weither geholten Arzneien. Denn indem sie mit ihren vielfältigen Mixturen (da doch die Natur solche Mittel, die für sich alleine genug sind, uns an die Hand gibet) alles durcheinander mischen, und durch die Komposition so vieler Ingredientien die Krankheit wegzutreiben suchen, nichts anders tun als dass sie ihre Kunst eher auf Konjekturen als auf die wahren Ursachen gründen, das Leben des Kranken also dem Raten und dem Zufall anheimstellen. So eine alte Frau kennt aber vielleicht oftermals ein Simplex oder eine Arznei für sich alleine und kann, wann sie nur desselben Kraft und Wirkung verstanden, die Krankheit leichter heilen.

Die Medici aber überreden die Patienten, als wann sie mit nichts anders als mit kostbaren und aus Indien oder Spanien mit grossen Unkosten hergeholten Arzneien[85] kurieren könnten, da doch durch diejenigen Mittel und Kräuter, welche leicht zu finden und ein Geringes kosten, auch wir in unseren Gärten wohl selbsten haben, und also durch solche Hausmittel und geringe Kräuterchen der Patient seine Gesundheit viel eher erlangen könnte. Überdieses so gebrauchen sie sich unterweilen mit einer sonderbaren Klugheit einer wunderlichen Kur, die sie etwan aus einem betrüglichen Buche gelesen, damit sie dadurch ihren Wucher desto besser treiben können, da doch die Natur uns auf die Kräuter weiset, und derselben Eigenschaften, Farben, Gestalt, Geschmack und Geruch zu betrachten uns lehret; auch die vornehmsten Medici selbsten müssen bekennen, dass sie oftermals von alten Weibern solche köstliche Mittel gelernet haben, welche, dass sie unsern Nachkommen zum Besten aufgeschrieben würden, wert wären, wie dergleichen Medikament wider die Kopf-Wehetage der Avicenna hoch gehalten.

Dieweil nun eine Medizin, welche uns die Gesundheit wiederbringen soll, in einer gewissen Proportion der Ingredientien nach Proportion des menschlichen Leibes bestehen soll, wie das die alten grossen Ärzte richtig erkannt haben, so sollte ja dieses der Medicorum grösste Sorge sein, damit recht zu gebaren. Was ist das nur bei ihnen für eine unverschämte Kühnheit, dass sie solches nach ihrem Gefallen mischen, verändern, etwas darvon oder darzu tun, oder gar davon nichts wissen oder solches verachten; dahero geschicht es oftermals, dass zwar durch Konsonanz der Arznei die Gesundheit könnte hergestellt werden, durch die Dissonanz zwischen Arznei und Körper sie nichts als Schmerzen, Schauer und Vermehrung der Krankheit verursachen, ja auch bisweilen den Tod selbsten zuwege bringen. Daher es kommet, dass oftermals ein alt Bauernweiblein mit einem und dem andern schlechten Kräutchen viel sicherer kurieret, als ein vornehmer Medicus mit seinen kostbaren Wunderarzneien, die doch nach nichts anders als nach betrüglichen Konjekturen[86] zusammengesetzt sind. Es sind dieser Meinung viel erfahrene Leute, sowohl Philosophi als Medici gewesen, welche dafürgehalten, dass man nicht anders als mit Simplicibus kurieren sollte. Dahero sie viel schöne Schriften von deren Kraft und Wirkung der Nachwelt hinterlassen haben; also hat geschrieben Chrysippus vom Kohl, Marchion vom Rettig, Diocles von der Rübe, Phanias von der Brennessel, Apulejus von der Betonica und viel andere von anderen Sachen.

Aber die Medici von der heutigen Welt, die halten nicht allein von Simplicibus nichts, sondern verlachen diese Kur, als wann die Alten gar Narren gewesen wären, und nennen noch auf diese Stunde diejenigen Simplices und einfältige Leute, die von Simplicibus was halten. Derowegen wollte ich recht aufrichtig raten, dass, wann man ja Medicos als ein Malum necessarium gebrauchen sollte und müsste, dass man die, welche mit Simplicibus kurieren, brauchen möchte; hingegen die von der à la mode Werkstatt als leichtfertige und betrügerische Versucher meiden und von sich stossen sollte.

Denn was tun sie doch anders als dass sie durch ihre wunderliche Kompositionen unsere Krankheiten zu einem Geldgeschäfte machen und über unser Leben das Los werfen; denn indem sie solche zusammengesetzte Arzneien, welche aus so unterschiedenen und oft unter sich streitenden Speciebus bestehen, komponieren, so ist es ja schwer oder fast unmöglich, dass man von einer solchen Medizin etwas Gewisses statuieren kann, sondern es bestehet nur alles in ihrer Phantasie und in blossem Mutmassen; auch menget der Medicus oft solche Sachen zusammen, von denen jede einzelne nützlich sein könnte, wie sie ihm nur einfallen und das plumpe Los oder der Zufall ihm also an die Hand gibet oder wie der Raptus, dieses oder jenes zu erwählen, oder ein Instinctus dem Medico hat beifallen lassen. Und dieses ist's, was insgemein gesaget wird und die Medici selbst bekennen müssen, dass ein Medicus[87] glücklicher ist als der andere, und oftermals der Ungelehrte mehr als der Gelehrte. Ich selbsten habe einen Medicum gesehen und gekannt, der ein gelehrter Mann, aber dabei so unglücklich gewesen, dass die wenigsten Patienten unter seiner Hand sind lebend davonkommen. Hingegen habe ich einen Halbwisser gekannt, der fast alle seine Patienten, auch die so wegen desperaten Krankheiten von andern Ärzten aufgegeben waren, glücklich kurieret hat. So erinnere ich mich auch, dass ich von einem Medico gelesen, dem alle vornehme und grosse Patienten davonkommen, die geringen aber gestorben sind. Sonach könnet ihr ja leichtlich ermessen, dass Ladenarzneikunst, bei welcher mehr das Glück als die Kunst tut, auf nichts anderes, als auf ein blosses Geratewohl bestehet; dahero bleibt es wahr, dass solche weit von sich zu stossen und als eine giftige und tödliche Kunst zu verdammen sei.

Die Römer haben vor Zeiten unter dem Catone Censorio alle Medicos aus der Stadt Rom und aus ganz Italien vertrieben, teils darum, weil sie wahrgenommen, dass durch ihre Lügen, Grausamkeit und Betrug mehr Leute ums Leben gebracht, als sie gesund gemachet haben; teils darum, weil sie als Gifterfahrne durch Hass, Ehrgeiz oder Gewinnsucht leicht hätten können dahingebracht werden, dass sie einem Andern Gift beibringen anstatt Arznei oder den Menschen sonsten ums Geld nach seinem Leben stellen möchten. Wie der Medicus des Pyrrhi (ob es Timocharis, wie Gellius dafür hält, oder Nicias, wie andere meinen, gewesen), der dem Fabricio versprochen, dass er mit seiner vergifteten Medizin seinen Herrn wollte ums Leben bringen; dafür gleichwohl Fabricius einen Abscheu gebabt und den Pyrrhum, ob er schon sein Feind gewesen, durch einen Brief gewarnet, dass er sich vor seinem Medico hüten sollte. Wovon Claudianus dieses schreibet: die Römer haben allerzeit diejenigen verachtet, welche mit Betrug und Hinterlist sind umgegangen. Diesfalls hat auch der Fabricius[88] dem Könige Pyrrho entdecket, dass ihn sein Leibmedicus mit giftigen Arzneien hat wollen hinrichten; und ob sie gleich als Todfeinde einander bekriegeten, war es ihm doch zuwider, dass er sollte so schändlich um sein Leben kommen. Gleicher Gestalt schreibet Cato an seinen Sohn von den griechischen Medicis, dass sie sich miteinander verschworen hätten, alle Barbaren mit ihrer Medizin ums Leben zu bringen; und das wollten sie um Lohn tun, damit sie alles zuverlässiger zugrunde richten könnten. Und kurz darauf spricht er: Daher kommt so grosse Hinterlist bei Aufrichtung der Testamente, daher geschehen Mordtaten unter Eheleuten und Ehebrüche, auch wohl bei den grössten Häusern der Fürsten und grossen Herren, wie das Exempel des Kaisers Drusi und der Liviae klar bezeuget.

Socrates selbsten, als einer von den vornehmsten Philosophis hat (bei dem Platone) verboten, dass der Medicorum in der Stadt nicht zu viel werden möchten; und wäre noch heutiges Tags einer Republik und Gemeine viel nützlicher und besser, wann entweder gar keine oder doch gar wenige Ärzte in derselben zu finden wären. Ja zu wünschen wäre es, dass ein Gesetze gegeben würde, dadurch die Nachlässigkeit und Unwissenheit der Medicorum capitaliter möchte gestrafet werden. Denn es ist ja kapital und ist kein Unterschied zu machen, ob der Medicus durch Unerfahrenheit oder durch Nachlässigkeit, durch Torheit oder durch Bosheit, mit Fleiss oder unversehens vor Arznei Gift verordnet, und den Menschen in die äusserste Gefahr seines Lebens stürzet; und sollte es (wie Plinius saget) so einem Medico eine Tötung nicht vor so ungenossen oder ungestrafet ausgehen, welcher fürwahr in diesem Stück mit dem Henker gleiche Ehre hat, dass er nämlich einen Menschen ums Lohn töten kann, und dass ihm solche Mordtat (da doch das Gesetze allen Mördern eine gewisse Strafe diktieret) nicht allein ungestraft hinausgehet, sondern er auch noch gar deswegen reiche Belohnung bekommet;[89] doch ist das der Unterschied unter ihm und dem Henker, dass dieser auf eingeholtes Urteil und Recht die Schuldigen, der Medicus aber ohne rechtliches Erkenntnis durch seine betrügerische Kunst die Unschuldigen ums Leben bringet.

Dahero ist das päpstliche Recht gar nicht ungereimet, wann es den Klerikern verbeut, zu kurieren oder Ärzte zu agieren, weil dieses so eine blutige Kunst ist, dass, wann man einem Mönche nachliesse, einen Medicum zu agieren, so müsste ihm auch freistehen, ein Henker oder Scharfrichter zu werden. Portius Cato hat daher nicht unweislich alle Medicos von sich weggehen lassen, teils weil sie Ruhm in ihrer Wissenschaft durch neue Sachen erreichen wollen, teils weil sie ihre Experimenta durch den Tod ihrer Patienten versuchen, und so ihre Kunst mit unserer höchsten Gefahr lernen und gleichsam nur mit unserm Leben Wucher und Gewinst treiben, und das Übel, so einem Menschen zustösset und in kurzer Zeit wegzunehmen gewesen wäre, nur verlängern oder oftermals gar vermehren.

Diesem greulichen Betrug aber vorzukommen, haben die alten Ägyptier weislich geordnet, dass ein Medicus den Kranken bis zum dritten Tage auf seine, des Kranken, nach dem dritten Tage aber auf des Medici Gefahr kurieren sollte.[90]

Quelle:
Agrippa von Nettesheim: Die Eitelkeit und Unsicherheit der Wissenschaften und die Verteidigungsschrift. München 1913, Band 2, S. 72-91.
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»In der jetzigen Zeit, nicht der Völkerwanderung nach Außen, sondern der Völkerregungen nach Innen, wo Welttheile einander bewegen und ein Land um das andre zum Vaterlande reift, wird auch der Dichter mit fortgezogen und wenigstens das Herz will mit schlagen helfen. Wahrlich! man kann nicht anders, und ich achte keinen Mann, der sich jetzo blos der Kunst zuwendet, ohne die Kunst selbst gegen die Zeit zu kehren.« schreibt Jean Paul in dem der Ausgabe vorangestellten Motto. Eines der rund einhundert Lieder, die Hoffmann von Fallersleben 1843 anonym herausgibt, wird zur deutschen Nationalhymne werden.

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