24. Eingriff in priesterliches Recht und Eigenthum.

[28] V, 18.


1. Nicht gaben diese dir, o Fürst! die Götter, dass du sie verzehrst.

Begehr nicht die verbotne Speis, du Ritter! – des Brahmanen Kuh!

2. Der Edelmann, den's Spiel betrog, der schurkisch selber sich verlor,

Der speist wohl des Brahmanen Kuh: »Lebt heut er noch, so ist's genug!«

3. Was ihre Haut umhüllt, das ist so schlimm, als eine giftge Schlang.

Lass dem Brahmanen, Herr! die Kuh, ihr Fleisch ist rauh, man isst sie nicht.

6. Man tret dem Priester nicht zu nah, wie man sich vor dem Feuer scheut,

Denn Soma ist der Erbe sein, und Indra wehrt von ihm den Fluch.

7. An hundert Widerhaken hat's, er schlingt und bringt's doch nicht hinab,

Der Thor, dem's süsse Speise dünkt, dass er ess, was des Priesters ist.

10. Die Herren einer Tausendschaft, selbst zehn der Hunderte an Zahl,

Die Vaitahavyas kamen um, da sie des Priesters Kuh verspeist.

11. Die Kuh, die sie abschlachteten, kam über die Vaitahavyas, –

Die Kesaraprābandhā's Thier, ihr letztes Zicklein, sich gekocht.

12. Einhunderteine Sippe war's, die's Erdreich von sich schüttelte,

Sie hatten Priestervolk verletzt, und sie verschwanden wunderbar.

14. Gott Agni weiset uns den Weg, Soma wird unser Erb genannt;

Den, der uns flucht, bringt Indra um, des Gotts Verehrer wissen das.

15. Dem giftbestrichnen Pfeil, o Fürst! der Natter gleich ist's, Mächtiger!

Gefährlich ist des Priesters Pfeil, damit die Lästrer er durchbohrt.


4. Der Herrschaft Ende ist's, der Tod des Lebens;

weg brennt es alles, wie auflodernd Feuer, –

Wer es auf priesterliche Speise abgesehen,

der trinkt fürwahr vom Gifte des Taimāta.[28]

5. Wer solchen umbringt, weil er ihn für schwach hält,

ein Gotteslästrer, geizig und verblendet,

Dem zündet Indra an ein innres Feuer,

den hasst auf jedem Schritte Erd und Himmel.

8. Die Zung ist Sehne, Pfeilhals Stimm, die Luftröhr

Pfeilspitze, mit der Selbstpein Gift bestrichen:

Der Priester schiesst damit die Gotteslästrer,

in's Herz trifft er mit gottgeschnelltem Bogen.

9. Den Priestern fehlt es nicht an spitzen Pfeilen,

und nicht umsonst entsenden sie Geschosse;

Kraft der Askese und des Zorns nachjagend

durchbohren sie von ferne selbst solch einen.

13. Wie ein Vergifteter weilt unter Menschen

und zum Skelett verdorrt der Gotteslästrer.

Wer sich vergreift am gottverwandten Priester,

kommt nicht zur Welt, darin die Selgen wohnen.


V, 19.


1. Unmässig kamen sie empor, beinah den Himmel streiften sie.

Die Unthat gegen Bhṛigu stürzt' die Sṛiñjayas Vaitahavyas.

2. Den Bṛihatsāman A giras, den Priester haben sie durchbohrt,

Da frass ein doppelzähnig Thier, ein Schafbock, ihre Kinder auf.

3. Wer einen Priester angespuckt, wer einen solchen angeschnäuzt,

Sitzt einst in einem Strom von Blut, und Haare sind es, was er kaut.

4. So lang die Priesterkuh noch zuckt, die man zum eignen Mahl behielt,

Nimmt sie schon weg der Herrschaft Glanz; kein Heldensprössling kommt zur Welt.

5. Ein Greuel ist's, sie auszuhann; ihr Fleisch ist rauh, wenn man's verzehrt,

Und, wenn man trinkt von ihrer Milch, vergeht man an den Manen sich.

6. Wenn des Brabniauen Gut der Fürst in stolzem Machtgefühl erpreast, –

Wie weggeschüttet wird solch Reich, wo man die Priesterschaft bedrückt.

7. Acht Füss, vier Augen kriegt das Thier, vier Ohren, der Kinnladen vier,

Zwei Mäuler und zwei Zungen auch, damit wirft es die Herrschaft ab.

8. Verderben dringt in solches Reich, wie Wasser durch des Schiffes Leck.

Wo man dem Priester Schaden thut, am Unglück geht solch Reich zu Grund.

9. Wer das, o Nārada! begehrt, was einem Priester angehört,

Den wehren Bäume selbst von sich: »Tritt nicht in unsern Schatten ein!«

10. Es ist so gut als Göttergift, – hat König Varuṇa gesagt;

Wer des Brahmanen Kuh verspeist, wird auf dem Herrscherthron nicht alt.

11. Die neunmal neunzig an der Zahl, die's Erdreich von sich schüttelte,

Die hatten Priestervolk verletzt, und sie verschwanden wunderbar.[29]

12. Das Büschel, das der Todten sie anbinden, das die Fussspur tilgt,

Das wird dein Bette, Priesterfeind! so kündigten's die Götter an.

13. Die Thränen, die dem Jammernden, den du misshandeltest, entrollt,

Die sind das Wasser, Priesterfeind! das dir die Götter zugestehn,

14. Das Wasser zu dem Todtenbad und das, womit den Bart man netzt,

Das ist das Wasser, Priesterfeind! das dir die Götter räumen ein.

15. Den Priesterfeind beregnet nicht der Regen Mitra- Varuṇa's;

Was er mit andern plant, glückt nicht, kein Freund gibt sich in seinen Dienst.

Quelle:
Hundert Lieder des Atharva-Veda. Tübingen 1879 [in: Schulschriften a. d. Kgr. Würtemberg. Nachtrag 1869–80], S. 28-30.
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