Die einzelnen Linien

[144] Anfangs eine Neun bedeutet:

Fester Abschluß innerhalb der Sippe. Reue schwindet.


Die Familie muß eine festbegrenzte Einheit bilden, innerhalb deren jedes Glied seinen Platz kennt. Von Anfang an müssen die Kinder an feste Ordnungen gewöhnt werden, noch ehe ihr Wille auf anderes gerichtet ist. Wenn man zu spät mit der Durchsetzung der Ordnung beginnt, wenn der Wille der Kinder schon verwöhnt ist, so leisten die großgewordenen Launen und Leidenschaften Widerstand, und es gibt Anlaß zur Reue. Wenn man mit der Ordnung rechtzeitig beginnt, so kommen wohl auch[144] Anlässe zur Reue vor. Sie sind beim Zusammenleben in größerem Kreis unvermeidbar. Aber die Reue schwindet immer wieder. Es zieht sich alles zurecht. Denn es gibt nichts, das leichter vermeidbar und schwerer durchführbar wäre, als den Kindern »den Willen zu brechen«.


Û Sechs auf zweitem Platz bedeutet:

Sie soll nicht ihrer Laune folgen.

Sie soll im Innern für Speise sorgen.

Beharrlichkeit bringt Heil.


Die Frau soll sich immer nach dem Willen des Hausherrn richten, sei es des Vaters, des Gatten oder des erwachsenen Sohnes1. Ihre Stellung ist inmitten des Hauses. Hier hat sie große und wichtige Pflichten, die sie nicht erst zu suchen braucht. Sie muß für die Nahrung der Angehörigen und die Opferspeisen sorgen. Dadurch wird sie zum Mittelpunkt für das gesellschaftliche und religiöse Leben der Familie. Beharrlichkeit in dieser Stellung bringt dem ganzen Hause Heil.

Auf allgemeine Verhältnisse übertragen, wird der Rat erteilt, nichts gewaltsam zu suchen, sondern auf die vorhandenen Pflichten ruhig sich zu beschränken.


Neun auf drittem Platz bedeutet:

Wenn es in der Sippe hitzig zugeht,

so entsteht Reue über zu große Strenge.

Doch Heil!

Wenn Weib und Kind tändeln und lachen,

so führt das schließlich zur Beschämung.


In der Familie soll die rechte Mitte zwischen Härte und Läßlichkeit herrschen. Zu große Strenge gegen das eigene Fleisch und Blut führt zu Reue. Das beste ist, feste Dämme zu errichten, innerhalb derer den einzelnen volle Bewegungsfreiheit gelassen wird. Doch ist im Zweifelsfalle zu große Strenge trotz einzelner Mißgriffe besser, weil die Zucht der Familie erhalten bleibt, als zu große Schwäche, die zu Schande führt.


Sechs auf viertem Platz bedeutet:

Sie ist der Reichtum des Hauses.

Großes Heil!


Die Hausfrau ist es, von der der Wohlstand der Familie abhängt. Wohlstand herrscht immer dann, wenn Ausgaben und Einnahmen[145] zueinander in gesundem Verhältnis stehen. Das führt zu großem Heil. Aufs öffentliche Leben übertragen, ist hier der treue Haushalter gemeint, der das allgemeine Wohl durch seine Maßregeln fördert.


Û Neun auf fünftem Platz bedeutet:

Ein König naht er seiner Sippe, fürchtet euch nicht.

Heil!


Ein König ist das Bild eines väterlichen, innerlich reichen Mannes. Er handelt nicht so, daß man sich vor ihm fürchten muß, sondern die ganze Familie kann Vertrauen haben, weil die Liebe herrscht im Verkehr2. Sein Wesen übt ganz von selbst den rechten Einfluß aus.


Oben eine Neun bedeutet:

Seine Arbeit ist ehrfurchtgebietend.

Schließlich kommt Heil.


Die Ordnung der Familie beruht letzten Endes auf der Person des Hausherrn. Wenn er seine Person so ausbildet, daß sie in der Kraft innerer Wahrheit imponierend wirkt, dann geht in der Familie alles gut. Man muß die Verantwortung in leitender Stellung selbst auf sich nehmen.

Fußnoten

1 Vgl.: »Dienen lerne beizeiten das Weib nach seiner Bestimmung.«


2 Vgl.: »Furcht ist nicht in der Liebe.«


Die einzelnen Linien
Quelle:
I Ging. Köln 141987, S. 144-146.
Lizenz:

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