VIII, 45. [665.] An Indra.[465] 464

1. Herbei, die Agni zünden an

und reihenweise streun das Gras,

Die lieb dem Jüngling Indra sind.

2. Hoch ist ihr Brennholz, reich ihr Lob

und ihre Opfersäule breit,

Die lieb dem Jüngling Indra sind.

3. Ja, unverwehrt verjagt durch Kampf

der Held den Feind durch tapfere,

Die lieb dem Jüngling Indra sind.


4. Der Vritratödter nahm den Pfeil,

geboren fragt die Mutter er:

Wer ist gewaltig, wer berühmt?

5. Da sprach zu dir die kräftige:

Wie Nebel auf des Berges Höh'

Wird kämpfen, der dir feind gesinnt.

6. Und hör, o mächtiger, auf den,

der von dir wünscht, das wünsch auch du,

Was du befestigst, das ist fest.
[465]

7. Wenn Indra in den Wettkampf geht,

kampfwirkend, schöner Rosse froh,

So ist der Lenker bester er.

8. Die Gegner treib', o Blitzer, schnell

hinweg, dass weit sie sich zerstreun,

Und sei du uns zu höchstem Ruhm.

9. Voran lass unsern Wagen schnell

zur Preiserlangung, Indra, gehn,

Den Böse nicht beschädigen.


10.465 Wir mögen deinem Hass entgehn

zur Hand sein deiner Gab', o Held,

O Indra, der du Kühe schenkst,

11. Auch langsam gehend, Schleuderer,

doch rossversehen hundertfach

Und unvergleichlich, reich an Gut.

12. Denn hunderttausend Gaben sind

dir aufgeschichtet Tag für Tag,

Wenn du den Sängern Güter schenkst.


13. Denn als erbeutend kennen wir

und Festen brechend, Indra, dich,

Als den, der uns Besitz erkämpft.

14.466 Die Indu's mögen dich erfreun,

o weiser, kühner, hoher, dich,

Wenn wir des Geiz'gen Gut erflehn,

15. Des Reichen, welcher dir nicht dient,

der Gaben mitzutheilen säumt,

Dess Reichthum bringe uns herbei.


16. Auf dich, o Indra, blicken hier

die Freunde, Soma bringend, aus,

Wie auf das Vieh die mästenden.

17. Und dich, der du für uns nicht taub

zur Hülfe hörend machst dein Ohr,

Dich rufen wir von ferne her,

18. Damit du hörest unsern Ruf

und dir ihn unvergesslich machst;

So sei denn unser nächster Freund.


19. Denn wenn wir je dir waren werth

als die, die deine Wege gehn,

So schenke, Indra, Rinder uns.

20. Wir stützen uns, o Herr der Kraft,

auf dich, wie Greise auf den Stab,

Dich wünschen wir in unserm Sitz.[466]

21. Dem Indra singet Lobgesang,

dem mannesstarken, tapferen,

Dem niemand widersteht im Kampf.


22. Zu trinken giess' ich dir, o Stier,

zum Safte mehr des Saftes hin;

O trink dich voll, berausche dich.

23. Nicht mögen gier'ge Thoren dich,

nicht Spötter dich beschädigen,

Nicht sei den Andachthassern hold.

24. Hier soll'n mit milchgefülltem Trank

sie dich zu reichem Lohn erfreun,

Den See trink aus dem Büffel gleich.


25. Was alt und neues hat vollbracht

der Vritratödter ferne dort,

Das rühmet bei den Festen hoch.

26. Es trank den Soma aus dem Fass

Indra zur tausendarm'gen Schlacht,

Da wies er seine Manneskraft.

27. Die wahre Kraft, die niemand hemmt,

gab er dem Jadu, Turvaça,

Errang durch seine Müh' den Sieg.


28. Ihn, der die Feinde euch besiegt,

den rinderreichen Stall erschliesst,

Mit euch vereint ist, preis' ich nun,

29. Den unhemmbaren Ribhuherrn,

den Indra, Freund der Tugrier,

Bei Sprüchen, bei des Soma Saft,

30. Der dem Triçoka spaltete

den breiten Berg mit weitem Schooss,

Und freie Bahn den Kühen schuf.


31.467 Was, Indra, du ersinnst und thust,

was du erfreut uns schenken willst,

Das schaff nicht fort von hier, sei hold.

32. Denn auch das kleinste, was du thust,

so wie du bist, ist weltberühmt;

Dir, Indra, komme kühner Muth.

33. Auch diese Lieder seien dein,

und dein die Preisgesänge auch,

Damit du, Indra, hold uns seist.


34. Nicht tödte uns um einen Fehl,

noch auch um zweie oder drei,

Auch nicht um viele uns, o Held.[467]

35. Denn ich bin voller Furcht vor dir

der du so stark bist, so zerbrichst,

Und, hehrer, jedem Angriff wehrst.

36. Lass nicht den Freund verlieren mich,

noch einen Sohn, o mächtiger;

Es neige hold sich her dein Sinn.


37.468 Wer, o ihr Männer, sagte je

als Freund vom Freunde ungereizt:

Verschmähend lässt er uns im Stich?

38. Beim Soma, nimmersatter Stier,

der recht dir ist, verschlangst du viel,

Dem Spieler gleich, als her du kamst.

39. Dein wortgeschirrtes Füchsepaar

halt hier ich sammt dem Wagen an,

Damit den Beter du beschenkst.


40. Die Hasser alle stosse fort,

die Feind' und Schmäher schlage rings,

Bring' her das Gut, das wir ersehnt.

41. Was in der Feste, in der Burg,

was, Indra, in der Schlucht sich birgt,

Das Gut bring' her, das wir ersehnt.

42. Das reiche, was die ganze Welt

bezeuget als von dir geschenkt,

Das Gut bring' her, das wir ersehnt.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 465-468.
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