VIII, 55. [675.] An Indra.

[481] 1. Mit Ernst und Eifer singend laut,

Keuren Gutvertheiler an,

Um Hülfe Indra bei dem somareichen Fest,

ich ruf ihm einen Jubelgruss.

2. Er, den nicht aufhält wilder starker Feinde Schar,

den schlürfenden beim Somarausch,

Der achtend drauf, dem, welcher eifrig Soma presst,

dem Sänger preisenswerthes schenkt.


3. Der einer Pferdestriegel gleicht,

und goldnem Sporn, der kräftige,

Der Vritratödter Indra, er erschüttert stark

des rinderreichen Stalls Verschluss.

4. Der auch vergrabnen reichlich aufgehäuften Schatz

zuschüttet dem Verehrenden,

mit Füchsen fährt, und Blitze trägt und schönen Helm,

thu' Indra kräftig, was er will.

5. Welch Werk der Männer sonst dir auch

gefiel, o hochgelobter Held,

Das bringen wir, o Indra, allesammt dir dar

mit Opfer, Spruch und kräft'gem Wort.

6. Zum Rausch beim Soma, vielgerufner, blitzender,

o lichter Somatrinker, komm,

Sei du es, der dem Beter, wenn er Soma presst,

am meisten schönes Gut verleiht.


7. Wir haben ihn auch gestern schon

den blitzbewehrten hier getränkt,

In gleicher Weise bring auch heute ihm den Saft,

auf, dienet dem berühmten jetzt.

8. Sogar der Wolf, der wilde, welcher Schafe würgt,

er fügt in Indra's Ordnung sich;[481]

So komm, o Indra, freundlich her zu unserm Lob

geh vor mit schöner Achtsamkeit.


9. Wo ist das Heldenwerk, das nicht

von Indra wäre ausgeführt,

Wo Ruhmesthat, durch die der Vritratödter nicht

berühmt ist stets nach seiner Art?

10.480 Und ist nicht gross, unüberwindlich seine Kraft

des Vritratödters Uebermacht?

Die Geiz'gen all' und eigensücht'gen Wucherer,

dem Indra weichen sie an Kraft.


11. Wir tragen unvergleichliche

Gebete dir, o Indra, vor,

O vielgerufner Vritratödter, Blitzender,

wie Nahrung, wir, die emsigen.

12. Vielwirkender, dir streben viele Wünsche zu,

dich, Indra, ladend zum Genuss;

Auch durch des Feindes Spenden dring', o guter, her

o stärkster, höre meinen Ruf.


13. Wir Sänger, Indra, sind ja dein,

mit dir sind eng verbunden wir;

Denn ausser dir, o vielgerufner, mächtiger,

ist keiner, der uns Huld erweist.

14. Errette du aus dieser Noth uns und Gefahr,

beschütz vor Hunger uns und Fluch,

Mit Hülfe hilf und deiner treuen Sorge uns,

zu Glück uns führend, mächtigster.

(15. siehe Anhang.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 481-482.
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