VI, 46. [487.] An Indra.

[272] Dieses und das folgende Lied sind, wie ihre Stellung zeigt, später der Sammlung eingereiht.


1. Dich rufen ja wir Sänger an,

um zu gewinnen Siegespreis,

Die Männer dich, den tapfern Herrn beim Feindeskampf

und bei des Renners Wettlauf dich.

2. So schütte du blitzhaltender, o glänzender,

du hochgepriesner Schleuderer,

Uns kühnlich zu, o Indra, Rind und Wagenpferd

zusammt als Preis dem Siegenden.
[272]

3. Der allerbeutend, regsam ist,

den Indra rufen wir herbei,

Der tausendfache Kraft und Mannheit hat; o Held,

sei in den Kämpfen uns zum Heil.

4.259 Du stösst im Zorn hinweg die Menschen wie ein Stier,

in wilder Schlacht, o glänzender;

Sei unser Helfer du im grossen Kampfgewühl

um Leiber, Wasser, Sonnenlicht.


5. Bring, Indra, besten, kräftigsten

und reichgefüllten Schatz uns her,

Mit dem du beide Welten füllst, o glänzender,

Blitzträger, mit dem Helm geziert.

6. Dich rufen wir, den starken Menschenbändiger,

o Götterfürst, zu Hülfe dich;

Mach recht, o guter, fest uns alles wankende,

die Feinde leicht besiegbar uns.


7. Was unter Nachbarvölkern ist

an Mannheit, Indra, und an Macht,

Welch Gut bei den fünf Völkern ist, das bringe her,

die Heldenkräfte allesammt.

8. Und was bei Trikschi, starker, was beim Druhju-Volk,

beim Purustamm an Stiereskraft,

Das schenke du uns in der grossen Männerschlacht,

den Feind zu schlagen in dem Kampf.


9. Dreifachen Schutz, der dreifach schirmt,

o Indra, der voll Segen ist,

Die Schutzwehr reiche dar den Mächtigen und mir,

halt fern von ihnen das Geschoss.

10. Die beutelust'gen Sinns den Feind verwundeten,

ihn niederschlagen kühnen Muths;

Uns sei, o Indra, starker, der du Lieder liebst,

recht nahe als des Leibes Schirm.


11. Sei nun, o Indra, uns zum Heil

und hilf dem Führer in der Schlacht,

Wenn in den Lüften fliegen die gefiederten

Geschosse, deren Spitzen scharf.

12. Wo ihre Leiber Helden dehnen breit und hoch,

der Väter lieben Schutz und Schirm,

Da reiche du uns und den Kindern deinen Schutz,

treib unversehns die Feinde fort.
[273]

13. Wenn Indra mit des Renners Flug

die gier'gen Rosse Adlern gleich

Auf ungebahntem Wege auf gekrümmtem Pfad,

du antreibst in der grossen Schlacht,

14. Wie Ströme, die am Abhang gehn in schnellem Schuss,

wenn's rauschet deinem Zuruf nach,

Sie, die wie Vögel auf das Fleisch sich stürzen hin,

gefasst am Zügel mit dem Arm.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 272-274.
Lizenz:

Buchempfehlung

Klingemann, August

Die Nachtwachen des Bonaventura

Die Nachtwachen des Bonaventura

Erst 1987 belegte eine in Amsterdam gefundene Handschrift Klingemann als Autor dieses vielbeachteten und hochgeschätzten Textes. In sechzehn Nachtwachen erlebt »Kreuzgang«, der als Findelkind in einem solchen gefunden und seither so genannt wird, die »absolute Verworrenheit« der Menschen und erkennt: »Eins ist nur möglich: entweder stehen die Menschen verkehrt, oder ich. Wenn die Stimmenmehrheit hier entscheiden soll, so bin ich rein verloren.«

94 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon