I, 173. An Indra.

[168] Das Lied ist reich an Worten, die nur hier vorkommen; die Lesart ist häufig verderbt; die versuchten Deutungen sind daher oft unsicher.


1. Gesang erschalle wie ein Vogel steigend,

lasst singen uns das starke Lied, das lichte;

Die lautern Tränke stehen auf dem Grase,

um herzuziehn den, der im Himmel thronet.

2. Es rauscht der Stier, im Schweiss entflammt von Stieren,

wie ein gefräss'ger Löwe, wenn er aufstürmt;

Als muntrer Priester zeigt er seinen Eifer;

der hehre Jüngling trägt die beiden Welten.

3. Er komm umwandernd die gestellten Sitze

und bring' als Frucht der Erde reiche Herbste;

Es brüllt der Stier, der Hengst beim Fahren wiehert,

als Bote dring' sein Ton zu beiden Welten.

4.165 Zu Indra lasst uns diese Gaben fördern,

die Frommen bringen ihm die Kraftgesänge;

Er, herrlich strahlend, möge sie empfangen,

zum Heil im Wagen fahrend gleich den Rittern.

5. Den Indra preise, welcher wahrhaft stark ist,

der als ein Kriegsheld steht auf seinem Wagen,

Mit Hengsten fahrend, jedem überlegen,

vertreibend auch das festumschlossne Dunkel.

6. Der alle Wesen überragt an Grösse,

dem Erd' und Himmel wie zwei Gürtel passen,

Er legt sich an wie ein Gewand die Erde,

und trägt mit Macht den Himmel wie ein Haarband.[168]

7. Um dich, o Held, den sich als besten Stürmer

die Tapfern wählen, hin zum Kampf zu treiben,

Sind hier vereint beim Mahl die Somafluten,

mit Kräften sprudelnd zu dem Fürsten Indra.

8. Denn recht zum Heil sind dir im Meer die Tränke,

wenn dir in ihnen Himmelswasser sprudeln,

Ein jeder Milchtrank ist dir ja willkommen,

wenn du mit Lust zu Männern kommst und Fürsten.

9.166 Damit wir hier mit gutem Freund vereint sein,

und reich an Hülfen wie durch Lob der Männer,

Dass Indra unsre Preisgesänge höre

und Sprüche leite, wie der Fürst die Arbeit.

10. So sei bei uns der blitzbewehrte Indra,

wie Männer, die mit Wettgesängen streiten;

Sie ehren ihn mit Opfern, zu ihm strebend

wie zu dem Burgherrn Huld und Hülfe suchend.

11. Denn jedes Opfer auch erquickt den Indra,

selbst das verfehlte, wenn es gern gebracht ist,

Wie an dem Quell den Lechzenden die Labung,

wie langer Weg, wenn nur zum Ziel er führet.

12. Nicht sei uns fern, o Indra, nebst den Göttern

in Kämpfen, hier ist, starker, ja dein Antheil,

Des opferreichen Lied, das hier die grossen,

die gnäd'gen Maruts preiset wie im Strome.

13. Hier unser Loblied ist ja dein, o Indra,

für dies, o Rossherr, schenke du uns Wohlfahrt;

Uns mögest du, o Gott, zum Reichthum führen.

Gebt Labung uns und wasserreiche Fluren.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 168-169.
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