X, 89. [915.] An Indra.

[371] Der Dichter stammt, wie Vers 17 zeigt, aus dem Geschlechte des Viçvamitra, weshalb denn dem Liede auch später der in diesem Geschlechte beliebte Schlussvers angehängt ist.


1. Den Indra preis' ich, der durch seine Grösse

bedrängt den Lichtraum und der Erde Enden,

Als Völkerhort in weitem Raum sie füllend,

an Grösse ragend über alle Meere.

2.391 Er liess die Sonne durch die weiten Räume

hinrollen, Indra, wie des Wagens Räder;

Wie einen Strom, der nimmer rastend wirket,

das schwarze Dunkel schlug mit ihrem Licht er.

3. Ich sing' ihm achtsam nun das neue, schönste

Gebet zugleich für Himmel und für Erde;

Dem treuen Indra, der wie Bergesrücken

die Wesen schaut und nicht den Freund im Stich lässt.

4. Dem Indra will ich Lieder nun ergiessen

in stetem Strom, wie Wasser aus dem Meergrund;

Der Erd' und Himmel kräftig, wie zwei Räder

zu beiden Seiten durch die Achse, festhielt.

5.392 Der Muth erregt dem Trinker und Erquickung,

der eifervoll, bewehrt mit Pfeilen vordringt,

Der Soma braust durch Büsche und durch Wälder;

wo er ist, schaden Gegner nie dem Indra.

6.393 Ihm rinnt der Soma, dem nicht Erd' und Himmel,

nicht Wüste, Luft, noch Felsen widerstehen,

Wenn nun sein Zorn zu höchstem Grimm sich steigernd

das Feste bricht, und was da steht, zerschmettert.

7. Er schlug den Vritra, wie die Axt die Bäume,

er brach die Burgen, bohrte Bahn den Strömen,

Wie neuen Krug hat er zerschellt den Felsen,

die Kühe holte Indra mit den Freunden.

8.394 Du, Indra, als der weise Schuld-Verfolger,

zerhaust das Unrecht, wie das Schwert die Glieder,

Der Menschen, die des Varuna und Mitra

Gesetz verletzen, wie den Freund die Bösen.[371]

9. Die bösgesinnt den Arjaman und Mitra

und Varuna, die einigen, beleid'gen,

Auf solche Feinde, starker Indra, schleudre

die starke wucht'ge Flammenkeule nieder.

10. Indra beherrscht den Himmel und die Erde,

die Wasser Indra, Indra auch die Berge,

Die Starken Indra, Indra auch die Weisen;

in Krieg und Frieden muss man Indra anflehn.

11. Der Helfer Indra überragt die Nächte,

die Tage er, die Luft, den Sitz des Meeres,

Des Windes Weite und der Erde Enden,

er überragt die Flüsse und die Länder.

12. Gleich wie der Schein der hellen Morgenröthe

eil' unersättlich vor dein Pfeil, o Indra,

Durchbohre wie ein Schleuderstein vom Himmel,

mit heissestem Geschoss die Lügenfreunde.

13. Dem Indra gaben Monde nach und Wälder,

dem Indra die Gewächse und die Berge,

Dem Indra Erd' und Himmel, gern sich fügend,

die Wasser ihm, sobald er ward geboren.

14. Wann wird dein Eifer sich, o Indra, zeigen,

dass du zerschlägst den Geist, der Unheil brütet,

Wenn dort zerstreut wie Rinder auf dem Schlachtraum

die grause Bande auf der Erde daliegt?

15. Die Feinde, die verworfenen, o Indra,

die mächtig trotzend unsre Güter rauben,

Sie sei'n mit blinder Finsterniss umgeben,

des Tages Helle möge sie vernichten.

16. Wenn dich auch vieler Menschen Tränke locken;

Gebete auch der Sänger, die dich preisen,

So komme her durch alle, die dir singen,

mit Huld zu uns, die Festgebete hörend.

17. So mögen, Indra, wir von dir empfangen

erneute Gunst, die uns Genuss bereitet,

Durch deine Huld das Morgenlicht erleben,

wir Viçvamitra's jetzt auch, dich besingend.

(18 = 264, 22.)

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 371-372.
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