X, 91. [917.] An Agni.

[372] Vers 10 ist = 192, 2.


1. Entzündet wird von wachenden der rauschende,

im Haus der rege Hausfreund an der Andacht Ort[372]

Der Opferer jedweden Tranks, der liebliche,

der kräftig strahlt, ein lieber Freund dem, der ihn liebt.

2. Der wundervoll in jedem Haus als Gast erglänzt,

auf jeden Baum sich wie ein schneller Vogel setzt,

Der keinen Menschen je versäumt, den Menschen hold,

den Häusern hold, die Häuser Haus für Haus bewohnt.

3. Durch Kräfte bist du kräftig und durch Klugheit klug,

allweise, Agni, Seher du durch Seherkraft,

Du bist allein, o guter, alles Gutes Herr,

das auf der Erde, in dem Himmel schön erblüht.

4. Wohl kennend, Agni, deinen regelrechten Sitz,

den butterreichen, nahmst du Platz am Andachtsort,

Es glänzten deine Bahnen wie des Morgenroths

und wie der Sonne fleckenloser Strahlenschein.

5. Wie des Gewölkes Blitze strahlet deine Pracht,

hellleuchtend wie der Morgenröthe Banner glänzt,

Wenn zu den Kräutern und den Bäumen eilend du

die Speisen selbst dir sammelst rings in deinen Mund.

6. Als Keim empfingen Pflanzen ihn zu rechter Zeit,

als Mütter haben die Gewässer ihn erzeugt,

Denselben nun die Bäume und die Kräuter auch,

und immerdar gebären ihn die schwangeren.

7. Wenn gierig du vom Wind bewegt nach Wunsch dich regst,

und deine Speisen rasch ergreifend weiter dringst,

Dann streben deine Flammen Wagenlenkern gleich,

die ewig muntern, Agni, vorwärts hier und dort.

8. Den Priester Agni, der das Opferfest vollbringt,

der Einsicht schafft und liebevoll den Sinn umfängt,

Den wählt man sich bei kleinem Opfer, ebenso

bei grossem auch und keinen andern je als dich.

9. Die Ordner, Agni, die dich lieben, wählen dich

zu ihrem Priester bei den Opferfesten hier;

Wenn dir, versehn mit Tränken und geweihter Streu

die frommen Männer Opferspeisen setzen vor.

10. Dein ist des Priesters, Agni, dein des Läuterers

rechtmässig Amt, des Führers, dein des Ordnenden,

Du bist des Frommen Glutentzünder, opferst gern,

und Beter bist du, Hausherr du in unserm Haus.

11. Dem Sterblichen, der, Agni, dir Unsterblichem

mit Brennholz huldigt oder auch mit Opfertrank,

Dem bist du Opfrer, gehst für ihn auf Botschaft aus,

du sprichst für ihn, du opferst, thust des Priesters Dienst.

12. Ihm sind von uns her diese Lieder zugeeilt,

Gebete, Sprüche, Hymnen voll des schönsten Lobs[373]

Dem Wesenkenner, von dem guten heischend Gut,

die kräftigen, an denen sich der Kräft'ger labt.

13. Dem alten will ich singen dieses neuste Lob,

ihm, der es gern hat, möge er erhören uns;

Es möge recht vertraut berühren nun sein Herz,

so wie die schmucke Gattin liebend den Gemahl.

14. Zu welchem Rosse, Stiere, Ochsen, Kühe auch

und Widder man entsendet und als Opfer bringt,

Dem Agni, welcher Süsses trinkt und Soma trägt,

dem Ordner zeug' ich aus dem Herzen schönes Lied.

15. In deinen Mund ist, Agni, Trank ergossen,

wie Fett in Löffel, wie in Becher Soma;

Verleih uns Reichthum, der uns Nahrung zuführt,

an Männern reich gepriesen hoch und herrlich.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1877, [Nachdruck 1990], Teil 2, S. 372-374.
Lizenz:

Buchempfehlung

Grabbe, Christian Dietrich

Hannibal

Hannibal

Grabbe zeigt Hannibal nicht als großen Helden, der im sinnhaften Verlauf der Geschichte eine höhere Bestimmung erfüllt, sondern als einfachen Menschen, der Gegenstand der Geschehnisse ist und ihnen schließlich zum Opfer fällt. »Der Dichter ist vorzugsweise verpflichtet, den wahren Geist der Geschichte zu enträtseln. Solange er diesen nicht verletzt, kommt es bei ihm auf eine wörtliche historische Treue nicht an.« C.D.G.

68 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon