II. Gehirn und Seele

[776] Wir berühren das alte Lieblingsthema des Materialismus, mit welchem freilich heute nicht mehr so leicht fertig zu werden ist wie im vorigen Jahrhundert. Der erste Rausch der großen physischen und mathematischen Entdeckungen ist vorüber, und wie die Welt mit jeder neuen Entzifferung eines Geheimnisses auch neue Rätsel bot und gleichsam zusehends größer und weiter wurde, so enthüllten sich auch im organischen Leben Abgründe unerforschter Zusammenhänge, an die man vorher kaum gedacht hatte. Ein Zeitalter, das in vollem Ernste glauben konnte, mit den mechanischen Kunststücken eines Droz und Vaucanson512 den Geheimnissen des Lebens auf die Spur gekommen zu sein, war kaum fähig, die Schwierigkeiten zu ermessen, welche sich für die mechanische Erklärung der phsychischen Vorgänge um so höher aufgetürmt haben, je weiter man gekommen ist. Man konnte damals noch die kindlich naive Anschauung mit der Miene einer wissenschaftlichen Hypothese vortragen, daß im Gehirn jede Vorstellung ihre bestimmte Faser hätte, und daß die Schwingung dieser Fasern das Bewußtsein ausmache.

Die Gegner des Materialismus wiesen freilich nach, daß zwischen Bewußtsein und äußerer Bewegung eine unausfüllbare Kluft sei; allein das natürliche Gefühl nahm an dieser Kluft nicht viel Anstoß, weil man leicht innewird, daß sie unvermeidlich ist. In irgendeiner Form kehrt der Gegensatz von Subjekt und Objekt immer wieder, nur daß er sich bei andern Systemen leichter mit einer Phrase überbrücken läßt.

Hätte man im vorigen Jahrhundert statt dieses metaphysischen Einwurfs alle die physischen Erfahrungen gemacht, die uns jetzt zu Gebote stehen, so würde man den Materialismus vielleicht mit seinen eignen Waffen bekämpft haben. Vielleicht auch nicht; denn dieselben Tatsachen, welche die damaligen Anschauungen vom Wesen der Gehirntätigkeit beseitigen, treffen vielleicht nicht minder schwer alle Lieblingsideen der Metaphysik. Es dürfte in der Tat kaum ein einziger Satz über Gehirn und Seele aufgestellt sein, welcher[776] nicht durch die Tatsachen widerlegt ist. Ausgenommen sind natürlich teils vage Allgemeinheiten, wie z.B. daß das Gehirn für die Seelentätigkeiten das wichtigste Organ ist; teils solche Sätze welche sich auf den Zusammenhang einzelner Teile des Gehirns mit der Tätigkeit bestimmter Nerven beziehen. Die Unfruchtbarkeit der bisherigen Hirnforschungen beruht aber nur zum Teil auf der Schwierigkeit des Stoffes. Der Hauptgrund scheint der gänzliche Mangel einer irgendwie brauchbaren Hypothese oder auch nur einer ungefähren Idee von der Natur der Hirntätigkeit zu sein. So fallen selbst unterrichtete Männer, gleichsam aus Verzweiflung, immer wieder auf die längst tatsächlich widerlegten Theorien von einer Lokalisation der Gehirntätigkeit nach den verschiednen Funktionen der Intelligenz und des Gemütes zurück. Wir haben uns zwar wiederholt gegen die Ansicht ausgesprochen, als ob das bloße Bestehen veralteter Anschauungen ein so großer Hemmschuh der Wissenschaft sei, wie man gewöhnlich annimmt; hier aber scheint es in der Tat, als ob das Seelengespenst, auf den Trümmern der Scholastik spukend, die ganze Frage beständig verwirre. Wir könnten leicht zeigen, daß dies Gespenst, wenn wir uns erlauben dürfen, die Nachwirkungen veralteter Lehren der Schul-Psychologie so zu bezeichnen, bei den Männern, welche sich von ihm gänzlich frei wähnen, bei unsern Stimmführern des Materialismus eine große Rolle spielt; ja daß ihre ganze Vorstellung von der Art, wie man sich die Hirntätigkeit zu denken hat, wesentlich von den landläufigen Vorstellungen beherrscht wird, die man früher über die fabelhaften Seelenvermögen hegte. Dennoch glauben wir, daß diese Vorstellungen, wenn erst eine vernünftige positive Idee aufkommt über das, was man von den Funktionen des Gehirns eigentlich zu erwarten hat, ebenso leicht verschwinden werden, als sie sich jetzt zäh behaupten.

Wir können hier nicht umhin, vor allen Dingen der rohesten Form jener Lokalisationstheorien zu gedenken, nämlich der Phrenologie. Sie ist nicht nur ein notwendiger Punkt für unsre historische Betrachtungsweise, sondern zu gleicher Zeit, ihrer anschaulichen Ausbildung wegen, ein geeigneter Gegenstand zur Entwicklung derjenigen kritischen Grundsätze, die weiterhin eine ausgedehnte Anwendung gewinnen werden.

Als Gall seine Lehre von der Zusammensetzung des Gehirns aus einer Reihe besondrer Organe für besondre Geistestätigkeiten aufstellte, ging er von der ganz richtigen Ansicht aus, daß die gewöhnlich[777] angenommenen ursprünglichen Seelenvermögen, wie Aufmerksamkeit, Urteilskraft, Willenskraft, Gedächtnis usw. bloße Abstraktionen sind, daß sie verschiedne Tätigkeitsweisen des Gehirns klassifizieren, ohne übrigens jene elementare Bedeutung zu haben, die man ihnen zuschreibt. Er nahm nun, durch Beobachtungen verschiedenster Art veranlaßt, eine Reihe ursprünglicher Organe des Gehirns an, deren hervorragende Entwicklung dem Individuum gewisse bleibende Eigenschaften verleihen, und deren Gesamtwirkung den ganzen Charakter des Menschen bestimmen sollte. Die Art, wie Gall seine Entdeckungen machte und seine Beweise führte, war die, daß er nach einzelnen ganz auffallenden Beispielen bestimmter Eigentümlichkeiten suchte, wie sie bei Verbrechern, Wahnsinnigen, genialen Menschen oder bizarren Originalen leicht zu finden sind. Er suchte nun am Schädel des betreffenden Individuum eine besonders hervorragende Stelle. Fand sie sich, so wurde das Organ einstweilen als entdeckt betrachtet, und nun mußten die »Erfahrung«, die vergleichende Anatomie, die Tierpsychologie und andre Quellen zur Bestätigung dienen. Manche Organe wurden auch lediglich nach Beobachtungen in der Tierwelt festgestellt und sodann beim Menschen weiter verfolgt. Von strengerer wissenschaftlicher Methode ist in Galls Verfahren nicht die leiseste Spur zu entdecken: ein Umstand, der der Verbreitung seiner Lehre nicht ungünstig war. Zu dieser Art von Forschung hat jeder Talent und Geschick, ihre Resultate sind fast immer interessant, und die »Erfahrung« bestätigt regelmäßig die Lehren, welche auf solche Theorien begründet werden. Es ist dieselbe Art von Erfahrung, welche auch die Astrologie bestätigte, welche noch jetzt die Wirksamkeit und Heilsamkeit der meisten medizinischen Mittel bestätigt (nicht nur der homöopathischen!) und welche die sichtbare Hilfe der Heiligen und Götter tagtäglich in so überraschenden Beispielen hervortreten läßt. Die Phrenologie ist deshalb in keiner schlechten Gesellschaft; sie ist nicht ein Rückfall in irgendeinen fabelhaften Grad von Phantasterei, sondern nur eine Frucht des allgemeinen Bodens der Scheinwissenschaften, welche noch heute die große Masse dessen ausmachen, womit Juristen Mediziner, Theologen und Philosophen zu prunken pflegen. Ihre Stellung ist dadurch allerdings fatal, daß sie auf ein Gebiet fällt, welches die Anwendung aller Kautionen der exakten Wissenschaften ganz wohl zuläßt, und daß dessenungeachtet ohne jegliche Rücksicht auf die Anforderungen wissenschaftlicher Methode[778] weiter gebaut wird; doch auch das hat sie wenigstens mit der Homöopathie gemeinsam.

Die heutigen Phrenologen verteidigen ihre Meinungen in der Regel durch heftige Angriffe auf diejenigen Einwürfe, welche gegen die Scheinwissenschaft nur zu oft ohne weiteres Nachdenken hingeworfen werden, weil niemand sich ernsthaft mit der Sache befassen mag. Irgendeinen Versuch positiver Begründung wird man dagegen in den neueren Schriften über Phrenologie vergeblich suchen. Während Gall und Spurzheim in einer Zeit wirkten, wo die Methoden zur Erforschung solcher Fragen noch ganz unentwickelt waren, bewegen sich die heutigen Phrenologen auf dem Felde einer sterilen Polemik, statt den enormen Fortschritten der Wissenschaft auch nur von ferne gerecht zu werden. Noch heute gilt, was Johannes Müller in seiner Physiologie sagte: »Was das Prinzip betrifft, so ist gegen dessen Möglichkeit im allgemeinen a priori nichts einzuwenden; aber die Erfahrung zeigt, daß jene Organologie von Gall durchaus keine erfahrungsmäßige Basis hat, und die Geschichte der Kopfverletzungen spricht sogar gegen die Existenz besonderer Provinzen des Gehirns für verschiedene geistige Tätigkeiten513

Einige Beispiele mögen dies erläutern. Castle führt in seiner Phrenologie514 nach Spurzheim mehrere Fälle von Verlust beträchtlicher Teile der Hirnmasse an, bei welchen die intellektuellen Fähigkeiten angeblich keine Störung erlitten. Er beklagt sich darüber, daß in all diesen Fällen der Ort der Verwundung nicht gehörig angegeben sei. Hätten die erwähnten Verletzungen am Hinterhaupt stattgefunden, »so kann selbst ein Phrenologe ohne die geringsten Schwierigkeiten es zugeben, das die Denkkraft unbeeinträchtigt zu bleiben vermochte«. Der apologetische Standpunkt ist hier schon unverkennbar. Man sollte denken, da doch die entgegengesetzte Möglichkeit gleich berechtigt war, hätte der Phrenologe suchen müssen, solcher Fälle habhaft zu werden; man müßte vor allen Dingen erwarten, daß er in einem Falle, der ihm selbst zur Beobachtung kommt, ganz genau die verletzten Hirnorgane und den Grad ihrer Verletzung zu konstatieren suche, und daß er dann die Geistestätigkeiten des betreffenden Individuums als eine wahre instantia praerogativa mit höchster Sorgfalt und Schärfe beobachte und konstatiere. Statt dessen ist Castle imstande, uns in ahnungsloser Gemütsruhe wörtlich folgende Erzählung zum besten zu geben:[779]

»Ich selbst hatte Gelegenheit, einen ähnlichen Fall zu beobachten. Einem Amerikaner war eine Quantität von Schroten in das Hinterhaupt eingedrungen, welche bewirkten, daß er einen Teil des Knochengehäuses und überdies noch, wie er selbst sich ausdrückte, mehrere Stücke Hirn (several spoons full of brain) verlor. Man sagte, daß seine intellektuelle Fähigkeiten darunter nicht gelitten. Seiner eignen Aussage zufolge rührte derjenige Übelstand, den er verspürte, von den Nerven her. Sein Stand zwang ihn sehr häufig öffentlich zu sprechen; er hatte aber auch die früher ihn bezeichnende Energie und Festigkeit verloren. Diese Tatsache ward als ein Beweis gegen die Phrenologen geltend gemacht (ein ebenso glaubwürdiger Beweis als alle ähnlichen), während man doch leicht einsehen kann, daß selbige völlig mit den Grundsätzen dieser Wissenschaft übereinstimmt. Die verletzte Stelle des Gehirnes war nich der Sitz der intellektuellen Fähigkeiten, wohl aber jener der animalen Energie, welche demnach die einzige war, die darunter litt.«

Dies genügt in der Tat. Keine Mitteilung über die verletzten Organe, über die Ausdehnung der Wunde oder Narbe! Bei der großen Rolle, welche die »Duplizität« der Hirnorgane in der Apologie unhaltbarer Theorien spielt, hätte doch mindestens angegeben sein müssen, ob die Verletzung am »Hinterhaupt«, welche »einen Teil des Knochengehäuses« und »several spoons full of brain« wegnahm, eine solche Stelle getroffen, bei der man vermuten konnte, daß die Organe der einen Hälfte erhalten blieben. Traf der Schuß die Mitte des Hinterhauptes in mäßiger Ausdehnung, so hätte er ja leicht das Organ der »Kinderliebe« ganz zerstören können. Wie verhielt es sich damit? Wie verhielt es sich mit »Einheitstrieb und Wohnsinn?« Wie mit der »Anhänglichkeit?« Nichts von alledem! Und doch liegen alle diese Organe am Hinterhaupte, und der Fall ihrer teilweisen Zerstörung wäre für einen Mann von wissenschaftlichem Streben – allezeit vorausgesetzt, daß ein solcher Phrenologe sein konnte – ganz unbezahlbar gewesen. Die »animale Energie« hatte gelitten. Dies ließe sich allenfalls auf den »Bekämpfungstrieb« deuten, der am Hinterhaupt seitlich gelegen ist; aber man muß leider vermuten, daß wenn der Schuß gerade dies angebliche Organ getroffen hätte, Castle kaum würde vermieden haben, uns davon Kenntnis zu geben. Der Mann hatte ja »die ihn früher bezeichnende Energie und Festigkeit verloren!«

So ist es denn auch gar nicht zu verwundern, wenn die Phrenologen[780] noch immer ganz munter das kleine Gehirn als Organ des Geschlechtstriebes betrachten, obwohl Combette 1821 einen Fall von starkem Geschlechtstrieb bei gänzlich fehlendem kleinen Gehirn beobachtete, obwohl Flourens bei einem Hahn, dem er einen großen Teil des kleinen Gehirns fortgeschnitten hatte, und den er acht Monate lang am Leben erhielt, den Geschlechtstrieb fortbestehen sah!515

Die vorderen Lappen des großen Gehirns haben eine Menge so bedeutender Organe zu tragen, daß die Zerstörung eines Teiles derselben doch wohl bei bedeutenden Verletzungen dieser Gehirngegend immer bemerkbar werden müßte, zumal es sich hier um Intelligenz, Talent u. dergl. handelt, dessen Verschwinden leichter festzustellen ist als die Änderung einer Charaktereigenschaft. Es ist aber bei der großen Zahl von Hirnverletzungen am vorderen Teile des Kopfes, die einer genauen wissenschaftlichen Beobachtung unterlegen haben, noch nie etwas gefunden worden, was sich ohne den äußersten Zwang in dieser Weise deuten ließe. Man hilft sich natürlich mit der Duplizität der Organe; aber wie soll es kommen, daß die Reduzierung eines Organs auf die Hälfte den Charakter nicht merklich ändert, während eine mäßige Anschwellung oder Vertiefung im Schädel genügen soll, die auffallendsten Gegensätze des ganzen geistigen Wesens zu erklären ? Doch schwächen wir die Kritik nicht mit einer Ausstellung, gegen welche wenigstens eine Hypothese gefunden werden kann! Es gibt ja Fälle, in welchen ganz unzweideutig beide vordere Lappen des großen Gehirns in bedeutendem Umfange erkrankt und zerstört waren, und in welchen doch nicht die mindeste Störung der Intelligenz beobachtet wurde! Longet teilt zwei solche Fälle in seiner Anatomie und Physiologie des Nervensystems mit, welche sehr gut beobachtet sind. Es genügt aber in der Tat an einem einzigen solchen Falle, um das ganze System der Phrenologie umzuwerfen.516

Und nicht nur das System der Phrenologie; denn die Lehre von dem Wohnen der Intelligenz in den vorderen Lappen des großen Gehirns haben manche Anatomen geteilt, welche keineswegs auf einer so beschränkten Basis standen; und doch ist es auch mit der allgemeinen Lokalisation nach größeren Gruppen geistiger Eigenschaften einfach nichts. Man hat Reihen sehr willkürlich gewählter Schädel bedeutender Männer vorgenommen und bei diesen meistens, nicht immer, eine hohe und weite Stirn gefunden. Man hat aber vergessen, daß selbst dann, wenn ein großes Vordergehirn mit[781] großer Intelligenz in der Regel zusammenfiele, für eine lokalisierte Tätigkeit dieser Hirnteile noch nicht das mindeste bewiesen werden könnte. Denn während alle bisher beobachteten Tatsachen darauf führen, daß die verschiednen Teile des großen Gehirns im wesentlichen dieselbe Bestimmung haben, kann es doch sehr wohl sein, daß eine besonders günstige Organisation des Ganzen auch mit einer besonderen Form desselben verbunden sei.

Zu den Vorwürfen, gegen welche ein Teil unsrer Phrenologen mit Erbitterung die Waffen kehrt, gehört nun auch die Bemerkung, daß die Phrenologie notwendig zum Materialismus führe. Dies ist ungefähr so richtig, als derartige allgemeine Sätze in der Regel sind: es ist nämlich offenbar falsch. Die Phrenologie würde sich nicht nur, wenn sie wissenschaftlich begründet wäre, vortrefflich auf Kants System pfropfen lassen, sondern sie läßt sich sogar mit jenen veralteten Anschauungen reimen, nach welchen das Gehirn sich zur »Seele« ungefähr verhält, wie ein mehr oder minder vollkommnes Instrument zu der Person, welche es spielt. Bemerkenswert ist aber immerhin, daß unsre Materialisten, und unter diesen Männern, welchen man es durchaus nicht zutrauen sollte, sich überraschend günstig für die Phrenologie ausgesprochen haben. So B. Cotta, so insbesondre auch Vogt, der in seinen Bildern aus dem Tierleben die charakteristisch übereilten Worte schrieb: »Die Phrenologie ist also wahr, bis in die kleinste Applikation hinein? Jeder Veränderung der Funktion muß eine materielle Veränderung des Organes vorausgegangen oder vielmehr gleichzeitig mit ihr eingetreten sein? – Ich kann nicht anders sagen als: Wahrlich so ist's. Es ist wirklich so.«

Der Grund dieser Hinneigung ist leicht einzusehen. Der allgemeine Satz nämlich, daß das Denken eine Hirntätigkeit ist, kann in dieser Allgemeinheit sehr wahrscheinlich gemacht werden, ohne daß er deshalb sehr wirksam wird. Erst wenn es gelingt, diese Tätigkeit spezieller zu verfolgen, sie irgendwie in Elemente zu zerlegen und in diesen Elementen noch die Übereinstimmung des Physischen und des Geistigen nachzuweisen, erst dann wird man auf diese Anschauungsweise allgemein eingehen und ihr auch ein großes Gewicht bei der Bildung der gesamten Weltanschauung beilegen. Kann man vollends aus solcher Kenntnis den Charakter des Menschen konstruieren, wie die Astronomie aus ihren Bewegungsgesetzen die Stellung der Himmelskörper voraus bestimmt, so kann der menschliche Geist auch der Theorie nicht länger widerstehen,[782] welche solche Früchte hervorbringt. Unsre Materialisten sind nun freilich nicht solche Phantasten, daß sie der jetzigen Phrenologie diese Leistungen zutrauen möchten; Vogt hat sich mehrfach in andern Schriften über den unwissenschaftlichen Charakter dieser Lehre ganz unzweideutig ausgesprochen; Büchner behandelt die Phrenologie zwar mit auffallender Schonung, räumt aber ein, daß ihr die »allerwichtigsten wissenschaftlichen Bedenken entgegenstehen«. Die unglücklichen »angebornen Ideen« werden aber selbst bis in den Schlupfwinkel einer bloß möglichen Phrenologie hinein verfolgt. Um eine Art von angebornen Ideen zu vernichten, welche der neueren Philosophie gänzlich fremd ist und nur in populären und erbaulichen Schriften und Reden ihr Wesen treibt, glaubt er auch diejenigen Schlüsse bekämpfen zu müssen, welche man zugunsten der angebornen Ideen aus der Phrenologie gezogen hat. Er übersieht dabei in der Hitze des Gefechtes, daß angeborne Ideen, welche mit Notwendigkeit aus der Struktur und Zusammensetzung des Hirns hervorgehen, mit dem konsequentesten Materialismus vollständig harmonieren; ja, daß eine solche Annahme jedenfalls weiter geht und vollständiger mit seinen sonstigen Sätzen übereinstimmen würde, als der Standpunkt der Lockeschen tabula rasa, bei welchem er selbst stehen bleibt. Wie aber kein namhafterer neuerer Philosoph Ideen annimmt, die sich ohne alle Einwirkung der Außenwelt entfalten oder im foetus schon fertig im Bewußtsein liegen, so dürfte auch kein Phrenologe annehmen, daß der Tonsinn sich ohne Töne, der Farbensinn ohne Farben entwickeln und in Tätigkeit treten könne. Der Streit ist nur zwischen der einseitigen Anschauung Lockes, welche das vorige Jahrhundert in einem unbegreiflichen Grade beherrschte, daß der ganze geistige Inhalt durch die Sinne komme, und zwischen der andern Ansicht, nach welcher das Gehirn oder die Seele gewisse Formen mit sich bringt, durch welche die Gestaltung der Sinneseindrücke zu Vorstellungen und Anschauungen voraus bestimmt ist. Vielleicht hat man sich diese Formen bisweilen zu sehr als Matrizen vorgestellt, in welche das Metall für die Lettern gegossen wird, oder als irdene Töpfe, in welche die Sinneseindrücke gleich Quellwasser gefüllt werden. Man mag dann diese Scherben immerhin zerschlagen, so bleibt doch noch die Wahrheit übrig, daß materielle Bedingungen da sind, welche auf die Bildung aller Ideen den wesentlichsten Einfluß üben. Um einem solchen Einfluß in Rücksicht auf eine bloß mögliche Phrenologie entgegenzutreten, stellt[783] Büchner die Hypothese auf, daß das Verhältnis von phrenologischen Organen und äußeren Eindrücken auch umgekehrt sein kann, indem nämlich »zu der Zeit, wo das Gehirn im Wachstum und Bildung begriffen ist, durch fortgesetzte und häufige äußere Eindrücke und psychische Tätigkeit in einer gewissen Richtung das betreffende phrenologische Organ auch materiell stärker hervorgebildet wird – ganz in derselben Weise, wie ein Muskel durch Übung erstarkt.« – »Gut,« wird der Phrenologe sagen, »aber die Muskeln sind doch angeboren; sie sind doch auch von Geburt auf verschieden, und es ist doch kaum zu leugnen, daß unter gleichen Verhältnissen ein muskelkräftiges Kind auch seine Muskeln mehr üben wird als ein muskelschwaches. Leugne das angeborne Gehirn, und du wirst die angebornen Richtungen der Geistestätigkeit mit geleugnet haben!« Doch so schlimm meint Büchner es nicht. Er ruft aus: »Die Natur kennt weder Absichten noch Zwecke noch irgendwelche ihr von außen und oben herab aufgenötigten geistigen oder materiellen Bedingnisse!« Nun, wenn es weiter nichts ist wenn die von innen herauskommenden, aus der Natur selbst stammenden Bedingnisse unsrer Vorstellungsbildung zugegeben werden – wozu dann der Lärm?

Hier werden wir wieder scharf auf den Mittelpunkt unsres ganzen materialistischen Streites hingeführt. Wozu der ganze Lärm? Nun vielleicht, um der heuchlerischen Vornehmtuerei unsrer heutigen hohen Wissenschaft entgegenzutreten. Nie war die Kluft zwischen dem Denken dieser bevorzugten Gesellschaft und der Massen größer als jetzt, und nie hatte diese bevorzugte Gesellschaft so vollständig mit der Unvernunft des Bestehenden ihren egoistischen Separatfrieden geschlossen. Nur die Zeiten vor dem Untergang der alten Kultur bieten eine ähnliche Erscheinung dar; aber sie hatten nichts von dieser Demokratie des Materialismus, die sich heutzutage, halb bewußt, halb unbewußt, wider jene aristokratische Philosophie empört. Es ist leicht, vom Standpunkt dieser Philosophie den Materialismus theoretisch zu widerlegen, aber schwer, ihn zu beseitigen. In der praktischen Debatte zerbricht der Materialismus spielend alle jene esoterischen Feinheiten, indem er die groben exoterischen Vorstellungen zerschmettert, mit welchen sie eine so trügerische Verbindung eingegangen sind. »So etwas haben wir ja niemals gemeint!« ruft die entsetzte Wissenschaft; allein sie erhält zur Antwort: »Sprich deutlich und für jedermann, oder stirb!« So türmt sich hinter der logischen Kritik des Materialismus seine geschichtliche[784] Bedeutung empor, und deshalb kann er auch nur in einer geschichtlichen Betrachtung vollständig gewürdigt werden.

Wir wollen nun auch, wie Büchner, einen Augenblick annehmen, daß es eine Phrenologie gebe, um an diesem Beispiel die ganze Idee der Lokalisation der Geistesfunktionen einer Kritik zu unterwerfen, bei welcher wir die entgegenstehenden Tatsachen der pathologischen Anatomie vorläufig außer Betracht lassen. Der Bequemlichkeit wegen nehmen wir die Lehre so, wie sie von Spurzheim Combe und andern ausgebildet wurde, und wie sie auch in Deutschland ziemlich verbreitet ist. Es ergibt sich dann ungefähr folgendes Bild für die Vorgänge des konkreten Denkens.

Jedes Organ ist für sich in seiner Weise tätig, und doch fließt die Tätigkeit aller zu einer Gesamtwirkung zusammen. Jedes Organ denkt, fühlt und will für sich; das Denken, Fühlen, Wollen des Menschen ist das Resultat der Summe dieser Tätigkeiten. In jedem Organ gibt es mannigfache Stufen der Geistestätigkeit. Die Empfindung steigert sich zur Vorstellung und endlich zur Einbildungskraft, je nachdem die deutende Erregungsweise des Organs schwächer oder stärker ist, die Gefühlsregung kann zum Enthusiasmus, der Trieb zur Begierde und endlich zur Leidenschaft werden. Diese Tätigkeiten beziehen sich nur auf den Stoff, der jedem Organ naturgemäß ist. »Jedes Geistesorgan,« sagt einer unsrer geistreichsten Phrenologen, »spricht seine eigne Sprache und versteht nur die Sprache, die es selber spricht; das Gewissen spricht bei Recht und Unrecht, das Wohlwollen in Mitleiden und Mitfreuden usw.« – Durch ihre Verbindung zum Ganzen ergeben sich dann die allgemeineren Erscheinungen, wie »Verstand«, als Tätigkeit sämtlicher sechsunddreißig Denkvermögen; sie wirken aber ebenfalls bei den bestimmten einzelnen Tätigkeiten des Menschen teils antagonistisch, teils sich unterstützend, modifizierend usw. zusammen, wie eine Muskelgruppe bei Bewegung eines Gliedes.

Man sieht auf den ersten Blick, daß diese ganze Anschauungsweise sich in den schattenhaftesten Abstraktionen bewegt. Gall wollte an die Stelle der gewöhnlichen Geistesvermögen natürliche und konkrete Grundlagen der Psychologie setzen. Dies gelang ihm anscheinend in der Annahme seiner angeblichen Organe; sobald es aber an die Tätigkeit dieser Organe kommt, fängt das alte Schattenspiel wieder an. Gall selbst hat sich freilich mit solchen Ausführungen wenig befaßt, und noch heute ist den meisten seiner Schüler kaum klar, daß man sich doch von der Tätigkeitsweise dieser Organe[785] eine Vorstellung muß machen können, wenn etwas erklärt sein soll. Die Phrenologie könnte sogar tatsächlich richtig sein, soweit es auf die Übereinstimmung der Schädelbildung mit den geistigen Eigenschaften ankommt, ohne daß wir dadurch über die Art der Hirntätigkeit auch nur den geringsten Aufschluß hätten. Wenn das Hirn und mit ihm der Schädel sich bei Wohlwollenden auf der Höhe des Vorderhaupts ausgiebig wölbt, so folgt daraus nicht von ferne, daß die an jener Stelle liegenden Hirnwindungen sich ausschließlich mit Mitleiden, Mitfreuden u. dgl. beschäftigen.

Was ist denn überhaupt »Mitleiden«? Wenn ich ein Kind auf der Straße jämmerlich schreien höre, so spüre ich außer den Schallwellen noch eine Reihe von Empfindungen, besonders in den Muskeln der Atemwerkzeuge (daher die Alten das Gemüt in die Brust verlegten). Dazu mag der eine beschleunigten Herzschlag bekommen, der andre ein sonderbares Gefühl in der Magengegend, der dritte ein Gefühl als müßte er mitschreien. Gleichzeitig taucht die Idee der Abhilfe auf. Eine leise Innervation gewisser Bewegungsmuskeln macht sich geltend, als müßte ich mich umdrehen, hinwenden, fragen was fehlte. Die Ideenassoziation stellt mir die eignen Kinder in Hilflosigkeit vor; mir fällt das Bild der Eltern des schreienden Kindes ein, die trösten möchten und nicht da sind; ich denke an Gründe – vielleicht ist das Kleine verirrt, vielleicht halb verhungert, erfroren oder was sonst. Endlich eile ich mit oder ohne besondern Entschluß dem kleinen Schreihals zu Hilfe. – Ich war mitleidig, habe mich vielleicht durch unnützes Mitleid lächerlich gemacht, vielleicht auch zur rechten Zeit eingegriffen. Jedenfalls war ich so organisiert, daß die oben beschriebenen Symptome bei mir leichter und schneller eintreten als bei andern, wie der eine auf den Reiz des Schnupftabaks eher niesen muß als der andre. Das moralische Urteil nennt die erste Eigenschaft gut, die letzte gleichgültig; aber physisch ist der Vorgang verwandt, wie etwa eine Zeile aus einer Symphonie Beethovens und das Stück eines Kirmesmusikanten, die beide aus Tonfolgen bestehen. – Was ist nun das Mitleiden? Wurde der Klang des Kindergeschreis nach dem Organ des Wohlwollens geleitet, welches allein diese Sprache verstand? Entstand in diesem Organe erst Empfindung, Regung, Trieb; dann endlich Wille und Nachdenken? Wurde der Wille zu helfen denn aus diesem Organ fertig zurückgeleitet in den Zentralherd der Bewegung, in das verlängerte Mark, welches sich für diesen Fall dem Organ des Wohlwollens zur Disposition stellte? Bei dieser Vorstellungsweise[786] schiebt man ja die Schwierigkeit nur zurück. Man denkt sich die Tätigkeit des Organs wie die eines ganzen Menschen; man hat den gedankenlosesten Anthropomorphismus, angewandt auf einzelne Teile des Menschen. Im Organ des Wohlwollens muß alles zusammenlaufen; nicht nur Denken, Fühlen und Wollen, sondern auch Hören und Sehen. Verzichte ich auf diesen Anthropomorphismus, welcher den Gegenstand der Erklärung nur zurückschiebt, so kann mir nichts wahrscheinlicher sein, als daß bei dem angenommenen Vorgang mein ganzes Gehirn, obwohl in sehr verschiednen Graden der Tätigkeit, in Anspruch genommen wurde. Hier fällt der Phrenologe über mich her und wirft mir gänzliche Unkenntnis seiner Wissenschaft vor. Auch er nimmt ja eine Tätigkeit des ganzen Gehirns oder doch großer Gruppen von Organen an; nur übernimmt das Wohlwollen in diesem Falle die Leitung. Was war der Gegenstand des Mitleids? Ein Kind? – Also ist die »Kinderliebe« mit tätig! Wie ist dem Knaben zu helfen? Soll ich ihm den Weg zeigen? – Da spricht der »Ortssinn« mit! Die »Hoffnung«, die »Gewissenhaftigkeit« treten auf; das »Schlußvermögen« hat seinen Anteil am Vorgang. Aber diese Organe denken, fühlen, wollen jedes für sich; jedes hört den Schrei; jedes sieht das Kind; jedes stellt sich Ursachen und Folgen in der Phantasie vor, denn jedes dieser Organe hat seine Phantasie. Der Unterschied ist nur, daß das Wohlwollen den herrschenden Ton angibt mit dem Gedanken: »Hier leidet jemand, hier muß geholfen werden!« »Unfehlbar,« sagt die Gewissenhaftigkeit; »Mitmenschen zu helfen ist eine Pflicht, und Pflichten muß man unverbrüchlich halten.« »Es wird wohl leicht zu trösten sein, das Kleine,« meint die Hoffnung. Da regt sich die Opposition am Hinterkopf. »Nur nicht blamieren,« ruft die Beifallsliebe, und die »Vorsicht« macht darauf aufmerksam, daß ihre Nachbarin, Beifallsliebe, wohl recht habe, daß die Sache verdiene erwogen zu werden. Der »Tonsinn« macht indessen einige egoistische Gründe für die Abhilfe geltend und endlich trägt der »Tätigkeitstrieb« auf Schluß der Debatte und Abstimmung an. Wir haben ein Parlament kleiner Menschen zusammen, von denen, wie es auch in wirklichen Parlamenten vorkommt, jeder nur eine einzige Idee besitzt, die er unablässig geltend zu machen sucht.

Statt einer Seele gibt uns die Phrenologie deren gegen vierzig, jede so rätselhaft für sich allein, wie uns sonst das Seelenleben im ganzen erscheint. Statt es in wirkliche Elemente zu zerlegen, zerlegt sie[787] es in persönliche Wesen verschiednen Charakters. Der Mensch, das Tier, die kompliziertesten Maschinen, sind uns die geläufigsten; man vergißt, daß dabei etwas zu erklären ist, oder man hat die Sache erst »klar«, wenn man sich überall wieder kleine Menschen vorstellen kann, welche die eigentlichen Träger der ganzen Tätigkeit sind. »Herr Pastor, et sitzt doch en Perd dren!« riefen die Bauern zu X, als ihr Seelenhirt ihnen stundenlang das Wesen der Lokomotive erklärt hatte. Mit einem Pferde drin ist alles klar, selbst wenn es ein etwas wunderbares Pferd sein sollte. Das Pferd selbst bedarf keiner Erklärung mehr.

Die Phrenologie nimmt einen Anlauf, um über den Standpunkt des Seelengespenstes hinauszukommen; allein sie endet damit, den ganzen Schädel mit Gespenstern zu bevölkern. Sie fällt zurück auf den naiven Standpunkt, der sich überhaupt nicht beruhigen will, wenn in der kunstvollen Maschine unsres Körpers nicht noch ein Maschinist sitzt, der das Ganze leitet, ein Virtuos, der das Instrument spielt. Ein Mensch, der sein Leben lang eine Dampfmaschine angestaunt und nichts davon begriffen, könnte vielleicht auch denken, im Zylinder müsse wieder eine kleine Dampfmaschine stecken, welche das Auf- und Niedergehen des Kolbens bewirkt. War es nun aber der Mühe wert, die ganz unwissenschaftliche Phrenologie so ausführlich zu behandeln, um nichts zu gewinnen, als ein neues Beispiel des längst bekannten »unwiderstehlichen Hanges zur Personifikation«, der uns diese Schar tätiger Geistesvermögen geschaffen hat? Sei es auch, daß einige Vertreter des Materialismus dieser Ansicht näher getreten sind, als sie sollten, so hat sie doch wohl auf die ganze Entwicklung der neueren Nervenphysiologie wenig Einfluß gehabt.

Wohl! aber das Grundübel, weshalb es mit den Aufschlüssen über das Verhältnis des Hirns zu den psychischen Funktionen bisher nicht vom Fleck wollte, scheint uns einfach in demselben Grunde zu stecken, welcher auch der Phrenologie ihr Mißgeschick mit auf den Weg gab: in der Personifikation abstrakter Vorstellungen an Stelle der einfachen Erfassung des Wirklichen, so weit es eben zu fassen ist. Welcher Weg führt uns zum Gehirn? Die Nerven! In ihnen haben wir einen Teil jener verwickelten Massen gleichsam entwickelt vor uns. Wir können über die Nerven experimentieren, indem wir mit Sicherheit ein Einzelnes vor uns haben. In ihnen finden wir Leitungen, elektrische Ströme, Wirkungen auf die Kontraktion der Muskeln, auf die Absonderung der Drüsen; wir finden[788] Rückwirkungen auf die Zentralorgane. Wir finden die eigentümliche Erscheinung der Reflexbewegungen, die schon mehrfach mit einer viel versprechenden Wendung zum Besseren als das Grundelement aller psychischen Tätigkeit aufgefaßt wurde.517 Wie sehr dabei die Personifikation im Wege ist, oder wie schwer vielmehr aus den Gewohnheitsvorstellungen der richtige Gedanke auftaucht, das Persönliche aus dem Unpersönlichen abzuleiten, zeigt als denkwürdigstes Beispiel die Geschichte der Pflügerschen Versuche über die psychische Bedeutung der Rückenmarkszentren. Pflüger wies mit vielem Scharfsinn und experimentellem Talente nach, daß enthauptete Frösche und andre Tiere, selbst abgetrennte Eidechsenschwänze noch längere Zeit hindurch Bewegungen machen, denen wir den Charakter des Zweckmäßigen nicht absprechen können. Der interessanteste Fall ist dieser: ein Frosch, enthauptet, wird auf dem Rücken mit Säure betupft: er wischt den Tropfen ab mit demjenigen Fuß, der dazu am bequemsten dient. Nun wird ihm dieser Schenkel abgeschnitten; er versucht's mit dem Stumpfe, und da mehrere Versuche vergeblich sind, nimmt er endlich den Fuß der entgegengesetzten Seite und vollführt mit diesem die Bewegung. Dies war keine bloße Reflexbewegung mehr; der Frosch scheint zu überlegen. Er macht den Schluß, daß er mit dem einen Fuß sein Ziel nicht mehr erreichen kann und deshalb versucht er's mit dem andern. Es schien bewiesen: es gibt Rückenmarkseelen, gibt wahrlich Schwanzseelen. Nur eine Seele kann ja denken! Wenn es auch eine materialistische Seele ist, darum wird nicht gestritten; der ganze Frosch ist aber in seinem Rückenmark repräsentiert. Dort denkt er und entschließt sich, wie eben Frösche pflegen. – Ein wissenschaftlicher Gegner nimmt nun einen unglücklichen Frosch, köpft ihn und kocht ihn langsam. Zur vollen Exaktheit des Experimentes gehört, daß ein Frosch, der sich noch seines Kopfes erfreut, mit gekocht wird, und daß noch ein geköpftes Exemplar zur genauen Vergleichung neben das Geschirr gesetzt wird. Nun ergibt sich, daß er geköpfte Forsch sich ruhig kochen läßt, ohne, gleich seinem vollständigeren Schicksalsgenossen, gegen sein Unglück anzukämpfen. Schluß: es gibt keine Rückenmarkseelen; denn wäre eine da, so hätte sie die Gefahr der steigenden Hitze bemerken und auf Flucht denken müssen!518

Beide Schlüsse sind gleich bündig; aber Pflügers Experiment ist dennoch wertvoller, fundamentaler. Man beseitige die Personifikation; man verzichte darauf, in den Teilen des Frosches überall[789] wieder denkende, fühlende, handelnde Frösche zu suchen, und man suche statt dessen den Vorgang aus den einfacheren Vorgängen zu erklären, d.h. aus den Reflexbewegungen, nicht aus dem Ganzen, der unerklärten Seele. Dann wird man auch leicht darauf kommen, daß in diesen schon so komplizierten Folgen von Empfindung und Bewegung ein Anfang zur Erklärung der kompliziertesten psychischen Tätigkeiten gegeben ist. Diese Bahn wäre zu verfolgen!

Was hält noch davon ab? Mangel an Erfindsamkeit und Geschick zu den schwierigsten Experimenten? Gewiß nicht. Es ist der Mangel der Anschauung, daß zur Erklärung des Seelenlebens eine Zurückführung auf Einzelvorgänge gehört, welche einen notwendigen Teil des Getriebes ausmachen, welche aber von der Handlungsweise eines vollständigen Organismus ganz und gar verschieden sind.

Aber die Reflexbewegung geschieht ohne Bewußtsein; also kann auch durch die zusammengesetzteste Tätigkeit dieser Art das Bewußtsein nicht erklärt werden!

Wieder ein Einwand des gröbsten Vorurteils! Moleschott führt als Beweis dafür, daß das Bewußtsein nur im Gehirn sei, die bekannte Beobachtung Jobert de Lamballes an, nach welcher ein am obersten Teil des Rückenmarkes verletztes Mädchen noch eine halbe Stunde lang bei Bewußtsein blieb, obwohl der ganze Körper mit Ausnahme des Kopfes vollständig gelähmt war. »Es kann somit das ganze Rückenmark in Untätigkeit versetzt werden, ohne daß das Bewußtsein leidet.« Gut; wenn aber aus demselben Fall geschlossen wird, daß geköpfte Tiere keine Empfindung und kein Bewußtsein haben, so übersieht Moleschott, daß der vom Rückenmark getrennte Kopf uns sein Bewußtsein in menschlich verständiger Weise kundgeben konnte; der Rumpf aber nicht. Was in den vom Haupt getrennten Rückenmarkszentren von Empfinden und von Bewußtsein sein mag oder nicht, können wir durchaus nicht wissen. Nur das können wir mit Sicherheit annehmen, daß diese Bewußtheit nichts wird machen können, was nicht in den mechanischen Bedingungen der zentripetalen und zentrifugalen Nervenleitung und der Einrichtung des Zentrum begründet ist.

Man darf also auch nicht etwa schließen: die Rückenmarkszentren empfinden, und deswegen können sie mehr leisten als ein bloßer Mechanismus. Im Gegenteil, daß die Sache streng mechanisch vorgeht, sollte nicht nur schon von vornherein feststehen, sondern es[790] wird zum Überfluß noch durch das Gegenexperiment der langsamen Erhitzung bewiesen. Für jene Klasse von Reizen existiert ein zu zweckmäßigen Reflexen dienender Mechanismus im Rückenmark des Frosches, für diese dagegen nicht. Ob im letzteren Falle auch die Empfindung fehle oder nur die Fähigkeit, auf die Empfindung mit mannigfachen Bewegungen zu reagieren, wissen wir nicht. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, wiewohl wir hier uns auf nichts als auf Analogie stützen können, daß überall da, wo Empfindung entsteht, auch ein Apparat da sei, um auf die Empfindung zu reagieren; umgekehrt darf man wohl annehmen, daß jeder Reflexapparat wenigstens die Möglichkeit eines wenn auch noch so schwachen Empfindens in sich schließe, während es freilich sehr zweifelhaft bleibt, ob bei einem ganzen und gesunden Tiere jemals etwas von diesem Empfinden der untergeordneten Zentren deutlich in das Bewußtsein trete.519

Man sieht, wir sind hier auf gutem Wege, den Materialismus erst konsequent zu machen, und in der Tat wird dies die notwendige Vorbedingung erfolgreicher Forschung über das Verhältnis von Gehirn und Seele sein, ohne daß damit der Materialismus in metaphysischem Sinne gerechtfertigt wäre. – Wenn das Hirn das ganze menschliche Seelenleben hervorbringen kann, so wird man wohl auch einem Rückenmarkszentrum ein einfaches Empfinden zutrauen dürfen. Was vollends die geköpften Tiere betrifft, so erinnere man sich doch, wie man Descartes gegenüber überhaupt zu beweisen pflegte, daß die Tiere nicht bloße Maschinen sind! Wir können ihre Empfindungen als solche auch nicht sehen; wir schließen sie nur aus den Zeichen von Schmerz, Freude, Schrecken. Zorn u. dgl., welche mit den entsprechenden Gebärden des Menschen übereinstimmen. Aber bei den geköpften Tieren finden wir zum Teil dieselben Zeichen. Wir sollten schließen, daß sie auch ebenso mit Empfindung verbunden sind. Tiere, denen man das große Gehirn genommen, schreien oder zucken, wenn man sie kneipt. Flourens fand die des Gehirns beraubten Hühner in einen Zustand von Schlaftrunkenheit versetzt und schloß daraus, daß sie nicht empfinden. Dieselben Tiere konnten aber gehen und stehen. Sie erwachen, wenn man sie stößt, sie stehen auf, wenn man sie auf den Rücken legt. Johannes Müller zieht daher mit Recht ganz andre Schlüsse: »Flourens hat zwar aus seinen Versuchen über Hinwegnahme der großen Hemisphären geschlossen, daß diese Teile allein die Zentralorgane der Empfindung seien, und daß ein[791] Tier nach der Wegnahme derselben gar nicht empfinde. Indessen folgt dies nicht aus seinen sonst so interessanten Versuchen, sondern gerade das Gegenteil, wie schon Cuvier in seinem Berichte über diese Versuche bemerkt hat. Es wird zwar ein Tier nach dem Verluste der Hemisphären des großen Gehirns stumpfsinnig, aber gleichwohl zeigt es ganz deutliche Zeichen von Empfindung, nicht von bloßer Reflexion (Reflextätigkeit).«520

Müller fehlt nur selbst, indem er die Empfindung des seines Gehirns beraubten Tieres so ziemlich für dasselbe zu halten scheint, was die Empfindung des gesunden Tieres ist. Der Grund liegt darin, daß Müller ganz und gar in der Lokalisationstheorie befangen ist. Ihm ist das verlängerte Mark Zentrum des Willenseinflusses; das große Gehirn ist Sitz der Vorstellungen und also des Denkens. So sagt er bei Erwähnung der Unempfindlichkeit der Hemisphären des großen Gehirns: »der Ort des Gehirns, wo die Empfindungen zu Vorstellungen gestaltet, die Vorstellungen aufbewahrt werden, um gleichsam als Schatten der Empfindung wieder zu erscheinen, ist selbst nicht empfindlich.« Von diesen merkwürdigen Prozessen wissen wir aber einfach nichts. Es ist auch sehr die Frage, ob unsre sogenannten »Vorstellungen« irgend etwas andres sind, als Komplexe sehr feiner Empfindungen. Müller läßt im verlängerten Mark das Wollen und das Empfinden besorgen, zieht die Organe an der Basis des Gehirns speziell für die Sinnesempfindungen heran und läßt im großen Gehirn das Denken stattfinden. Es sind also wieder Abstraktionen, denen verschiedene Provinzen angewiesen werden. Die Personifikation des Abstraktums ist hier nicht so auffallend als bei der Phrenologie, aber sie ist doch vorhanden. Wäre das Nachdenken des Forschers ganz auf den Vorgang des Denkens, Fühlens, Wollens gerichtet, so würde der Gedanke am nächsten liegen, das Überströmen der Erregung von einem Teil des Gehirns auf den andern, die fortschreitende Auslösung der Spannkräfte als das Objektive des psychischen Aktes zu betrachten, und nicht nach Wohnsitzen der verschiednen Kräfte zu suchen, sondern nach den Bahnen dieser Strömungen, ihren Zusammenhängen und Verbindungen.

Müller führt für seine Ansicht vom großen Gehirn unter anderm die vergleichende Anatomie an, also das Gebiet, welches noch heute die wichtigste, fast die alleinige Basis dieser Vorstellungsweise ist, seit die pathologische Anatomie sich so widerstrebend gezeigt hat. In der Tat muß man einräumen, daß die stufenweise[792] Entwicklung der Hemisphären des großen Gehirns in der Tierwelt mit äußerster Wahrscheinlichkeit schließen läßt, daß in diesem bedeutungsvollen Organ der wesentlichste Grund der geistigen Auszeichnung des Menschen zu suchen sei. Daraus folgt aber nicht, daß es auch notwendig der Sitz der höheren Seelentätigkeiten sei. Logisch ist klar, daß hier ein bedeutender Sprung vorliegt. Wir wollen aber versuchen, die Sache auch anschaulich zu machen. Eine Mühle mit einem sehr großen Weiher kann bei gleichem und im ganzen spärlichen Wasserzufluß regelmäßiger den ganzen Sommer durch arbeiten, als ein Mühle mit sehr kleinem oder gar keinem Weiher. Sie kann auch im Notfall einmal viel Kraft zusetzen ohne sich gleich zu erschöpfen; sie ist überhaupt günstiger situiert, sie arbeitet vorteilhafter. Der Weiher ist der Grund dieser vorteilhafteren Arbeit, aber die Arbeit findet nicht im Weiher statt, sondern sie erfolgt durch das Abfließen desselben und durch das Eingreifen des Abflusses in ein künstliches Getriebe. – Da wir hier nur die logische Lücke zeigen und nicht selbst eine Hypothese aufstellen wollen, so fügen wir noch ein andres Bild hinzu. Die einfache Buchdruckerpresse Gutenbergs leistete wenig im Vergleich mit unsern höchst komplizierten Schnellpressen. Der Vorzug der letzteren liegt nicht in der Form, sondern in ihrem künstlichen Räderwerk; soll man deshalb annehmen, daß in diesem der Druck stattfindet? Man kann sogar unsre Sinne als Beispiel nehmen. Das vollkommner gebaute Auge bedingt ein besseres Sehen, aber das Sehen selbst findet wohl nicht im Auge statt, sondern im Gehirn. – So ist also die Frage nach dem Sitz der höheren Geistesfunktionen mindestens offen, wenn nicht überhaupt falsch gestellt. Daß aber die Hemisphären des großen Gehirns für diese Funktionen eine entscheidende Bedeutung haben, ist ohne weiteres einzuräumen.

Müller glaubt freilich auch, daß Flourens mit seinem Messer für den Sitz der höheren Geistesfunktionen im großen Gehirn einen direkten Beweis geliefert habe. Bekannt ist Büchners Ausdruck, Flourens habe seinen Hühnern »die Seele« stückweise weggeschnitten. Allein, selbst zugegeben, daß die schwer zu definierenden höheren Geistesfunktionen des Huhnes wirklich bei jenen Vivisektionen weggefallen seien, so folgt selbst dann das Vorausgesetzte nicht, da das große Gehirn immer noch bloß ein notwendiger Faktor für das Zustandekommen dieser Tätigkeiten zu sein brauchte, keineswegs aber der Sitz derselben. Nun ist aber ferner zu beachten, daß im organischen Körper die Wegnahme eines Organs,[793] wie das große Gehirn, gar nicht ausgeführt werden kann, ohne daß das Tier erkrankt und namentlich die zunächst liegenden Teile in ihren Funktionen sehr erheblich gestört werden. Dies beweist z.B. ein Versuch Hertwigs (in Müllers Physiologie mitgeteilt), bei welchem eine Taube, der der obere Teil der Hemisphäre genommen war, fünfzehn Tage lang nicht hören konnte, endlich aber ihr Gehör wieder erhielt und so noch 2 1/2 Monate lebte. Bei Flourens' Versuchen ging den Tieren außer dem Gehör auch regelmäßig das Gesicht verloren, ein Umstand, welcher dazu beitrug, daß dieser Forscher glaubte, die Tiere hätten kein Bewußtsein mehr. Longet hat dagegen durch einen höchst merkwürdigen Versuch bewiesen, daß bei sorgfältiger Schonung der Sehhügel und der übrigen Hirnteile, mit Ausnahme der Hemisphären, die Sehkraft der Tauben teilweise erhalten bleibt. Nun möge man doch den ersten besten geistreichen Schriftsteller blenden, ihm das Gehör zerstören, die Zunge lähmen und ihm überdies ein gelindes Fieber oder einen permanenten Rausch beibringen. Er soll das große Gehirn behalten, und wir sind überzeugt, er wird nicht viel Spuren seiner höheren Geistesfunktionen verraten. Wie kann man es denn vom verstümmelten Huhne erwarten ?

Die neuesten Hirnforschungen, von welchen gleich weiter die Rede sein wird, sichern dem großen Gehirn in ganz andrer Weise seine überwiegende Bedeutung. Es erscheint hier nicht als »Seele« oder als ein Organ, welches in unbegreiflicher Weise »Intelligenz« und »Willen« produziert, sondern als dasjenige Organ, welches die kompliziertesten Verbindungen von Empfindung und Bewegung hervorbringt. Nicht »Wille« als solcher wird da erzeugt, sondern eine Wirkung, durchaus analog den Reflexen, nur mannigfaltiger zusammengesetzt und von mannigfaltigeren Leitungen aus andern Hirnteilen bedingt. Das Gehirn produziert kein Abstraktum der Psychologie, welches sich sodann erst in die konkrete Handlung umzusetzen hätte, sondern es gibt die konkrete Handlung, wie beim Reflex, als unmittelbare Folge des Gehirnzustandes und der in den verschiednen Bahnen sich bewegenden Erregungszustände. Man schneidet daher auch dem Huhn nicht die »Seele« stückweise weg, sondern das Messer zerstört einen Kombinationsapparat, der aus lauter einzelnen Teilen von der verschiedensten und bestimmtesten Bedeutung besteht. Der individuelle Charakter des Tieres, seine animale Eigentümlichkeit besteht fort, bis der letzte Rest des Lebens erloschen ist. Ob aber das Bewußtsein ausschließlich an die[794] Funktionen dieses Apparates geknüpft sei, bleibt immer noch fraglich. (Vgl. Anm. 27.)

Als Beispiel einer einseitigen und willkürlichen Hirnphilosophie können wir noch die Ansichten von Carus und Huschke erwähnen, welche in leichten Modifikationen viel Verbreitung gefunden haben, obwohl sie ganz und gar auf dem Prinzip der Personifikation überlieferter Abstraktionen beruhen. Wir steigen damit zwar in das Gebiet der Naturphilosophie zurück, ohne uns jedoch vom gegenwärtigen Standpunkt der Wissenschaft weit zu entfernen, denn in der Behandlung des Gehirns ist man eben bis auf die neueste Zeit hin noch nicht weit über die Naturphilosophie hinausgekommen.

Huschke lehrte schon in seiner Dissertation aus dem Jahre 1821, daß den drei Wirbeln des Schädels auch drei Hauptteile des Gehirns entsprechen, und daß daher auch drei Grundkräfte des Geistes anzunehmen seien. Ein sonderbarer Kausalzusammenhang, aber ganz in der Denkweise jener Zeit. Dem verlängerten Mark und dem kleinen Gehirn wird das Wollen zugeteilt, dem Scheitelhirn das Gefühl, dem Stirnhirn das Denken. Natürlich spielt die »Polarität« eine Rolle dabei. Das kleine Gehirn ist dem großen polar entgegengesetzt; jenes dient der Bewegung, dieses der Empfindung und dem Denken; jenes hat aktive, dieses rezeptive Tätigkeit. In dieser Beziehung schließen sich die Teile der Basis des Gehirns ganz an das große Gehirn an; dann aber entsteht innerhalb dieser Masse wieder der polare Gegensatz. Als Beitrag zur Einsicht in die Entstehungsweise wissenschaftlicher Vorstellungen wird man immer mit Interesse sehen können, daß Huschke die berühmten Versuche von Flourens, welche einige Jahre später erschienen, als einen experimentellen Beweis für seine Lehre betrachtete.521

Carus stellte später eine ganz ähnliche Dreiteilung auf, wollte aber den ursprünglichen Sitz des Gemütes ausschließlich in den Vierhügeln finden, während Huschke dafür auch die Sehhügel, die hinteren Lappen des großen Hirns und andre Teile in Anspruch nimmt. Huschke scheinen die Vierhügel für eine so wichtige Funktion, wie die des Gemütslebens, zu unbedeutend, zumal da sie in der Entwicklungsgeschichte des Menschen, wie in der aufsteigenden Tierreihe, sichtbar an Bedeutung verlieren. Für Carus kann dieser Umstand nicht störend sein, da er von der ursprünglichen Anlage ausgeht und es für eine Absurdität erklärt, im ausgebildeten Menschen Gemüt, Intelligenz und Willen so lokalisiert zu betrachten, »daß[795] sie gleichsam jede in einer der drei Hirnabteilungen sich eingesperrt fänden.« Etwas andres soll es dagegen sein, »wenn wir von der ersten Anlage dieser Gebilde handeln, wo Leitungsfasern noch gar nicht oder nur unvollkommen entwickelt sind, wo dann auch von feineren Nuancierungen des Seelenlebens überhaupt noch gar nicht die Rede sein kann.« In dieser bloßen Anlage zur späteren entwickelten Geistestätigkeit sollen dann allerdings die drei Grundrichtungen derselben lokalisiert sein. Insofern Carus diese ganze Lokalisierung im Grunde nur als Symbol eigentümlicher Geistesentwicklung faßt, entzieht sich sein Standpunkt der Bekämpfung, indem er sich in metaphysische Unklarheit verliert. Prüfen wir die Beweismittel der beiden in ihrer Anschauung so nahe verwandten Physiologen, so begegnet uns sofort jener ausgedehnte Gebrauch der vergleichenden Anatomie, in welchem von vornherein der Standpunkt der Naturphilosophie mit demjenigen der positiven Wissenschaft so merkwürdig verschmolzen ist. Weil die vergleichende Anatomie auf schärfster Auffassung des einzelnen beruht, weil sie zur Gewinnung ihrer Anhaltspunkte, namentlich in der Anatomie des Nervensystems, der exakten Operationen bedarf, so übertragen die Forscher nur gar zu leicht das Gefühl ihrer Exaktheit auf die Schlüsse, welche sie aus der Vergleichung der entsprechenden Formen ziehen zu müssen glauben. Nun ist bei allen Schlüssen auf das Verhältnis von Hirnbildungen zu Geistestätigkeiten das Verfahren an sich schon kein einfaches. Man vergleicht sichtbare menschliche Organismen mit tierischen. Gut dieser Vergleich läßt die exakte Methode zu. Man kann die Vierhügelmasse eines Fisches wägen, man kann rechnen, in welchem Verhältnis bei Vögeln das Kleinhirn zur gesamten Hirnmasse steht. Man kann dies Verhältnis mit dem vergleichen, welches man bei Menschen findet. So weit ist der Weg geebnet. Nun müßte ich in derselben Weise die Geistesfunktionen der Tiere kennen; diese auch unter sich und mit denen des Menschen vergleichen; dann käme erst die schwierigste Aufgabe. Ich müßte nun nämlich auffallende Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten des einen Gebietes gleichsam denen des andern anpassen, Grad und Regelmäßigkeit des Beobachteten vergleichen, allmählich ein Netz solcher Entsprechungen finden und dadurch über das einzelne gewisser werden. Bei dieser Operation müßte ich die Selbsttäuschungen vermeiden, welche unsre produktive Phantasie uns so zahlreich unterzuschieben weiß.[796]

Doch, statt die Schwierigkeiten zu häufen, wollen wir lieber die Unmöglichkeit des Verfahrens scharf bezeichnen. Sie liegt in dem Mangel einer vergleichenden Psychologie. In der Psychologie können wir überhaupt keine Sektionen vornehmen, nichts wägen, messen, keine Präparate vorzeigen. Namen wie Denken, Fühlen, Wollen sind eben Namen. Wer will genau bezeichnen, was ihnen entspricht? Sollen wir Definitionen machen? Ein schwankendes Element! Sie taugen alle nichts; wenigstens zu exakten Vergleichen nicht. Und woran knüpfen wir unsre Beobachtungen? Mit welchem Maße messen wir? Bei diesem Tappen im Finstern ist nur das kindlich naive Vorurteil sicher, etwas zu finden, oder der seherische Schwung des Metaphysikers. Der Verstand hat nur einen Weg. Er kann nur die positiven, bezeugten, gesehenen Handlungen der Tierwelt mit den Organen vergleichen. Er muß die Frage zurückführen auf die Frage nach Bewegungsweisen und Bewegungsursachen. Dies ist ein Weg für die Zukunft; denn Männer wie Scheitlin, Brehm und andre Freunde der Tierwelt können bei allen ihren Verdiensten kaum schon als erste Bahnbrecher betrachtet werden für das, was wir haben müßten, um in solchen Vergleichen auch nur einigermaßen sicher zu gehen.

Was soll man nun dazu sagen, wenn das größere kleine Gehirn bei Vögeln und Säugetieren ihrem motorischen Charakter zugeschrieben wird im Gegensatz zu dem mehr rezeptiven Wesen des Menschen? Es ist klar, daß auf diesem Wege überhaupt nichts gewußt werden kann. – Ein Anatom bemerkt, daß beim Schaf das vordere Paar der Vierhügel groß ist, das hintere klein; beim Hunde umgekehrt. Dies bringt ihn auf den Gedanken, daß das vordere sensibel, das hintere motorisch sei. Kann eine solche Idee irgend etwas mehr leisten, als höchstens einen Fingerzeig für weitere Forschungen abgeben? Diese Forschungen dürfen aber nicht in der Anhäufung ähnlicher Beobachtungen mit gleich willkürlicher Deutung bestehen, sondern sie müssen auf ein beschränktes Gebiet übergehen welches mit dem Experiment zu bewältigen ist. Vor allen Dingen sind die allgemeinen psychologischen Schulbegriffe zu beseitigen! Wenn mir jemand zeigt, daß eine leichte Verletzung irgendeines Hirnteils bewirkt, daß eine sonst gesunde Katze das Mausen läßt, so will ich glauben, daß man auf dem richtigen Wege psychischer Entdeckungen ist. Ich werde aber auch dann nicht annehmen, daß damit der Punkt getroffen ist, in welchem die Vorstellungen der Mäusejagd ihren ausschließlichen Sitz haben. Wenn eine Uhr die[797] Stunden falsch schlägt, weil ein Rädchen verletzt ist, so folgt daraus noch nicht, daß dies Rädchen die Stunden schlug.

Vor allen Dingen muß man darüber im klaren sein, daß in sämtlichen Paragraphen der alten Schulpsychologie nirgend von Dingen die Rede ist, die wir überhaupt unter den Elementen der Hirnfunktionen wiederzufinden erwarten dürfen. Es ist damit ungefähr, wie wenn man die verschiedenen Tätigkeiten einer Lokomotive, so weit man sie äußerlich beobachten kann, in den einzelnen Siederöhren oder in bestimmten Teilen der Maschine lokalisiert finden wollte: hier das Vermögen Rauch auszustoßen, dort ein gleiches für den puffenden Dampf, hier die Drehkraft, dort das Vermögen schnell oder langsam zu laufen und anderswo wieder die Fähigkeit Lasten zu ziehen. In unsrer ganzen überlieferten Psychologie sind die Handlungen des Menschen ohne alle Rücksicht auf die Elemente ihres Zustandekommens nach gewissen Beziehungen zum Leben und seinen Zwecken klassifiziert, und zwar so, daß schon die bloß psychische Analyse oft deutlich zeigt, wie wenig dasjenige eine wahre Einheit bildet, was man mit einem einzigen Worte bezeichnet. Was ist z.B. der »Mut« des Seemannes im Sturm und anderseits bei vermeintlichen Gespenstererscheinungen? Was ist das »Gedächtnis«, was das »Schlußvermögen«, wenn man auf die verschiednen Formen und Gebiete ihrer Wirkungen achtet? Fast alle diese Begriffe der Psychologie geben uns ein Wort, mittels dessen in sehr unvollkommener Weise ein Teil der Vorgänge im Menschenleben klassifiziert wird; damit verbindet sich der metaphysische Trug eines gemeinsamen substantiellen Grundes dieser Vorgänge, und dieser Trug muß zerstört werden.

Wie tief das Vorurteil von Lokalisation der Geistesvermögen einwurzeln kann, zeigt noch ein fast rührendes Beispiel aus dem Leben und Wirken eines der ersten Forscher dieses ganzen Zweiges. Flourens, der im Anfang der zwanziger Jahre durch seine berühmten Vivisektionen sich einen europäischen Ruf erwarb, kehrte vierzig Jahre später zu den Untersuchungen über die Hirnfunktionen zurück und wandte dabei eine Methode an, deren Neuheit und Scharfsinnigkeit Bewunderung verdient. Er brachte bei Tieren kleine Metallkugeln auf die Oberfläche des Gehirns und ließ sie langsam durchsinken. Die Kugeln drangen in allen Fällen nach Verlauf längerer Zeit durch bis auf die Basis des Gehirns, ohne daß irgendeine Störung der Funktionen erfolgte. Nur wenn die Kugel senkrecht über dem Lebensknoten stand, erfolgte nach vollendetem[798] Durchsinken der Tod. Flourens teilt diese Versuche in einer Abhandlung über die Heilbarkeit der Gehirnwunden mit (Compte rendu 62), welche außerdem konstatiert, daß es von Fällen solcher Verwundungen wimmelt, in denen das Individuum durchaus keinen Nachteil erlitt, und daß die Hirnwunden sogar mit überraschender Leichtigkeit heilen. Und in derselben Abhandlung erklärt Flourens noch die Teilung der Geistesvermögen nach den Hirnorganen für den Zweck der Wissenschaft!

Erst in neuerer Zeit ist man nun endlich auf bessere Bahnen geraten, und so gering noch die positiven Ergebnisse sein mögen: es zeigt sich sofort fester Boden und ein sicherer Ausgangspunkt der Forschung.

Vor allen Dingen sind auch hier die anatomischen Forschungen und Theorien Meynerts über den Bau des Gehirns zu erwähnen.522 Meynert hat zuerst in durchgreifender Weise den Versuch unternommen, mit Abstraktion von allen psychologischen Ansichten eine Gesamtanschauung vom Bau des Gehirns und der Ordnung seiner Teile zu gewinnen und den allgemeinen Verlauf aller Hirnfunktionen dadurch zunächst in Beziehung auf die möglichen Wege der physiologischen Vorgänge näher zu bestimmen. Als fester Ausgangspunkt in letzterer Hinsicht dient ihm lediglich die bekannte, teils sensorische, teils motorische Natur der in das Hirn eintretenden Nervenstränge des Rückenmarks. Diese verfolgt er auf ihren Bahnen aufsteigend bis zur Großhirnrinde, deren verschiedne Gebiete dadurch eine erste feste Charakteristik erhalten, und hinwiederum absteigend von der Großhirnrinde durch bestimmte, anatomisch gegebene Stufen zum Rückenmark und den peripherischen Nerven.

Das allgemeine Bild, welches sich aus dieser Betrachtungsweise ergibt, ist, so weit es uns hier berührt, kurz folgendes. Die Nervenbahnen vervielfältigen sich im Aufsteigen zur Großhirnrinde und vereinfachen sich auf dem absteigenden Wege. Die Stätten dieser Vervielfältigung sind Organe der grauen Substanz, also Sammelplätze von Ganglienzellen, welche von der weißen Substanz der Leitungsfäden durchzogen werden. In den gleichen Organen findet eine äußerst mannigfaltige Verbindung von Leitungsbahnen statt. Die graue Substanz, welche ohne Zweifel diese Verbindungen und Verzweigungen vermittelt, sondert sich vom Gesichtspunkte dieser Gliederung gleichsam in drei Instanzen: die oberste bildet die Großhirnrinde, das Grau erster Ordnung; dann folgen[799] die großen Kerne an der Basis des Gehirns als Grau zweiter Ordnung und endlich das »zentrale Höhlengrau« als dritte Stufe. Daneben geht freilich noch die graue Substanz des kleinen Gehirns einher, welches ein Organ besonders reicher und mannigfaltiger Verknüpfung von sensorischen und motorischen Bahnen ist. Meynert macht aus ihm der Einfachheit wegen eine vierte Klasse der grauen Substanz, die sich aber nicht in jenen Instanzenzug fügt, sondern eine separate, am ehesten den Organen zweiter Ordnung koordinierte Stellung hat.

Die Leitungsfasern (weiße Substanz) ordnet Meynert übersichtlich in das Assoziations– und das Projektionssystem. Die Fasern des ersteren dienen der Verbindung verschiedner Teile der Hirnrinde, diejenigen des letzteren dem Verkehr zwischen der Großhirnrinde und der Außenwelt, die sich gleichsam mittels der Nerven in der Halbkugel der Hirnrinde projiziert. Diese Anschauung von der Projektion der Außenwelt in der Hirnrinde könnte freilich als eine störende psychologische Zugabe betrachtet werden; allein sie ist so allgemein gehalten, daß sie sich sogar abtrennen läßt von der scheinbar notwendigen Folgerung, daß das Bewußtsein eine Funktion der Großhirnrinde sei. Im Grunde kann man sagen, daß die Außenwelt sich in jedem Nervenzentrum projiziert; in rohester, einfachster Form schon im Grau des Rückenmarks und der Hirnhöhlen; in vollkommnerer Weise in den großen Kernen und endlich in der vollkommensten, der eigentlich allein menschlichen Weise in der Großhirnrinde. Dabei ist ein gewisser Instanzenzug wohl zu beachten. Das Grau dritter Ordnung vermittelt Reflexe. Diese können von gewissen Stellen der zweiten Instanz gehemmt werden; der empfangene Eindruck wirkt nun nicht wieder sofort nach außen, sondern er wird in ein komplizierteres psychisches Gebilde verwoben oder zur Erzeugung eines Spannungszustandes einstweilen gleichsam aufgespeichert. Aber die Organe der zweiten Instanz sind wenigstens zum Teil selbst wieder reflektorischer Natur. Es sind die zusammengesetzteren, auf einen Lebenszweck gerichteten Reflexe, die hier gebildet werden. Ein hier anlangender Reiz löst, je nach seiner Beschaffenheit und nach dem Zustande des Zentrums bald gar keine Bewegung aus, bald vielleicht eine ganze Reihe gleichzeitiger oder auch aufeinanderfolgender Bewegungen.

Aber diese Reflexe der zweiten Instanz können wieder gehemmt und modifiziert werden durch das Eingreifen der dritten und höchsten Instanz, der Großhirnrinde. Hier, sagt man, ist es der bewußte[800] Wille, welcher eingreift; und doch ist der Apparat, die Funktionsfolge, gleicher Art wie in der zweiten Instanz, nur wieder ungemein viel mannigfaltiger und verwickelter. Der bewußte Wille selbst scheint sich also physiologisch nur als höchste Reflex-Instanz darzustellen, was, beiläufig bemerkt, weder seiner Bewußtheit noch seiner ethischen Würde als »Wille« Eintrag tut. Unsre psychischen Funktionen bleiben, was sie sind, wenn wir auch in ihrer physiologischen Erscheinungsweise nichts als einen höchst vollendeten und in seiner Zusammensetzung unsre mathematische Fassungskraft weit übersteigenden Mechanismus vor uns haben.

Wir sind von der Darstellung der Theorie Meynerts etwas abgeschweift. Er hält sich streng an die Aufzeigung der morphologischen Gliederung des Gehirns; allein das ist eben der größte Vorzug einer wirklich lichtvollen, klar ordnenden Morphologie, daß sie uns unmittelbar auch einen Blick in die Funktionen eröffnet. Dies wird noch deutlicher, wenn wir die Bahnen der Nervenprozesse etwas spezieller verfolgen.

Das Projektionssystem hat namentlich eine doppelte Bahn. Die eine führt von der Großhirnrinde durch den Fuß des Hirnschenkels zum Rückenmark, die andre durch die Haube des Hirnschenkels. In der ersteren Bahn wird die zweite Instanz hauptsächlich vertreten durch den geschwänzten Kern und den Linsenkern, in der letzteren durch Sehhügel, Vierhügel und den inneren Kniehöcker; die erstere ist rein motorisch, die letztere gemischt. Die Bahn des Hirnschenkelfußes wächst, samt den in sie eingeschalteten Kernen, wenn man in der Tierreihe aufsteigt, gleichmäßig mit der Entwicklung der Hemisphären des großen Gehirns. Beim Menschen sind Hirnschenkelfuß und Linsenkern am mächtigsten entwickelt; die Höhe des Hirnschenkelfußes kommt der Höhe der Haube gleich, während sie sich z.B. beim Reh zu dieser nur wie 1:5 verhält. Wir müssen daraus schließen, daß die für das tierische Leben unentbehrlichsten Bewegungsformen und Empfindungseindrücke auf der Bahn der Haube geleitet und gesammelt werden. Die hier eingebetteten großen Kerne sind auch vorzüglich Bildungsstätten zusammengesetzter Reflexe, die, wie es scheint, von der Hirnrinde aus nur gehemmt, verstärkt und überhaupt geregelt werden. In der Bahn des Hirnschenkelfußes dagegen scheinen vorwiegend solche Bewegungen geleitet zu werden, deren Kombination in der Großhirnrinde selbst stattfindet.[801]

Es könnte auffallen, daß es gerade eine motorische Bahn ist, deren höhere Entwicklung mit der Zunahme der Hemisphären parallel geht und beim Menschen ihr Maximum erreicht. Sind nicht viele Tiere dem Menschen an Kraft und Schnelligkeit der Bewegungen überlegen? Spottet nicht z.B. der in den Ästen der Bäume spielende Gibbon aller turnerischen Leistungen, zu denen der Mensch es bringen kann? Sind wir nicht dagegen gerade in der Stärke und Mannigfaltigkeit unsrer Empfindungen den Tieren überlegen? Fordern nicht unsre wissenschaftlichen Wahrnehmungen eine Übung der Sinne, welche den Tieren unbekannt ist? Ja, wenn sich schließlich das ganze Bewußtsein aus Empfindungen aufbaut: sollte man dann nicht von vornherein erwarten, daß eine relativ höhere Entwicklung der sensorischen Bahnen mit der Entwicklung des Geisteslebens Hand in Hand gehen müßte?

Hiergegen kann man zunächst die Sprache und die kunstfertige Hand des Menschen in ihrer Bedeutung für das Geistesleben in Betracht ziehen. Für die Sprache kennen wir sogar schon den Bezirk der Hirnrinde, in welchem die Laute zu bedeutungsvollen Worten kombiniert werden, und unter allen Erscheinungen psychischer Störung ist gegenwärtig wohl keine dem Verständnisse näher gebracht als die Aphasie. Aber die Sprache sowohl als auch die Kunstfertigkeit der Hand zeigen uns, daß es in erster Linie gar nicht etwa auf Kraft und Schnelligkeit der Bewegungen ankommt, sondern auf Mannigfaltigkeit und genau bemessene Zweckmäßigkeit. Dazu aber gerade bedarf es eines ausgedehnten Koordinationsapparates mit Verbindungen, die von jedem Punkte eines gegebenen Systems aus zu einer Mannigfaltigkeit von Punkten andrer Systeme verlaufen. Bei der Sprache handelt es sich ja nicht nur darum, den Lippendruck genau abzumessen, welcher ein B oder P hervorbringt, oder die Bewegungen der Sprachorgane, welche ein Wort von schwieriger Aussprache bilden, geläufig aufeinander folgen zu lassen. Die Sprache soll auch etwas bedeuten und deshalb müssen vor der Kombinationsstätte eines Wortes wieder vielfache Verbindungen nach den Kombinationsstätten der Sinneseindrücke verlaufen. Diese Verbindungen lassen sich zum Teil gar nicht anders denken, als so, daß je eine bestimmte Empfindung oder ein bestimmter Impuls zur Muskelbewegung in einer ganzen Reihe von Zellen der Hirnrinde seine Vertretung findet, von denen jede wieder ihre besonderen Verbindungen hat. Wie im Cortischen Apparate der Gehörschnecke eine ganze Reihe von Nerven bereit liegen,[802] Eindrücke zu empfangen, von denen jedoch nur einige wenige zur Leitung eines bestimmten Tones in Anspruch genommen werden, so muß man sich auch in den Nervenzentren, und besonders in denen der höheren Instanzen vorstellen, daß ein hier anlangender Reiz von vielen Zellen aufgenommen wird, unter denen nur in wenigen der Erregungsvorgang eine unmittelbare psychische Bedeutung erhält; ebenso, daß ein Bewegungsimpuls, welcher bestimmt ist, eine Gruppe von Muskeln in Bewegung zu setzen, von vielen Hirnzellen ausgehen kann, während die Verbindungen derselben mit andern Hirngebieten darüber entscheiden, ob der Impuls wirklich gegeben wird oder nicht. Freilich wird man im Gehirn vergeblich einen Apparat suchen, welcher diese Wahl der Tätigkeit so einfach reguliert, wie die Schwingungen der membrana basilaris die Tätigkeit der Hörnerven in der Schnecke. Sobald man aber annimmt, daß die Leitung oder Nichtleitung der Nervenprozesse durch nichts so sehr bestimmt wird, als durch den schon vorhandenen und durch die Nebenleitungen mitbedingten Erregungszustand in Fasern und Zellen, braucht man keinen weiteren Mechanismus gleichsam einer Weichenstellung in den Leitungsbahnen aufzusuchen. Das Prinzip der Regelung ist gegeben.

Was die Leitung der menschlichen Hand betrifft, so müssen wir für die motorischen Bezirke des Gehirns nicht nur wegen ihrer großen Beweglichkeit und Brauchbarkeit zu den künstlichsten Verrichtungen eine reiche Entwicklung des Kombinationsapparates annehmen, sondern wir müssen auch z.B. die Schrift in Betracht ziehen, die wieder mit der Sprache in die engsten Beziehungen tritt. Bedenken wir dann ferner die Leistungen eines Klavierspielers, eines Malers, eines Chirurgen usw., bei denen überall das feinste Ausmaß der Bewegungsimpulse mit den mannigfaltigsten Kombinationen zusammenwirkt, so wird uns das Bedürfnis einer großen Erweiterung des motorischen Hirnapparates für die Leistungen des Menschen sofort klar werden. Dazu kommt noch die Beweglichkeit der Gesichtszüge und die außerordentliche Wichtigkeit der Augenbewegungen, die sogar in der Bildung der Gesichtsvorstellungen, in der Auffassung seiner Verhältnisse eine sehr wesentliche Rolle spielt. Die Übung der Sinne zu wissenschaftlichen Wahrnehmungen nimmt also den motorischen Apparat ebenfalls in Anspruch. Das Sehen ist mit der Tätigkeit der Augenmuskeln, das Tasten mit dem Muskelsinne der Hand aufs engste verbunden. Aber selbst in der allgemeinen Körperbewegung ist der Mensch[803] trotz aller turnerischen Leistungen der Affen an Mannigfaltigkeit und Feinheit der Stellungen und Bewegungen allen Tieren weit überlegen. Wir brauchen dabei nicht einmal auf die Leistungen der Tänzer, der japanischen Gaukler, der Schauspieler in mimischer Darstellung hinzuweisen; schon allein der Gang, die aufrechte Stellung, die freie Bewegung der Arme führen zu einer Menge von Bewegungen, die wir unmittelbar als Ausdruck des Geistigen fassen, und in denen auch der Ungeschickteste durch scharf bemessene Gestaltung seinen Charakter kundgibt. – Aber auch unter den Empfindungen sind diejenigen des Muskelsinnes (man denke nur wieder an Sprache, Gesichtszüge, Augenbewegungen) vielleicht gerade die bedeutsamsten; sei es nun, daß sie direkt im motorischen Apparate ihren Sitz haben, oder durch die Tätigkeit desselben bedingt werden.

Die Physiologie ist inzwischen auch nicht müßig geblieben und hat uns gelehrt, daß die Vorgänge in allen Nerven im Zustande der Erregung wesentlich dieselben sind.523 Es gibt nicht einen besonderen Nervenprozeß der Empfindung und einen andern der Bewegung, sondern der physische Prozeß ist in allen Fällen der Erregung eines Nerven wesentlich derselbe und nur nach Stärke und Schwäche Schnelligkeit und Langsamheit usw. verschieden. Auch leitet jede an irgendeiner Stelle ihres Verlaufs gereizte Faser sowohl zentrifugal als zentripetal; nur daß bei den sensorischen Fasern die erstere bei den motorischen die letztere Leitung wirkungslos verläuft. Wir haben also hier schon in einem ganz sichern Falle das Prinzip, daß eine mehrfach sich verbreitende Leitung doch nur in einer ihrer Bahnen zur Wirksamkeit gelangt, und es hindert nichts, dies Prinzip in ausgedehntestem Maße auf die Hirnfunktionen anzuwenden.524

Endlich hat auch das direkte Experiment seine Schuldigkeit getan. Die Versuche von Hitzig und Nothnagel in Deutschland und von Ferrier in England haben gezeigt, daß die Rinde der vorderen Großhirnlappen Einfluß auf bestimmte Bewegungen hat. Ein Kaninchen z.B., dessen Vorderfuß von der Zerstörung eines bestimmten kleinen Teiles der Hirnrinde affiziert wird, ist nicht eigentlich gelähmt; es vermag selbst kombinierte Bewegungen, wie sie wohl in den niederen Zentren gebildet werden, noch wohl auszuführen, aber es ist unsicher, setzt den Fuß schief auf, läßt sich die betroffene Pfote ohne Widerstand in eine andre Lage bringen und scheint von der Stellung dieses Gliedes kein bestimmtes Bewußtsein[804] zu haben. Obwohl nun die Tiere an der erhaltenen Gehirnverletzung schließlich zugrunde gehen, es genügt doch ein Zeitraum von 6-10 Tagen, wenn das Tier lange genug am Leben bleibt, um die erzeugte Bewegungsstörung wieder aufzuheben. Wie ist dies zu erklären? Einer der Urheber dieser Experimente, Nothnagel, glaubt, es handle sich gleichsam um eine »partielle Lähmung des Muskelsinns«; aber nicht das eigentlich letzte Zentrum, die wahre »Endstation« sei verletzt, sondern nur eine Station auf der Bahn desselben, und deshalb könnten sich wieder andre Bahnen für die gleiche Funktion eröffnen.525 Bei Verletzung einer benachbarten Stelle zeigte sich nicht der »Muskelsinn« beeinträchtigt, sondern es trat eine bestimmte Abweichung in der Stellung des Fußes ein: auch diese Störung verschwindet allmählich wieder. Hier nimmt Nothnagel eine Station an für den erregenden Willensimpuls, aber es soll wiederum nicht die Endstation sein. »Die restitutio in integrum nötigt zu dem Schluß, daß hier nur eine Bahn unterbrochen ist, daß nicht die Hirnpartie eliminiert sein kann, wo allein der Willensimpuls auf die Nervenfasern übergeht, beziehungsweise wo allein die Bildung der Willenserregung Platz hat. Wenn eine Wiederherstellung möglich ist, so müssen andre Bahnen vikariierend eintreten, oder so muß wenigstens die Fähigkeit, den Willensimpuls zu erzeugen, auch noch andren Stellen inhärieren.« Die Experimente mit Zerstörung der korrespondierenden Stellen in beiden Hemisphären mißlangen. Es blieb also zweifelhaft, ob die allmähliche Herstellung der Funktionen durch das Eintreten der andern Hemisphären bewirkt wird oder durch die Entstehung neuer Bahnen in der gleichen Hemisphäre. Auf alle Fälle glaubt der Berichterstatter sich zu dem Schlusse berechtigt: »Wenn es überhaupt möglich wäre, daß eine zirkumskripte Stelle, in welcher seelische Funktionen entstehen sollen, nach ihrer Elimination durch eine andre ergänzt werden könnte, so müßte man doch zu dem Schlusse gelangen, daß eine strenge Lokalisation der geistigen Funktionen auf bestimmte Zentren der Großhirnrinde nicht vorhanden ist.«526

Beschäftigen wir uns zunächst einen Augenblick mit dem Vordersatze, d.h. mit dem mehrfach wiederkehrenden Axiom: nur eine vermittelnde, übertragende Stelle kann nach ihrer Zerstörung ersetzt werden; ist das eigentliche Ursprungsorgan einer seelischen Verrichtung zerstört, so ist ein Ersatz dafür undenkbar.

Warum denn? Etwa weil mit der Auffassung des seelischen Vermögens[805] auch der Trieb desselben, sich zu äußern, wegfällt und also der Anlaß zur Neubildung? Das würde auf einen Dualismus hinauslaufen, der mit dem Prinzip der Erhaltung der Kraft nicht vereinbar wäre. Oder weil die seelische Funktion etwas schlechthin Ursprüngliches ist, welches nicht durch den organischen Zusammenhang mit korrespondierenden, vielleicht untergeordneten Funktionen der benachbarten Teile reproduziert werden kann? Das wäre ein ganz neuer Grundsatz, welcher der geistigen Rangordnung der Vorgänge einen physiologischen Einfluß zuschreibt, der nirgend hervortritt und der in der Tat allen Prinzipien der physiologischen Untersuchung widerspricht. Wir sehen daher in den Bedenken des Berichterstatters nur eine Nachwirkung der alten Theorie der Geistesvermögen, welche die Hirnuntersuchungen so lange Zeit fruchtlos gemacht hat. Wird der »Muskelsinn« oder der »Willensimpuls« im Sinne jener alten Psychologie als ein »Vermögen« hypostasiert, welchem ein größerer oder kleinerer Teil des Gehirnes zu dienen hat, so wird nach materialistischer Anschauung mit dem betreffenden Hirnteil auch das »Seelenvermögen« zerstört, nach dualistischer das unentbehrliche Instrument desselben, und nun ist freilich nicht abzusehen, woher der Impuls zum Ersatz kommen soll. Hält man dagegen streng im Auge, daß es sich vom Standpunkte der Physiologie aus auch bei der Erzeugung eines bewußten Willensimpulses nur um einen organischen Vorgang gleich jedem andern handeln kann, daß das »Vermögen« der Psychologie nur ein Wort ist, mit welchem die Möglichkeit des Vorganges scheinbar zu einem besondern Ding erhoben wird, daß endlich die Betrachtung nach der geistigen Rangordnung der Funktionen die Physiologie gar nichts angeht; dann ist nicht im mindesten einzusehen, warum nicht auch die »Endstation« einer psychischen Bahn oder die Ursprungsstelle eines »Vermögens« gleich jeder andern Gehirnpartie in ihrer Tätigkeit durch neue Bahnen soll ersetzt werden können.

Hier könnte auf Grund der alten Psychologie noch ein andres Bedenken auftreten, das seltsam genug ist, das aber doch Erwähnung verdient, weil man die Vorurteile dieser Art bis in die letzten Schlupfwinkel verfolgen muß. Man könnte nämlich Anstoß daran nehmen, daß der Willensimpuls einen bestimmten Körperteil zu bewegen vertilgt wird, während die Herrschaft des Willens über die andern Teile fortdauert. Der Wille selbst, der doch etwas Einheitliches ist, erscheint ja dadurch nur als eine Summe von Teilfunktionen![806] – Aber warum denn nicht? muß man auch hier wieder fragen; denn zunächst wissen wir gar nichts, als daß gewisse Handlungen des Tieres verschwinden und wieder eintreten, nachdem ein gewisser Hirnteil verletzt ist. Diese Handlungen sind von jener Art, deren Kausalzusammenhang der verwickeltste ist und die wir einem »Willen« zuschreiben. Aber was wissen wir denn von diesem Willen? Von den Erfindungen der Psychologen abgesehen rein gar nichts, als was in den Tatsachen, in den Lebensäußerungen vorliegt. Wenn in gewissem Sinne mit Recht von einer Einheit im Willen die Rede ist, so kann diese nur eine formale sein: Einheit des Charakters, der Art und Weise. Aber diese formale Einheit kommt auch der Summe der einzelnen Lebensäußerungen zu und im Grunde nur dieser. Wenn wir dabei vom »Willen« reden, so fügen wir ein zusammenfassendes Wort für diese Gruppe von Lebenserscheinungen hinzu. Jede Unterstellung eines Dinges für das Wort ist eine Überschreitung des Gegebenen und daher wissenschaftlich nichtig.

Jetzt werden wir auch darüber im klaren sein, ob eine »strenge Lokalisation der geistigen Funktionen auf bestimmte Zentren der Großhirnrinde« zu erwarten ist oder nicht. Nothnagel hat darin ganz recht: seine Experimente sind einer solchen strengen Lokalisation entgegen; selbst dann, wenn die Herstellung der Funktionen durch das Eintreten der zweiten Hemisphäre zu erklären wäre Denn auch dann geht ja doch der Willensimpuls nach diesem Herstellungsprozesse von einem andern Punkte aus als vorher. Aber der Willensimpuls, und auch der Willensimpuls ein bestimmtes Glied zu bewegen, ist doch wieder immer nur ein Name für eine Summe von Funktionen, die ein bestimmtes äußeres Ergebnis hat. Die elementaren Funktionen der einzelnen Zellen und Fäden können dabei sehr streng lokalisiert sein, und doch ist es denkbar, daß das gleiche Ergebnis unter besondern Umständen auch auf einem andern Wege erzielt wird. Sobald wir aber das gleiche Ergebnis wieder sehen, sagen wir nach den gewohnten psychologischen Vorstellungen: »der Willensimpuls ist hergestellt.« Es ist aber gar nicht dasjenige hergestellt, was vernichtet war, sondern nur das gleiche Produkt mittels ganz andrer Faktoren.

Hierüber klar zu sein, ist von der allergrößten Wichtigkeit; denn es ist sehr wahrscheinlich, daß die mannigfaltigsten Stellvertretungen dieser Art erst bei den höchsten Geistesfunktionen des Menschen eintreten. Wer z.B. mehr in Begriffen zu denken gewohnt ist als in [807] Anschauungen, dessen Denken wird wahrscheinlich durch einen Anfall von Aphasie anfangs sehr erschwert werden, bis es ihm gelingt, den Übergang von der Voraussetzung zur Folgerung in der bloßen Anschauung zu vollziehen und so zu dem gleiche Ziele zu gelangen, welches er ehemals nur durch »stilles Sprechen« zu erreichen wußte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Beteiligung verschiedner Hirnprovinzen am Denken schon bei gesunden Menschen eine sehr verschiedene ist, während das Resultat, der Gedanke, dasselbe bleibt.

Während Nothnagel aus seinen Versuchen schloß, daß die psychischen Funktionen im Gehirn nicht lokalisiert seien, schließt Hitzig umgekehrt, »daß sicher einzelne seelische Funktionen, wahrscheinlich alle, zu ihrem Eintritt in die Materie oder zur Entstehung derselben auf zirkumskripte Zentra der Großhirnrinde angewiesen sind.«527 Der Gegensatz zwischen den Ansichten beider Forscher ist nicht so groß, wie es scheint; denn Hitzig zeigt sich von der alten psychologischen Vorstellungsweise frei und versteht unter »seelischen Funktionen« nicht hypostasierte Worte, sondern; da es sich um die Funktionen möglichst einfacher Hirnteile handelt, auch wirklich einfache Seelenvorgänge und die Einfachheit ist hier nur im strengsten Anschluß an den entsprechenden physischen Vorgang zu finden. Der Wille, dieses bestimmte Glied zu biegen oder zu strecken, wird ganz einfach und naturgemäß in denjenigen Punkt der Großhirnrinde verlegt, durch dessen elektrische Erregung die betreffende Bewegung hervorgerufen wird. Dabei sind die bahnbrechenden Versuche Hitzigs mit solcher Feinheit angestellt, daß es ihm gelingt, den physischen Vorgang in feinere Elemente zu zerlegen, als sie in gewissem Sinne für den psychischen bestehen. Wenn z.B. von einem bestimmten Punkte der Hirnrinde aus das eine Ohr, und nur dieses, in heftig schüttelnde Bewegung versetzt wird, so fragt es sich mit Recht, ob der Wille jemals eine so bestimmte Teilwirkung hervorrufen kann. Er braucht es auch nicht, da es keinem Lebenszwecke dient. Die Feinheit der psychischen Funktionen besteht wieder in andern Punkten, in denen dann freilich kein physiologisches Experiment auch nur von ferne nachkommen kann: vor allen Dingen in der unglaublich scharf bestimmten Intensität einer jeden Erregung und dem genauen Maße der entsprechenden Bewegung; sodann in der Zusammensetzung verschiedner Muskeltätigkeiten zu einer zweckmäßigen Gesamtbewegung. Hier denke man nur einmal wieder an die Leistungen[808] der menschlichen Hand, der Zunge, der Gesichtsmuskeln im mimischen Ausdruck, und man wird leicht sehen, wo das Geistige gelegen ist. Wir finden es überall im Maß, in der Form, im Verhältnis des Zusammenwirkens der physischen Funktionen, wo der kleinste Zug, zumal in künstlerischer Behandlung, die höchste Bedeutung erlangt. Nach der rein physischen Seite des Vorgangs aber können uns die Elemente dieser feinsten Mischungen verschiedner Impulse in einer Weise isoliert aufgezeigt werden, die für den Willen unzugänglich ist.

Es ist nicht uninteressant, daß Ferrier528 bei seinen rohen und methodisch ungenauen Wiederholungen der Versuche Hitzigs weit häufiger als dieser auf das Entstehen fertiger Zweckbewegungen stieß, deren Entstehung er der Reizung eines bestimmten Hirnteiles zuschrieb. Durch die Anwendung zu starker Ströme hatte er benachbarte Stellen mit gereizt, und da z.B. die Zentra für Beugung, Streckung, Abduktion und Rotation eines Gliedes alle nahe beieinander liegen, so ist es sehr natürlich, daß eine gleichzeitige Reizung mehrerer Zentren in ihrer Gesamtwirkung z.B. eine Laufbewegung oder bei einer Katze die Bewegung des Kratzens hervorbringen kann. Hitzigs genauer isolierende Versuche sind physiologisch ungleich wertvoller; allein für die Psychologie würde es von besonderem Interesse sein, zu sehen, wie man die zweckmäßigen Bewegungen künstlich und mit genauer Berechnung der einzelnen Impulse könnte entstehen lassen. Es ist übrigens nicht unwahrscheinlich, daß in den tiefer liegenden Schichten der Hirnrinde sich Zellen befinden, durch deren Erregung je eine ganze Reihe der an der Oberfläche liegenden Punkte gemeinsam und in einer schon geordneten Weise sekundär erregt werden können. Worin aber auch der Koordinationsmechanismus bestehen mag, welcher je eine Gruppe von Elementarwirkungen zu einer Zwecktätigkeit vereinigt: auf alle Fälle haben wir guten Grund, der Vorstellung von dieser Zwecktätigkeit und dem Willen, sie hervorzurufen, keinen andern Sitz anzuweisen als diejenige Partie der Großhirnrinde, in welcher diese Tätigkeit selbst ihren Ursprung hat.

Dies würde sich anders verhalten müssen, wenn wir von der eignen Muskeltätigkeit nicht ein unmittelbares, im weitesten Sinne des Wortes auch zur Empfindung zu zählendes Bewußtsein hätten. Man müßte dann annehmen, daß irgendwo in einem sensorischen Zentrum die Vorstellung der betreffenden Handlung gebildet[809] würde, und daß von hier aus eine Leitung in den Mechanismus des motorischen Systems eingriffe, allein aller Wahrscheinlichkeit nach müssen beiderlei Arten von »Vorstellung« nebeneinander angenommen werden, um den Anforderungen einer rationellen Psychologie zu genügen. Die Vorstellung einer Handlung, z.B. des Laufens, wie sie sich in einem sensorischen Zentrum bilden möchte, kann wohl schon nach ihrem Ursprung aus Bildern der Objekte niemals ganz dasselbe sein wie die Vorstellung, welche sich aus eigner Tätigkeit erzeugt. Gleichwohl können beide in einem Gedankengange dieselben Dienste tun. So vermögen wir, z.B. beim Verfolgen einer Erzählung, die Bilder ruhig und objektiv in uns zu entwickeln; wir pflegen aber bei größerer Lebhaftigkeit uns in die handelnde Person hineinzuversetzen und dann kann jeder an sich selbst beobachten, daß die Vorstellung eines Schlages oft mit einem zuckenden Gefühl im Arme, die Vorstellung eines Sprunges mit einer Neigung zu springen verbunden ist. Beim Mensche kommt als wichtigster Herd der Vorstellungen noch die Sprache hinzu, und hier vollends kann man kaum zweifeln, daß die Vorstellung des Wortes ihren Sitz da hat, wo dasselbe erzeugt wird. Unser Denken, hat man schon oft bemerkt, ist ein leises gleichsam innerliches Sprechen. Wer aber genau Achtung gibt, bemerkt sehr leicht, daß mit diesem »innerlichen« Sprechen sehr häufig, und bei größerer Lebhaftigkeit immer, wirkliche Impulse in den Sprachwerkzeugen verbunden sind.

Alles dies könnte auch Wirkung der »Assoziation« sein; allein die Assoziation selbst ist mit den Tatsachen der Physiologie kaum anders in Einklang zu bringen, als wenn man sie einerseits auf das Bestehen der mannigfaltigsten Leitungen, anderseits aber auf die partielle Identität der Erregungsgebiete zurückführt.

Die Tatsachen der Mnemonik beweisen, daß von der Vorstellung »Schloß« ein sehr leichter Übergang ist auf »Mauer« oder »Turm«, aber ebenso leicht auf »Berg«, »Adel«, »Mittelalter«, »Landgut«, »Rhein« usw. Ganz besonders leicht ist auch der Übergang auf das bloße Lautverwandte, so vom bewohnbaren »Schloß« auf das »Türschloß« den »Schlüssel«, »Schlosser« usw. – Nach der Assoziations-Theorie des vorigen Jahrhunderts hätten alle die einzelnen Fasern, die man sich als Träger solcher Vorstellungen dachte, in nächster Reihe nebeneinander liegen müssen, um die Vibration von der einen auf die andre übergehen zu lassen. Hier kommt man jedoch auf die offenbarste Unmöglichkeit; zumal wenn man das[810] einfache und leicht zu wiederholende Kunststück der Mnemoniker bedenkt, die heterogensten Vorstellungen, welche man ihnen nur zuwerfen kann, durch Einschaltung von einem, höchstens zwei Verbindungswörtern aneinander zu ketten. Es müßte alles neben allem liegen. Nimmt man aber für eine Vorstellung ausgedehnte Erregungsgebiete an, und zudem noch die gehörigen Verbindungen von dem bloß objektiven Vorstellungsbild zu den mit ihm zusammenhängenden motorischen Erregungsherden und hinwiederum zum Sprachzentrum des entsprechenden Wortes, so wird sich leicht für verwandte Vorstellungen eine partielle Identität des Erregungsgebietes annehmen lassen.

Es wird immerhin nützlich sein, um dem Rückfall in die alten psychologischen Vorstellungen vorzubeugen und der richtigen Anschauungsweise zu schnellerem Durchbruch zu verhelfen, wenn gezeigt wird, wie auch die komplizierten psychischen Gebilde aus jenen einfachen Anfängen, mit welchen sich jetzt die exakte Forschung beschäftigt, erklärt werden können. Im übrigen ist die Zurückhaltung durchaus zu billigen mit welcher Hitzig sich aller weiter greifenden Spekulationen über Gehirn- und Geistestätigkeiten glaubt enthalten zu müssen. Der Forscher, welcher einmal den richtigen Weg betreten hat, wird durch die eng begrenzten aber gleichwohl bedeutsamen Resultate seiner Arbeit sicherer geleitet, als durch vorzeitig ausgebildete Theorien, und auf seine Fachgenossen wirkt er ebenfalls am sichersten und stärksten durch das Beispiel der Arbeit selbst. Hitzig zitiert ein Wort Fechners, wonach die Sicherstellung, Fruchtbarkeit und Tiefe einer allgemeinen Ansicht überhaupt nicht am Allgemeinen hängt, sondern am Elementaren.529 Es kommt nur darauf an, mit Sicherheit zu erfassen was das Elementare ist, und da ist es denn für die Forschungen über das Gehirn und die psychischen Funktionen ein ungeheurer Fortschritt, wenn es endlich zur allgemeinen Anerkennung gelangt, daß das Elementare in den psychischen Funktionen nichts andres sein kann als das physiologisch Elementare. Damit ist auch der Materialismus auf diesem Gebiete wieder um ein gutes Stück konsequenter geworden und also auch seinem Ende entgegengeführt, denn seine Konsequenz ist sein Untergang.

Wir besitzen nunmehr endlich auch an Wundts verdienstvollen »Grundzügen der physiologischen Psychologie« ein Werk, welches die neuen und allein fruchtbaren Anschauungen bereits einer umfassenden Behandlung des psychologischen Gebietes zugrunde[811] gelegt hat. Hören wir, wie Wundt den entscheidenden Punkt behandelt.

»Wir können uns vorstellen, daß eine bestimmte Nervenfaser oder eine bestimmte Ganglienzelle nur in der Form der Lichtempfindung oder des motorischen Impulses funktioniere; nicht aber, wie etwa gewisse zentrale Elemente der Phantasie, andre dem Verstande dienen sollen. Augenscheinlich liegt hier der Widerspruch darin, daß man sich komplexe Funktionen an einfache Gebilde gebunden denkt. Wir müssen aber notwendig annehmen, daß elementare Gebilde auch nur elementarer Leistungen fähig sind. Solche elementare Leistungen sind nun im Gebiet der zentralen Funktionen Empfindungen, Bewegungsanstöße, nicht Phantasie, Gedächtnis usf.« Alles, bemerkt Wundt weiter unten, was wir Wille und Intelligenz nennen, löst sich, sobald es bis zu seinen physiologischen Elementarphänomenen zurückverfolgt wird, in lauter Umsetzungen von Empfindungseindrücken in Bewegungen auf.530 Was wird nun aber aus der »Einheit des Gedankens«, wenn schon die einzelne Vorstellung etwas ungemein Zusammengesetztes ist? Einfach dasselbe, was aus der Einheit eines künstlerisch durchgeführten Gebäudes wird, wenn wir seine Zusammensetzung aus einzelnen Steinen betrachten. Es ist eine formale Einheit, die mit der Zusammengesetztheit des Stoffes, in welchem sie sich verwirklicht, sehr wohl zusammen bestehen kann. Für diesen Stoff aber und seine Elemente, die Empfindungen und das Bewußtsein von den Bewegungsimpulsen, gilt es, im strengsten Sinne des Wortes das Gesetz von der Erhaltung der Kraft durchzuführen. Dies ist der Weg zu jenem konsequenten Materialismus, welcher uns unmittelbar an die »Grenzen des Naturerkennens« führt.

Versuchen wir einmal, an einem Beispiel konsequenten Materialismus zu üben!531

Ein Kaufmann sitzt behaglich im Lehnstuhl und weiß selbst nicht, ob die Majorität seiner Ichheit sich mit Rauchen, Schlafen, Zeitungslesen oder Verdauen beschäftigt. Herein tritt der Bediente, bringt eine Depesche und darin steht: »Antwerpen ec. Jonas & Komp. falliert.« – »Jakob soll anspannen!« Der Bediente fliegt. Der Herr ist aufgesprungen, vollkommen nüchtern; einige Dutzend Schritte durchs Zimmer – hinunter ins Kontor, den Prokuristen bedeutet, Briefe diktiert, Depeschen aufgegeben, dann eingestiegen. Die Rosse schnauben; er ist auf der Bank, auf der Börse, bei Geschäftsfreunden – ehe eine Stunde herum ist, wirft er sich zu[812] Hause wieder in seinen Lehnsessel mit dem Seufzer: »Gottlob, für den schlimmsten Fall bin ich gedeckt. Nun weiter überlegen!«

Ein prächtiger Anlaß für ein Seelengemälde! Schrecken, Hoffnung, Empfindung, Berechnung – Untergang und Sieg in einen Augenblick zusammengedrängt. Und das alles durch eine einzige Vorstellung erregt! Was umfaßt nicht das menschliche Bewußtsein!

Gemach! Betrachten wir unsern Mann als ein Objekt der körperlichen Welt! – Er springt auf. Warum springt er auf? Seine Muskeln kontrahierten sich in entsprechender Weise. Warum dies? Es traf sie ein Impuls der Nerventätigkeit, welcher den aufgespeicherten Vorrat von Spannkräften auslöste. Woher dieser Impuls? Aus dem Zentrum des Nervensystems. Wie entstand er dort? Durch die – – »Seele«. Der Vorhang fällt; der Salto mortale aus der Wissenschaft in die Mythologie ist vollbracht.

Doch wir wollten konsequenten Materialismus. Die Seele sei das Gehirn. Also aus dem Gehirn! Bleiben wir hier nun stehen, so ist die Sache genau ebenso mythisch wie zuvor. Es kann alles nichts helfen. Wir müssen die physische Kausalreihe ohne irgendwelche Berücksichtigung des sogenannten Bewußtseins durch das Hirn hindurch bis zu der ersten Veranlassung der ganzen plötzlichen Bewegung zurückverfolgen. Oder betreten wir den umgekehrten Weg! Was kam in den Mann hinein? Das Bild einiger Striche mit Blaustift auf weißem Grunde. Gewisse Lichtstrahlen trafen die Netzhaut, die in ihren Schwingungen an sich nicht mehr lebende Kraft entwickeln als andre Lichtstrahlen auch. Die lebende Kraft für den Leitungsprozeß ist im Nerv vorbereitet, wie die der Muskelkontraktion in den Muskeln; sie kann durch den unendlich schwachen Impuls der Lichtwelle nur ausgelöst werden, wie die Spannkräfte der Pulvertonne durch das glimmende Fünkchen. Aber wie kommt es nun, daß gerade diese Linien in diesem Menschen gerade diese Wirkung hervorbringen? Jede Antwort, welche sich hier auf »Vorstellungen« und dergleichen beruft, gilt einfach als gar keine Antwort. Ich will die Leitungen sehen, die Wege der lebenden Kraft, den Umfang, die Fortpflanzungsweise und die Quellen der physikalischen und chemischen Prozesse, aus welchen die Nervenimpulse hervorgehen, die gerade in der zum Aufspringen dienenden Weise erst den musculus psoas, dann den rectus femoris, die vasti und die ganze mithelfende Gesellschaft zur Tätigkeit[813] bringen. Ich will die ungleich wichtigeren Nervenströme sehen, welche sich in die Sprachwerkzeuge, in die Atemmuskeln verbreiten, Befehl, Wort und Ruf erzeugen, die auf dem Wege der Schallwellen und der Hörnerven andrer Individuen dasselbe Spiel zehnfach erneuern. Ich will mit einem Wort die sogenannte psychische Aktion einstweilen den Schulpedanten schenken und will die physische, die ich sehe, aus physischen Ursachen erklärt haben.

Der Leser wird mir nicht zutrauen, daß ich Unmöglichkeiten fordere, um schließlich doch an einen deus ex machina zu appellieren. Ich gehe von dem Grundsatz aus, daß der Mensch durch und durch begreiflich ist, und wenn man nicht gleich das Ganze begreifen kann, so bin ich genügsam. Wie dem paläontologischen Forscher die einzige Kinnlade aus dem Sommetal eine ganze Menschenrasse der Vorzeit mit all ihren Generationen vertritt, so will ich zufrieden sein, wenn man mir nur einmal den Zusammenhang zwischen dem ersten Eindruck der Lichtwelle und den mit der genaueren Fixierung der Buchstaben verbundnen Bewegungsimpulsen so klar machte, wie uns ungefähr die Reflexbewegung in der Zuckung eines Froschschenkels ist. Statt dessen schürft man im Gehirn nach »Denken«, »Fühlen« und »Wollen« herum, als wenn man in den Unterarmmuskeln eines Klavierspielers Dur, Moll, Allegro, Adagio und Fortissimo jedes in einem besondern Schlupfwinkel entdecken wollte.

Freilich vermag auch die endlich aufdämmernde rationelle Behandlung der Gehirnphysiologie noch lange nicht solche Aufgaben zu lösen: ja in gewissem Sinne erlangt man erst recht einen Einblick in die Endlosigkeit der Probleme, die sich hier auftürmen. Der alte Materialismus und der Idealismus der alten Metaphysik lösen diese Rätsel gleich bequem mit bloßen Worten; denn ob ich eine immaterielle Seele annehme und dieser einfach so viele »Vermögen« beilege, als ich zur Erklärung der Vorgänge bedarf, oder ob ich diese nämlichen »Vermögen« zu einer Funktion der Materie mache, ist sehr gleichgültig, wenn es sich darum handelt, ob Phrase oder wirkliche Einsicht. Das Wort, welches den Vorgang verhüllt, statt ihn zu erklären, tritt in beiden Fällen an die Stelle des physikalischen Problems. Mag man deshalb kurzsichtig die mechanische Weltanschauung schmähen, wie man will: es ist ein hoher Vorzug derselben, daß sie uns im gleichen Augenblick in eine Unendlichkeit von Problemen blicken läßt, während sie uns einen kleinen Erfolg gibt, dafür, daß wir auf dem rechten Wege sind.[814]

Man sagt mir: »Aber Furcht, Hoffnung, Eifer deines Kaufmannes sind doch auch etwas; der Mann empfindet doch etwas. Soll denn das keinen Grund haben?« In der Tat, beinahe hätten wir den nervus sympathicus vergessen, den Einfluß des nervus vagus auf die Herzbewegung und alle die zahlreichen durch den ganzen Körper sich erstreckenden Wirkungen der Revolution, welche im Gehirn vorgeht, wenn ein so kleiner Impuls der Außenwelt den Menschen in die lebhafteste Bewegung versetzt. Wir wollen auch diese Ströme kennenlernen, bevor wir uns zufrieden geben. Wir wollen von den zahlreichen bald starken, bald verschwindenden Empfindungen, die der eine auf der Zunge, der andre in der Magengegend, dieser in den Waden, jener auf dem Rücken verspürt, möglichst genau wissen, wie sie entstehen; ob bloß in den Zentralteilen oder durch einen Kreislauf zentrifugaler und zentripetaler Leitungen. Daß letzterer eine große Rolle in allen Empfindungen spielt, geht aus zahllosen Erscheinungen mit Sicherheit hervor.

Czolbe wurde von seinen Gegnern besonders mitgenommen, weil er zur Entstehung des Selbstbewußtseins eine in sich selbst zurücklaufende Bewegung des Nervenfluidums verlangte, die er in den einzelnen Ganglienkugeln vor sich gehen ließ. Es ist mir dabei immer aufgefallen, daß der wirklich stattfindende Kreislauf der Nerventätigkeit, welcher in allen Empfindungen eine so große Rolle spielt, bisher fast gar nicht beachtet wird. Bei jeder lebhaften Erregung der Hirntätigkeit läuft ein Strom von positiven oder negativen Wirkungen mittels der vegetativen und motorischen Nerven durch den ganzen Körper, und erst indem wir von den dadurch in unserm Organismus bewirkten Veränderungen mittels der sensiblen Nerven wieder Rückwirkungen erhalten, »empfinden« wir unsre eigne Gemütsbewegung. Ob nun der subjektive Zustand, den wir Empfindung nennen, mit diesem ganzen Kreislauf verbunden ist, oder mit den Spannungszuständen, die nach seiner Vollendung im Zentralorgan entstehen, oder mit andern, gleichzeitig entstehenden Bewegungen und Spannungszuständen innerhalb der Zentralorgane, das lassen wir dahingestellt; wenn man uns nur diese Spannungszustände nachweisen und die Regeln jenes Kreislaufs mit all seinen millionenfach verschiednen Kombinationen enthüllen könnte.

Man wendet ein, daß wir über der Betrachtung bloßer Symptome die Sache verlieren. Ja, wenn uns jemand zeigen könnte, daß nach Beseitigung aller der Symptome, die wir betrachten möchten, [815] überhaupt noch eine Sache übrigbliebe! Man mache sich doch klar, was man hinter den Nervenströmen und Spannungszuständen des Empfindungsaktes überhaupt noch suchen kann! Dies ist entweder der subjektive Zustand des Empfindenden oder der geistige Wert des Empfindungsinhaltes. Den ersteren wird natürlich niemand je innewerden, außer an sich selbst, und es ist bei den zahlreichen Erörterungen von Vogts berühmtem Urin-Vergleich wohl klar genug geworden, daß man nicht den »Gedanken« als ein besondres Produkt neben den stofflichen Vorgängen ansehen kann, sondern daß eben der subjektive Zustand des empfindenden Individuums zugleich für die äußere Beobachtung ein objektiver, eine Molekularbewegung ist. Dieser objektive Zustand muß nach dem Gesetz der Erhaltung der Kraft in die lückenlose Kausalreihe eingefügt werden. Man stelle uns diese Reihe vollständig dar! Dies muß geschehen können, ohne irgendeine Rücksicht auf den subjektiven Zustand, da dieser ja kein besondres Glied in der Kette der organischen Vorgänge ist, sondern gleichsam nur die Betrachtung irgendeines dieser Vorgänge von einer andern Seite her. Wir stoßen hier zwar auf eine Grenze des Materialismus, aber nur, indem wir ihn mit strengster Konsequenz durchführen. Wir sind in der Tat der Ansicht, daß in der Empfindung außer und neben den erwähnten Nervenvorgängen schwerlich irgend etwas überhaupt zu suchen ist; nur haben diese Vorgänge selbst noch eine ganz andre Erscheinungsweise, nämlich diejenige, welche das Individuum Empfindung nennt. Es ist sehr wohl denkbar, daß man einmal dahin gelangen wird, den Teil der physischen Vorgänge genauer zu bestimmen, welcher zeitlich mit dem Entstehen einer Empfindung des Individuums zusammenfällt. Dies würde äußerst interessant sein, und man könnte gewiß nichts dagegen einwenden, wenn dieser bestimmte Teil des Kreislaufes der Nervenprozesse dann schlechthin als »die Empfindung« bezeichnet würde. Eine genauere Bestimmung des Verhältnisses des subjektiven Empfindungsvorganges zu dem objektiv beobachteten Nervenvorgang dürfte dagegen unmöglich sein.

Was nun aber den geistigen Wert des Empfindungsinhaltes betrifft, so wird sich auch dieser von der physischen Erscheinung nicht völlig trennen lassen. Ein Meisterwerk der Bildhauerkunst und eine rohe Kopie desselben geben allerdings der Netzhaut des Betrachtenden eine ähnliche Menge von Lichtreizen, aber sobald das Auge den Linien folgt, entstehen schon andre Bewegungsempfindungen[816] in den Augenmuskeln. Daß diese nicht nach der absoluten Masse der Bewegung, sondern nach den feinsten Zahlenverhältnissen zwischen einzelnen Bewegungsimpulsen weiter wirken, kann uns nicht unnatürlich vorkommen, wenn wir bedenken, welche Rolle die Zahlenverhältnisse schon in der ersten Bildung der Sinnesempfindungen spielen. Freilich wird gerade dieser Punkt zu den letzten und schwierigsten Rätseln der Natur gehören, aber wir haben deshalb doch nicht die mindeste Veranlassung, das geistig Bedeutungsvolle, die künstlerisch gestaltete Empfindung oder den sinnvollen Gedanken außerhalb der gewöhnlichen Empfindungsprozesse zu suchen. Nur darf man freilich nicht verfahren wie ein Mensch, der die Melodien, die eine Orgel spielen kann, in den einzelnen Pfeifen entdecken wollte.

Das Zusammenwirken sehr vieler und einzeln genommen außerordentlich schwacher Nervenimpulse muß uns den Schlüssel geben zum physiologischen Verständnisse des Denkens, und die Form dieses Zusammenwirkens ist das Charakteristische jeder einzelnen Funktion. Was hierin unerklärt bleibt: die Art, wie der äußere Naturvorgang zugleich ein Inneres ist für das denkende Subjekt: das ist eben der Punkt, welcher die Grenzen des Naturerkennens überhaupt überschreitet.[817]

512

Siehe I. Bd. S. 457 u. 546, Anm. 72.

513

Müller, Handbuch der Physiol. des Menschen, I. Bd., 3. Aufl. (1837), S. 855.

514

Die Phrenologie, von Dr. M. Castle, Stuttg. 1845, S. 27 u. f.

515

Vgl. Longet, Anat. u. Physiol. des Nervensystems, übers. von Dr. Hein, I. Leipz. 1847, S. 617 u. f.; S. 620.

516

Longet übers. v. Hein, I., S. 552 u. ff.

517

Vgl. Piderit, Gehirn und Geist. Entwurf einer physiol. Psychologie, Leipz. u. Heidelbg. 1863. Hier ist freilich der Gedanke einer Zurückführung der Geistestätigkeit auf die Reflextätigkeit noch verbunden mit der unhaltbaren Unterscheidung eines »Vorstellungsorgans« und eines »Willensorgans«. – Wundt, der eine »physiologische Psychologie« nicht nur entworfen, sondern auch in verdienstlicher Weise durchgeführt hat, zeigt auf S. 828 u. f. in durchaus klarer Weise die vollständige Analogie zwischen den »zusammengesetzten Gehirnreflexen« und den Rückenmarksreflexen. – Vgl. auch Horwicz, Psychol. Analysen, Halle 1872, S. 202.

518

Vgl. Pflüger, die sensorischen Funktionen des Rückenmarks der Wirbeltiere, Berlin 1853; und über das Gegenexperiment: Goltz, die Funktionen der Nervenzentren des Frosches, in den Königsberger med. Jahrb. II. (1860). – Eine ausführliche Beschreibung namentlich des letzteren Experimentes s. bei Wundt, Vorles. über die Menschen- und Tierseele (Leipz. 1863) 11, S. 427 u. ff. – Vgl. ferner Wundt, physiol. Psychologie, S. 824-827.

519

Wir sind deshalb doch keineswegs geneigt, den Reflex selbst als dasjenige anzusehen, was objektiv der (subjektiven) Empfindung entspricht; vielmehr dürfte dies eher der Widerstand sein, den der Reflex im Zentralorgan zu überwinden hat, so daß um so weniger Empfindung anzunehmen wäre, je ungehemmter der Reflex verläuft. Bei der Reflexhemmung von einem übergeordneten Zentrum aus wird anzunehmen sein, daß sich der Ort der entstehenden Empfindung nunmehr auch in das übergeordnete Zentrum verlegt, und bei einem vollständigen Tiere mit entwickeltem Gehirn findet vielleicht deutliche und gesonderte Empfindung überhaupt nur im Gehirn statt, während die Empfindungsvorgänge der untergeordneten Zentren nur zu der Stimmung des Gemeingefühls beitragen. Hieran knüpft sich die ungemein schwierige Frage des Bewußtseins, denn man kann offenbar keinen bestimmten Grad eines physischen Erregungszustandes in irgendeinem Teile der Zentralorgane angeben, welcher an sich und notwendig mit Bewußtsein verknüpft wäre. Vielmehr scheint das Eingehen eines Erregungszustandes in das Bewußtsein stets von einem Verhältnisse zwischen der Stärke aller gleichzeitig vorhandenen Erregungen der Empfindungsgebiete abzuhängen. Es könnte also genau derselbe physische Vorgang mit dem gleichen reflektorischen Erfolge das eine Mal bewußt, das andre Mal unbewußt vor sich gehen. Dies ist zugleich für die Lehre von den »latenten« oder »unbewußten« Vorstellungen zu beachten, über welche noch bis in die neueste Zeit hinein so viel Unklarheit herrscht. Es handelt sich bei diesen natürlich nicht um ein »unbewußtes Bewußtsein«, sondern ganz einfach um ein unbewußtes Spielen desselben Mechanismus, welcher bei einer andern Lage des Gesamtzustandes mit dem subjektiven Effekt einer bestimmten Vorstellung verknüpft ist. Daß es in diesem Sinne latente Vorstellungen gibt, ist das Abc jeder empirischen Psychologie, und es kann der genaueren Betrachtung nicht entgehen, daß nicht nur zweckmäßige aber unbewußte Handlungen, sondern auch Assoziationsvorgänge der mannigfachsten Art sich ergeben aus diesem Spielen des gleichen Mechanismus, der bei anderm Gesamtzustande des Gehirns mit Vorstellung verknüpft ist.

Wegen dieses unverkennbaren Einflusses des Gesamtzustandes in dem organisch verbundenen Ganzen sind wir auch darin mit Wundt einverstanden, daß es für die Frage des Bewußtseins durchaus nicht gleichgültig ist, ob ein Rückenmarkszentrum noch in Verbindung mit dem Gehirn ist, oder von demselben abgetrennt. (Vgl. physiol. Psychol. S. 714 u. f.) Auch darin möchten wir zustimmen, daß im Rückenmark eines Tieres, welches vermöge seiner Organisation gar kein großes Gehirn besitzt, ein deutlicheres Bewußtsein anzunehmen ist als in dem abgetrennten Rückenmark eines Tieres von höherer Organisation. Unzweifelhaft ist ferner, daß die Annahmen eines Bewußtseins in den abgetrennten Zentren zweiten und dritten Ranges gar nicht zur Erklärung der Bewegungen beiträgt (Wundt a.a.O.S. 829). Dagegen können wir darin Wundt nicht zustimmen, daß der Mangel jeder Erinnerung und jeder daher stammenden spontanen Bewegung (S. 825 u. f.) bei dem enthaupteten Frosch als ein Argument gegen das wirkliche Vorhandensein von Bewußtsein angeführt wird. Allerdings scheint zu jedem Bewußtsein, wie auch Wundt annimmt, seine Synthese zu gehören, allein diese braucht nicht notwendig über einen längeren Zeitraum sich zu erstrecken und verschiedne Empfindungen in einer Einheit zusammenzuschließen. Schon in der bloßen Verbindung des neu entstehenden Zustandes mit dem vorherigen liegt eine Synthesis, welche ein Bewußtsein logisch begreiflich macht. Die Empfindung muß sich auf eine Veränderung beziehen; das genügt. – Übrigens sei hier nochmals wiederholt, daß es sich niemals darum handeln kann, aus dem nur hypothetischen Teilbewußtsein die Bewegungen zu erklären, sondern umgekehrt: aus der eigentümlichen Verbindung eines einfacheren und verständlicheren Mechanismus mit dem Teilbewußtsein zu erklären, wie in ungleich zusammengesetzterer Weise das Ganze einer streng physiologischen Mechanik folgen und dabei zugleich Substrat eines mannigfachen Vorstellungsinhaltes sein kann. Es soll die Maschine aus ihren einzelnen Rädern erklärt werden, nicht aber dem einzelnen Rädchen neben seinen sonstigen Eigenschaften noch eine mystische Potenz beigelegt werden, welche ihm als Maschinenteil zukommt.

520

Müller, Handbuch der Physiol. I. 3. Aufl., S. 845.

521

Vgl. Huschke, Schädel, Hirn und Seele, Jena 1854, S. 177 u. ff.

522

Vgl. hauptsächlich: Meynert, vom Gehirne der Säugetiere, in Strickers Handbuch der Lehre von den Geweben, Leipzig 1871 S. 694 u. ff.

523

Vgl. Hermann, Grundriß der Physiol., 4. Aufl. S. 316 u. f. – Wundt, physiol. Psych. S. 104 u. öfter.

524

Dabei kommt das sehr wichtige Prinzip zu Hilfe, daß ein schwacher Erregungszustand, welcher in einem Nerven bereits vorhanden ist, zugleich die Erregbarkeit des Nerven für einen neuen Reiz erhöht; vgl. Hermann, Physiol., 4. Aufl., S. 323. Dieser Zusammenhang wirft namentlich ein helles Licht auf die Assoziation der Vorstellungen.

525

Nothnagel in Virchows Archiv für pathol. Anat. u. Physiol. Bd. 57, S. 196 u. f.

526

Nothnagel a.a.O.S. 201 und 205.

527

Hitzig, Untersuchungen über das Gehirn, Berlin 1874, S. 31 und 56.

528

Ferrier berichtet über seine Untersuchungen in den West Riding Lunatic Asylum Reports für 1873; ein kurzes Referat enthält die Zeitschrift Academy, 1. Nov. 1873. Vgl. übrigens Referat und Kritik bei Hitzig, Untersuchungen über d. Gehirn, S. 63-113.

529

Hitzig, Untersuchungen, S. 52; vgl. Fechner, Elemente der Psychophysik, I, S. 7.

530

Wundt, Grundzüge der physiol. Psychologie, Leipz. 1873, S. 226 u. 228.

531

Das hier folgende Beispiel würde in der 2. Aufl. vielleicht weggeblieben sein, wenn mir nicht ein höchst charakteristisches Mißverständnis gezeigt hätte, daß solche Veranschaulichungen nicht nur für viele Leser nötig sind, sondern daß man ihnen womöglich noch einen Kommentar beigeben sollte, und zwar für Kreise, denen man eigentlich ein besseres Verständnis zutrauen sollte. Es hat nämlich Prof. R. Seydel in einem Vortrage unter dem Titel: »Widerlegung des Materialismus und der mechanischen Weltanschauung« (Berlin 1873) unser Beispiel einer eingehenden Erörterung unterzogen und dabei mit einer erstaunlichen Naivität gerade den Hauptpunkt, wegen dessen allein das Beispiel angeführt wurde, als ein beiläufiges und offenbares »Versehen« (!) behandelt. Er sagt (S. 17):

»Hier hat nun Lange wohl in einem Punkte nur ein Versehen begangen, das wir nicht der mechanischen Ansicht als solcher zurechnen dürfen. Es versteht sich doch wohl, daß nicht die Depesche als physikalisches Objekt, d.h. Papier, Blei und Lichtwellen, in jene Kausalreihe aufgenommen werden durfte! Verursachend hat beim Aufspringen des Kaufmanns offenbar nur der Inhalt der Nachricht gewirkt, d.h. nicht das, was die Depesche war, sondern was sie bedeutete. So selbstverständlich dies ist« usw.

Ich kann hier wahrlich den Wunsch nicht unterdrücken, daß es doch endlich auch bei den »Philosophen« üblich werden möchte, erst etwas Ordentliches zu lernen, bevor man über die Dinge mitspricht. Wer auch nur den oberflächlichsten Begriff hat von der Konsequenz einer physikalischen Kausalreihe, geschweige von dem Gesetz der Erhaltung der Kraft, der muß wissen, daß hier allerdings »Papier, Blei und Lichtwellen« in die Kausalreihe gehören, und wer dem Zusammenhang meiner Entwicklung aufmerksam folgt, muß doch auch wohl sehen, daß ich das Beispiel nur wegen dieses paradoxen Scheines überhaupt aufgenommen habe. Ich wollte den denkenden Leser damit zwingen, sich einmal die mechanische Weltanschauung in ihrer vollen Konsequenz klar zu machen, und dieser Zwang muß auch bei allen denjenigen durchschlagen, welche wenigstens so viel physikalische Kenntnisse haben, um zu wissen, daß »Inhalt« und »Bedeutung« keine Kräfte sind, die von der Depesche in mich übergehen, sondern daß sie erst in mir entstehen. Es kommt nichts in mich hinein als jene Lichtwellen, und nun fragt es sich einfach, ob man die Konsequenzen der mechanischen Weltanschauung ziehen will oder nicht. Man muß wissen, ob man die Frage bejaht oder verneint, welche Hermann (Physiol., 4. Aufl., S. 459) mit musterhafter Klarheit formuliert: »ob nicht genau dieselbe Verkettung von zentripetalen Eindrücken in demselben Organismus stets genau denselben Effekt (dieselbe scheinbar willkürliche Bewegung) haben würde.« Man muß wissen, ob man mit Helmholtz (popul. Vortr. 2. H. S. 200) das Gesetz der Erhaltung der Kraft auch für die lebenden Wesen als gültig annehmen will oder nicht.

Freilich gibt es gemütliche »Materialisten« genug, welche sich diese Konsequenz noch niemals recht klar gemacht haben und welche gar nicht abgeneigt sind, vor einem Beispiel wie das unsrige sich ebenfalls in Redensarten von »Inhalt« und »Bedeutung« zu flüchten, aber das sind eben auch Leute die nichts Rechtes gelernt haben. Es gibt aber auch gründliche Forscher und scharfsinnige Köpfe, welche bei diesem Extrem zurückschrecken und an der Gültigkeit des Gesetzes der Erhaltung der Kraft für den Menschen irre werden. Eine populäre »Widerlegung des Materialismus« könnte sich daher mit Anstand etwa in folgender Weise auf unser Beispiel stützen: »Ist die mechanische Weltanschauung richtig, so muß hier der ganze nachfolgende Effekt ausgegangen sein von den in das Auge dringenden Lichtwellen in Verbindung mit den im Gehirn schon vorhandenen Spannkräften. Dies ist aber ganz unglaublich, also« usw. – In der Tat aber ist die Unglaublichkeit gar nicht so groß, wenn man die Anfangsgründe der physiologischen Psychologie mit in Betracht zieht. Wir haben eben nicht nur »Lichtwellen« im allgemeinen vor uns, sondern bestimmte Formen und Zusammenstellungen der Buchstaben. Die Folge dieser Eindrücke beim Lesen wirkt teils durch den Sehnerven, teils aber durch das Bewegungszentrum der Augenmuskeln mittels der Fasern des Assoziationssystems zunächst auf das Sprachzentrum. Hier werden nun Worte von großer »Bedeutung« ausgelöst. Was heißt das, physiologisch gesprochen? Nichts andres, als daß eine Gruppe von Zellen und Nerven erregt wird, welche ungewöhnlich viele und starke Leitungen nach andern Gebieten der Hirnrinde besitzt. Ein sehr lebhafter Prozeß der »Assoziation« der Vorstellungen greift um sich und setzt das ganze Gehirn in einen Zustand lebhafter Erregung, während »bedeutungslose« Worte, d.h. solche mit geringen oder gar keinen alten und kräftig leitenden Kommunikationen nach anderm Hirnteilen, dies nicht vermöchten. Der Effekt des Aufspringens usw. ergibt sich alsdann durch den bekannten »teleologischen« Mechanismus, welcher schon im geköpften Frosch seine Rolle spielt.

Wir geben natürlich hier nicht eine »Erklärung« des physischen Vorganges, sondern nur die Andeutung der Möglichkeit einer Erklärung für solche Leser, denen es etwa auch mit Seydel »selbstverständlich« vorkommen möchte, daß die Sache sich nicht anders verhalte. Die eigentliche Stütze des Prinzips der Erhaltung der Kraft ist nach unsrer überall konsequent durchgeführten Ansicht seine axiomatische Natur als Prinzip des Zusammenhangs der Erscheinungswelt. Die »Widerlegung des Materialismus« aber ist teils an den tieferen erkenntnistheoretischen Quellen zu schöpfen, teils aber findet sie sich gerade mit Beziehung auf unser Beispiel schon in den Bemerkungen, welche wir oben zu Du Bois-Reymonds »Grenzen des Naturerkennens« gemacht haben; vgl. insbesondre die Ausführungen auf S. 595 ff.

Quelle:
Friedrich Albert Lange: Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart. Frankfurt am Main 1974, S. 776-818.
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