Ackerbau und Viehzucht

[175] 225


Die Tatsache der fortschreitenden Austrocknung im Verhältnis zu dem schwindenden Eise besteht jedenfalls. Es ist flach zu sagen, ›der Mensch‹ habe mit sinkendem Willen zur Kultur die Wüste hervorgerufen. Überall sind auf dem Boden sterbender und abgestorbener Kulturen Ruinen von großen Städten liegen geblieben – aber in Yukatan, Gangesgebiet, Dahome, Java hat der Urwald, in Mesopotamien, Spanien, Sizilien, Kleinasien die Wüste Besitz ergriffen. Die Kultur, solange sie lebte, hat dauernd gegen diese Gefahren gekämpft, durch fortgesetztes Roden oder durch künstliche Bewässerung.


226


Wüste: Die übliche Geschichtsschreibung pflegt entweder das heutige Bild der Landschaft vorauszusetzen oder das, was die ältesten bekannten Urkunden ergeben. Aber es muß damit gerechnet werden, daß auch die Landschaft ihre Geschichte hat, nicht nur Tierwelt und Pflanzendecke, sondern auch das Verhältnis des Wassers zur Erde[175] (Klima). Heute liegen die Ruinen antiker Großstädte in Spanien, Afrika, Kleinasien, Syrien in Gebieten, deren Wüstencharakter man mit Steppe zu umschreiben pflegt. Darum hilft sich der Durchschnittshistoriker mit der Meinung, daß die Landschaft ›verödet‹ sei, mit der Kulturbevölkerung ›verschwunden‹ sei. Aber damit ist die Frage umgangen, weshalb die Völker ausgestorben sind, und die andre, mindestens ebenso wichtige, weshalb das Land nach der Entvölkerung nicht vom Urwald, sondern von der Wüste eingenommen wurde. Es gibt zwei Arten, den Boden zu ›kultivieren‹, durch Ent- oder Bewässerung, durch Vernichten des Waldes oder durch Kanäle.


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Weltanschauung und Klima (Seele der Landschaft). Das Weltbewußtsein entsteht aus dem Gegensatz der Eigenseele zur Seele der Landschaft – Ich und Welt – Natur drinnen und draußen. Im Süden geht die Seele in der heißen Landschaft auf, mehr sinnlich gestaltend. Im Norden ringt sie gegen die Umwelt, mehr gedanklich festlegend. Mächte, Wille, Kräfte in der Natur. Wille – Schicksal. Weltwillen.

Leben als Kampf. Kampf in der Natur. Ornamentale Landschaftsmalerei, Musik. Im Süden der Leib, das gesehene Wesen. Götterleib, plastisches Gruppenbild, Relief.

Norden: entkörpernd, fühlend. Süden: entseelend, sehend. Norden: Himmel, Erde, tien, sehê. Zeugender Frühling. Gott als ›Macht‹. Süden: Vatergott, Muttergöttin. Zeugungsgott, als Person.


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Viehhaltung: Frei weidende Herden, die weiter getrieben werden oder denen man folgt. Büffel Nordamerikas. Pferde Turans. Errichtung von Viehhäusern (Wohnungen) wie Menschenhäuser. Ställe. Sklavenstall. Da werden aus wilden Rassen Hausrassen, Kulturrassen – wie beim Menschen selbst. Menschenrassen [wurden] neugebildet durch Änderung der Nahrung, Art der Bewegung (Bauern, Nomaden,[176] Reiter, Seeleute), Kleidung (Änderung der Hautatmung), Leben in Häusern.


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Das Pferd [wird] als Ausgeburt der Steppe, ›göttlich‹ empfunden, lange bevor man es zum Sklaven machte. Wie der Adler die Geburt der hohen Berge, der Delphin die des Meeres ist. Vgl. Löwe, Schlange. Typische Landschaftstiere symbolisch erlebt. Die logische Überlegung, ob das Tier ›ein Gott‹ oder ›dem Gotte heilig‹ ist, [kommt] erst viel später [auf]. Ursprünglich reines Gefühl: Die wilden Pferde gehören zur Steppe.


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Pflanzenbau [ist] etwas andres als Ackerpflügen (Getreide). Pflanzenzucht, Tierzucht, Menschenzucht. Acker und Pflug gehören zusammen. Viehhaltung. Wilde Herden als Eigentum (Cowboys, Peonen), frei weidend (Gauchos). Der Stamm [gilt] als Nutznießer dieses Herdenbestandes der Landschaft. Wüstenbildung: Von Pflanzenzucht zur Herdenhaltung im Wandern. Pflanzen- und Tierzucht: Pflanzen [werden] nicht mehr gesammelt, sondern gezogen, gesät, veredelt. Bei Tieren Eigentum an Wildherden, ihnen folgend. Jagend. Eigentum an Wildpflanzen, sie sammelnd. Tierzucht: Gefangene Herden, 1) frei weidend, 2) Stall, Hürde, Hof, ›Haustier‹. Bepflanztes Land – Viehland.


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Der seßhaft gewordene Mensch, das Haustier, der Bauer zieht Haustiere heran: Rind, Esel, Schaf, Ziege. Der schweifende Mensch, das schnelle Tier, das Pferd. Er begreift die Psychologie des Pferdes, benützt sie. Bei Rindern, Kamelen ist das nicht nötig. Die schnelle, scheue, reizbare Seele, die der Pferdekenner verstehen muß, wenn er lenken will. Typus des Zügels (gegen Rind). Die Seele des Rindes ist gleichgültig. Es trottet fort. Hier bleibt die Seele frei; wird dem Willen des Mannes dienstbar. Seelische Lenkung. Der Hund ist nur[177] ›Begleiter‹. Mann und Pferd aber bilden eine Einheit des Willens. Das Pferd ist dumm wie alle Pflanzenfresser, aber energisch, reizbar. Irrsinn: des Pferdes edle Rasse. Pferde ›rasse‹ bedeutet etwas andres als Schaf- und Menschern›rasse‹.


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Unsinn, mit dem ›Pferd‹ eine Epoche beginnen zu lassen. ›Bekanntschaft‹ mit dem Pferd. Zu unterscheiden: Jagd und Verzehren des Wildpferdes, Haltung von Pferdeherden, weite Ebene. Milch. Pferd, Halbesel etc. als Packtier (Mykene), Esel [und] Maultier [als] Zugtier; Reittier. Der Wagen [war] ursprünglich [ein] Ochsengespann, Zentralasien. Karren – Streitwagen. Reiten [war] in Nordasien die herrschende Art der Bewegung. In Westeuropa (Kelten, Germanen) nur Sitte des Adels, nicht für Reisen, sondern Umzüge, Spähertrupps. Sonderwaffen.


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Landschaft: Um 2000 muß zwischen Donau und Baikalsee die Steppe sehr stark fortgeschritten sein, während Mittel- und Nordeuropa noch Urwald mit Lichtungen hatten. Wiesen, also mehr Rinderund Pferdezucht. Die Steppe mehr Schafzucht vor allem. Steppenrind. Die Streitwagenstämme, sehr beweglich, kommen aus Steppen; die Dorer waren Waldroder, seßhaft. Der eigentliche ›Bauer‹ ist seßhaft, er hat das Land für immer für seine Sippe gerodet, Besitz als Land. Der Steppenstamm wandert, auch zur See. Seine Habe ist beweglich, Vieh, Schätze, Beute. Der Pflug stammt aus Bauernkultur.

Übergang vom Streitwagen zum Reiten. Strategisch wichtig: Beweglichkeit als Waffe gegen Stehen und Marschieren. Seit wann? Streitwagen als Waffe etwa seit 1800? Wagen waren länger bekannt, feierlicher Aufzug, Götterwagen. China – Indien – Ostmittelmeer. Reiter – nicht gelegentlich einmal auf dem Pferd sitzen, sondern es mit Bewußtsein als Waffe gestalten: Neue Pferderassen.[178]


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Der Ackerbau (vgl. Reallexikon I!) [ist] aus höchstentwickeltem Kult hervorgegangen, zuerst Gerste, dann Weizen. Der Pflug [ist] männlich, die Erde weiblich gedacht – daher das Pflugtier der Ochse, kastriert (Priesterkastration [ist] damals aufgekommen!). Noch älter ist der Heilige Wagen: das rollende Rad, das ein Gestirn darstellt. Die heiligen Pflughandlungen sind an den Urkalender gebunden, der ebenfalls hier entstand. Das ist ›Kasch‹. Noch älter, vorkultisch, ist die Hacke, ein bloßes Werkzeug, während der Urpflug den Phallus darstellt. Der Wagen gehört mit der Idee des Zugtieres zusammen: Idee des dienenden Wesens.

Zum Hackbau gehören Bohne (überhaupt Hülsenfrüchte) und Hirse, Obst, Gemüse. Also (nach Hahn) [ist] Hackbau Gärtnerei. Der Garten ist älter als das kultische Feld (Acker, langgestreckt, Rechteckstendenz, templar, Vierzahl und Vierheit). Der Kult nahm das wilde Rind und zwang es, die wildwachsende Gerste zu erpflügen. Dadurch erst entstehen die Saat- und Zuchtrassen, ebenfalls kultisch, in heiliger Gefangenschaft für den ›Dienst‹.

Der ›Kalender‹ mit feststehenden Saat- und Erntefesten (wobei die Saat des Festes wegen da ist, nicht umgekehrt, der heilige Augenblick des Zeugens und Gebarens) mit 360 Tagen mit Daten, die überall gleich sind (Ostern, Pfingsten), aber nur für das Klima Vorderasiens passen. Hier [entsteht] gleichzeitig die kultische künstliche Bewässerung! Dies ist gleichzeitig mit Metallguß (Ausgang des neolithischen Kupfers) auf dem Feueraltar, mehr Idee des Haustiers (Rind, Schaf, Ziege). Mit dem Ackerbau [ist] zuerst das Menschengedränge möglich. Der kultische Metallguß [ist] so selten, daß sein Fehlen nichts beweist (der Holzpflug ist die Regel!). Und die meisten Menschen leben doch weiter vorwiegend von Jagd, Fischfang. Während in den Viehzuchtgebieten der Ackerbau mindestens für ein paar Monate an zufälligen Orten getrieben wird (Saat, Ernte – zweieinhalb Monate).[179]


235


Milchwirtschaft: Gefangene Tiere geben keine Milch. Die Züchtung von dauernd milchgebenden Tieren ist etwas Spätes und Raffiniertes, später als der Ackerbau. In Babylon spielt die Milchgewinnung (Kuh, Ziege, Schaf) eine große Rolle.


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Beginn derMilchwirtschaft‹: Was in Ur dargestellt ist, ist das Milchopfer offenbar für eine Göttin, welche Geburt und Fruchtbarkeit beschützt. Die Milch wird im strengen Ritus der Kuh abgewonnen. Daraus hat sich erst das Milchtrinken und die rationale Milchgewinnung entwickelt.


237


Ackerbau und Viehzucht: Sorgfältig aufbauen: Zu diesem künstlichen Verhältnis zur Natur, das aus dem Kausaldenken als Scheidewand zwischen Mensch und Erde folgt, gehört auch der unübersehbare Kreis von Erscheinungen, die als ›Ackerbau und Viehzucht‹ oberflächlich genug zusammengefaßt werden, als ob es sich um zwei ›technische Fortschritte, Errungenschaften‹ handle (Anm.: das hat man dann gleich zu ›Bauerntum‹ und ›Viehzüchtervölkern‹ banalisiert). Es ist einerseits mit vielen andren zusammen etwas Ganzes: man denkt entweder über alle Dinge so, künstlich, oder über keines. Andrerseits [umfassen] Ackerbau und Viehzucht eine unendliche Menge von Methoden, von denen keine ein zweites Mal vorkommt.

Es ist ferner ein gewaltiger Unterschied zwischen der Idee eines Verfahrens, die stets den Charakter einer symbolischen, ›heiligen‹ Handlung hat, und einer aus ihr entstandenen alltäglichen wirtschaftlichen Praxis, in welcher wieder der ›Nutzen‹ eine geringe oder entscheidende Rolle spielen kann. Z.B. kann der Herdenbesitz ein bloßes Zeichen des vornehmen Ranges sein und sehr kostspielig.

Es steht fest, daß Anzeichen planmäßiger Saat und Viehhaltung zugleich mit Bauen, Töpfern und vielem andren um 5000 überall auftauchen.[180] Aber das bedeutet keine ›Erfindung‹, sondern eben ein neues Denken des Menschen über sich und die Welt. Aus diesem Denken entwickeln sich unendliche Verfahren. Es ist seelisch unmöglich, z.B. die Idee des Opferns vor den Gottheiten, vom Ernten, der Haltung von Sklaven, Untertanen, von der des Rindes zu trennen. Die Idee ist nicht ›Nutzung‹, sondern Unterordnung, Organisation von etwas Lebendigem im Dienste eines höheren Lebens (König, Staat). Das einzelne Verfahren aber gehört seinem Stil nach schon zur Formensprache einer einzelnen Kultur. Es ist seelisch etwas ganz andres, ob man Tiere gefangen hält oder weiden läßt, ob man die Handlung des Pflügens vollzieht oder den Boden gräbt. Später vollzieht sich da eine Auslese der Verfahren. Ursprünglich aber sind sie durch große Symbole geheiligt und getrennt.


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Viehzucht: Das Wort ist so irreführend, daß es am besten gestrichen würde. Es handelt sich

1. um die Gewöhnung von Tieren an den Hof, die man nicht ausnützt: Ratte

2. die man als Wächter benützt: Hund

3. um die Zähmung von Tieren, die Lasten tragen: Esel

4. um die Eingewöhnung von Tieren, die man schert: Lama, Schaf.

Fleisch gibt es genug: nicht deshalb ist das Rind gezähmt worden. Ferner: Nur in Strichen, wo das Vieh jahraus, jahrein im Freien weidet, ist die Herdenhaltung aufgekommen. Der Paradeisos: Wildpark. Wie heute: Rehe und Sauen.

Das ist ein Ausdruck des Ranggefühls und nicht die Ausbildung einer Nutzwirtschaft! Man bleibt weit davon entfernt, daß jeder ›Bauer‹ Rinder hält: Der einfache Landmann Esel, Ziege, Schaf. Die großen Herren und die Tempel eine Rinderherde. Das ist zweierlei, und nur das eine ist ›Wirtschaft‹. Aber auch dies ist nicht Viehzucht; selbst wo Fleisch, Milch, Wolle geerntet werden, kann das Leben und die Fortpflanzung der Tiere frei sein, natürlich: in Gehegen und Revieren. Was gehört alles dazu, bevor Ställe gebaut werden, Tiere[181] gefüttert und gepaart werden! So lange sie sich selbst Nahrung suchen und vermehren, darf man nicht von Viehzucht sprechen. Rinder in einer waldumgebenen Lichtung sind gefangen und doch frei. Die Herde ›steht‹ in einem Bezirk wie ein Menschenvolk mit selbstgesuchten Tränk- und Futterplätzen und Ruhestellen wie die Tiere. Der ganze Unterschied ist, daß sie jemand gehört.

Die Übertragung des Eigentumsbegriffs, nichts anderes, macht aus dem ›Wild‹ die ›Viehhaltung‹, denn die Herde, sie mag so frei sein wie sie will, darf nicht mehr als frei behandelt, gelichtet, erlegt werden: sie ist ›Schonung‹: damit beginnt die Viehzucht, mit dem Ranggefühl: Die Herde steht unter meinem Schutz! Damit wird das Revier zum ›Schutzpark‹: damit fühlt sich aber auch das Tier sicher. Es kennt seine Leute und duldet Annähern: Scheren, Melken.


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Im Rigveda und [bei] Homer wird viel Fleisch gegessen, aber das Schlachten des Tiers ist stets ein sakraler Akt, wobei den Göttern ein Teil zusteht. Das ist ein Beweis dafür, daß die Züchtung des Rindes sakraler Herkunft ist und der Genuß von Rindfleisch ursprünglich ein Opfermahl war: das Haustier ist also aus sakralen Gründen gezüchtet worden. Milch und Butter [sind] den Ariern sehr wichtig. Der ursprüngliche, nicht sakrale Fleischgenuß [sind] also Fisch, Muscheln, Jagdtiere. Erlegen und ›Schlachten‹. Schlachten ist eine Opferhandlung.


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Wirtschaft: Haustier: Nach Hahn ist das Rentier aus Analogie gezüchtet worden von einem Volk, das nach Norden vordringt, das Rind verlor und um sich nur Rentiere sah. Womit hat also die Zähmung angefangen? Danach die Fragen: Was ist hier die Idee der Domestikation oder die Haltung eines bestimmten Tieres? Jene kann sich auch auf menschliche Sklaven beziehen. Dann: Aus welchem Grunde? Macht [gilt als] Eigentum? Oder Arbeitsverrichtung? (Hund,[182] Rind, Pferd.) Endlich: Was verstand man darunter: Herdenhaltung (heute Hirsch, Reh, damals Pferd, Rind), Stallzucht (Schwein), also Weide oder Stall? Und: Mit welcher Tiergattung begann das?

Schaf und Ziege [lebten] wild zwischen Karpathen und Afghanistan. Esel von Ägypten bis Somaliland. Pferde in Europa und Nordasien. Im ägyptischen Alten Reich wurden Antilopen, Gazellen, Kraniche etc. (Hilzheimer 17) als Haustiere gehalten, meist vor Ende des Mittleren Reiches wieder aufgegeben. Die Katze bleibt.

Nach Hahn (Hilzheimer 19) [ist] die Domestikation nicht aus ›Nutzen‹ zu erklären, da Milch, Wolle, Eier erst in der Domestikation ertragreich werden, nicht vorher. Vielmehr wegen der Religion (Opferfleisch): Rind, Schaf, Ziege, Schwein. Ego: Weideherden [in] Atlantis, Stallvieh [in] Kasch, Hund von Jägervölkern gezähmt.

Es kommt hinzu: der Mensch muß sich zum Tierzüchter eignen. Also die Kaschiten zu Züchtern pflanzenfressender Stalltiere, die Atlanten zu Hirten. Die Idee des Hirtenlebens ist atlantisch: so nehmen sie von Kasch Schaf und Ziege an. Die Idee der Stallzucht [ist] kaschitisch: sie nehmen alle möglichen Tiere auf: Es entspricht der Idee des unterworfenen Stils und des Haussklaven. Die Methode wurde dann von andern übernommen (Norden), auf andre Tiere übertragen (Pelztiere, Luxustiere etc.).

In Atlantis sind es die ›Herren‹ (Adel), in Kasch die Priester, welche züchten (Sklaven), ohne wirtschaftliche Ziele.


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Obst (Reallexikon): Also Baumzucht, die auf lange Sicht betrieben wird, also volle Seßhaftigkeit fordert. Dattel, Feige, Birne, Apfel, Kirschen, Pflaumen. Ölbaum, Wein. Vieles (Heidelbeere) heute, andres (Himbeere) vor kurzem noch gesammelt, nicht angebaut. So einst alles. Dies [ist] alles ein Beweis, daß der Süden Schöpfer des Anbaus war. Der Norden mußte selbst die Sorten erst einführen – dies dann samt der Technik der Pflege. Das Veredeln durch Pfropfen ist dagegen nordisch-künstlich. Uralt ist das Genießbarmachen durch Gären,[183] Dörren (›Backobst‹), um es aufzubewahren und zu entsäuern. Berauschende Wirkung dazu!

Quelle:
Oswald Spengler: Frühzeit der Weltgeschichte. München 1966, S. 175-184.
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