China – Indien – Reitervölker

[459] 78


Reiter-Reiche: Das älteste dieser Nomadenreiche ist das medisch-persische – kleine Reiterstämme ähnlich den Keltenreichen. Die Skythen in Ungarn. Infolge dieser Ereignisse wurde die keltische Sprache für ein halbes Jahrtausend eine ungeheuer verbreitete, ähnlich das Persische. Später das Sarmatische, die türkischen Dialekte, das Arabische. Bei günstigem Schicksal hätten auch das Hunnische [und das] Skythische eine dauernde Verbreitung gefunden.


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Reiterstämme – Eisen: Die Gewinnung und Bearbeitung des Eisens fordert ganz andre Techniken als die des Kupfers. Dieses ist irgendwo im westlichen Mittelmeer, jenes sicher irgendwo zwischen Ural, Kaukasus und Altai zuerst verwandt worden – und zwar für Waffen-Schwert, Lanze, Dolch, Axt.


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Gobi, Sahara: Die großen Landeroberer kommen aus Zentralasien, die Seeeroberer aus Westeuropa (vom 4. Jahrtausend bis heute). Sind sie vielleicht von Zentralasien her (über Indien?) nach der Südsee gezogen? Sind die Malaien – Inkas von dort verjagt?[459]


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Indien: Das nordeurasische Element ist in Indien nur im Rigveda zu finden. Die Priesterkaste, die Theologen sind südasiatisch. Vom Brahmanismus an bestimmt – wie in der Antike seit Orphik und Dionysos – das unterworfene Element die Religion. Südasien: Gestirne, Astrologie, Astronomie, Wahrsagungen. Das westliche ›Orakel‹ ist etwas anderes: nicht berechnen, sondern den Gott veranlassen, etwas zu sagen. Angst vor der Zukunft.


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Seit dem 1. Jahrtausend v. Chr. [ist] das Seeschiff allgemein. Im 2. Jahrtausend v. Chr. war es im Indischen Ozean noch kaum bekannt. Flußschiffahrt. Noch um 0 [besteht] die Verbindung zwischen China und Indien zum Teil zu Lande. Das Perserreich hat viel bewirkt. Damals gab es noch keine Seefahrt. Die drei Streitwagenkulturen [sind] typisch binnenländisch. Die griechische, indische, chinesische Schiffahrt [ist] unbedeutend, rückläufig, von Fremden gemacht.


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Die nordische Vorstellung: Ahnenverehrung, Gedächtnis, Ruhm und Fortwirken durch das Blut von Nachkommen, Einkörperung der Ahnenseele im Enkel, führen alle zu theologisch-philosophischen Anschauungen in der Seelenwanderung (Antike, Indien, China). Der Weg der Seele durch den Körper von Nachkommen wird moralisch gestaltet als Weg hinauf und hinab (zu Tieren) bis zur Befreiung im Nirwana. Zum Grabtempel gehört das Mutterrecht, d.h. die Betonung der Geburt vor der Zeugung. Bachofen hat aus spätantiken Schriftstellern ein verzerrtes Bild der Tatsachen gemacht. Hatschepsut.[460]


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Indien‹ – das ist ein Vorurteil der Indologen. Kulturgeschichtlich gehört das Indusgebiet zu Persien, Elam, Amu Darja; das Gangesgebiet zu Birma. Der Dekan ist eine Welt für sich. Namen dafür? Die Schrift der Harappasiegel erinnert an chinesische Schriftzeichen. ›Turan‹ ist ein Gebiet für sich. Assur gehört zu Kleinasien, Kaukasus, Südrußland. Sumer? Die Gräber in Ur? Alle Hochkulturen auf der Grenze mehrerer c-Kulturen. Auch in China. Ein Element, das mit Tonkin zusammenhängt, ein andres mit Turan. Ainu?


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Ostpersien und Indusgebiet sind historisch-geographisch eine Einheit. ›Indien‹ beginnt erst mit Ganges und Dekan, die zu Birma gehören. ›Die Arier‹ sitzen hier in der Oststeppe vom Dnjestr bis [zum] Amu Darja. Skythen, Seevölker etc. gehören dazu.


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Expansion der Turanischen Herrennomaden, körperlich vielleicht sehr verschiedener ›Rasse‹, seelisch nicht. Nach China, Sunda, Europa: daher die Verwandtschaft gewisser Elemente in Nordchina und [bei den] Malaien mit den ›Germanen‹ (Bali, Borneo – Polynesien).


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Turanische Expansion entspricht der saharischen. Verwandlung von Seßhaften in wandernde Herdenbesitzer, die den Anbau von Nahrungspflanzen nur gelegentlich noch betrieben. Expansion nach Osten (China), Süden (Indien), Westen (Europa). Verwandtschaft oder Identität der ›germanischen‹ Ornamentik mit türkischer und Borneo. Menschentypen, gemischt. Aino, Mongoloide. Ebenso Sprachen: Ural-altaisch, Indogermanisch, Kaukasisch, andre Familien. Im Norden der bleiche Menschenschlag, nordisch = ›Nord-Westen‹. Eindringen[461] von Atlantis (Bohuslän) und Turan (indogermanische Sprache). Die jungindogermanischen Sprachen des Westens (in Europa), von denen sich [das] Griechische, Keltische, Italische, Germanische erhalten hat – natürlich gab es mehr –, beruhen auf der Übernahme dieser Sprachart durch Leute, die anders aussprachen und sprachlich anders dachten.


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Es ist Unsinn, von ›indisch-persischer‹ Vorkultur zu reden. Echt philologisch, die beiden Philologien zu einer historischen Einheit zusammenzulegen! Produkt der Methode.

Sprachlich sind natürlich die meisten Sprachen des 2. Jahrtausends verschollen! Von der Religion wissen wir nur aus den Veden Genaueres. Aus den späten Gathas (6. Jahrhundert) können wir einiges erschließen! Vom Balkan einiges andre: Helios, Eos, Ignis stammen von dort. Und ebenso die Dschoureligion der Chinesen. Leichenverbrennung und Streitwagen sind viel aufschlußreicher. Mit dem Streitwagen überall die Bezeichnung der oberen Macht, patriarchalisch gesehen, als Tien, Teisbas, Tinia, Juppiter. ›Streitwagenvölker‹, ›Reitervölker‹.


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Die ›arische‹ Sprachgruppe Mittelasiens zerfällt nicht in Persisch und Indisch, sondern in eine große Zahl von Sprachen, von denen das ›Persische‹ der Heimat der Achämeniden nur eine ist, die zufällig geschichtlich eine große Bedeutung gewann. Es gehören aber dazu noch Parthisch, Sogdisch und sehr viele andre Sprachen, so neben dem Vedischen und dem Sanskrit noch ›Indisch‹, und darüber hinaus noch ›Skythisch‹, ›Slavisch‹, ›Baltisch‹, also im 2./1. Jahrtausend [ein Flutungsbereich] von China bis zur Ostsee und zum Indischen Ozean. Diese gewaltige Masse von Sprachen nach den zufälligen Resten des Altpersischen und Vedischen beurteilen und auf ein Urindogermanisch zurückführen wollen ist so, als wollte man aus Rumänisch und Portugiesisch ein ›Urrömisch‹ gewinnen.[462]


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Perser‹: (siehe Lehmann-Haupt, König, Christensen): Zarathustra sicher in Elam geboren (ego), babylonische Wirkungen – Priesterschaft, Theologie, Formalismus. Nordisch ist der Glaube an unpersönliche Numina (Amesa spenta), auch in Indien, Rom, Germanien. Drag, das ›Urböse‹ Kants, im Westen in die Gestalt des Teufels verwandelt. Die Zarathustrasekte gegenüber den Magiern (mehr nordisch?) von Darius zu politischen Zwecken gestützt. Bald wieder (Artaxerxes) zu Gunsten der andren Weltanschauungen [gedämpft]. Nie stark gewesen. Zarathustra vertritt den Rinder- gegen den Pferdekult! Die Bauern gegen die Beduinen. Das ist die ›Reform‹ des Nordens durch den Süden. Vergleiche Israel (Christensen 219).


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Indien: Der ganze Polytheismus der Veden ist von den Unterworfenen. Ebenso in China. Der Pantheismus läßt sich immer wieder von den konkreten Vorstellungen bestechen. Er bleibt im Gefühl, aber nicht im Sehen-Denken. Und dazu trägt das organisierte Priestertum der Eingeborenen bei. Eine geistige Macht.


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Landschafts- und Stammesnamen können unter Umständen viel Glück haben. Die kleine Landschaft Persis gab den paar Inderstämmen, die unter anderssprachigen dort wohnten, den Namen, dann dem Perserreich. [Vergleiche:] Preußen, Italien (Vitalia Südspitze). Indianer, Spaniolen.


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Die Arya sind in Indien wie die Italokelten im Mittelmeer auf eine höhere Kultur gestoßen. Die vedische Götterwelt ist wie die hellenische vorwiegend vornordisch.[463]


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Inder in der Ägäis: Es muß damit gerechnet werden, daß im 2. Jahrtausend auch Stämme mit indischen Mundarten hierher gelangt sind und daß sich mancher archaische Griechenname und Ortsname leicht erklären würde, wenn man ihn auf altindische Formen zurückführte. (Brunnhofer, Arische Urzeit, S. 26, keilschriftlich S(a)parda [entspricht im] Rigveda Sprdha.)


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Wenn Arya die Selbstbezeichnung der ›Inder‹ ist und Hind Name des Indus, also Eingeborenenworte, dann ist der Volksname Inder-Hindu erst das Produkt der vollzogenen Kultur (wie ›Hellene‹ schon die Mischung bedeutet!). Ferner ist Hind und Sind unterschieden wie Ahura und Asura?


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Gründung der drei Heldenkulturen China – Indien – Antike: Herrenschicht. Polis. Amor fati. Ehrfurcht. Menschliches Heldentum. Drei neue Schlachtfelder des Herrengeistes gegen die Sattheit. Geographisch-historischer Horizont. Ahnenstolz und Göttertrotz. Homerischer Spott.

a – China: kontinental, Binnenland, ›Der Weg‹. Miao.

b – Indien: tropisch, Binnenland, ›Das ungewisse Weite‹. Drawida.

c – Antike: warm, See, ›Der Körper‹. Stößt auf die alten Zivilisationen. Begriff des fellachenhaften ›Orients‹: alt, reich, müde, weise: erstes Beispiel des Fellachentums.


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Heldentum – Urchina: Über die chinesischen Sippen des 2. Jahrtausends v. Chr.: Reallexikon XII 177 ff. Angeblich habe man auch in Sumer von der Unterklasse als den ›Schwarzköpfigen‹ geredet, so wie hier die ›hundert Sippen‹, [d.h.] der Adel, im Gegensatz zu den[464] Schwarzköpfigen stehen. Also waren die Dschou blond. Die ›Phratrien‹ (Haloun) sind eine Anzahl von Sippen mit gemeinsamen Ahnherren (= Jonier, Phylen, Tribus). Die chinesische Sprache war vorher im Lande. Die Sippen sprachen eine rasch verlorengegangene arische Sprache (Tien).


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Norden 2000 v. Chr.: Ist in den vorderasiatischen Inschriften schon ein Unterschied von Persisch und Indisch festgestellt? Sonst ist das Persische eben ein jüngerer (500 v. Chr.) Dialekt des Indischen, von andren Stämmen sprechend verwandelt. Dagegen ist in China eine Dialektgruppe südostasiatischer Natur durchgedrungen und hat die alten Nordsprachen verschwinden lassen! Eine andre Nordgruppe (Uralaltaisch), vielleicht sehr spät (nachchristlich?), bis Ostsee verschleppt, ein kleiner Stamm? Das Hethitische verrät, daß da ein nordsprachiges Volk eine Südsprache angenommen hat oder umgekehrt, wie die Normannen in England.


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Urchina und Urindogermanisch (Wilke, Krause): Die innere Verwandtschaft der weniger mythologischen als metaphysischen Weltanschauung, die in China im Dualismus Yang-Yin steckt, während Tien älter und südlich ist. Jedenfalls Urgegensatz der Binnenländer: Himmel (männlich) und Erde (weiblich). Das trifft auf Hethitisch, Drawidisch, Taoistisch zu und schafft so drei Weltideen. Ebenso ist der indische Geisterglaube und Ahnenkult indogermanisch.

Um 2200 von Babylon [aus] (Anau, Indus) eine Eroberung, mit Kalender, Bronze etc.? Nach Rosthorn hatten die Miao 2200 v. Chr., als Gegner den Chinesen überlegen (Süd), Helme und Schwerter!! Die mythischen Urkaiser opfern nicht dem Tien, sondern den fünf Planetengeistern, von denen sie stammen! Chinesische Historiker haben damals das Matriarchat nachgewiesen, während von Nord das Patriarchat kommt (Clannamen weiblich).[465]

Von welcher Schicht stammt die Schrift, von welcher die Sprache? Der von ›Hoangti‹ geschlagene Kaiser sei der Erfinder geschmiedeter Waffen (also Südasiat?). Damals [herrschte eine] enge Beziehung zwischen Zentralasien und China, die dann verlorenging (zerrissen von der Pelasgerzeit?)!


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3 Nordkulturen: Alle drei [sind] dadurch ausgezeichnet, daß sie keine Reste hinterlassen: wir besitzen aus der nachhomerischen, [der] vedischen, [der] frühen Dschouzeit absolut nichts. Der Ausdruck fand zunächst geistig-abstrakte Formen, die bildende Kunst vollzog sich in Holz und Gewebe. Von großer Architektur ist gar keine Rede: sehr im Gegensatz zu den beiden Südkulturen, die in Bauten dachten, in steinhaft schwerer Masse (die Gotik negiert die Masse!), also in Monumenten von optischer Kunst; während die Nordkultur Raumideen schuf, aber in flüchtigster Schrift: der Norden sehnt sich eben. Daher [in der Antike] der ›Körper‹, aber ohne Monumentalität, [in] China der ›Wandel‹, [in] Indien der ›Wirrwarr‹.


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Urindische Religion: Die Rigvedareligion ist schon synkretistisch, halb drawidisch. Dyaus, Himmelsvater, meist als Komplement von Prithivi, Erde. Varuna, der konkretere, jüngere Himmelsgott, an den sich die meisten Rigveda-Hymnen richten. Beiname Asura. Indra, Wettersturm, der allmählich Hauptgott wird (Apollo). [Wie nannten ihn die] Eingeborenen? Sindara? An Varuna haftet die erste Idee [einer] kosmisch-ethischen Ordnung. Ein Intra-Idol als Fetisch gegen Feinde! Unarisch. Asura ist auch der Name der gottesfeindlichen Mächte (Titanen) – vielleicht aus der Brahmisprache ins Arische eingedrungen? Ahura mazda. Dann wäre die Umkehr im Iranischen, wo ahura den guten, deva den bösen Gott bedeutet, der ursprüngliche, nichtarische Sinn! Sonst erfahren wir hier nichts mehr über die Götter. Alles andre ist später.[466]


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Wenn Indus Sindh Sindu später Hindu, [heißt dann] Indra Hindar? In Amarnatexten Induruta. Ebenso Surya, bei Kassiten: Suwardata; ein altarischer Gott, der später keine Rolle mehr spielte.

Aber Indra erscheint unter den Boghazköigöttern! Also [ist er] zu trennen von Indus – Hindu?

Mitra, Varuna, Indra sind [in] Boghazköi als urarisch gesichert – aber auch die Tatsache, daß damit die Hauptgötter erschöpft sind. Surya und Dyaus treten schon zurück, die andren sind Dasagötter.


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Ur-Inder. Rigveda: Streng patriarchalisch, in der Regel monogam. Über der familia in römischem Sinne steht der grama (Dorfgemeinschaft als Männerbund, Patriziat, Phratrie), darüber der viš (Gau, populus), darüber der jana (Volk). Das ist aber nicht streng. Die Bharatas [werden] bald jana, bald grama genannt – [ähnlich verfährt] Homer! Viš sei gens, grama mehr militärisch: die Mannen; Višpati etwa praetor, Herzog, consul, anax. Viša öfters = Untertanen, Folgmannen. In einem späteren Hymnus kommen Stände, nicht Kasten vor (im Purushasukta): Priester, Adel, Gemeine, Barbaren. Erst im Bramavarta ist das strenge Priestertum, vorarisch, durchgedrungen! Aber die Texte stammen gerade daher! Ebenso [sind] die Brahmanen etc. alte Priestergeschlechter einheimischen Ursprungs! Altarisch: der Hauspriester: das Familienhaupt, der König opfert. Daneben der Kalchastypus (purohita, kgl. Hauspriester). Die Hauptwaffe [ist] der Bogen (daneben wohl der Speer), am Ohr gespannt. Arier und Dasas waren Hirtenvölker; das Rind ist das Haustier; Pferde und Streitwagen; Ochsen zum Ziehen; Kühe [werden] dreimal täglich gemolken.[467]


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Japan (Krause, Chantepie): Erste Einwohner Ainu (›Russen‹?). Zweite Schicht von Asien her mongolid: mit ihnen die heutige Sprache lange vor Chr. (Finnen?). Dritte, nachchristlich, von Kiushiu aus die kriegerische Herrenschicht ozeanischer (malaischer) Herkunft, [eine] Oberschicht, wie die Normannen [im Volk] aufgegangen, aber politisch den Volkscharakter bestimmend: Stolz, Krieg, Ehre.

Die Grammatik ist ›asiatisch‹, die Phonetik zum großen Teil ozeanisch. Kult und höhere Mythen meist ozeanisch (Kern des Shinto). Zentren der Sagenkreise: Kiushiu, Yamato und Izumo (das Zentrum des uralten mongolischen Volksglaubens). In Izumo (West) herrscht der Mondgott, in Yamato (Ost) die Sonnengöttin. Die Eroberung durch Satsuma – Ozeanien – muß etwa 500–0 gelegen haben. Übrigens hatten [die Eroberer] als Schrift Holzmarken und Knotenschnüre (Osterinsel, Peru). Die Vorstellung Hades, Eurydike, Jason, Medea: Izumo. Ozeanisch die Seesage von Izanami und Izanagi (Geschwisterehe), deren Kinder u.a. Sonnengöttin und Mondgott [sind] (diese vorozeanisch). Das Urpaar ist polynesisch und den Izumomythen aufgepfropft.

Japan: die c-Kultur Ozeaniens, also im 1. vorchristlichen Jahrtausend.


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Altindien: In Südindien (Buschan S. 530) verbreitet Frauenfreiheit, Couvade, Mutterrecht wie in Libyen. Ebenso Totenverehrung. Ebenso Menhire in den südindischen Tempeln (S. 530) als Sitz der Todesdämonen. Bei den Mundas die Menhire an Begräbnisplätzen. Zur Portugiesenzeit ist der rituelle Königsmord an der Malabarküste nachgewiesen (12jähriger Turnus).


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Indos: Altkaschitisches wird man an der ganzen Westküste Indiens noch finden, ebenso Südarabien und Ostafrika. Fast das ganze indische[468] Pantheon ist ›drawidisch‹ und also dem ›Sumerischen‹ verwandt. Kasch ist die Tempelkultur der abstrakten Hochmythologie, deren langsam absterbende Reste als Gegenseele in Antike und Indien, dionysisch und brahmanisch, liegen, langsam durchdringen, schon verweltlicht. In Babylon ist sie aber zu Hause.


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›Iranisch‹ sei ([nach] Hüsing, Völkerschaften in Iran, Mitteilungen der anthropologischen Gesellschaft, Wien 1916, 46) stets nur Westpersien, indisch-sakisch dagegen der Osten (Afghanistan, Beludschistan) gewesen. Das stimmt zu meiner Theorie, daß die ›Perser‹ sich erst im Zagros aus Indern entwickelt haben, ebenso die Meder, nicht vor 800, erst um 700 die Perser.


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Norden 2000: Ein Hindernis ist die bisherige Behandlung der indischen Geschichte, die ausschließlich von der philologischen B[ehandlung der] Texte ausgeht und also zu der seltsamen Einbildung gelangt, die Inder hätten nichts Besseres zu tun gehabt als zu philosophieren. Ganz unbeachtet steht daneben die prähistorische Bodenforschung, von ihr wieder getrennt die linguistische. Eines Tages wird man darangehen müssen, Veden und neolithische Bodenfunde zusammenzufassen; erst von da an wird es einen Blick für indische Tatsachen geben.


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Amöboide Kulturen in Südasien: ›Drawidisch‹ = Kasch. Erdmutterdienst. ›Munda‹ = Südostasien, prämalaisch; die Schicht, welche die arischen Herren unterworfen [haben] und der sie ihre niedere Religion verdanken.

Das sind zwei uralte Verkehrswelten der Monsunzone. Indien ist völkerkundlich am schlechtesten erforscht! Hier hat man anzusetzen![469] Die amöboiden Kulturen hier unten müssen früh verkümmert sein. Beweis: daß die babylonisch-ägyptischen Kenntnisse vom Südmeer gering waren und daß der Buddhismus rein auf dem Landwege nach China kam. Ein Beweis übrigens auch dafür, daß diese Schiffahrt ängstliche Küstenfahrt war und blieb.

Buschan S. 514: die schweifenden Numina sind nordisch, die erdhaften Dämonen drawidisch.


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Antike: Seevölker: Will man tiefer eindringen, so muß man sich von zwei Zügen ein klares Bild machen: der Sitte der Namengebung und der Bevölkerungszahlen dieser Zeit. Für beides können die Gallierzüge gegen Rom, Delphi und Kleinasien zum Vergleich dienen.

In Galatien kann man sehen, wie zuerst die Religion und Sprache der Eroberer unterliegt: die altphrygischen Kulte bleiben, und die Pessinuspriester heißen Galli. Aber der Eroberername haftet wie meist am Lande, der Stammname geht unter, am längsten halten sich Personennamen.

Um 400 Poebene, Etruskermacht gebrochen, 387 Rom zerstört, 300 Siedeln in Illyrien, Thrakien. 279 Delphi, um 250 Galatien. Da ist die große Parallele. Landratten.


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Galater (F. Stähelin, Geschichte der kleinasiatischen Galater 1907): Die alten Linien Delphi – Bosporus. 278 übergesetzt, 17 Häuptlinge, 20000 Köpfe, 10000 Männer als Söldner angeworben, dann in ganz Kleinasien herumziehend, in drei ›Stämme‹ sich sondernd, mit wahrscheinlich längst vorhandenen Namen (Teutosagen gab es auch in Gallien und Germanien), endlich in der Mitte sich festsetzend, wo sie sich halten und vergebens auszudehnen suchen. Trotz der Zahl und Kulturhöhe des Landes war es diesem Häuflein möglich, seitdem als Söldner in allen Kriegen mitzumachen. Um 230 der entscheidende Galliersieg Attalos' I.

Im 2. Jahrhundert drei Stammesgebiete unter Scheinhäuptlingen und Adel, ein gemeinsamer Rat im Drynemeton (›Erzheiligtum‹). Jeder[470] Stamm hat vier Gaue (ganz wie die Helvetier Cäsars und die altirischen Clanverfassungen). Das gibt zu denken; drei, vier Phylen! Mit der Neigung, sich örtlich abzusondern! Ein Gau [ist] also mehr als 1000 Männer!

Sie haben durchaus die einheimischen Kulte übernommen: Attis, Mater. Die gallische Sprache ist nach Hieronymus noch im 3. Jahrhundert n. Chr. geredet worden – aber nur von Bauern. Nicht eine keltische Inschrift gibt es, alle Gebildeten sprechen griechisch.


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Die Meder entstehen etwa im 8. Jahrhundert, indem aus kassitischen und indischen Gefolgen (die Inder gründen um 1400 kleinere Baronien) kleine Burgherrschaften entstehen (nach Hüsing), wie die des Ramateja von Arazias. Indische Namen sind der letzte Rest der Herkunft, ebenso der Dialekt. Nach Hüsing werden aus den Burgherren in diesem Gebirgsland zwanzig ›Königreiche‹, die unter assyrischem Druck (wie in Israel, ego) das Königtum von Hagmatana (Ekbatana) entstehen lassen (Hüsing, OLZ 1915, 33 ff.). Nebukadnezar heiratet schon eine medische Prinzessin. Medische Söldner und Hauptleute treten in den Dienst der altgewordenen Großreiche (wie immer wieder: Germanen in Byzanz). Teisbas gründet im altelamischen Ansan ebenso ein Perserreich, von wo 550 Medien unterworfen wird. Damit erst gibt es – nicht ein persisches Volk, sondern ein Persersultanat. Von einer iranischen Rasse neben einer indischen ist gar keine Rede. Zarathustra ist erst durch den politischen Aufstieg wichtig geworden.


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Um 600 beginnt eine völlige Umgestaltung der politischen Lage Vorderasiens, drei Großreiche entstehen neu: Lyder, Meder, Perser. Chaldäer gehen auf und nieder, Assur bricht zusammen, Ägypten wird genommen, die Kimmerier gründen ein Reich in Kappadokien, die Skythen folgen: der tiefere Sinn dieser mächtigen Bewegung ist, daß die nordische c-Kultur zwischen den d-Kulturen Antike und[471] Indien unaufhörlich in diese Fellachenwelt stößt, ohne daß es zu einer Zeugung kommt: aber in dieser Zeit wird der Grund gelegt zum Aufstieg der arabischen Kultur. Diese Bewegung um 600 bereitet den Humus, wie in der Antike die um 2000, welche Chatti Minos etc. ephemer anregte. Das Ergebnis ist das Barbarenreich der Perser, ohne Kultur, nur späteste Zivilisation enthaltend, ohne Stil und Seele, ein bloß politisches Gehäuse mit wechselndem Inhalt.

So war auch der Völkerwirbel der Hunnenzeit von China bis Rom, dessen befruchtender Stoß ein halbes Jahrtausend später im Westen lag. Die Pseudomorphose aus bis jetzt auch seelisch nur Objekt gebliebenen Bereichen und Menschentum. Um 600 die enorme Bewegung des ganzen Nordens. Dann gleichzeitig mit diesen Skythen, Kimmeriern, Medern erfolgt die große Keltenexpansion nach Spanien, wahrscheinlich die der Sabeller in Umbrien, eine ebensolche Katastrophe in China, in Indien. Darin besteht ein Zusammenhang! Nachlesen Norden (Tacitus), Menghin (Keramik, Eisenzeit), Haloun (älteste Indogermanen). Damals die vorarabische Prophetie der Juden, Zarathustra.


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Völkerwanderung, um 600 v. Chr.: Ein gewaltiges Kapitel, einzuschalten beim Ende der nordischen Frühzeiten! Heldenexpansion, in der Mitte Kimmerier, Skythen, Meder, im Westen Kelten, im Osten Indogermanen in Dschou. Damals muß sich ein germanisches Defensivgebiet gebildet haben. Und wie steht es mit den Stämmen finnischen Typs? Sprachen dieser Art haben von der Ostsee bis Japan gereicht, die Ungarn und Hunnen bis Frankreich, also ist ihre Verbreitung dieselbe wie die der spätindogermanischen Sprachen von Kelten und Tocharern. Wann ist dieses Durcheinander entstanden?


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Schmidt, Die Mon Khmer Völker: Wichtig ist, was er gar nicht gesehen hat, daß diese Sprachen von Südost in lauter Flußgebiete eingedrungen[472] sind: Munda ins Gangestal und das Mon ins Saluën- und vielleicht [ins] Irawadital, Khmer ins Mekonggebiet. Ego: Die Arier stießen 1500 v. Chr. auf Mundakulturen, die damals das Gangesgebiet beherrschten. Deshalb müßte sich nachweisen lassen, daß Kult, Festbrauch etc. im Vedischen in Wahrheit Mundagut sind. Da andrerseits diese Völker auch das gesamte australische Inselgebiet überstrahlen, so wären Zusammenhänge zwischen Veden und M[alaia] sehr natürlich!

›Drawidische‹ Formen der Bewässerung, des Dreschens, des Kornspeichers (Silo), des Anbaugerätes, der Typ des Hofhauses samt Einrichtung, der Schmuck (von Marokko bis Hinterindien typisch gleich), Speisebereitung, Handel, Verkehr, Technik [sind] eng verwandt mit Südpersien und Mesopotamien. Zeitlich noch älter sei das südindische Mutterrecht mit Polyandrie = lose Paarung.

Bei den Munda und in Hinterindien Schädelkult, Steinverehrung. Die Munda haben der ›arischen Kultur‹ ihre Lichtbräuche, Frühlingskämpfe, überhaupt den Kult gegeben (bis zu den ›Sklaven‹ hin). Dagegen ist der urdrawidische Erdmutterkult aus ›Kasch‹!

Quelle:
Oswald Spengler: Frühzeit der Weltgeschichte. München 1966, S. 459-473.
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