§ 58. Prüfung der Folgen und des Risikos bei Gewinn und Verlust.

[449] Der Verfasser nennt den Zusammenhang des Paragraphen (mit dem vorigen):


Die erworbenen Gelder haben auch Verlust, weitere günstige Folgen und Risiko im Gefolge.


»Gelder«, die eben genannten besonderen Arten des Gewinnes. – »Erworben«, erlangt; d.h. von einer Hetäre, die sich an keinen bestimmten Mann hält. – »Verluste«, das Gegenteil davon, »haben sie im Gefolge« ... – Die erworbenen Gelder zum Ziele nehmend entstehen aus inneren Gründen auch Verluste: wenn sich dabei nur Gewinne ergeben, dann hat man die Klasse des Gewinnes, der ohne Folgen besteht. Wenn der Gewinn geschädigt wird und Verlust verbleibt, dann hat man die Klasse des Verlustes ohne Folgen. – »Folgen« von Gewinn usw. Bei diesen beiden gibt es auch »Risiko«; darum ist also eine Untersuchung hierüber am Platze, um damit die Sachlage zu kennzeichnen. So ergibt sich also die Prüfung über die Folgen und das Risiko bei Gewinn und Verlust. Da sind die Gewinne und deren Folgen anzunehmen, ebenso das Risiko dabei; indem sich deren einige ergeben; was aber die Verluste betrifft, ihre Folgen und ihr Risiko, so sind diese nicht anzunehmen.

(Der Verfasser) nennt die Ursachen ihrer Entstehung:


Sie dürften sich aus der Schwäche des Verstandes, übermäßiger Leidenschaft, übermäßigem Dünkel, übermäßiger Heuchelei, übermäßiger Geradheit, übermäßigem Vertrauen, übermäßigem Zorne, Unachtsamkeit, Tollkühnheit und Schicksalsfügung ergeben.


»Sie«, die Verluste usw. – »Schwäche des Verstandes«: diese ergibt sich aus dem Mangel an Urteilskraft und dem hartnäckigen Verlangen nach dem Wesen von Prüfen und Nichtprüfen. – »Leidenschaft«, Anhänglichkeit; »Dünkel«, Ichbewußtsein; »Heuchelei«, Verstellung; »Geradheit«, Rechtlichkeit; »Vertrauen«, Vertrauensseligkeit; »Zorn«, Groll. Wenn[449] diese aus gewissen Gründen in richtiger Weise angewendet werden, gereichen sie nicht zum Nachteile; wohl aber das Übermaß. Das sagt (der Verfasser) mit dem Worte »übermäßig«. – »Unachtsamkeit«, das Richten der Gedanken auf andere Dinge. – »Tollkühnheit«, Handeln ohne Überlegung. Das sind die neun Dinge, die sich auf den Menschen beziehen. – »Schicksalsfügung«: Schicksal ist Unglück und Glück; darum also »Schicksalsfügung«.


Deren Lohn ist: Ergebnislosigkeit des gemachten Aufwandes; Mangel an Chancen; Ausbleiben des erwarteten Gewinnes; Schwinden des erreichten; Annahme unfreundlichen Benehmens; Liederlichkeit (??); Schädigung der Gesundheit; Abschneiden der Haare; Sturz und Gliederverstümmelung. Darum meide man sie von Anfang an und achte auf das, was vorzüglich Gewinn bringt.


»Deren«, der Schwäche des Verstandes usw. oder auch deren, nämlich der von Folgen begleitete Verluste und deren Risikos. – »Lohn«, Ergebnis. – Der »Lohn« kann auch die Risikos betreffen, die sich bei Verlusten ergeben, da ja die Sache bezweifelt werden kann in Gestalt der Modifikation der Verlusterleidung. – »Aufwand«, der zum Zwecke des Besuches eines Liebhabers »gemacht« worden ist. – Mangel an »Chancen«, Verlust der Aussichten. – »Ausbleiben des erwarteten Gewinnes«, den man auf Grund des gemachten Aufwandes zu erlangen gedachte: so ist das zu verstehen. – »Schwinden des erreichten«, d.h., den man besaß, indem ihn ein anderer bekommt. – »Unfreundliches Wesen«, welches schon zweimal genannt worden ist. (?) »Liederlichkeit«, Bekanntwerden. (??) – »Schädigung der Gesundheit«, Aufgeben des Lebenshauches. – »Abschneiden der Haare«: Kürzen. – »Sturz«, Gefängnis und Prügelstrafe. – »Gliederverstümmelung«, Ohren- und Naseabschneiden. Darum suche man »sie«, die Schwäche des Verstandes usw. »von Anfang an« zu vermeiden. Man wendet in zwischen Mittel an, die Gewinn bewirken; sonst nämlich dürfte der Gewinn geschädigt werden und sich ein Verlust ergeben, da Gründe dazu vorliegen. – »Man achte auf das, was vorzüglich Gewinn bringt«, reich an Gewinn ist; Ursachen für Verluste;[450] denn hier gibt es eine Menge von Mitteln, die Gewinn verursachen.

Jetzt sagt (der Verfasser), um zu prüfen wie es mit den Fällen steht, wo sich keine weiteren Folgen ergeben:


Der Gewinn ist von dreierlei Faktoren bestimmt: Geld, Recht und Liebe; ebenso der Verlust: Verlust, Unrecht und Haß. Das Zustandekommen eines anderen, während man diese zu erreichen sucht, ist eine weitere Folge. Wenn die Erlangung des Zieles aber zweifelhaft ist, ob es entweder erreicht wird oder nicht, so ist das reiner Zweifel. Wenn dies eintreffen kann oder jenes, so ist das gemischter Zweifel. Wenn ein einziges Ziel verfolgt wird und zwei Ziele erreicht werden so ist das ein beiderseitiger Erfolg: ein Erreichen von allen Seiten ist ein allseitiger Erfolg. Diese werden wir noch besprechen.


»Der Verlust«: wenn (der Verfasser) nämlich für den Gewinn eine Dreizahl von Gewinnfaktoren annimmt, so ist das Gegenteil davon die Dreizahl von Verlustfaktoren. Daher wird in diesem Abschnitte von der Prüfung der Folgen und des Risikos bei Gewinn und Verlust das Verständnis von Recht und Unrecht, Liebe und Haß vollkommen. Damit ist, wie man wissen muß, die Klasse der Fälle gemeint, die ohne weitere Folgen bleiben. – »Während man diese« sechs, Gewinn usw., zu erlangen sucht. – »Das Zustandekommen eines anderen«, irgend eines von den fünf, gleichartigen oder ungleichartigen, was dann eben eintritt. – »Wenn die Erlangung des Zieles aber zweifelhaft ist, indem es entweder erreicht wird oder nicht«, so heißt diese Alternative »reiner Zweifel«, indem bei Zustandekommen des einen von beiden die Alternative »gemischt« ist. – »Wenn ein einziges Ziel verfolgt wird.« Die Erlangung von Geld usw., »und zwei Ziele erreicht werden«, von den sechs Dingen, Gewinn usw. irgend ein gleichartiges oder ungleichartiges, »so ist das ein beiderseitiger Erfolg«, eine Verbindung von beiden. – »Von allen Seiten«: wenn man ein einziges Ziel verfolgt und Gewinn usw. von vielen zustandekommt, so ist das ein allseitiger Erfolg. – Diese beiden Erfolge fallen unter die Klasse der Fälle, wo sich keine weiteren Folgen ergeben. »Diese«, die Folgen usw., »werden wir noch besprechen« durch Beispiele. Der Sinn davon ist klar.[451]

Was sollen doch wohl die Beispiele, wenn man den Gewinn und Verlust, die je eine Dreizahl bilden, ihrem Wesen nach nicht kennt? – Darauf entgegnet (der Verfasser):


Die Dreizahl des Gewinnes ist nach ihrem Wesen geprüft, und das Gegenteil davon, die Dreizahl des Verlustes, ebenso.


»Nach ihrem Wesen geprüft«, d.h., nach ihrer Beschaffenheit in dem Abschnitte über die »Erreichung der drei Lebensziele« beschrieben. Ebenso ist auch der Verlust, da er das Gegenteil davon bildet, nach seinem Wesen geprüft: so sagt (der Verfasser): »Das Gegenteil davon.«

Nun sagt er mit Bezug auf Gewinn usw. innerhalb der beiden Dreiheiten von Gewinn und Verlust:


Wenn bei dem Besuche eines Besten sich offenbarer Geldgewinn ergibt, Grund zum Beherzigen, Chancen, Besuch und Grund, von anderen aufgesucht zu werden, so ist dieser Gewinn ein Gewinn, der weiteren Gewinn bringt.


Daß die Liebhaber in drei Klassen zerfallen, je nachdem sie beste usw. sind, ist angegeben worden. Wer darunter alle Vorzüge besitzt, »bei dem Besuche« eines solchen, an Vorzügen »Besten ergibt sich offenbarer Geldgewinn«: von ihm hat sie dann offenbar Gewinn. – »Grund zum Beherzigen«, von den Leuten beherzigt, beachtet zu werden. – »Chancen«, Aussichten. »Besuch« seitens der Zeitgenossen. – »Grund, von anderen aufgesucht zu werden«, von Liebhabern usw. – »Dieser Gewinn«, diese Einnahmen in der Gegenwart, »ist ein Gewinn, der weiteren Gewinn bringt«: dessen Folgen im Beherzigtwerden usw. bestehen; und zwar hat er Folgen von gleichartiger Natur.


Wenn bei einfachem Gewinne der Besuch irgend eines beliebigen anderen erfolgt, so ist das ein Gewinn ohne weitere Folgen.


»Bei einfachem Gewinne«, ein Gewinn, der in der Gegenwart gemacht wird und nur darin besteht. – »Irgend eines beliebigen«, der in der Welt wegen seiner Vorzüge oder Fehler weiter nicht berühmt ist. Ein Gewinn, der nur den »Besuch« eines solchen Mannes bringt, ist »ohne weitere Folgen«, da hierbei Anerkennung seitens der Welt usw. fehlt.


[452] Bei dem Erlangen von fremdem Gelde aus der Hand des Hingegebenen folgt Verlust der Chancen, Schwinden des Geldes und der Besuch von Leuten, die der Welt verhaßt oder unebenbürtig sind, was die Chancen vernichtet; das ist ein Gewinn, der Verlust zur Folge hat.


»Aus der Hand des Hingegebenen«: wer als hingegebener Liebhaber anderer Leute Geld nimmt und hingibt, wegen der eignen Armut, »bei dem Erlangen« solchen Geldes ergibt sich »Verlust der Chancen«, Schwinden der Aussichten, da es heißt, daß sie mit einem Diebe lebt. – »Des Geldes«, was sie früher erlangt hatte. »Schwinden« dieses Geldes (?), indem es von einem anderen (?) genommen wird. – »Die der Welt verhaßt sind«, auch wenn sie keinen Diebstahl begehen. – »Unebenbürtig«, von Geburt tiefer stehend. »Der Besuch« solcher. »Was die Chancen vernichtet«, die Aussichten zerstört. – »Das ist ein Gewinn, der Verlust zur Folge hat«, indem der Gewinn der Gegenwart die Schädigung in Gestalt des Schwindens der Chancen zur Folge hat. Er hat also das Gegenteil zur Folge.


Das Gewinnen eines Knauserigen, eines, der von seiner Unwiderstehlichkeit überzeugt ist, eines Undankbaren oder eines gern Betrügenden, sogar mit eignen Unkosten, was am Ende nutzlos ist, das ist ein Verlust, der ohne weitere Folgen ist.


»Eines Knauserigen«, der Schätze aufspeichert, indem er sich und seine Diener knapp hält. »Der von seiner Unwiderstehlichkeit überzeugt ist«: wer sich für unwiderstehlich hält, ohne es zu sein, spendet keine Gelder. Wer sehr unbeliebt ist, aber sich für unwiderstehlich hält, ist nur um des Geldes willen als Besucher anzunehmen, heißt es oben. – »Oder eines Undankbaren«: das Wort »oder« ist unter Berücksichtigung des Früheren überall zu setzen. – »Eines gern Betrügenden«, der seine ganze Aufmerksamkeit auf den Betrug richtet. – »Das Gewinnen«, so daß »sogar mit eignen Unkosten« der Besuch stattfindet. – »Was am Ende nutzlos ist«: so daß schließlich sogar das Ergötzen eitel ist. – »Das ist ein Verlust«, der dabei gemachte Aufwand, »der ohne weitere Folgen ist«.

(Der Verfasser) gibt nun eine besondere Klasse von Knauserigen usw. an:


[453] Das gleiche Gewinnen eines ebensolchen, der ein Liebling des Königs und reich an Grausamkeit und Macht ist, ist am Ende nutzlos; ein Fortjagen aber bringt Schaden. Das ist ein Verlust, der weiteren Verlust zur Folge hat.


»Der reich an Grausamkeit und Macht ist«: hier ist eine Dreizahl von Fehlern im Übermaße vorhanden. – »Das gleiche Gewinnen«, daß der Besuch sogar mit eignen Unkosten erfolgt, ist »nutzlos«, da Knauser usw. keine Spender sind. – »Ein Fortjagen« derer, die nicht spenden, »bringt Schaden«. Denn wenn diese fortgejagt werden, dürften sie, die mit jenen drei Fehlern versehen sind, Unheil bereiten in Gestalt von unfreundlichem Wesen, Schädigung des Leibes usw. So ist das »ein Verlust, der weiteren Verlust zur Folge hat«; und zwar sind die Folgen gleichartiger Natur.


Ebenso wende man die Folgen auch auf Moral und Liebe an.


»Ebenso wende man« auch die anderen »Folgen auf Moral und Liebe an«. So bedeutet der Besuch bei einem Brahmanen, der einen Hausstand besitzt, Liebe hegt und im Sterben liegt, Behüten des Lebens, Erhalten der Familie und Beobachtung der Pflichten des Hausstandes: eine Handlung der Moral, die weitere moralische Handlungen zur Folge hat. Handelt es sich nur um die Liebe, so ist das eure moralische Handlung ohne weitere Folgen; besucht man ihn, ohne ihn zu baden und zu speisen, so ist das Liebe, die Haß zur weiteren Folge hat. Hier ergeben sich sechs Folgen, und durch Umkehrung und Ungleichartigkeit zwölf.


Man vermische sie gegenseitig in der richtigen Weise. – Das sind die Folgen.


»In der richtigen Weise«: d.h., unter Ausschluß des Gegenteils, unter Verbindung der übrigen Ungleichartigen. So ist der Gewinn, einzeln verbunden mit Moral, Verlust, Liebe und Haß, vielfach. Ebenso ist auch der Verlust, einzeln verbunden mit Moral, Gewinn, Liebe und Haß, vierfach; ebenso auch die Unmoral, einzeln verbunden mit Liebe, Verlust und Moral, vierfach; ebenso auch der Haß. So ergeben sich vierundzwanzig vermischte Folgen.

Mit Bezug auf den reinen Zweifel sagt (der Verfasser):


[454] Wird er geben oder nicht, selbst wenn er erfreut ist? – Das ist der Gewinnzweifel. Ist es eine moralische Handlung oder nicht, wenn sie einen, dessen Vermögen sie aufgesogen hat und der nun nutzlos ist, aufgibt, da sie kein Geld mehr bekommt? – Das ist der Moralzweifel. Wird Liebe stattfinden oder nicht, wenn sie einen Diener oder anderen Tieferstehenden besucht, den sie als liebreizend ansieht? – Das ist der Liebeszweifel. Wird der Mächtige, tiefer Stehende, wenn er nicht besucht wird, Mißgeschick bereiten oder nicht? – Das ist der Verlustzweifel. Wird eine unmoralische Handlung dabei sein oder nicht, wenn ein außerordentlich nutzloser, treu anhänglicher Mann verlassen in die Welt der Väter eingeht? – Das ist der Unmoralzweifel. Wird er abgeneigt sein oder nicht, er, von dem sie nicht weiß, ob er ihr geneigt ist, da er seine Leidenschaft nicht merken läßt? Das ist der Haßzweifel. – Soweit die reinen Zweifel.


Wenn er in der Gegenwart nicht gibt, wird er es vielleicht tun, nachdem er durch die Dienstleistungen bei dem Liebesgenusse »erfreut« worden ist. Da man hier nichts wissen kann, ob er gibt oder nicht, so ist das der »Gewinnzweifel«. – »Wenn sie aufgibt«: wenn sie den Liebhabern ihren Leib läßt und dafür Geld erwirbt, so ist das recht. Die Art der Hetäre ist es, ihren Leib preiszugeben. So heißt es nämlich: »Wie es die Art des eignen Wesens ist«, sagen die Meister. – Ist nun das Aufgeben eines Liebhabers, »dessen Vermögen sie aufgesogen hat« und von dem »sie kein Geld mehr bekommt«, eine »moralische Handlung oder nicht?« Dieser Zweifel entsteht hier. – »Wird Liebe stattfinden oder nicht, wenn sie einen Diener«, ihren eignen, »oder einen anderen tiefer Stehenden«, nicht ebenbürtigen, »besucht, den sie als liebreizend ansieht«, als gefälligen Liebhaber; da diese beiden ihr noch nicht bekannt sind und deren Liebe noch nicht durchschaut ist. »Wenn er nicht besucht wird«: der Zweifel ist hier: wird er, der einen Liebesbesuch zu machen wünscht, aber wegen seiner Unebenbürtigkeit zurückgewiesen wird, »Mißgeschick bereiten oder nicht«, indem er an dem Hofe des Königs Einfluß besitzt? – »Treu anhänglich«, verliebt und nach einem Liebesbesuche verlangend. – »Verlassen«, weil er »nutzlos« ist. »Wenn er in die Welt der[455] Väter eingeht«: bei der Erreichung des letzten Zustandes geht er schließlich in die Welt des Gottes der Toten ein, wie man annehmen muß. – »Dabei«, bei der Verstoßung, entsteht der Zweifel, ob »eine moralische Handlung dabei sein wird oder nicht«. »Da er seine Leidenschaft nicht merken läßt«: er hat nicht gesagt, daß keine Liebe stattfinden werde, indem er von der Leidenschaft gequält werde. Es ist auch nicht gesagt, daß er ihr geneigt sein werde, wenn er mit ihr vereint ist: so sagt (der Verfasser): »Von dem sie nicht weiß, ob er ihr geneigt ist«: da entsteht der Zweifel, ob Haß entstehen wird oder nicht, während sie bloß so hinlebt. – Das sind die »reinen Zweifel«, indem jedes einzelne bezüglich seines Eintretens und Nichteintretens zweifelhaft ist.


Nun die vermischten.


»Nun«, unmittelbar darauf folgend, werden »die vermischten« behandelt, indem ja unmittelbar nach dem Reinen das Vermischte kommt. Vermischt ist ein Zweifel, wenn man fragt: geschieht entweder dieses oder jenes? Er besteht aus Gegenteiligem und Nichtgegenteiligem.

Mit Bezug auf das erste sagt (der Verfasser):


Das Gewinnen eines Fremden, dessen Charakter unbekannt ist oder eines einflußreichen Günstlings, der gekommen ist, kann Gewinn oder Verlust bringen: das ist zweifelhaft. – Der Besuch auf das Wort eines Freundes hin oder aus Wohlwollen bei einem gelehrten Brahmanen, Brahmanenschüler, Geweihten, Büßer oder Sektenmitgliede, der nach ihrem Anblick Leidenschaft empfindet und im Sterben liegt, kann eine moralische oder unmoralische Handlung sein: das ist zweifelhaft. – Ein Besuch bei jemand, ohne zu bedenken, ob er tugendreich oder tugendlos ist, bloß um der Leute willen, die sich noch nicht überzeugt haben, kann Liebe oder Haß bringen: das ist zweifelhaft. – Man vermische sie auch miteinander. – Das sind die vermischten Zweifel.


»Eines Fremden,« der irgendwoher gekommen ist. Bei dessen Besuch entsteht der Zweifel, ob das ein Gewinn oder ein Verlust sein wird, da sein »Charakter unbekannt ist«. Oder: ein Unerprobter, der als Gast »gekommen ist«, kann Gewinn bringen; oder, da er ein »einflußreicher Günstling« ist, Verlust:[456] solcher Zweifel entsteht, da zwei Motive vorliegen. – »Gelehrter Brahmane«, der einen Hausstand gegründet hat und heilige Handlungen vollzieht. – »Brahmanenschüler«, der die erste Stufe erklommen hat. – »Büßer«, einer, der für eine bestimmte Zeit ein Gelübde übernommen hat: das parāka-Gelübde usw. – »Sektenmitglied«, ein Bhauta usw. – »Der im Sterben liegt«, sterben will, da er die verschiedenen Stadien der Liebe erreicht hat. – »Auf das Wort eines Freundes hin«, auf die Fürbitte eines Freundes des gelehrten Brahmanen usw. hin. – »Aus Wohlwollen«, Mitleid. Bei dem Besuchen eines solchen ergibt sich »eine moralische oder unmoralische Handlung«: daß er das Leben nicht verliere – das ist Moral; daß er durch Abirren von den Geboten der Moral sich beflecke – das ist Unmoral. Wenn man einwendet, warum kann nicht beides stattfinden? – so lautet die Antwort: nein, weil nur das eine von beiden, das wichtigere, möglich ist. – »Bloß um der Leute willen, die sich noch nicht überzeugt haben«, die sich noch nicht vergewissert haben. »Ohne«, selbst »zu bedenken«, darüber klar zu werden, ob er »tugendreich oder tugendlos« ist. Indem sie ihn nur nach dem Gerede der Leute für tugendreich hält und zu ihm geht, ihm einen Liebesbesuch macht, wird sich daraus Liebe »oder Haß« ergeben? – Das sind die drei mit dem Gegenteile vermischten Fälle.

Mit Bezug auf das Nichtgegenteilige sagt (der Verfasser):


Wo bei dem Besuchen eines anderen sich Gewinn ergibt und ebenso von dem Hingegebenen, aus Wetteifer, das ist beiderseitiger Gewinn. Wo trotz eigner Unkosten das Besuchen nutzlos ist und seitens des unwilligen Liebhabers das Vermögen zurückgefordert wird, das ist beiderseitiger Verlust. Wo der Zweifel besteht, ob bei dem Besuche (eines anderen) sich Gewinn ergeben wird oder nicht und ob der anhängliche Liebhaber im Wetteifer geben wird oder nicht, das ist beiderseitiger Gewinnzweifel. Wenn es zweifellos ist, ob bei einem Besuchen unter Unkosten der Frühere umgewandelt und aus Zorn Schaden zufügen wird oder nicht und ob der Anhängliche aus Unwillen seine Gaben zurücknehmen wird oder nicht, das ist beiderseitiger Verlustzweifel. – Das sind nach Auddālaki die beiderseitigen Beziehungen.
[457]

»Wo«, bei welcher beiderseitigen Beziehung. – »Eines anderen«, von früher nicht Bekannten. Auch in der Folge ist ein solcher gemeint, wie man wissen muß. – »Bei dem Besuchen« ergibt sich »Gewinn«; von dem anderen eben. – »Von dem Hingegebenen«, Verliebten; wenn dieser besucht wird. – »Aus Wetteifer«: da er wetteifert, ergibt sich dabei auch ein Gewinn. Denn er gibt aus Wetteifer, damit sie mit jenem keine Verbindung eingehe. Diese beiderseitige Beziehung heißt »beiderseitiger Gewinn«. Wenn zu einer anderweitigen Unternehmung ein Grund vorliegt, ergibt sich eine beiderseitige Beziehung: in diesem Sinne ist der vorliegende Lehrsatz zu verstehen. – Bei welcher beiderseitigen Beziehung der Liebesbesuch unter »eignen Unkosten« stattfindet, nämlich bei einem anderen, d.h., »nutzlos« ist und »seitens des Liebhabers«, des Verliebten, der »unwillig ist«, bisweilen, da er Geld hat, grollt, »das Vermögen zurückgefordert wird«, was er gegeben hat, zur Vergeltung wieder verlangt wird, und sich Verlust ergibt, durch das schließliche Weggehen: diese beiderseitige Beziehung heißt »beiderseitiger Verlust«, da das Interesse der beiderseitigen Besucher erlischt. – Dieser Fall gehört unter die Klasse der nicht von Folgen begleiteten Fälle. Hier entsteht ein Zweifel: so sagt (der Verfasser): »Wo«, bei welcher beiderseitigen Beziehung, »der Zweifel entsteht«, die Ungewißheit, »ob bei dem Besuche« eines anderen »sich Gewinn ergeben wird oder nicht und ob der Liebhaber« bei diesem Besuche »im Wetteifer«, aus Rivalität, »geben wird oder nicht, das ist beiderseitiger Gewinnzweifel«. – »Wo«, bei welcher beiderseitigen Beziehung. – »Unter Unkosten«: indem das »Besuchen« eines anderen geschieht, während sie dabei Ausgaben hat. – »Der Frühere«, von früherher bekannte. – »Umgewandelt«, gegen den anderen. – »Aus Zorn«: daß sie unter eignen Unkosten den Besuch unternimmt. Hier entsteht der Zweifel: Wird er mir aus Zorn darüber »Schaden zufügen oder nicht« und wird »der Anhängliche aus Unwillen« über irgend eine vorhergegangene Sache »seine Gaben« an mich »zurücknehmen oder nicht«? Diese beiderseitige Beziehung heißt beiderseitiger Verlustzweifel.


Die Anhänger der Bābhravya aber lehren: Wo bei einem Besuchen Gewinn erzielt wird und bei einem Nichtbesuchen von[458] dem anhänglichen Liebhaber gleichfalls Gewinn, das ist beiderseitiger Gewinn. Wo bei einem Besuchen nutzloser Aufwand entsteht und bei einem Nichtbesuchen unvermeidlicher Verlust, das ist beiderseitiger Verlust. Wo bei einem Besuchen der Zweifel entsteht, ob er ohne Unkosten gehen wird oder nicht und ob bei einem Nichtbesuchen der anhängliche Liebhaber geben wird oder nicht: das ist beiderseitiger Gewinnzweifel. Wo bei einem Besuchen unter Unkosten der Zweifel entsteht, ob der Frühere umgewandelt werden und als mächtig sich erweisen wird oder ob er bei einem Nichtbesuchen aus Zorn Unheil zufügen wird oder nicht, das ist der beiderseitige Verlustzweifel.


»Die Anhänger des Bābhravya aber lehren«: über die beiderseitigen Beziehungen, ist zu ergänzen. – »Wo«, bei einer beiderseitigen Beziehung. – »Bei einem Nichtbesuchen von dem anhänglichen Liebhaber«, d.h., der nicht besucht wird und doch treu bleibt: wer hingegeben und gehorsam ist, der wird auch spenden, wenn er nicht besucht wird. So heißt es oben: »Einen anhänglichen, ergebenen Liebhaber aber rede die Frau an und gehe doch anderswohin.« Nach der früheren Darstellung gab es bei dem Besuchen des einen von beiden auch nur von dem einen von beiden Gewinn: hier aber, bei dem Besuche des einzigen, gibt es von beiden Gewinn. Daher ist das der Sinn des Hauptgrundsatzes hier. – »Wo«, bei einer beiderseitigen Beziehung. – »Bei einem Besuchen«, eines anderen. – »Nutzloser Aufwand« ist Verlust. »Bei einem Nichtbesuchen«: auch hier gilt das oben Gesagte: »von seiten des Liebhabers.« Von seiten dieses Hingegebenen, der über das Besuchen eines anderen Unwillen empfindet, ergibt sich »unvermeidlicher Verlust« in Gestalt des Zurückforderns des Vermögens. Das heißt »beiderseitiger Verlust«. – »Wo«, bei einer beiderseitigen Beziehung. – »Bei einem Besuchen« eines anderen. – »Ohne Unkosten«, wobei sie keine Unkosten hat. – »Ob bei einem Nichtbesuchen der anhängliche Liebhaber geben wird oder nicht«, auch ohne daß ein Besuch bei ihm stattfindet. Seine Folgsamkeit ist nämlich noch nicht sicher erprobt! Das heißt »beiderseitiger Gewinnzweifel«. – »Wo«, bei einer beiderseitigen Beziehung. – »Bei einem Besuchen«,[459] eines anderen, »der Zweifel entsteht«: ›Wird »der Frühere« sich mir als »umgewandelt erweisen« und mir infolgedessen Unheil zufügen oder nicht? »Oder ob er«, der Hingegebene nämlich, »bei einem Nichtbesuchen aus Zorn Unheil zufügen wird oder nicht?«‹ – da es nicht sicher ist, ob er über das Besuchen eines anderen unwillig werden wird. – Das heißt »der beiderseitige Verlustzweifel«. – Damit sind die vier reinen beiderseitigen Beziehungen nach beiden Darstellungen besprochen.

Nun nennt (der Verfasser) die gemischten:


Bei einer Kreuzung dieser ergeben sich sechs gemischte Beziehungen: auf der einen Seite Gewinn, auf der anderen Verlust; auf der einen Seite Gewinn, auf der anderen Gewinnzweifel; auf der einen Seite Gewinn, auf der anderen Verlustzweifel.


»Bei einer Kreuzung dieser«: bei gegenseitiger Vermischung des Restes – unter Ausschluß des Gleichartigen – »ergeben sich sechs gemischte Beziehungen«. Nämlich: »auf der einen Seite«: wenn bei dem Besuchen eines anderen von der einen Seite sich ein Gewinn ergibt und »auf der anderen Verlust«, indem von seiten des darüber unwilligen Hingegebenen das Vermögen zurückgefordert wird: diese beiderseitige Beziehung besteht in Gewinn und Verlust. – »Auf der einen Seite Gewinn«: wie oben »auf der anderen Gewinnzweifel«, ob der Liebhaber im Wetteifer spenden wird oder nicht. Das besteht in Gewinn und Gewinnzweifel. – Wo »auf der anderen Seite Verlustzweifel« besteht, ob der Besuch bei einem andern unter Unkosten nutzlos sein wird. »Auf der einen Seite Gewinn«: wie oben. Ob der Liebhaber aus Unwillen seine Geschenke zurückverlangen wird oder nicht: das bildet den »Gewinn- und Verlustzweifel«. – So ist es auch in der Darstellung des Bābhravya zu machen.


Unter diesen Fällen prüfe sie mit den Freunden zusammen und handele danach, wo Gewinnzweifel mit dem vorzüglichsten Gewinne ist, oder bedeutende Tilgung des Verlustes.


»Unter diesen Fällen«, den reinen und gemischten in allen beiden Darstellungen. – »Mit den Freunden«, den oben genannten. – »Wo«, im Vereine mit welchem Besucher. – »Gewinnzweifel mit dem vorzüglichsten Gewinne«, dem reichsten[460] Gewinne, kein anderer; »oder bedeutende Tilgung des Verlustes«, indem ein mit Gewinn gutzumachender großer Verlust ja bedeutend sein muß. – »Sie handele danach«, indem sie den Betreffenden zum Ziele nimmt.


Ebenso behandele man auf diese Weise auch Moral und Liebe. Man vermische sie miteinander und verschränke sie. – Das sind die beiderseitigen Beziehungen.


»Man behandele auf diese Weise«, wie angegeben. So ergibt sich bei dem Besuche eines anderen, weil er ein Brahmane ist, eine Handlung der Moral und auch bei dem Liebhaber, der aus Zuneigung im Sterben liegt: das ist beiderseitige Moral. – Wenn bei dem Besuchen eines Brahmanenschülers sich eine unmoralische Handlung ergibt und ebenso auf Seite des Liebhabers, der ein Gelübde auf sich genommen hat und kein Verlangen zeigt, so ist das beiderseitige Unmoral. – Wo bei dem kostenlosen Besuchen eines anderen sich eine moralische Handlung ergibt oder nicht und auf Seite des Liebhabers, der nichts hergibt, weil er ausgesogen ist, eine moralische Handlung oder nicht: das ist beiderseitiger Moralzweifel. – Wo bei dem Besuchen eines anderen, eines Sektenmitgliedes, unter Brechung des Gelübdes, der Zweifel entsteht, ob das eine unmoralische Handlung ist oder nicht, und ob auf Seite des ein Gelübde vollbringenden Liebhabers, der die Absicht hat, zu spenden, eine unmoralische Handlung vorliegt oder nicht, das ist beiderseitiger Unmoralzweifel. – Wo bei dem Besuchen eines anderen, Geliebten, Liebe herrscht und ebenso bei dem geliebten Hingegebenen, das ist beiderseitige Liebe. – Wo ein anderer, nicht Geliebter Abneigung zeigt und ebenso der nicht geliebte Hingegebene, das ist beiderseitiger Haß. – Wo der Zweifel entsteht, ob bei dem Besuche eines anderen, dessen Charakter nicht bekannt ist, Liebe entstehen wird oder nicht, und ob auf Seite des Liebhabers, da er verschmäht wird, Liebe sein wird oder nicht, das ist beiderseitiger Liebeszweifel. – Wo der Zweifel entsteht, ob bei dem Besuche eines anderen, bei der Ungewißheit über das Stillen der Leidenschaft, Abneigung entstehen werde oder nicht und ob ebenso auf Seite des Liebhabers Abneigung entstehen werde oder nicht, das ist beiderseitiger Haßzweifel. – Das sind die reinen beiderseitigen Beziehungen[461] nach Auddālaki. Ebenso behandele und vermische man die des Bābhravya unter dem Gesichtspunkte des Besuchens und Nichtbesuchens. – »Auch Moral und Liebe« vermische man auf diese Weisen miteinander, jedes einzelne für sich, mit Ausschluß des Gleichartigen. So den Fall: »auf der einen Seite Moral, auf der anderen Seite Unmoral« vermischt mit dem Moralzweifel und dem Unmoralzweifel gibt dreierlei. Ebenso »auf der einen Seite Moral, auf der anderen Seite Moralzweifel« vermischt mit Moralzweifel auf der anderen Seite gibt drei Fälle. Das sind die sechs vermischten. Die Fälle des Auddālaki und des Bābhravya ebenso: »auf der einen Seite Liebe« mit »auf der anderen Seite Haß« und »Liebeszweifel« vermischt, gibt drei Fälle, sechs des Auddālaki und des Bābhravya. (?) – Auch hier gilt das oben Gesagte: »Sie prüfe mit den Freunden, und handele danach, wo Moralzweifel mit der vorzüglichsten Moral und die bedeutendste Tilgung von Unmoral und Haß ist«, nicht aber, wo Moral und Zweifel auf Haß ist. – »Man verschränke«: ausgenommen das Gegenteil von Gewinn usw. verknüpfe man den Rest gegenseitig. Das ist der Sinn. Hierbei ergibt eine Verbindung von »auf der einen Seite Moral, Unmoral, Liebe und Haß« mit deren Zweifeln achterlei; ebenso der Verlustzweifel und Gewinn- und Verlustzweifel: alles zusammen sind es zweiunddreißig. Ebenso gibt die Verbindung von »auf der einen Seite Moral, auf der anderen Seite Gewinn, Verlust, Liebe und Haß« mit deren Zweifeln achterlei. Ebenso Moral und Moralzweifel zweiunddreißig. So gibt die Verbindung von »auf der einen Seite Liebe, auf der anderen Seite Gewinn, Verlust und Moral« mit deren Zweifeln achterlei: so ergibt Haß und Liebeszweifel zweiunddreißig, zusammen sechsundneunzig, und ebenso viele bei der Umkehrung. So ergeben sich für die Verschränkungen und Verbindungen bei Auddālaki einhundertzweiundneunzig Fälle; ebenso bei Bābhravya. – Auch hierbei heißt es: »Sie überlege mit ihren Freunden usw.«

Somit sind die dreifachen beiderseitigen Beziehungen: reine, gemischte und verschränkte, abgetan. Um nun die allseitigen Beziehungen klar zu legen, gibt (der Verfasser) deren Besonderheit an:


[462] Zusammen nehmen wohl auch die Lebemänner nur eine einzige (Hetäre): das ist das Wählen in Gesellschaft. Wenn sie mit diesem oder jenem unter ihnen sich einläßt, ziehe sie Gewinn aus ihrem Wetteifer, bei jedem einzelnen. Am Frühlingsfeste usw. lasse sie durch ihre Mutter verkünden: »Wer mir für die Vereinigung (mit meiner Tochter) diesen oder jenen Wunsch erfüllt, zu dem wird heute meine Tochter gehen!« – Bei deren wetteiferndem Besuchen beachte sie die Leistungen: von einem Gewinn, von allen Gewinn; von einem Verlust, von allen Verlust; von der Hälfte Gewinn, von allen Gewinn; von der Hälfte Verlust, von allen Verlust. – Das sind die allseitigen Beziehungen.


»Zusammen«, nachdem sie sich voll Vertrauen vereinigt haben, »nehmen wohl auch die Lebemänner nur eine einzige Hetäre«, nachdem sie ihr ungewöhnliches Benehmen bemerkt haben. Das heißt »das Wählen in Gesellschaft«, indem es ein Wählen einer einzigen seitens vieler ist. So sind das hier die allseitigen Beziehungen einer (Hetäre), die viele Liebhaber fesselt. Mit Bezug auf sie sagt (der Verfasser): »Wenn sie mit diesem oder jenem unter ihnen sich einläßt«, da sie es mit mehreren hält, nur mit einem, bisweilen mit zweien oder auch mit vielen in Berührung tritt. Wenn sie sich mit diesen einläßt, »ziehe sie Gewinn von jedem einzelnen«, von jedem für sich, »aus ihrem Wetteifer« untereinander. (Der Verfasser) nennt die Veranlassung zum Wetteifer: »Am Frühlingsfeste usw.«: an allen diesen ersteht den Lebemännern die Schwachheit der Liebe. – »Wunsch«, Liebes. – »Lasse sie verkünden«: denn sie ist in der Lage, darüber bestimmen zu können, da sie sie selbst treu an ihrer Brust getragen hat (?). »Wetteifernd«, unter Wetteifern vor sich gehend. – »Leistungen«, Gewinn. Diese nennt jetzt (der Verfasser): »Von einem Gewinn«: mit wie vielen sie zu tun hat, da besteht Wetteifer des einen mit dem anderen, von zweien mit einem, des einen mit den übrigen: darum beachte sie den »Gewinn von einem«. – »Von allen Gewinn«, allseitig. – »Von einem Verlust, von allen Verlust«: wenn beide wetteifern, dann ergibt sich von beiden Seiten Gewinn; von allen Seiten Gewinn, von beiden Seiten Gewinn; von beiden Seiten Verlust, von allen Seiten Verlust. Wenn[463] die Hälfte wetteifert, dann ergibt sich von der einen Hälfte Gewinn, von der anderen Hälfte Verlust. – Das sind die dreifach geteilten allseitigen Beziehungen.

Da der Gegenstand nicht geschieden ist, so gibt es hier keine Folgen, wohl aber Zweifel. So sagt (der Verfasser):


Den Gewinnzweifel und den Verlustzweifel wende man wie oben an; und ebenso vermische man damit Moral und Liebe. – Soweit die Prüfung der Folgen des Gewinnes, des Verlustes und des Risikos.


»Wie oben« ...1 Von dem einen Gewinn, von allen Verlustzweifel, ist der dritte Fall. Von dem einen Verlust, von allen Gewinnzweifel, ist der vierte Fall. Von dem einen Verlust, von allen Verlustzweifel, ist der fünfte Fall. Von dem einen Gewinn, von allen Verlust, ist der sechste Fall. So ergeben sich sechs vermischte und vier reine. So sind es mit Ausschluß des Gleichartigen sechs vermischte. Die Leistungen bei dem wetteifernden Besuchen sind genannt worden. Wenn aber das Besuchen ohne Wetteifer stattfindet, ergeben sich zwölf allseitige Beziehungen, indem jene nur das eine Ziel haben. Von allen Gewinn; von allen Verlust; von allen Moral, von allen Unmoral; von allen Liebe; von allen Haß: das sind sechs. Ebenso sind die zweifelhaften Fälle sechs. – Damit ist die Prüfung der Folgen und des Risikos von Gewinn und Verlust abgetan.

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Physik

Der Schluß vom Allgemeinen auf das Besondere, vom Prinzipiellen zum Indiviudellen ist der Kern der naturphilosophischen Lehrschrift über die Grundlagen unserer Begrifflichkeit von Raum, Zeit, Bewegung und Ursache. »Nennen doch die Kinder zunächst alle Männer Vater und alle Frauen Mutter und lernen erst später zu unterscheiden.«

158 Seiten, 8.80 Euro

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Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

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