§ 9. Baco von Verulam (1561-1628).

  • [341] Literatur: Die älteren Arbeiten von Kuno Fischer, Liebig und Sigwart siehe unten. Außerdem Heußler, Baco und seine geschichtliche Stellung, Breslau, 1889. Die vollständigste Ausgabe seiner Werke inkl. Briefe nebst Kommentar und Biographie ist die lateinisch-englische von Spedding und zwei anderen englischen Gelehrten (London 1857-73 in 12 Bänden), von denen Spedding auch eine besondere Monographie über Leben und Zeit F. Bacons (2 Bde. London 1879) geliefert hat. Ins Deutsche übersetzt ist Bacos Hauptwerk das Novum Organum, mit Einleitung und Erläuterungen u. a. von J. H. von Kirchmann in der Philos. Bibliothek, Bd. 32, die Nova Atlantis von Walden, Berl. 1890.

Der englische Kanzler Baco kann nicht in strengerem Sinne zu den Begründern der neueren Wissenschaft und somit Philosophie gezählt werden, als der er, namentlich von seinen Landsleuten, noch immer gefeiert wird. Ihr Gebiet ist vielmehr, wie wir soeben gesehen haben, zuerst von Leonardo, Kepler und Galilei angebaut worden. Baco setzt dagegen zunächst nur fort, was Ramus und seine Schüler, was Telesio, Bruno, Sanchez und andere Naturphilosophen der Renaissance begonnen haben. Er hat jedoch ein volleres Bewußtsein von der philosophischen Bedeutung der Methode sowie von der tiefgreifenden Umwälzung, die sich durch die in des Menschen Dienst tretende Naturwissenschaft in dem Kulturideale seiner Zeit zu vollziehen beginnt, und er macht sich zum Herold dieser neuen Zeit. Sein Charakter als Mensch wie als Denker ist viel umstritten worden, seit Kuno Fischer 1856 (die 3. Auflage unter dem Titel: Bacon und seine Schule, bildet den X. Band seiner Gesch. der neueren Philos., 1904) für ihn eintrat, während Justus von Liebig bestritt, daß Baco die Methode der neueren Naturforschung geübt oder gar begründet habe (München 1863), dem dann wieder Sigwart (Preuß. Jahrb. 1863 und 1864) entgegnete.


I. Leben und Schriften.

Francis Bacon (latinisiert Baco), geb. 1561, entstammte zwar einer vornehmen englischen Familie, mußte sich aber als jüngerer Sohn seinen Weg selbst bahnen. Dazu half ihm ein starker Drang nach Ehren, Reichtum und Macht, der begleitet war von einem leidenschaftlichen[341] Trieb nach Erkenntnis. Die erreichte Macht sollte ihm als Mittel zu dem großen Werke einer völligen Erneuerung (Instauratio magna) der menschlichen Wissenschaften dienen, zu dem er sich die Kraft zutraute. Anstatt aber zu diesem Zweck vor allem die Schriften seiner großen Zeitgenossen Kepler und Galilei gründlich zu studieren, stellte er allmählich die Mittel über den Zweck, und in deren Wahl verriet er keine Bedenklichkeit. Um in der Welt emporzukommen, sagt er selbst in seinen Essays moral, economical and political – in der ersten Auflage (1597) 10, in der dritten (1625) 58 an der Zahl –, müsse man sich den Verhältnissen anbequemen und den Launen der Mächtigen fügen. So rückte er denn schließlich unter Jakob I. zum Lordkanzler und Baron von Verulam auf (1618). Aber drei Jahre später wurde er wegen Bestechlichkeit im Dienste des Königs und seiner Günstlinge vom Parlament verurteilt. Vom Könige wird ihm zwar die Strafe erlassen, aber er zieht sich nun von dem öffentlichen Leben zurück und widmet sich in seinen letzten fünf Lebensjahren (1621-26) ganz der Beschäftigung mit den Wissenschaften.

Seine Instauratio magna hat Baco nicht vollendet. Als erster Teil erschien 1620 das schon 1612 im Entwurf unter dem Titel Cogitata et visa veröffentlichte, unterdes nicht weniger als zwölfmal umgearbeitete Novum Organum Scientiarum, d.h. die dem alten aristotelischen »Organen« entgegengestellte »neue Logik«; als zweiter 1623 das im ersten Entwurf – als The advancement of learning – bereits 1605 herausgegebene Werk De dignitate et augmentis scientiarum: eine Art Enzyklopädie der Wissenschaften, mit vielen treffenden Bemerkungen über deren noch auszufüllende Lücken. Zu einem dritten, die Naturerklärung betreffenden Teil lagen nur die nach seinem Tode von seinem Sekretär unter dem Titel Sylva Sylvarum veröffentlichten Materialien vor.

»Was des Seins würdig ist, ist auch des Wissens würdig; denn das Wissen ist das Bild des Seins.« So umfassend stellt sich Baco das Problem. Die Mutter aller Wissenschaften aber ist ihm die Naturwissenschaft, die man, teils aus übertriebener Ehrfurcht vor den Denkern des Altertums, teils aus falsch verstandenem Religionseifer bisher nicht gebührend gewürdigt hat. Ihre Aufgabe ist: getreue Interpretation der Natur, um dieselbe beherrschen zu lernen. Denn Wissen ist Macht. Zu diesem, nicht zu irgendwelchem theoretischen Zwecke[342] muß sich der Naturforscher zunächst von allen Vorurteilen (»Idolen«, d. i. Trugbildern) des Verstandes und der Sinne befreien. Der erste Teil des Novum Organum enthält daher


II. Die Lehre von den Idolen.

Baco unterscheidet vier Arten solcher »Idole«:

1. Die idola tribus, d.i. solche, die dem ganzen Menschengeschlechte (tribus) gemeinsam sind. Unser Verstand wie unsere Sinne fassen die Dinge viel zu sehr nach unserem menschlichen Maßstab (ex analogia hominis) statt nach dem des Universums (?) auf und sind namentlich geneigt, überall in der Natur Ordnung und Regelmäßigkeit zu erblicken; auch verlieren wir uns gern in Abstraktionen. [Hier beachtet Baco nicht, daß auf Abstrahieren alle Forschung, nicht zum wenigsten die von ihm so gerühmte Induktion und vor allem die Mathematik beruht, daß die Voraussetzung einer gewissen Gleichmäßigkeit in der Natur die Grundlage aller Gesetzmäßigkeit ist, und daß wir keinen anderen Erkenntnismaßstab als eben den Verstand besitzen, der freilich in Bacos Augen ein »unebener Spiegel« ist.]

2. Die idola specus, der »Höhle« (nach dem Gleichnis in Platos Republik VII), sind die Vorurteile, die von der geistigen und körperlichen Individualität des Einzelnen, d.h. seinen ursprünglichen Anlagen und Gewohnheiten, von Erziehung, Umgang und Lektüre herrühren. Jeder besitzt gleichsam eine besondere Höhle, durch welche das natürliche Licht (der Vernunft) gebrochen und verdorben wird. Noch schwerer zu überwinden sind

3. die Idole des »Marktes« (fori), womit Baco die durch den menschlichen Verkehr gewissermaßen konventionell gewordene Sprache meint. Sie bildet Wörter für gar nicht existierende Dinge (wie Glück, erster Beweger, Planetensphären), und begünstigt Unbestimmtheit und Unklarheit der Begriffe, an denen der Durchschnittsmensch dann kleben bleibt [Baco beachtet nicht, daß die Sprache die notwendige Geburtsstätte der Gedanken ist]. Am gefährlichsten für die Philosophie sind

4. die idola theatri, d. i. die Irrtümer der philosophischen Überlieferung, mag sie nun rationalistischen (Aristoteles), rein-empirischen (Gilbert) oder mystischen (Pythagoras, Plato) Charakter tragen. Selbst Kopernikus[343] und Galilei finden bei Baco keine Gnade ; sie gehören zu denen, die alles Mögliche erdichten, wenn es nur in Rechnungen aufgeht. [So gering ist bei diesem Verehrer der Naturwissenschaft das Verständnis für deren mathematische Begründung!] Seine (Bacos) Methode dünkt ihm weit sicherer, auch fordert ihre Anwendung – keine besondere geistige Begabung: ähnlich wie mit Lineal und Zirkel auch der Ungeübte bessere Linien und Kreise zieht, als es der geschickteste Zeichner mit der Hand vermag. Worin besteht nun diese gerühmte Methode? Baco nennt sie


III. Die Methode der Induktion oder Lehre von den Instanzen (Fällen)

und behandelt sie in dem zweiten Buche seines Hauptwerkes, das zu dem kritischen ersten die positive Anwendung hinzufügt. Die wahre Methode macht es nicht wie die Spinnen, die alles aus sich heraus spinnen (die dogmatischen Metaphysiker), oder wie die Ameisen, die bloß Stoff sammeln (die reinen Empiriker), sondern sucht ihn durch eigene Kraft zu verarbeiten, wie die Bienen. Sie steigt von den einzelnen Erfahrungen stetig und allmählich zu allgemeineren Sätzen auf. Sie darf sich jedoch nicht damit begnügen, bloß die positiven Fälle (instantiae) der betreffenden Erscheinung aufzuzählen und so eine tabula praesentiae (Tafel vorhandener Eigenschaften) hinzustellen, sondern sie muß auch eine Tafel der negativen Instanzen, d.h. derjenigen Fälle, in denen die Erscheinung nicht auftritt (tabula absentiae), aufstellen; was Baco sehr umständlich an dem Begriff der Wärme zeigt, wo 28 bejahenden Fällen, d.h. warmen Dingen, wie Sonnenstrahlen, Vitriolöl und Pferdemist, 32 verneinende Fälle wie Mondstrahlen, kalte Blitze und Nordwinde gegenübergestellt werden. Zu diesen zwei Tafeln muß als dritte hinzukommen die der Vergleichungen oder Grade, das will sagender Fälle, wo das Mehr oder Minder des einen Faktors (z.B. des Lichtes) auch ein Mehr oder Minder des anderen (z.B. der Wärme) hervorbringt. Dann ist eine »erste Weinlese« zu halten; es sind nämlich die Fälle auszuscheiden, die nicht zum »Wesen« oder der »Form« des behandelten Gegenstandes gehören, und aus diesen wieder durch eine zweite Auslese die vornehmsten Fälle, die sog. prärogativen Instanzen, zu gewinnen, welche die wahren Eigenschaften des gesuchten[344] Begriffs schnell erraten lassen, die übrigens von Baco in nicht weniger als 27 (!) ausführlich behandelte Arten, von den »isolierten« bis zu den »magischen« Eigenschaften, zerlegt werden. So erhält man schließlich die »Form« des betreffenden Dinges und seine Definition. Die »Form« oder das »Wesen« der Wärme z.B. besteht in dem, was sich überall findet, wo Wärme ist, nirgends, wo Wärme fehlt, was stärker oder schwächer vorhanden ist, je nachdem mehr oder weniger Wärme da ist. Als ihre Definition ergibt sich schließlich: eine schnelle Expansivbewegung aufwärts strebender kleinster Teilchen.

Trotz mancher geistvollen Anregungen und treffenden Bemerkungen im einzelnen, trotz der Hochschätzung des Experiments und der berechtigten Warnung vor vorschnellen Verallgemeinerungen bedeutet diese naturwissenschaftliche Methode des Novum Organum als Ganzes doch einen entschiedenen Rückschritt hinter Galilei, der eben zu jener Zeit die Naturwissenschaft von ihren metaphysischen Fesseln löste. Bacos Ziel bleibt, wie er ausdrücklich erklärt: die »Form« oder das »Wesen« der Dinge, ihre »wirkende Natur« (natura naturans), ihren »Ursprungsquell« (fons emanationis) zu entdecken. Wohl setzt er gelegentlich diese »Form« auch mit dem »Gesetze« gleich, aber es ist nicht das Gesetz in dem Sinne, wie es die mathematische Naturwissenschaft versteht, sondern im Grunde nur die an die Scholastik erinnernde Substantialisierung der Eigenschaften zu einer höheren Eigenschaft oder Wesenheit. Er kennt eben nichts als »Dinge« und ihre »Eigenschaften«. Einzeltatsachen und beobachtungen werden zusammengetragen und aufgezählt, um sodann ihre Erklärung zu beginnen. Mathematik und Logik sind ihm nur die Mägde der Naturwissenschaft. Auf den Syllogismus sieht er – nach den scholastischen Spitzfindigkeiten allerdings erklärlich – mit Verachtung herab. Er sieht nicht, daß Induktion ohne Deduktion unmöglich ist. Es fehlt die bei Galilei schon vorhandene Kritik der Sinneswahrnehmungen, ebenso wie die Einsicht darein, daß die Mathematik das einzige Objektivierungsmittel der Natur darstellt. Die Physik ist ihm demgemäß denn auch gut genug für das bloß Stoffliche in der Natur; das »in höherem Grade Feststehende und Abstrakte«, das »Konstante« in der Natur zu finden, wird der Metaphysik, als der trefflichsten aller Wissenschaften, überlassen. So vermag der »Erneuerer der Wissenschaften«, trotz aller äußerlichen Bekämpfung des Aristoteles und[345] der Scholastik, doch aus deren Gleisen nicht recht herauszukommen. Er nimmt eine Zwitterstellung ein zwischen der alten Metaphysik und der modernen Naturwissenschaft.


IV. Die Lehre von den Geisteswissenschaften.

Die Methode der Induktion gilt für alle Wissenschaften, – nur nicht für das Gebiet der Theologie, die auf göttlicher Inspiration beruht. Die Heilsoffenbarungen des Christentums stehen so undiskutierbar fest wie die obersten Regeln des Schachspiels! Leichtes Kosten von dem Tranke der Wissenschaft kann zum Atheismus führen; tiefere Züge führen zur Religion zurück. Der Glaube ist edler als die Wissenschaft, Aberglaube allerdings noch unmoralischer und irreligiöser als Unglaube. Je unglaublicher ein Mysterium ist, desto religiöser ist es, daran zu glauben. Ganz in der Weise der vorgeschrittenen Scholastik werden also Philosophie und Theologie scharf voneinander geschieden.

In der Einteilung und Erörterung der einzelnen Wissenschaften entwickelt das Werk De augmentis (s. o.) viele fruchtbare und für das Zeitalter neue Gedanken, ohne daß die philosophischen Grundlagen befriedigen. Die gesamte »menschliche« Wissenschaft, der »globus intellectualis«, zerfällt in drei Teile: Geschichte, Poesie und Philosophie, entsprechend den drei Grundvermögen der menschlichen Seele: Gedächtnis, Phantasie und Vernunft. Die auf das Gedächtnis (!) gegründete Geschichte umfaßt als historia naturalis die Naturgeschichte, wobei der Gedanke einer vergleichenden Anatomie und Botanik, – als historia civilis die Geschichte aller Geisteswissenschaften, wobei die Idee einer nationalen Staaten-, sowie einer selbständigen Philosophie und Literaturgeschichte zum erstenmal angeregt wird. Die auf die Phantasie gegründete Poesie wird von Baco, in dem man neuerdings den Verfasser der Shakespeare-Dramen hat sehen wollen, sehr prosaisch als »willkürlich erdichtete Geschichte« definiert. Sie ist entweder epische oder dramatische oder parabolische (lehrhafte) Poesie, von denen er die letztgenannte am höchsten stellt! Die Lyrik wird nicht berücksichtigt. Satire, Epigramm und Ode aber gehören zur Philosophie und Rhetorik.

Die Philosophie teilt Baco in die Lehre von Gott, der Natur und dem Menschen ein. Allen dreien liegt als ihr Fundament eine philosophia prima zugrunde, eine erst zu schaffende Lehre von den allen Wissenschaften[346] gemeinsamen Grundsätzen, wie z.B.: Gleiches zu Ungleichem gibt Ungleiches; was mit dem Dritten, übereinstimmt, stimmt untereinander überein; alles ändert sich, nichts vergeht und dergl.: Sätze, die von Baco durch Induktion gewonnen und doch unbedenklich als deren Grundlage und Voraussetzung benutzt werden. – Die Philosophie von Gott oder natürliche Theologie muß sich begnügen, den Atheismus zu widerlegen; das übrige, was nicht durch Wahrnehmung und Vernunft gefunden werden kann, überläßt sie der Theologie (s. o.). – Die Naturphilosophie zerfällt in operative (technische, experimentale) und spekulative, die letztere wieder in Physik (Lehre von der Materie und den wirkenden Ursachen) und Metaphysik (Lehre von den Formen und Zweckursachen), die wir oben schon kennen gelernt haben; die Mathematik (reine und angewandte) bildet nur einen Anhang. In der Astronomie verwirft er die Lehre des Kopernikus; und die Kreisbewegung der Gestirne begründet er damit, daß sie daran »ihre Freude haben, weil dies allein eine ewige und unendliche Bewegung ist«. – Die Wissenschaft vom Menschen (Anthropologie) zerfällt in die Lehre vom einzelnen Menschen (philosophia humanitatis) und die Staatslehre (philos. civilis); jene wieder in Somatologie (Medizin), Psychologie, Logik und Ethik, diese in die Lehre vom geselligen, geschäftlichen und staatlichen Leben: alle diese Zweige wieder mit vielen Unterabteilungen, aber ohne originale Prinzipien.

Die Ethik insbesondere ist die Lehre, wie man sich den aufgestellten Musterbildern am besten nähert. Zwar ist das Christentum weit besser als alle dem natürlichen Lichte der Vernunft entstammende Moralphilosophie, doch halten sich Bacos eigene, übrigens mehr aphoristische als zusammenhängende, Erörterungen von Theologie frei. Sie stehen zumeist in den Essays, die in der Weise Montaignes manche feine Beobachtungen und geistvolle Winke geben. Das tätige Leben geht ihm über das beschauliche, das allgemeine über das Einzelwohl. Um die Seele mit Erfolg zu leiten, muß man die Charaktere und Affekte Studieren; auch die Macht der Gewohnheit, der Erziehung und Lektüre, des Umganges, des Ehrgeizes, der Gesetze muß von der Ethik in Betracht gezogen werden. Einzelheiten s. in der ausführlichen Darstellung des zu § 1 zitierten Werkes von F. Vorländer S. 251-314. Auf die Staatslehre will Baco in seinem Hauptwerk, einem »Meister der Regierungskunst« wie König Jakob I. (!) gegenüber,[347] dem er es gewidmet hat, nicht näher eingehen, zumal da die Schwierigkeit der Sache eine wissenschaftliche, die Natur der Staatskunst eine offene Behandlung des Gegenstandes erschwere.

Zu den grundlegenden philosophischen Denkern gehört Baco nicht. Dagegen ist er nicht ohne bedeutenden Einfluß auf die Philosophie seiner Landsleute geblieben, insbesondere durch seine stete Betonung der Erfahrung, sodaß er in der Regel als erster in der »empiristischen Reihe« oder als Vater der neueren Erfahrungsphilosophie dargestellt wird. Auch auf den bekannten Pädagogen Amos Comenius hat er anregend gewirkt. Sein Kernsatz von der Macht des Wissens, der in diesem Zeitalter der einander Schlag auf Schlag folgenden Entdeckungen und Erfindungen wohl auch einen nüchterneren Kopf als Baco berauschen konnte, spiegelt sich auch in dem kurzen, uns erhaltenen Bruchstück seiner Utopie, der dem König Karl 1. gewidmeten Nova Atlantis, wider. Hier »entwirft seine programmatische Phantasie Teleskope und Mikroskope, Telephone und Mikrophone, Dampfwagen und Luftschiffe, chemische konzentrierte Nahrungsmittel, Präservative gegen Krankheiten usw.«, kurz, die neugewonnene Naturerkenntnis versteht das Menschenleben »so leicht und behaglich, so glücklich und genußfähig wie möglich zu machen« (Windelband). Alle neuen Erfindungen, von denen das ebenso kluge wie glückliche Inselvölkchen durch seine Sendboten alsbald Kunde erhält, werden von ihm im »Salomonischen Hause« noch weiter vervollkommnet, alle sozialen Probleme mit Leichtigkeit gelöst.

Die Förderung der Naturwissenschaften selbst und ihrer grundlegenden Methode aber war anderen als Baco zu verdanken.

Quelle:
Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Band 1, Leipzig 51919, S. 341-348.
Lizenz:

Buchempfehlung

Aristophanes

Lysistrate. (Lysistrata)

Lysistrate. (Lysistrata)

Nach zwanzig Jahren Krieg mit Sparta treten die Athenerinnen unter Frührung Lysistrates in den sexuellen Generalstreik, um ihre kriegswütigen Männer endlich zur Räson bringen. Als Lampito die Damen von Sparta zu ebensolcher Verweigerung bringen kann, geht der Plan schließlich auf.

58 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon