Jürge

1. Auf Sanct Jürgen (Georg, 23. April) soll man die Kuh von der Wiese schürgen.Pistor., I, 96; Hillebrand, 87, 118; Graf, 69, 51; Simrock, 3414; Bllum, 192; Boebel, 20; Reinsberg VIII, 124.

Wenn dem künftigen Heugewinn kein Eintrag geschehen soll, kann man das Weidevieh nicht länger als bis zum 23. April (Georgstag) oder (Jürgetag) Walpurgis darauf dulden. In Westfalen sagt man; Up Sünte Jürgen mot me de Kau up de Weide schürgen. Schürgen = stossen, treiben. (Schmeller, III, 401.)


2. Jürge wôr di Tâg, éitz hitt d'r Schäfr aem Sâk. (Oesterr.-Schles.). – Peter, 450.


3. Kit der Gerich, kit de Gräss und schlîd em et mät dem Bumpass; kit de Mächel, kit e nit, mer dasst em et mal der Pätschzang. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 14b.


4. Kit der Girch, kit das Grass; mer schlüch em et mät dem Humer äm d' Iert; allein der Mächel dier bräingd et nit mit mir sît em't mät der Zang mong Zähn. (Siebenbürg.- sächs.) – Schuster, 14a.

*5. Gutten Girgen, Herr Morgen.Gomolcke, 416.


*6. Sanct Jürg weiss, wo Bartel den Most holt. Laus. Magazin, XXX, 235.

Dies ist wol die eigentliche Form des Sprichworts, das unter Bartel 6 als Redensart nebst den Erklärungen, die man darüber versucht hat, mitgetheilt ist. Nicht er, sondern Sanct-Jürg weiss, wo Bartel den Most holt; das will sagen: Um alt Georgii sieht man bereits am Weinstock, was er auf Bartholomäi verspricht. Also von jemand, der sichere Folgerungen ziehen kann, weil ihm die Voraussetzungen und Unterlagen dazu bekannt und gegeben sind.


[Zusätze und Ergänzungen]

7. Jürge, wenn's nicht geht, so schürge.Klix, 31.


8. Wenn Jürgen (23. April) Gott am Kreuz ausstreckt; wenn Markus (25. April) ihn dann auferweckt, und St. Johann (24. Juni) ihn dann wird tragen, dann hat die Weltenstund geschlagen.Wunderlich, 40.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
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