Schuft

1. Der Schuft baut Häuser in die Luft.

Die Bedeutung des Wortes Schuft ist nicht zweifelhaft; aber über die Ableitung sind die Ansichten lange auseinander gegangen. So haben es einige aus dem hebräischen Schophet = Richter, Verweser, ableiten wollen (vgl. Wurzbach II, Nr. 231), was aber der Bedeutung, die es bei uns hat, widerspricht. Schuft war schon im 17. Jahrhundert ehrverletzender Ausdruck für: armer, niedriger, wie jetzt charakterloser, niederträchtiger Kerl. Ursprünglich niederdeutsch, zusammengezogen aus schuvût = abgerissener, unnützer Kerl, Lumpenkerl. (Vgl. Weigand, Wb., 3. Aufl., II, 643.)


2. Ein entlaufener Schuft ist noch besser als ein gehängter.


3. Ein Schuft bleibt ein Schuft, käme (kommt) er auch in römische Luft.

Poln.: Kto w domu łotr z natury: takiź w Rzymie będzie. (Lipińsky, 118.)


4. Ein Schuft gibt mehr (gibt's besser) als er hat.


5. Jeder Schuft predigt, wenn er am Galgen steht.

It.: Tutt' i rei divengono predicatori, quando stanno sotto la forca. (Pazzaglia, 302, 8.)


6. Nimm einen Schuft ins Haus, so treibt er dich hinaus.Lohrengel, I, 547.


7. Was die Schufte bekommen, wird den Ehrlichen genommen.


8. Wer dem Schuft nicht wehrt, ist sein Spiessgeselle.


9. Wer sich für einen Schuft hält, mag ein Schuft bleiben.


*10. Ein Schuft, so weit er warm ist.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876, Sp. 348.
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