Cvstos

[819] CVSTOS, ódis, ein Beynamen des Jupiters, unter welchem ihm Domitian einen Tempel auf dem Capitolio erbauete, als er daselbst wunderbarer Weise in der Kleidung eines Priesters erhalten wurde, da es bey dem vitellianischen Tumulte sonst bunt über zu [819] Rom gieng. Tacit. Histor. lib. III. c. 74. Es wird solcher Jupiter gebildet, wie er auf einem Throne sitzt, und in der einen Hand einen Spieß, in der andern aber einen Blitz hält, worüber denn auf einigen Münzen die Worte Jupiter custos, auf andern aber Jupiter liberator stehen. Sie sind unter dem Nero von der Stadt Rom geschlagen worden, als dieselbe von einer Verschwörung befreyet und nach dem großen Brande wieder aufgebauet war. Havercam. Thes. Morel. T. I. p. 474. Eben diese Abbildung findet man auch noch auf einer ehernen Lampe, nur mit dem Unterschiede, daß er hier den Donnerkeil in dem linken Arme liegen hat, den er dort frey in der rechten Hand hält, und zur Rechten neben seinem Stuhle ein Adler sitzt. Borioni collect. antiq. tab. 86. In beyden Vorstellungen ist er am Unterleibe bekleidet. Auf einigen andern vom Vespasian aber ist er ganz nackend so gebildet, daß er aufrecht steht, sich mit der linken Hand auf einen Spieß stemmet, mit der rechten aber eine Schale über ein brennendes Feuer auf einem Altare hält, samt den Worten Iovis custos. Car. Patinus Not. ad Sueton. Domit. c. 6. Beger. Thes. Brand. T. II. p. 637. Man hält ihn mit dem Jupiter Milichius oder Icesius für einerley. Borioni l. c. p. 61. Doch hat er auch auf einer Gemme anstatt der Opferschale den zusammen gelegten Donnerkeil in der Hand. Ebermayer. Gemm. Tab. I. n. 4.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 819-820.
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