Cyaneae Petrae

[821] CYANEAE PETRAE, Gr. Κυάνεαι πέτραι, ein Paar kleine Inseln oder Felsen, die ihren Namen von ihrer schwärzlichen oder blauen Farbe haben sollen. Schol. ad Apollon. L. II. v. 318. Es sind aber vielmehr zween Haufen Felsen von einer unregelmäßigen Gestalt an dem Eingange des schwarzen Meeres, Pomp. Mela lib. II. c. 7. wovon der eine Theil auf der Seite von Asien, der andere auf der Seite von Europa liegt, die nur einen Raum von 20 Stadien zwischen sich zur Fahrt frey lassen, und eben daher, weil sie gleichsam zusammen stoßen, Symplegaden Συμπληγάδες, genannt worden. Strabo L. III. p. 149. & L. VII. p. 319. Man nennete sie auch wohl συνδρομάδες πέτραι, concurrentia saxa, zusammenlaufende Felsen. Juven. Sat. XV. 19. Cf. Muncker & Staveren ad Hygin. Fab. 21. und [821] dichtete von ihnen, daß sie beweglich wären. Bald sollten sie sich von einander begeben, bald dichte zusammen fügen, da sie denn alles, was zwischen ihnen hinfuhr, dergestalt einklemmeten, daß es zerquetschet wurde und zu Trümmern gehen mußte, ja auch nicht einmal ein Vogel unbeschädiget hindurch fliegen konnte. Apollon. Rhod. L. II. v. 320. Es stieg dabey ein dicker Rauch auf, der sie mit einem beständigen Nebel umgab, und kein Vogel sich getrauete, hindurch zu fliegen. Hom. Od. Μ. 73. Dabey wurde ein fürchterliches Geräusch gehöret; Apollod. L. I. c. 9. §. 22. welches vermuthlich von nichts anderm herrühren konnte, als weil sich die Meereswogen daran brachen. Weil es nun scheint, wenn man sich einem solchen Orte nähert, oder davon entfernet, als wenn sich dessen äußerste Enden von einander thäten oder zusammen fügeten: so ist die Fabel davon zuerst entstanden. Plin. H. N. lib. IV. c. 13. sect. 27. Es war aber nach derselben durch das Schicksal bestimmet, daß sie unbeweglich stehen bleiben sollten, so bald sie einmal etwas durchlassen würden. Orph. Argon. 682. Dieß erfolgete auch, nachdem die Argonauten hindurch geschiffet waren. Man sehe deren Artikel 3 §. Ohne Zweifel wollte man damit andeuten, daß nunmehr keine so große Gefahr weiter dabey sey, nachdem man die Durchfahrt einmal kennete. Banier Erl. der Götterl. IV B. 543 S.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 821-822.
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