Erithraevs

[1047] ERITHRAEVS, i, Gr. Ἐρυθραῖος, ου, ein Beynamen des Herkules von der Stadt Erythrä in Achaja, woselbst er einen alten Tempel hatte. Seine Bildsäule stund daselbst auf einer Holzflöße, weil sie auf solche Art zu Wasser von Tyrus gekommen seyn sollte, wiewohl man eigentlich nicht sagen konnte, warum. Als diese Flöße in das ionische Meer gekommen war, so trieb sie an das Vorgebirge der Juno an, welches der halbe Weg zwischen Chio und Erythrä ist. Hier bemüheten sich nun die Chier und Erythräer, so bald sie die Bildsäule erblicketen, solche an ihr Ufer zu ziehen. Es wollte aber keinem gelingen, so viel Mühe sie auch anwandten. Endlich träumete einem blindgewordenen erythräischen Fischer, Phormio, wenn die Erythräerinnen sich die Haare abschnitten, und man daraus ein Seil machete, so würden ihre Männer die Bildsäule damit an das Gestade ziehen können. Sie gaben aber diesem Traume kein Gehör. Doch die Thracierinnen, welche freywillig bey ihnen dieneten, opferten ihre Haare dazu auf; und so bekamen die Erythräer diese Bildsäule in Besitz. Zur Belohnung dieses Eifers erhielten die Thracierinnen allein das Recht, in des Herkules Tempel zu gehen, und man wies daselbst [1047] noch lange hernach das von ihren Haaren gemachte Seil. Auch soll Phormio sein Gesicht wieder erlanget und bis an sein Ende behalten haben. Pausan. Achaic. c. 5. p. 405.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 1047-1048.
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