Lares

[1437] LARES, ium, Gr. Θεοἰ κατεικίδιοι, ( Tab. XV.)

1 §. Namen. Diesen sollen sie, nach einigen, von λαῦρα haben, welches so viel, als eine Gasse heißt. Arnob. ap. Voss. Etymol. in Lar. p. 325. Andere machen ihn zu einem etruscischen Worte, da Lar oder Lars so viel als Vorsteher oder Fürst heißt, Scalig. ap. eumd. l. c. p. 326. als von dem daher auch so gar das englische Wort Lord kommen solle; Voss. ipse l. c. Insgemein aber hält man dafür, daß sie von ihrer Mutter, der Lara so genannt worden.

2 §. Aeltern. Ihr Vater war Mercurius, ihre Mutter aber Lara oder Larunda, eine Nymphe und Almons Tochter. Ovid. Fast. II. v. 599. S. Lara.

3 §. Wesen. Sie waren Götter der Häuser, und hießen daher Familiares, deren in jedem Hause einer gewesen [1437] seyn soll. Ovid. Fast. V. 139. & Heins. ad h. l. Andere aber wollen, es wären deren allezeit ein Paar gewesen. Neap. ad Ovid. Fast. V. 146. Sie stunden den Gassen, den Straßen und Wegen, den Feldern, und auch wohl ganzen Städten vor. Ovid. l. c. I. 616. V. 140. & 135. Daher wurden sie denn bald viales, bald compitales, bald publici genannt. Heins. ad Ovid. Fast. II. 616. Kipping. A. R. l. I. c. 4. §. 3. Cf. Al. ab Alex. l. VI. c. 4. & ad eum Tiraquellus l. c. Sie werden oft mit den Penaten vermenget: allein, eigentlich sind dieses die Götter ganzer Städte und Republiken, jene aber einzelner Familien, und also wohl zu unterscheiden. Daher nimmt denn auch Coriolan von jedem besonders Abschied. Dion. Halic. l. VIII. p. 513. Sie waren ferner erblich, so daß eine jede Familie die einmal erkieseten beständig behielt. Nieuport. Comp. A. R. Sect. IV. c. 1. §. 16. Sie wurden sonst auch Prästites genannt; weil sie für ihre Verehrer stunden. Ovid. l. c. V. 129. Es glaubeten einige, daß fromme Leute nach ihrem Tode dergleichen Lares, wie böse Lemures würden. Plato ap. August. de C. D. l. IX. c. 11. Cf. ad hunc Lud. Vives l. c. Die Römer verehreten daher die Ihrigen, wenn sie verstorben waren, als solche, zumal, da ein jeder dieselben in seinem Hause begrub. Servius ad Virg. Aen. V. 64. & VI. 152. Dieß machte, daß man sie sehr oft mit den Manen für einerley hielt, wiewohl sie allerdings unterschieden waren. Id. l. c. III. 63. Man glaubete, sie wohneten in den Haynen, und hießen daher Weglaren. Id. l. c. 302.

4 §. Bildung. Sie wurden als Jünglinge gebildet, welche eine Hundshaut an statt der Kleidung um sich, und einen Hund neben sich stehen hatten. Sie trugen auch wohl eine Toga, jedoch so, daß sie dabey fertig schienen, das Ihrige ohne einige Hinderniß verrichten zu können. Chartar. Imag. 73. Man sieht sie auf einer Münze des L. Cäsius, wo ein Paar Jünglinge, mit einer Mütze oder einem Hute auf dem Kopfe und Halbstiefeln an den Füßen, sitzen, und einen Spieß in der linken [1438] Hand haben. Der Oberleib ist unbekleidet, um den untern aber ein Hundesfell geschlagen. Zwischen ihnen steht unten ein Hund, und oben befindet sich der mit einer Mütze bedeckte Kopf Vulcans nebst der Zange, zum Anzeichen, daß ihnen der Heerd gewidmet sey. Havercamp. Thes. Morell. T. I. p. 59. Ihre Bilder waren nur klein. Ovid. Fast. V. 29. Man hat noch eins, und vieleicht das einzige von ihnen, in einem alten Denkmaale, von schwärzlichem Kiesel, welche nur eine halbe Person mit einem in die Höhe gehobenen Kopfe vorstellet, der mit einer Hundeshaut bedecket ist, wovon die Ohren zu beyden Seiten an ihm hinunter hängen. Sie ist auch ganz mit solchem Felle bekleidet, und hält einen liegenden Hund in beyden Händen vor sich. Montfauc. supl. aux ant. expl. T. I. pl. 78. Der Hund und das Hundefell sollen bedeuten, daß sie ein Haus beschützen, gegen die in demselben sich freundlich, gegen Fremde aber feindlich erweisen sollen, oder auch, daß sie, wie ein Spürhund, der Hausgenossen Handlungen auskundschaften, und nach Befinden bestrafen. Ovid. Fast. V. v. 229. & Plutarch. Qu. Rom. 51. p. 276. T. II. Opp.

5 §. Verehrung. Ihnen waren in allen Häusern die Heerde gewidmet. Plaut. Ollular. Act. II. Sc. 2. Doch hatten sie auch in einigen großen ihre besondern Behältnisse, welche Lararia. oder Sacraria hießen. Torrent. ad Suet. Tib. c. 51. & Wouwer. itemque de Salas ad Petron. c. 29. Diese befanden sich insgemein in dem Innern; Nieup. rit. R. Sect. IV. c. 1. §. 17. Doch trat man sie auch anderwärts an. Neapol. ad Ov. Fast. V. 139. Darinnen stunden ihre Bildsäulen von Wachse, Iuvenal. Sat. XII. v. 88. oder anderer Materie. Petron. l. c. Diesen wurde täglich ihr Dienst abgestattet, indem ihnen bald etwas Wein, bald Weihrauch und dergleichen geopfert wurde. Plaut. l. c. Prolog. v. 23. So wurde ihnen auch jederzeit etwas von dem Essen von dem Tische abgegeben, und auf den Heerd in der Küche gesetzet, und hernach verbrannt,[1439] weil es kein Mensch so dann essen durfte. Tibull. l. I. El. I. v. 37. & Plut. de Fort Rom. c. 19. p. 323. Cf. Voss. Theol. gent l. l. c. 11. Nicht weniger wurden sie mit Kränzen und Bluhmen gezieret, dergleichen man auch selbst auf die Heerde legete. So brennte man ihnen zu Ehren Laternen an, Kipping. l. c. und opferte ihnen die Erstlinge der Früchte, und auch dann und wann ein Schwein. Alex. ab Alex. l. IV. c. 12. Und zwar wurden sie insonderheit, ob wohl auch nur für sich, an den Feriis denecalibus verehret. Fest. ap. Voss. l. c. Oeffentlich aber wurden ihnen den 22 December die Compitalia, wie den 1 May die Laralia gefeyert. Anfänglich wurde ihnen zuerst allemal, auf des Orakels Befehl, unter dem Tarquinius Superbus, ein Knabe geopfert, dessen Haupt aber hernach Brutus mit Mohn- und Knoblauchshäuptern verwechselte. Macrob. Sat. l. I. c. 7. Freye Leute löseten sich dabey mit Bildern von Wachse, die Knechte aber nur mit Bällen, welche ihnen auf den Compitis aufgehänget wurden. Fest. l. XIV. p. 346. T. Tatius soll ihnen die erste Kapelle gelobet und erbauet haben. Rosin Antiq. R. l. II. c. 14. Nachdem aber deren Zeichen und Altäre vor Alter zerfallen waren, so stellete August sie wieder her Ovid. Fast. V. 145. Ihre besondern Tempel hatten sie endlich in der IV, VIII und IX Region. Merula Cosmogr. P. II. l. III. c. 22.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 1437-1440.
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