[189] Cirkuliren, ist eine schon ziemlich abgekommene, ehedem in der Pharmazie gebräuchliche Art zu digeriren, wo man statt des Kolben, welcher die zu digerirende Materie enthält, mit Blase zu verbinden, oder sonst zu verstopfen, in die Mündung desselben den dünnern Hals eines kleinern umgekehrten Kolbens steckt, und die Fugen am Rande tüchtig verküttet. Der von der Wärme aufsteigende Dunst verdichtet sich in dem kleinern Kolben, und läuft wieder zurück auf die zu digerirende Materie. Der unterste Kolben muß sehr langhälsig seyn.
Eine solche Digestion kann viele Wochen, ja Monate lang fortgesetzt werden, da die Feuchtigkeit fast gar nicht entweichen kann; wie behutsam und gelind aber die Wärme, und daß die Gefäse gehörig fest seyn müssen, wenn sie nicht platzen sollen, kann man leicht erachten.
Man hatte in ältern Zeiten noch kostbarere Gefäse hiezu, den Pelikan, einen Kolben mit angeschmolzenem Helme, welcher eine Tubulatöfnung in seinem Obertheile, und an der Seite zwei Schnäbel[189] hatte, die unter sich gekrümmt, sich wieder in den Bauch des Kolben entladeten. Die im Helme gesammelte Feuchtigkeit floß dann durch diese Schnäbel wieder auf die zu digerirende Materie zurück und zirkulirte, wie man sich ausdrückte. Erstere Vorrichtung ist dem Pelikane vorzuziehn.
Daß eine so lang anhaltende Wirkung von Wärme und Feuchtigkeit große Veränderungen in dem zu behandelnden Stoffe hervorbringen müsse, sieht man leicht. Von welcher Art sie aber sind, und wie weit sie zur Vervollkommung der Arzneimittel genutzt werden könnten, ist noch unbekannt. Indessen scheint diese fast vergessene Operation größtentheils dasjenige in der Länge der Zeit ausrichten zu können, was der Papinische Digestor in kurzer Zeit vollführt (→ Digestor).
Cirkulirgefäs.
Buchempfehlung
Der Waldbrunnen »Ich habe zu zwei verschiedenen Malen ein Menschenbild gesehen, von dem ich jedes Mal glaubte, es sei das schönste, was es auf Erden gibt«, beginnt der Erzähler. Das erste Male war es seine Frau, beim zweiten Mal ein hübsches 17-jähriges Romamädchen auf einer Reise. Dann kommt aber alles ganz anders. Der Kuß von Sentze Rupert empfindet die ihm von seinem Vater als Frau vorgeschlagene Hiltiburg als kalt und hochmütig und verweigert die Eheschließung. Am Vorabend seines darauffolgenden Abschieds in den Krieg küsst ihn in der Dunkelheit eine Unbekannte, die er nicht vergessen kann. Wer ist die Schöne? Wird er sie wiedersehen?
58 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro