1174. An Adolf Nöldeke

[119] 1174. An Adolf Nöldeke


Wiedensahl 16. Febr. 98.


Lieber Adolf!

Ich danke dir für deinen Brief, den ich in Hattorf erhielt. Dort war meist ungünstiges Wetter. Es miesterte. Oft stieß der Sturm an's Haus und pfiff hinter den Fensterläden. Dann mischte sich Schnee in den Regen; die Berge wurden weiß; zuletzt lag auch herunten eine dünne matschige Schneeschicht. Nur zweimal war der Boden so hart gefroren, daß ich mit Hermann über den Kirchhof hinaus spatzieren mochte, um den neuen Garten zu besehn. Der liegt günstig da, fix und fertig, mit Drath umzogen. Überhaupt haben die Hattorfer, nach der Verkopplung, bei dem gelinden Winter, furchbar emsig gewühlt. Die neue Oderbrücke soll stattlich sein.[119]

Über die Sieber zum Bahnhofe ging ich nicht weit vom alten Steg über den neuen mit Eisengeländer. Die Kerls haben ihn so schmal gemacht, daß zwei Weiber mit Kiepen kaum an einander vorbeikönnen. Gleich dahinter liegen bereits die Steine zum neuen Schulgebäude.

Sonnabend vor 8 Tagen fuhr ich mal nach Ebergötzen; über Gieboldehausen, wo mich Bachmanns abholten. Dienstag Nachmittag war ich wieder in Hattorf. – Diesen letzten Sonnabend kam ich nach Wiedensahl zurück.

In Hattorf fand ich's gemüthlich. Ich wunderte mich über die großen Fortschritte, die Hermann mit Trudel gemacht hat.

Bei Euch also geht's gut. Das Vierteljahr bis Ostern ist ja auch schon halb vorüber.

Hier ist's noch immer, wie im April. Abwechselnd Regen und Sonnenschein. Das Arum kriegt Blätter, die Pseudonarcißen haben Knospen; die Schneeglöckchen blühn; die Staare quinquiliren.

Leb wohl, lieber Adolf! Herzliche Grüße an dich und Liesbeth! Auch von Mutter, die dir für deinen Brief danken läßt.

Stets dein getreuer Onkel

Wilhelm.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969, S. 119-120.
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