Erstes Kapitel.

[169] Lieutenant R. Aber wahrhaftig, Herr Bruder, du setzest mich in Erstaunen! – Die junge Oberstin – und das Alles in so kurzer Zeit!

Lieutenant P. Seitdem du auf dem Commando warst.

Lieut. R. Was? Also vier Wochen nach der Hochzeit? – Du bist des Teufels, Herr Bruder!

Lieut. P. Laß es nur gut sein: es ist eine alte Bekanntschaft von mir.

Lieut. R. Was?

Lieut. P. Ich hatte hunderttausendmal mit ihr getanzt.

Lieut. R. Sieh an!

Lieut. P. Wir wohnten kaum zwanzig Schritte von ihrem Hause.

Lieut. R. Und verliebtet euch in einander? – Nun das ist in der Regel!

Lieut. P. Es war immer ein gutes Mädchen! – Gott weiß, wie gern ich sie geheirathet hätte! Aber –

[169] Lieut. R. Freilich! Wir gehen zusammen, Herr Bruder, bis der Himmel daß große Loos gibt! Aber sage mir, wie hat sich denn der alte Oberste –

Lieut. P. Seine erste Frau war noch älter als er; nun er ihr Geld geerbt hat, will er sich an der armen Henriette erholen. Wie es denn geht, Herr Bruder! Die Aeltern waren froh, daß er kam, und mochte sie wollen oder nicht –

Lieut. R. Leider! Leider! Wie alt ist sie denn?

Lieut. P. Neunzehn Jahre.

Lieut. R. Und er neun und siebenzig! Ein schönes Verhältniß, bei meiner Seele! – Aber in aller Welt, Herr Bruder! Wie konntest dn's wagen?

Lieut. P. Als wir ihm die Cour machten – sie erkannte mich den Augenblick. – Es gibt gewisse Blicke – Nachher sah ich sie bei der Parade sie lächelte wehmüthig vor sich hin. – Und zweimal im Theater.

Lieut. R. Und da habt Ihr euch verstanden?

Lieut. P. Wir brauchten ja nur wieder anzuknüpfen.

Lieut. R. Bravo! Ich wünsche dir Glück, Herr Bruder! – Aber der Henker, die Sache ist kizlich!

[170] Lieut. P. Ich verstehe dich. – Mit Vorsicht! – Unsere Maßregeln sind vortrefflich genommen; ihr Mädchen ist ganz auf unserer Seite. Diesen Nachmittag gehe ich zum erstenmale hin.

Sie schieden, und Lieutenant R. blieb auf seiner Wache.

Quelle:
Christian Althing: Dosenstücke, Rom; Paris; London [o.J.], S. 169-171.
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