|
[377] 1.
Ach wie mächtig / ach wie prächtig
sind / Herr / deine Werke!
wer sie achtet und betrachtet /
krieget Glaubens-Stärke.
Wer nur kan ein Fünklein sehen
und ein Stäublein groß verstehen /
muß in Freudensprüngen gehen.
2.
Meine Weide / meine Freude
sind / Gott / deine Wunder.
Es empfangen die Verlangen
Feur / als deren Zunder:
sie beflammen meine Gierden /
nach dem Gottes-Ehren-Würden
und der Kirche Sieges-Zierden.
3.
Weiße Schickung / Kunst-Erquickung!
laß mich dich auch fühlen /
deiner Thaten Schutze-Schatten!
wolle mich verhühlen:[378]
bis die Sonn / dein klarer Wille /
mich aus dieser düstern Stille
bringt zum dir-bewusten Ziele.
4.
Ich erschricke / ja bestricke
mich mit Wunder-Banden:
wann die Klarheit / voller Warheit
in dem Geist vorhanden;
wann erwegend sie beweget /
durch die Wunder-Wunsch erreget /
deinen Mund zum Grund auch leget.
5.
Durch die Schwachen / deine Sachen
herrlich du ausführest;
sie erweckest und bekeckest /
reich mit Gaben zierest;
deine Feind durch sie bekriegest /
wunder-hoch in ihnen siegest /
dieses zu bedenken fügest.
6.
Schwingen / klingen / singen / springen /
will mein Geist vor Freuden /
sich beleben / durch erheben
in die Weißheit / weiden.[379]
Ja es dunckt mich schon zu haben /
und Seel-süssest mich zu laben
mit verheissnen Gnaden-Gaben.
|
Ausgewählte Ausgaben von
Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte
|
Buchempfehlung
Camilla und Maria, zwei Schwestern, die unteschiedlicher kaum sein könnten; eine begnadete Violinistin und eine hemdsärmelige Gärtnerin. Als Alfred sich in Maria verliebt, weist diese ihn ab weil sie weiß, dass Camilla ihn liebt. Die Kunst und das bürgerliche Leben. Ein Gegensatz, der Stifter zeit seines Schaffens begleitet, künstlerisch wie lebensweltlich, und in dieser Allegorie erneuten Ausdruck findet.
114 Seiten, 6.80 Euro