16.

[443] Christ lag ynn todes banden

fur unser sund gegeben,

Der ist wider erstanden

und hat uns bracht das leben.

Des wyr sollen frolich seyn,

Gott loben und danckbar seyn

und singen Alleluia.


Den tod niemand zwingen kund

bey allen menschen kinden,

Das macht alles unser sund,

keyn unschuld war zu finden.

Dauon kam der tod so bald

und nam uber uns gewald,

hielt uns ynn seym reich gefangen.


Jhesus Christus Gottes son

an unser stat ist komen[443]

Und hat die sund abgethon,

damit dem tod genomen

All seyn recht und seyn gewalt,

da bleybt nichts denn tods gestalt,

Die stachel hat er verloren.


Es war eyn wunderlich krieg,

da todt und leben rungen,

Das leben behielt den sieg,

es hat den tod verschlungen.

Die schrifft hat verkundet das,

wie eyn tod den andern fras,

Eyn spott aus dem tod ist worden.


Hie ist das recht Osterlamm,

dauon Gott hat gepotten,

Das ist an des Creutzes stamm

ynn heysser lieb gebrotten,

Des blut zeichnet unser thur,

das hellt der glaub dem tod fur,

Der wurger kan uns nicht ruren.


So feyren wyr dis hoch fest

mit hertzen freud und wonne,

Das uns der Herr scheynen lest,

er ist selber die sonne,

Der durch seyner gnaden glantz

erleucht unser hertzen gantz,

Der sunden nacht ist vergangen.


Wyr essen und leben wol

ynn rechten Ostern fladen,[444]

Der allte saurteyg nicht soll

seyn bey dem wort der gnaden.

Christus will die koste seyn

und speysen die seel alleyn,

Der glaub wil keyns andern leben.

Quelle:
Martin Luther: Werke. 120 Bände, Band 35, Weimar 1888 ff., S. 443-445.
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