
1VND ich sahe / ein Lamb stehen auff dem berg Zion / vnd mit jm hundert vnd vier vnd vierzig tausent1 / die hatten den Namen seines Vaters geschrieben an jrer stirn. 2Vnd höret eine stim vom Himel /als eines grossen Wassers / vnd wie eine stimme eines grossen Donners / vnd die stimme / die ich höret / war als der Harffenspieler / die auff jren harffen spielen. 3Vnd sungen / wie ein new Lied / fur dem stuel / vnd fur den vier Thieren vnd Eltesten / Vnd niemand kund das Lied lernen / On die hundert vnd die vier vnd vierzig tausent / die erkaufft sind von der Erden.4Diese sinds / die mit Weibern nicht befleckt sind /denn sie sind Jungfrawen / vnd folgen dem Lamb nach / wo es hin gehet. Diese sind erkaufft aus den Menschen / zu erstlingen Gotte vnd dem Lamb / 5vnd in jrem Munde ist kein falsches funden / Denn sie sind vnstrefflich fur dem stuel Gottes. [406b]
6VND ich sahe einen Engel fliegen mitten durch den Himel / der hatte ein ewig Euangelium / zu verkündigen denen / die auff Erden sitzen vnd wonen /vnd allen Heiden / vnd Geschlechten / vnd Sprachen /vnd Völckern / 7vnd sprach mit grosser stimme /Fürchtet Gott / vnd gebet jm die Ehre / Denn die zeit seines Gerichts ist komen / vnd betet an / den / der gemacht hat Himel vnd Erden / vnd Meer vnd die Wasserbrunnen.
8VND ein ander Engel folget nach / der sprach /Sie ist gefallen / sie ist gefallen / Babylon / die grosse Stad / Denn sie hat mit dem Wein jrer Hurerey getrencket alle Heiden.
9VND der dritte Engel folget diesem nach / vnd sprach mit grosser stimme / So jemand das Thier anbetet vnd sein Bilde / vnd nimpt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand / 10Der wird von dem Wein des zorns Gottes trincken / der eingeschencket vnd lauter ist in seines zorns Kelch / vnd wird gequelet werden mit fewr vnd schwefel fur den heiligen Engeln / vnd fur dem Lamb. 11Vnd der rauch jrer qual wird auffsteigen von ewigkeit zu ewigkeit / Vnd sie haben keine ruge tag vnd nacht / die das Thier haben angebetet vnd sein Bilde / vnd so jemand hat das Malzeichen seines namens angenomen. 12Hie ist gedult der Heiligen. Hie sind / die da halten die gebot vnd den glauben an Jhesu.
13VND ich höret eine stim vom Himel zu mir sagen / Schreibe / Selig sind die Todten / die in dem HErrn sterben von nu an. Ja / der Geist spricht / das sie rugen von jrer erbeit / Denn jre werck folgen jnen nach.
14Vnd ich sahe / vnd sihe / eine weisse wolcke /vnd auff der wolcken sitzen einen / der gleich war eines menschen Son / der hatte eine güldene Krone auff seinem Heubt / vnd in seiner Hand eine scharffe Sichel2. 15Vnd ein ander Engel gieng aus dem Tempel / vnd schrey mit grosser stimme zu dem / der auff der Wolcken sass / Schlag an mit deiner Sicheln vnd erndte / Denn die zeit zu erndten ist komen / denn die Erndte der erden ist dürre worden. 16Vnd der auff der Wolcken sass / schlug an mit seiner Sicheln an die Erde vnd die erde ward geerndtet.
17VNd ein ander Engel gieng aus dem Tempel im Himel / der hatte eine scharffe Hippen. 18Vnd ein ander Engel gieng aus dem Altar / der hatte macht [407a] vber das fewr / Vnd rieff mit grossem geschrey zu dem / der die scharffe Hippen hatte / vnd sprach /Schlag an mit deiner scharffen Hippen / vnd schneite die Drauben auff erden / denn jre Beer sind reiff. 19Vnd der Engel schlug an mit seiner Hippen an die erden / vnd schneit die Reben der erden / vnd warff sie in die grosse Kelter des zorns Gottes. 20Vnd die Kelter ward ausser der Stad gekeltert / vnd das Blut gieng von der Kelter bis an die zeume der Pferde /durch tausent sechshundert feldwegs.
1 Hie tröstet er die Christen / das solch Weh vnd grewel sol durchs Euangelium gestürtzet werden.
2 Ein furbilde des Gerichts.
Buchempfehlung
Der satirische Roman von Christoph Martin Wieland erscheint 1774 in Fortsetzung in der Zeitschrift »Der Teutsche Merkur«. Wielands Spott zielt auf die kleinbürgerliche Einfalt seiner Zeit. Den Text habe er in einer Stunde des Unmuts geschrieben »wie ich von meinem Mansardenfenster herab die ganze Welt voll Koth und Unrath erblickte und mich an ihr zu rächen entschloß.«
270 Seiten, 9.60 Euro
Buchempfehlung
1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.
396 Seiten, 19.80 Euro