Nr. 253. Der Gemeindewald.

[239] In der Grafschaft Stolberg-Roßla lieget der Gemeindewald. Ehe sich die Grafen zu Stolberg in die drei Linien Stolberg-Stolberg, Stolberg-Wernigerode und Stolberg-Roßla teileten, war einst eine kleine Gräfin verschwunden. Die in der Nähe liegenden Dörfer wurden aufgeboten, um sie zu suchen. Da versammelten sich die Rottleberöder in der Schänke und ließen sich Bratwürste bereiten. Unterdessen wurde das Kind von sieben Gemeinden gesuchet und gefunden, zu welchen Schwenda,[239] Dietersdorf, Wolfsburg, Uftrungen, Görsbach und noch zwei andere gehöreten. Ihnen wurde dafür so viel Wald zugestanden, als eine schwangere Frau an einem Tage auf einem Esel umreiten könne. Diese umritt den jetzigen Gemeindewald. Die Gemeinde Rottleberode wurde aber von dessen Mitbesitze ausgeschlossen, weil sie die junge Gräfin nicht mit gesuchet hatte. Deshalb sagt man noch jetzt: die Rottleberöder verfressen ihr gutes Recht in Bratwürsten.

Quelle:
Heinrich Pröhle: Harzsagen, zum Teil in der Mundart der Gebirgsbewohner. Leipzig 21886, S. 239-240.
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