28. De Kalwerbrad

[268] De Herr Justizrat schickt tau Schlachtermeister Kleinen,

Ob hei em nich tau Ostern einen[268]

Recht fetten Kalwerbraten bringen künn,

Bi em süll grot Gesellschaft sin.

»Ih, ja«, seggt Klein, »dat kümmt woll in de Reih,

Tau Reinbarg, weit ick, stahn noch twei,

Söß Wochen olt un snickenfett,

Un sünd mit säute Melk upfött.

Ja, seggen S' den Herrn Justizrat man,

Ick würd den Braden em besorgen.«


Uns' Slachter Klein, de führt den annern Morgen

Un kümmt tau Reinbarg richtig an

Un geiht taum Buren Becker rin,

Bi den sin Kalwerbraden stünn.

Sei handeln nu un kamen äwerein,

De Bur kriggt Geld, dat Kalw kriggt Klein.

Un as sei mit den Handel p'rat,

Dunn kümmt noch rinne Schauster Draht,

De süht dat Kalw. »Ne, wat för'n Kalw!«

Wenn dat oll Kalw doch sin so wir!

Un hadd hei't ok nich ganz, hadd hei't man halw!

Denn negstens gaww hei Kindelbir,

Dor kunn hei't gor tau prächtig bruken.

Herr Je! Wo wull hei dorin sluken!

Süll hei nich up 'ne fine Ort

Den Slachter maken einen Bort

Un't Kalw em riten ut de Tähnen?

Süll hei dat Kalw nich krigen känen?

Ih, woll! Dor müßt en Dunner rinner slahn!

So geiht dat mit dat Kalw! So möt dat gahn!

Un löppt vörup, all wat hei künn,

Bet in dat Treptowsch Stadtholt rin.


Uns' Slachter sett't sick up den Wagen,

Dat Kalw würd ok herupper dragen,

Un führt denn ok in't Holt herinner.

»Purr! – öh! Wo Dunner, Lüd' un Kinner![269]

Dat is jo woll en nigen Schauh,

De in den Weg dor liggen deiht?

Je, sall'ck em nemen oder liggen laten?

Ih, wat helpt mi en linker Schauh,

Wenn'ck nich den rechten heww dortau!«

Un hei führt wider sine Straten

Un führt en Äuwer rup un führt en Äuwer dal –

»Ne, Dunnerweder, kik doch mal!

Dor liggt de anner Schauh! Der Deuwel hal!

Ja nu! Nu is't 'ne anner Sak!

Nu lohnt sick dat, dat ick taurügg mi mak,

Dat ick den annern halen dauh.

Ne! Wo is't mäglich? En Por nige Schauh!«


Kum is hei furt un achter'n Äuwer hen,

Dunn schüwwt uns' Schauster Draht sick denn

Ganz sachting ut de Dannen vör.

»Süh so, lütt Kälwing! Nu man her!«

Un knapp is de nu in de Dannen rin,

Dunn kümmt uns' Slachter Klein, vergnäugt in sinen Sinn,

Mit sin Por Schauh heranne dragen;

Doch as hei stiggt up sinen Wagen,

Wo – Dunner, Lüchting! – ward em dor!

Dor ward hei nu mit Schrecken wohr,

Dat em sin Kalw taum Düwel gahn.

»Dor möt en Weder rinne slahn!«

Hei rönnt herüm un geiht un löppt

Un horkt un lurt un steiht un röppt:

»Min Kalw! Min Kalw! Min schönes Kalw!«

Hei löppt un rönnt dat Stadtholt halw

Hendörch, hei löppt den Weg taurügg –

Sin Kalw is weg, sin Kalw bliwwt weg.


Hir weit hei sick nich in tau raden.

Wat nu? Hei möt tau't Fest en Braden

Den Herrn Justizrat Schröder bringen,[270]

Hei hett em dat tau fast verspraken;

Hei möt denn doch vör allen Dingen

Tau'n nigen Braden Anstalt maken.

Hei führt tau Bur Beckern t'rügg

Un köfft den tweiten Braden sich

Un lödt den'n up un stiggt ganz nedderslagen

Taum tweitenmal up sinen Wagen

Un kümmt nah't Stadtholt wedder rin.

Dor was dat Flag, wo't irst oll Schauhding stunn;

Hir was't, wo hei den tweiten funn;

Hir was't em mit dat Kalw passiert.

Un as hei noch so höllt, dunn hürt

Hei in den Holt dat düdlich blahren,

Grad as so'n Kalw. »Den Dunner Naren!«

Röppt hei, »dor is dat Kreatur!

Na täuw, nu bün'ck di up de Spur!«


Un wedder in dat Holt herin! Un lockt un röppt

Un söcht un horkt un geiht un löppt,

Ob hei sin schönes Kalw nich dröppt.

Doch all'ns ümsüs, un all'ns vergews!

Hei möt tauletzt mit lange Näs'

Man wedder t'rügg nah sinen Wagen.

Doch as hei dor will ruppe stigen,

Denkt hei, hei sall dat Unglück krigen.

»Dor möt dat Weder rinne slagen!«

Dat tweite Kalw is ok heidi!

»Wo, dit's denn doch mit Hexeri!

Un ok dat dämliche Por Schauh,

Dat halt de Düwel ok dortau!

Un dat üm den Justizrat Schröder?

Un üm sin dämlich Traktement?

Ick heww mi nu de Näs' verbrennt,

Un tweimal gor un dat nich slicht!

Nu kann hei seihn, wo hei en Braden kriggt.«

Quelle:
Fritz Reuter: Gesammelte Werke und Briefe, Band 2, Rostock 1967, S. 268-271.
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