Dritter Auftritt.

[10] Die drey Damen.


DIE DREY DAMEN drohen und rufen zugleich. Papageno!

PAPAGENO. Aha! das geht mich an. – Sieh dich um, Freund!

TAMINO. Wer sind diese Damen?

PAPAGENO. Wer sie eigentlich sind, weis ich selbst nicht. – – Ich weis nur so viel, daß sie mir täglich meine Vögel abnehmen, und mir dafür Wein, Zuckerbrod, und süße Feigen bringen.

TAMINO. Sie sind vermuthlich sehr schön?

PAPAGENO. Ich denke nicht! – denn wenn sie schön wären, würden sie ihre Gesichter nicht bedecken.

DIE DREY DAMEN drohend. Papageno! –

PAPAGENO. Sey still! sie drohen mir schon. – Du fragst, ob sie schön sind, und ich kann dir darauf nichts antworten, als daß ich in meinem Leben nichts Reitzenders sah. – Jetzt werden sie bald wieder gut werden. – –

DIE DREY DAMEN drohend. Papageno![10]

PAPAGENO. Was muß ich denn heute verbrochen haben, daß sie gar so aufgebracht wider mich sind? – Hier, meine Schönen, übergeb' ich meine Vögel.

ERSTE DAME reicht ihm eine schöne Bouteille Wasser. Dafür schickt dir unsre Fürstinn heute zum ersten Mahl statt Wein reines helles Wasser.

ZWEYTE DAME. Und mir befahl sie, daß ich, statt Zuckerbrod, diesen Stein dir überbringen soll. – Ich wünsche, daß er dir wohl bekommen möge.

PAPAGENO. Was? Steine soll ich fressen?

DRITTE DAME. Und statt der süßen Feigen hab' ich die Ehre, dir dieß goldene Schloß vor den Mund zu schlagen. Sie schlägt ihm das Schloß vor.


Papageno Hat seinen Scherz durch Geberden.


ERSTE DAME. Du willst vermuthlich wissen, warum die Fürstinn dich heute so wunderbar bestraft?


Papageno bejaht es.


ZWEYTE DAME. Damit du künftig nie mehr Fremde belügst.

DRITTE DAME. Und daß du nie dich der Heldenthaten rühmst, die andre vollzogen. –

ERSTE DAME. Sag' an! Hast du diese Schlange bekämpft?


[11] Papageno deutet nein.


ZWEYTE DAME. Wer denn also?


Papageno deutet, er wisse es nicht.


DRITTE DAME. Wir waren's, Jüngling, die dich befreyten. – Zittre nicht! dich erwartet Freude und Entzücken. – Hier, dies Gemälde schickt dir die große Fürstinn; es ist das Bildniß ihrer Tochter – findest du, sagte sie, daß diese Züge dir nicht gleichgültig sind, dann ist Glück, Ehr' und Ruhm dein Loos. – Auf Wiedersehen. Geht ab.

ZWEYTE DAME. Adieu, Monsieur Papageno! Geht ab.

ERSTE DAME. Fein nicht zu hastig getrunken! Geht lachend ab.


Papageno hat immer sein stummes Spiel gehabt.


Tamino ist gleich bey Empfang des Bildnisses aufmerksam geworden; seine Liebe nimmt zu, ob er gleich für alle diese Reden taub schien.[12]


Quelle:
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte, von Emanuel Schikaneder, Wien 1791, S. 10-13.
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