46. Die Schlacht auf dem Lechfeld.

[44] Von GeorgRapp. – Um das geschichtliche Ereigniß hat sich die Sage eingefunden.


Es wimmelt schwarz vom Hügel,

Durch Rauch und Brand einher,

Die Flamme weht als Flügel

Falb um das Ungarheer.

Der Lech, er kommt gezogen

Voll Leichen, grimm und bleich,

Die soll er niederwogen

Dem Ungar in sein Reich.


O Augsburg, Augsburg, mitten

In ihrem Schlachtenruf!

Sie kommen angeritten,

Sie traben Huf an Huf;

Sie jagen Mähn' an Mähne,

Nach deiner Pracht gewandt,

Die Pfeile an der Sehne,

Die Pfeile in der Hand.


Der Kaiser Otto kümmert

Sich heut' zum erstenmal,

Daß er im Stahle flimmert

Hinaus zur Todeswahl.

Verlierer und Bezwinger

Hat er ein Leid zum Lohn:

Der Räuberhorden Bringer

Ist sein empörter Sohn.


Drum klagest du so bange,

O alte Stadt, empor,

Im tiefen Orgelklange

Aus deinem Münsterchor.

Nur Einer unverzaget

Stellt sich noch ein für dich:

Als Licht im Dunkel taget

Dein Bischof Udalrich.


Er betet am Altare,

Er ringt, der Gottesmann,

Bis er von Gott erfahre,

Was dich erretten kann.

Dann hat er sich bewehret,

Das Kruzifix gefaßt:

»Jetzt hat er uns erhöret,

Der einst am Kreuz erblaßt!«
[44]

Auf seinem weißen Zelter,

In seiner Priestertracht,

So trägt er den Vergelter

Im Fluge nach der Schlacht.

Und seine Diakone,

Sie fliegen durch die Luft,

Mit dem Posaunentone,

Mit Fahn' und Weihrauchduft.


Da kommt der Herr geflossen

In jede Brust mit Macht,

Da hat er sich ergossen

Als Richter in der Schlacht;

Die Arme seiner Streiter

Mit seinem Arm berührt,

Und weiter, immer weiter

Sie in den Feind geführt.


Den haben sie gelichtet

Und abgehauen gar,

Er liegt umher geschichtet,

Zum Fraß der Rabenschaar.

Vor seines Sohnes Leiche

Der Kaiser Otto steht,

Da hoch aus seinem Reiche

Der Siegesjubel weht.

Quelle:
Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 44-45.
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